1945

 

„Es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“  Walter Ulbricht

 

„Widerstand meint Kampf gegen staatliches Unrecht. Voraussetzung ist, daß der Staat nicht höchster Wert

ist, sondern daß Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung gewogen und möglicherweise zu leicht

befunden werden können.“  Fritz Bauer, kritischer Jurist und Generalstaatsanwalt in Frankfurt/M.

 

08.05. vier alliierte Besatzungszonen westlich der Oder-Neiße-Linie haben (10.1946) ca. 62 Mio. Einwohner

          auf 375 470 qkm (bei Reichsgründung 1871 waren es 550 500 qkm, Aktionen deutscher Eliten von

          1914-18 u. 1939-45 verursachten riesige Menschen- u. Gebietsverluste und Reparationsleistungen)

 

          Neubeginn für deutsche Gerechtigkeit und u.a. auch für drei beispielhafte, gleichaltrige, überlebende

          und noch nicht schulpflichtige deutsche bzw. jüdische Kriegskinder:

          Kind 1 lebt in seiner protestantischen Familie zu Hause in der amerik. Besatzungszone, besucht in

          der BRD das Gymnasium, macht Abitur, studiert, wird Jungsozialist, Beamter, Bürgermeister, Minister-

          präsident, Bundesminister u. hat später ohne eigene Zahlung über DM 20 000 „Ruhegeld-Anspruch“.

          Kind 2 ist seit 02.1945 heimatloser Halbwaise, lebt am 8.5. bis zur Rückkehr des kriegsgefangenen

          Vaters bei fremden Pflegeeltern, danach mit Vater und Adoptivmutter in einer katholischen Familie in

          der sowjetischen Besatzungszone, Sozialisten verweigern dem Kind trotz sehr guter Schulnoten den

          Besuch der DDR-Oberschule, mit 14 Jahren arbeitet das Kind, zahlt Rentenversicherungsbeiträge,

          flieht als Arbeiter in die BRD, macht Jahre nach seinem absolut mittellosem Neubeginn bescheidene

          Karriere, seine Steuern finanzieren u.a. auch das Studium und die hohen Lebenseinkünfte von Kind 1

          Kind 2 erhält NIE Entschädigung und hat später ca. DM 2 000 staatl. Rentenanspruch!  > verfolgte

          Schüler (>10.10.49/ 9./14.11.89/ 5.10.2000/ 12.12.2001).

          Kind 3 ist seit 04.1945 aus einem KZ befreiter besitzloser jüdischer Halbwaise und emigriert mit dem

          Vater nach Israel, macht sein Te'udat Bagrut (israelisches Abitur), studiert dort und später in der DDR.

 

          SBZ; Berlin, aus Moskau kommend beginnt die Gruppe Ulbricht (Fritz Erpenbeck, Richard Gyptner,

          Gustav Gundelach, Walter Köppe, Wolfgang Leonhard, Hans Mahle, Karl Maron, Otto Winzer, Markus

          Wolf) die Arbeit, Gruppe Ackermann am 10.5. in Sachsen, Gruppe Sobottka am 5.7. in Mecklenburg,

          der sowjet. Stadtkommandant Gen. Nicolai Bersarin macht Dr. A. Hermes zum Stadtrat für Ernährung,

          Dänemark; Geltinger Bucht, an Bord „Buéa“, unter Befehlshoheit des Führers der Schnellboote Kom-

          modore Rudolf Petersen verurteilt ein Standgericht unter Vorsitz v. Marine-Stabsrichter Adolf Holzwig

          mit Beisitzern Oberstabsarzt Dr. Hans Georg Bursch und Gefreiten Faustmann im Namen des

          Deutschen Volkes die von Kriegsgerichtsrat Hartger angeklagten Matrosen Fritz Wehrmann, Martin

          Schilling u. Alfred Gail wg. „eines schweren Falles der Fahnenflucht im Felde“ (nach Teilkapitulation

          dt. Truppen in Dänemark hatten sie sich von ihrer Einheit entfernt) zum Tode und den Matrosen Kurt

          Schwalenberg zu 3 Jahren Zuchthaus, die von Kommodore Petersen bestätigten Todesurteile werden

          am 10.5. an Bord vollstreckt u. die Leichen im Meer versenkt (die für die Todesurteile Verantwortlichen

          werden später freigesprochen) (>19.12.57),

          Tschechien; Generalfeldmarschall u. Ritterkreuzträger Ferdinand Schörner verläßt - trotz des eigenen

          „brutalen Durchgreifens gegen vermeintliche Drückeberger, Defätisten und Deserteure“ - in Zivil seine

          Heeresgruppe Mitte um sowjet. Kriegsgefangenschaft zu entgehen (am 15.5. wird er von amerik.

          Truppen gefangen genommen und danach sowjet. Truppen übergeben, am 11.2.1952 wird er in

          Moskau zu zweimal 25 Jahren Erziehungslager verurteilt, bereits 12.1954 entlassen kehrt er in die

          BRD zurück und wird 10.1957 vom LG München I wg. seiner strafbaren Handlungen verurteilt)

          (>11.5.51/ 5.8.55/ 15.10.55/ 15 10.57),

          Tschechien; Terezin, KZ Theresienstadt wird von sowjet. Armee befreit (nur ca. 100 der ca. 15 000

          hier von Deutschen inhaftierten Kinder überlebten das Kriegsende. T. wird nun Lager und Kinderlager

          für Deutsche, die tschech. Betreuer Premsyl Pitter und Olga Fierz retten hier viele dt. Kinder)

09.05. Tschechien; Sokolov/Falkenau, amerik. Truppen befreien das KZ Außenlager im 1938 vom Dt. Reich

          besetzten Sudetengebiet, Falkenaus deutsche Einwohner erhalten beim erzwungenen Bekleiden und

          Bestatten der liegengelassenen toten Zwangsarbeiter eine Lektion in Menschenwürde,

          sowjet. besetztes Danzig-Westpreußen; KZ Stutthof wird von sowjet. Truppen befreit

10.05. BBZ; Flensburg, Generalleutn. u. Konzentrationslager-Inspekteur Richard Glücks begeht Selbstmord,

          BBZ; Flensburg, dt. Kriegsgericht unter Vorsitz von Marineoberstabsrichter Dr. Theodor Constabel ver-

          urteilt Im Namen des Deutschen Volkes den Gefreiten Johann Christian Süß u.a. wg. „Untergrabung

          der Manneszucht" zum Tode, sein Gnadengesuch wird abgelehnt, Konteradmiral Bernhard Rogge

          bestätigt das Urteil (Süß wird am 11.5. erschossen, seine Eltern werden 1952 informiert, Berufssoldat

          Rogge legt 1957 seinen vierten Diensteid ab u. wird Bundesmarine-Konteradmiral, 1958-62 NATO-

          Kommandeur Schleswig-Holstein u. erhält das Bundesverdienstkreuz),

          SBZ; Erich Honecker stellt sich der Gruppe Ulbricht zur Verfügung, er wird beauftragt „Grundlinien für

          die Jugendarbeit der KPD in den nächsten Wochen und Monaten auszuarbeiten“(> 25.6.45/ 10.9.45),

          Norwegen; Standgericht unter Vorsitz des Oberfeldrichters Wilhelm Spies verurteilt im Namen des

          Deutschen Volkes die Soldaten Rudolf Zatsch, Josef Wenzl, Leopold Wickenhauser und Hartmut

          Feyertag zum Tode („die Angeklagten haben…in der Absicht gehandelt, sich der Verpflichtung zum

          Dienst in der Wehrmacht dauernd zu entziehen“, Divisionskommandeur Oberst Remold und General-

          oberst Alfred Jodl bestätigen die Urteile die am 10.5. vollstreckt werden),

          CSR; Pilsen, Reichsstatthalter u. Sudetenland-Gauleiter Konrad Henlein begeht Selbstmord

    05. BBZ; Flensburg, Große Str., Oberleutnant Prof. Dr. Helmut Schelsky (Zitat: „Eine sozialistische Tat ist

          so z. B. die Unfruchtbarmachung von unheilbar belasteten Menschen“, 1932 SA, 1934 SA-Lehrsturm

          Leipzig, 1935 Amt Rosenberg, 1937 NSDAP, 1939 Habilitation, Dozent Königsberg, 1940 Dt. Wissen-

          schaftl. Institut Budapest, 1943 Professor Reichsuni. Straßburg, 1949-53 Direktor Akademie f.Gemein-

          wirtschaft, 1953-65 Soziologie-Professur Uni. Hamburg und Münster, Beirat CDU-Bundesfamilienmin.-

          Sohn Wilhelm Schelsky wird Siemens-Betriebsrat, CDU-Parteitagsredner, Unternehmensberater,

          Lobbyist, Bundesvorsitzender Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger AUB e.V.),

          Leutnant Kurt Wagner, Joachim Leusch u. Flüchtlingsleitstelle Kiel-Mitarbeiter gründen Vermissten-

          Suchdienststelle (>02.1946),

          SBZ; sowjet. NKWD-Lager Nr. 6 Frankfurt/O. (ca. 1 500 Tote), Nr. 3 B.-Hohenschönhausen (ca. 3 000

          Tote) u. Nr.? Weesow (ca. 1000 Tote, NS-Staatsschauspieler/Reichskultursenator/Goebbels-Claqueur

          und späterer Bundesverdienstkreuzträger Gustaf Gründgens wird hier interniert) eröffnet (>2.12.53)

12.05. BBZ Österreich; Kärnten, Beginn gewaltsamer, später als Kriegsverbrechen bezeichnete Repatriation

          von mind. 70 000 kriegsgefangenen Kosaken, Ukrainer, Sowjets, Weissrussen, Kroaten u. Slowenen

          durch brit. Truppen in die UdSSR bzw. Jugoslawien (dort häufig gefoltert u. ermordet) um im Gegen-

          zug die Repatriation von sowjet. Truppen befreiter alliierter Kriegsgefangener zu sichern (>09.1945),

          CSR; Prag, Antifaschist Ferdinand Marek eröffnet Österreich’s Botschaft, am gleichen Tag von ca.

          4 000 Botschaftsflüchtlingen mit hunderten Kindern, die z.T. „schwarze, verrunzelte Affengesichter

          hatten“ besetzt (trotz diplomatischer Immunität von Sowjets verhaftet „stirbt“ Botschafter Marek 1947

          in sowjet. Gefängnis)

13.05. Niederlande; Kriegsgefangenenlager Hembroug/Amsterdam, dt. Kriegsgericht unter Marinestabs-

          richter Wilhelm Köhn u. mit Lagerkommandant Fregattenkapitän Alexander Stein verurteilt im Namen

          des Deutschen Volkes die Deserteure Rainer Beck u. Bruno Dörfer zum Tode, die Verurteilten werden

          am 13.5. mit geliehenen Waffen der das Lager bewachenden Kanadier von 8 dt. Soldaten erschossen

          (12.1997, nach mehr als 52 Jahren, hebt das LG Köln das Todesurteil auf: Als „Halbjude“ habe Beck

          die „Gefahr für sein Leben...ausschließlich durch seine Flucht aus der Marine abwenden können“ -

          ohne diese Entschuldigung wäre er zu Recht umgebracht worden?) (bereits am >19.5.62 erschiessen

          dt. Soldaten wiederum dt. Soldaten)

14.05. CSR; Böhmerwald, der Schriftsteller Wolfgang Paul begegnet Kindern „die nach Hamburg und Berlin

          unterwegs sind, nachdem ihre Lehrer sie im ,Kinderlandverschickungslager’ im Stich ließen und das

          Essen ausging. Die Kinder sind stolz auf ihren Alleingang…“ (ca. 1 000 000 Kinder wurden nach

          Schätzungen in KLV-Lagern von der „Front überollt“ und mussten sich nach Hause oder dem was

          übrig war, durchschlagen)

15.05. polnisch besetzte Provinz Schlesien; 1939-45 dt. besetztes Katowice/Kattowitz, der kath. Bischof

          Stanislaw Adamski fordert Deutsche zum Verlassen von Schlesien auf (>20.7.45)

19.05. ABZ; Dachau, Reichskanzlei-Chef Phillip Bouhler begeht Selbstmord,

          CSR, 1.Benes-Dekret über die Ungültigkeit eigentumsrechtlicher Handlungen und Nationalverwaltung

          der Eigentumswerte der Deutschen usw. (weitere Dekrete 21.6./ 2.8. u.19.9.1945) (>10.7.45)

23.05. BBZ; Flensburg, brit. Truppen verhaften Reichsregierung Dönitz, Admiral Hans Georg v. Friedeburg

          begeht Selbstmord,

          BBZ; Lüneburg, Reichsinnenmin. u. Chef der Dt. Polizei H. Himmler begeht Selbstmord

24.05. Österreich; Salzburg, Generalfeldmarschall Robert Ritter v. Greim begeht Selbstmord,

          der „Beauftragte des Führers für die Geschichtsschreibung des großdeutschen Freiheitskampfes"

          Generalleutnant Walter Scherff begeht in amerik. Kriegsgefangenschaft Selbstmord,

          USA; Washington, Einreise-Bewilligung für erste einhundert deutsche Atom- und Raketenfachleute

25.05. SBZ; Berlin, ex-Berufssoldat, Ritterkreuzträger u. NKFD-Schüler Paul Markgraf wird Polizeipräsident

26.05. USA; „Colliers Weekly Martha Gellhorn’s Deutschland-Bericht „We Were Never Nazis - Niemand ist

          je einer gewesen. Es hat vielleicht ein paar Nazis im nächsten Dorf gegeben…,wir waren…immer als

          Rote verschrien. Oh, die Juden? Tja, es gab eigentlich in dieser Gegend nicht viele.“(>7.6.45/ 1.12.58)

27.05. BBZ; Flensburg, Sanitätswesen-Chef aller Konzentrationslager Dr. Enno Lolling begeht Selbstmord

29.05. Norwegen; Kriegsgericht in Kriegsgefangenenlager unter Vorsitz von Marinestabsrichter Dr. Hans

          Karl Filbinger verurteilt Obergefreiten Kurt Olaf Petzold wegen Gehorsamsverweigerung (er hatte die

          Hoheitsabzeichen an Mütze und Hakenkreuz an Uniform entfernt und einen Befehl im Lager mit den

          Worten verweigert: „Die Zeiten sind jetzt vorbei, ihr habt ausgeschissen, ihr Nazi-Hunde…“) zu sechs

          Monaten Gefängnis (Dr. F. wird am >15.5.60 Innenmin. u. am >16.12.66 Min.-Präs. Baden-Württemb.)

30.05. CSR; Brno/Brünn, „Todesmarsch“ von ca. 30 000 deutschen Zivilisten beginnt (ca. 5 000 Tote)

31.05. Österreich; Weißensee, brit. Truppen verhaften „Aktion Reinhard“-(ca. 2 000 000 in dt. Vernichtungs-

          lagern ermordete Menschen)-Leiter SS- und Polizeiführer Odilo Globocnik, seinen Stellvertreter SS-

          Sturmbannführer Hermann Höfle und seine Lubliner Mitarbeiter SS-Sturmbannführer Georg Michalsen

          und SS-Sturmbannführer Ernst Lerch, G. begeht Selbstmord (Höfle wird 1947 der österreichischen

          Justiz überstellt und 1947 „auf Gelöbnis“ freigelassen, 1951 flieht Höfle nach Auslieferungsbegehren

          Polens, wird 1961 in Salzburg verhaftet und begeht 8.1962 in U-Haft Selbstmord. Lerch wird

          Kaffehausbesitzer in Klagenfurt und Michalsen wird Buchhalter in Hamburg!!!)

01.06. SBZ; Aufstellung von Polizeiverbänden (Deutsche Volkspolizei DVP - bald „Von der Partei geführt.

          Der Arbeiterklasse treu ergeben. Mit der Sowjetunion für immer verbunden.“)

03.06. SBZ; „Altenburger Echo“ „An die Soldaten der Roten Armee! Endlich seid ihr da. Mit heißem Herzen

          haben wir Altenburger Antifaschisten auf den Tag Eurer Ankunft gewartet“ (>7.6.45/ 1./3.7.45/ 3.7.45),

          SBZ; Berlin, Bildung Hauptausschuss „Opfer des Faschismus/OdF“ (die „unter der Hitlerdiktatur

          heldenmütig für die Freiheit des deutschen Volkes kämpften u. Hinterbliebene der von den Faschisten

          ermordeten Helden des deutschen Freiheitskampfes“) u.a. mit Ottomar Geschke, Andreas Hermes,

          Robert Havemann, Gustav Dahrendorf, Heinrich Grüber, Hermann Landwehr, Karl Raddatz, Heinz

          Brandt u. Helmut Bock zur sozialen Opferbetreuung (später VVN) (>3.7.45/ 22.2.47/ 9.2.50/ 20.12.52)

04.06. UdSSR; Moskau, J. Stalin u. W. Molotow führen u.a. mit W. Pieck, W. Ulbricht Deutschlandgespäche

05.06. SBZ, Berlin, die Generale G. Shukow (UdSSR), D. Eisenhower (USA), B, Montgomery (GB) und

          J.-M. de Lattre de Tassigny (F) unterzeichnen „Erklärung in Anbetracht der Niederlage Deutschlands

          und der Übernahme der obersten Regierungsgewalt…“, die „Erklärung zur Übernahme der obersten

          Regierungsgewalt“, die „Feststellung über Kontrollverfahren“ u. „Feststellung über Besatzungszonen“

06.06. Aachen, US-Militärgericht verurteilt zwei Mitglieder der Hitler-Jugend zum Tode,

          Berlin; Gründung „Sowjetische Militäradministration in Deutschland“ SMAD einschl. Abt. Volksbildung

          unter Prof. Pjotr Wassiljewitsch Solotuchin zu deren Sowjetisierung (>9.6.45/ 25.8.45/ 20.1.46),

          Berlin, Gründung „Kammer der Kulturschaffenden“ unter Vorsitz des „Gottbegnadeten“ NS-Künstlers

          u. Schauspielers Paul Wegener, Sekretär ist Wolfgang Harich (der Sohn eines promovierten Literatur-

          wissenschaftlers und Hitler-Jugend Mitgl. erfüllte die politischen Kriterien nationalsozialistischer

          Begabtenförderung, Abitur, Philosophie- u. Germanistikstudium, Wehrmacht, 1944 entfernte er sich

          von der Truppe und versteckte sich, 1945/46 KPD, SED, er erfüllte die politischen Kriterien

          sozialistischer Begabtenförderung, 1946-51 Philosophie- und Literaturwissenschaftsstudium, 1951

          Promotion, Dr. H. wird am >29.11.56 verhaftet, am >7.3 57 verurteilt) (die Kammer wird am 30.4.46

          von den Alliierten aufgelöst) (>8.8.45)

07.06. SBZ; Eugen Hanisch alias Anton Ackermann (KPD) stellt wg. überall auftauchender selbsternannter

          Kommunisten ironisch fest: „es stellte sich heraus, daß es in der Sowjetunion weniger Bolschewiken

          gibt als in Hitler-Deutschland“ (über die Vergasungsanstalt Bernburg/S. in 1945 wird berichtet: „Einige

          Oberpfleger, die früher überzeugte Nationalsozialisten waren, waren plötzlich alte, erfahrene

          Kommunisten.“)

08.06. Vatikan informiert deutschen Botschafter Ernst Freiherr von Weizsäcker seine Mission sei beendet (er

          wird am 26.8.1946 aus dem Vatikanstaat ausgewiesen und alliierten Behörden übergeben)

09.06. SBZ; SMAD-Befehl Nr.1 zur Bildung sowjet. Militäradministration in Deutschland (SMAD, ab 10.1949

          sowjet. Kontrollkommission SKK) mit Marschall Georgi Shukow als Oberkommandierender der sowjet.

          Besatzungstruppen und SMAD-Vors. (>21.10.45)

10.06. SBZ; SMAD-Befehl Nr.2 zur Zulassung antifaschistischer Parteien und Gewerkschaften,

          SBZ; Berlin, ex-NKFD-Mitgl. u. Autor Johannes R. Becher kommt aus Moskau (1950-58 AdV, 1954-58

          Kulturminister) (>25.6.45/ 8.8.45/ 19.4.46/ 08.1949/ 24.3.50/ 26./28.11.50/ 1.5.51/ 30.6.53/ 13.11.54)

11.06. SBZ; KPD-Gründungsaufruf, Parteiprogramm u.a. „Nicht nur Hitler ist schuld an den Verbrechen, die

          an der Menschheit begangen wurden. Ihr Teil Schuld tragen auch die 10 Mio. Deutsche, die 1932 bei

          freien Wahlen für Hitler stimmten, obwohl wir Kommunisten warnten...Ihr Teil Schuld tragen alle jenen

          deutschen Männer und Frauen die willenlos und widerstandslos zusahen, wie Hitler die Macht an sich

          riß...und Hitler folgten“ und „...Säuberung des gesamten Bildungs- u. Erziehungswesens vom faschist.

          u. reaktionärem Unrat. Pflege eines wahrhaft demokrat., fortschrittl. u. freiheitlichen Geistes an allen

          Schulen...Liquidierung des Großgrundbesitzes…“ gez. Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Franz Dahlem,

          Eugen Hanisch alias Anton Ackermann, Gustav Sobottka, Ottomar Geschke, Johannes R. Becher,

          Edwin Hörnle, Hans Jendretzky, Michel Niederkirchner, Hermann Matern, Irene Gärtner, Hans Mahle,

          Berhard Koenen, Martha Arendsee, Otto Winzer, (E. Honecker wird Jugendsekretär beim ZK der KPD)

13.06. SBZ; Bautzen, Landesstrafanstalt, NKWD-Sonderlager Nr. 4 (ca. 12 000 Tote) eröffnet (>14.1.1950),

          SBZ; „Deutsche Volkszeitung -Zentralorgan der KPD“ erscheint, Redaktionsmitgl.: Wolfgang Leonhard

          (07.45-47 Presseabt. KPD/SED-ZK, 1947-49 Dozent SED-Parteihochschule Liebenwalde) (>13.3.49)

14.06. CSR; Vertreibung Sudentendeutscher beginnt (09.45 flieht Dita Glotz mit 6jährigem Sohn Peter aus

          Cheb/Eger zum zuvor geflohenen ex-NSDAP-Mitgl. u. Ehemann in die ABZ, Peter Glotz erfüllt die

          finanziellen Kriterien demokratischer Begabtenförderung im deutschen Rechtsstaat und legt

          1959 das Abitur ab, studiert, 1961 SPD, 1968 Promotion, 1969-70 Konrektor Uni. München, 1970-72

          MdL, 1972-77 MdB, 1974-77 SPD-Bundesbildungsmin. K. Ravens Staatssekr., 1977-81 Senator für

          Wissenschaft, 1981-87 SPD-Bundesgeschäftsführer, 1983-96 MdB, Stiftung Zentrum gegen

          Vertreibungen) (>21./23.6.50/ 11.12.73/ 27.2.92/ 6.9.2000/ 18.5.2002)

15.06. SBZ; SPD-Gründungsaufruf „…Demokratie in Staat und Gemeinde, Sozialismus in Wirtschaft und

          Gesellschaft...Wir begrüßen daher auf das wärmste den Aufruf der KPD vom 11.Juni…Bodenreform

          (Enteignung) ist Beseitigung des verderblichen Einflusses der Junker auf die Geschicke Deutschlands.

          Aus ihren Reihen stammen...die Feinde jeder freiheitlichen Entwicklung...Erziehung der Jugend im

          demokratischen, sozialistischen Geist...Verstaatlichung der Banken, Versicherungsunternehmen und

          Bodenschätze...“ gez.: Max Fechner, Erich Gniffke, Otto Grotewohl, Gustav Dahrendorf, Karl Germer,

          Bernhard Göring, Hermann Harnisch, Helmuth Lehmann, Karl Litke, Otto Meier, Fritz Neubecker,

          Josef Orlopp, Hermann Schlimme, Richard Weimann (>17.6.45/ 3.4.46),

          SBZ; Gewrkschafts-Gründungsaufruf (später Freier Deutscher Gewerkschaftsbund FDGB) gezeichnet:

          Otto Braß, Bernhard Göring, Hermann Schlimme, Paul Walter, Roman Chwalek, Ernst Lemmer, Jakob

          Kaiser, Hans Jendretzky (>20.5.46)

17.06. SBZ; erste Berliner SPD-Funktionärskonferenz mit Grundsatzrede Otto Grotewohl’s

18.06. CSR; Prerov/Prerau, Ermordung von 267 deutschen Zivilisten durch tschechische Miliz

19.06. SBZ; Ulbricht, Hanisch alias Ackermann, Geschke, Jendretzky, Winzer (alle KPD), Grotewohl,

          Gniffke, Dahrendorf, Lehmann, Meier (alle SPD) vereinbaren einstimmig festen Willen zur Zusammen-

          arbeit und „auf die Bildung eigener Jugendorganisationen zu verzichten.“ (>10.9.45), von der SPD

          unterbreitete Vorschläge einer gemeinsamen Organisation werden vom KPD-ZK abgelehnt. Ulbricht:

          „Die Zeit für eine organisatorische Vereinigung ist noch nicht gekommen...“ (>20.12.45),

          ABZ; München, Pastorale Anweisung Kardinal Michael v. Faulhaber an Klerus der Erzdiözese: „Man

          hat wochenlang Vertreter amerikanischer Zeitungen u. amerikanische Soldaten nach Dachau gebracht

          und die Schreckensbilder von dort in Lichtbildern und Filmen festgehalten, um der ganzen Welt bis

          zum letzten Negerdorf die Schmach und Schande des deutschen Volkes vor Augen zu stellen.“

21.06. ABZ; Mainz, Bischof Albert Stohr beklagt bei Papst Pius XII die „radikale Entfernung aller Nazis aus

          der Wirtschaft, den Ämtern, den Berufen...der einzige Befähigungsnachweis zur Besetzung eines

          Amtes scheint der Aufenthalt eines Kandidaten in Dachau oder sonstwo im Gefängnis zu sein.“,

          CSR; 2.Benes-Dekret, Enteignung deutschen Grundbesitzes einschl. ethnischer Säuberung (in den

          Besatzungszonen sind Vertriebene bei nicht-vertriebenen „Herrenrasse“-Angehörigen lange unwill-

          kommen u. werden mit „Zuzugssperren“ abgewiesen) (>10.7.45/ 23.5.49/ 7.10.58/ 6.7.89/ 26.2.96)

25.06. SBZ; I. KPD-Funktionärskonferenz, Walter Ulbricht: „Viele deutsche Rüstungsindustrielle treten

          jetzt in der Toga von Friedensengeln auf...Wir haben keinen Grund den Herren Krupp, Flick, Vögler,

          Hugenberg und Co. nachzutrauern, (ihnen) muß die materielle Basis genommen werden, die es

          ihnen...ermöglichte, den Nazismus zu finanzieren und Deutschland in die Katastrophe zu führen...Wir

          verzichten auf die Schaffung eines kommunistischen Jugendverbandes, denn wir wollen, daß eine

          einheitliche, freie Jugendbewegung entsteht“ (>27./30.5.50),

          SBZ; Berlin, Vertreter des „geistig-kulturellen Lebens“ u.a. Johannes R. Becher, Gustav Dahrendorf,

          Otto Winzer, Rektor Prof. Dr. Eduard Spranger, Paul Wegener, Ferdinand Friedensburg beschliessen

          Gründung des „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ (>4.7.45/ 14.7.45/ 8.8.45),

          SBZ; Berlin, der Abiturient, verfolgte Schüler u. Kriegsinvalide Joachim Lipschitz wird SPD-Mitgl.

          (1946-47 Bezirksverordneter, 1948 Amtsentfernung durch SMAD, danach in West-Berlin Meldestellen-

          leiter für aus politischen Gründen entlassene Ostberliner, 1949-55 Bezirksstadtrat, 1951 Mitgl.

          Abgeordnetenhaus Berlin, 1955-61 Innensenator Berlin)

26.06. BBZ; Köln, Erzbischof Frings erklärt britischen Gouvernor Colonel Hamilton die mangelnde deutsche

          Initiative mit: „Das hängt u.a. zusammen mit der Behandlung der Parteigenossen-Frage. Gerade die

          unternehmenden, tüchtigen Kräfte sind jetzt ausgeschaltet.“,

          SBZ; CDUD-Gründungsaufruf von Ferdinand Friedensburg, Dr. Andreas Hermes, Jakob Kaiser, Otto

          Nuschke, Ernst Lemmer, Prof. Dr. Ferdinand Sauerbruch: „ruft die CDUD aus heißer Liebe zum deut-

          schen Volk die christlichen, demokratischen u. sozialen Kräfte zur Sammlung...Wir verlangen geistige

          und religiöse Gewissensfreiheit...klare Scheidung kirchlicher und staatlicher Aufgaben...Bodenschätze

          in Staatsbesitz...“; Vorsitzende: Dr. Andreas Hermes (1945), Jakob Kaiser (1946-47), Otto Nuschke

          (1948-57), August Bach (1958-66), Gerald Götting(1966-89), Wolfgang Heyl, ex-NSDAP (1989), Dr.

          Lothar de Maizière (1989-90); stellv. Vorsitz.: Georg Dertinger (1952-53), Gerald Götting (1948-49),

          Karl Grobbel (1948-53), Dr. Leo Herwegen (1946-47), Wolfgang Heyl, ex-NSDAP (1971-89), Prof. Dr.

          Hugo Hickmann (1947-50), Ernst Lemmer (1945-47), Dr. Reinhold Lobedanz (1946-50), Dr. Walther

          Schreiber (1945), Max Sefrin (1966-89), Theodor Steltzer (1945), Dr. Heinrich Toeplitz (1966-89);

          Sekr./Präs. Hauptvorstand: August Bach (1950-66), Dr. Helmut Brandt (1948-49), Dr. Gerhard

          Baumgärtel (1984-89), Siegfried Berghaus (1989), Friedrich Burmeister (1954-68), Dietmar Czok

          (1983-89), Georg Dertinger (1948-53), Dr. Gerhard Desczyk (1952-83), Dr. Dieter Eberle (1977-89),

          Ulrich Fahl (1971-89), Prof. Dr. Erich Fascher (1948-50), Gerhard Fischer (1971-89), Fritz Flint (1958-

          77), Werner Franke (1964-87), Wolfgang Frommhold (1987-89), Karl-Friedrich Fuchs (1971-73), Otto-

          Hartmut Fuchs (1972-87), Manfred Gawlik (1989), Hans-Paul Ganter-Gilmans (1952-55), Arnold Gohr

          (1949-64), Gerald Götting (1950-89), Günter Grewe (1960-89), Karl Grobbel (1948-53), Nelly Haalck

          (1958-68), Charlotte Hallscheidt (1952-68), Wolfgang Heyl, ex-NSDAP, (1966-89), August Hillebrandt

          (1948-53), Kurt Höhn, ex-NSDAP (1952-82), Hermann Kalb (1960-89), Dr. Werner Karwath (1964-89),

          Friedrich Kind (1960-77), Franz Kirchner (1970-82), Jürgen Klingbeil (1989), Hans Koch (1974-77),

          Ernst Krell (1953-54), Harald-Dietrich Kühne (1972-82), Willi Leisner (1952), Dr. Reinhold Lobedanz

          (1950-55), Dr. Harald Naumann (1966-87), Adolf Niggemeier (1977-89), Hansjürgen Rösner (1958-

          61), Victor Sandmann (1952-53), Dr. Horst Schönfelder (1987-89), Rudolph Schulze (1954-89), Max

          Sefrin (1956-58), Luitpold Steidle, ex-NSDAP (1950-84), Karin Strangfeld (1987-89), Dr. Heinrich

          Toeplitz (1952-89), Siegfried Trommsdorf (1948-50), Dr. Dietrich Voigtberger (1982-88), Erich Wächter

          (1952-71), Dr. Hans Wiedemann (1953-59), Christine Wieynk (1987-89), Heinz Winkler (1954-58), Dr.

          Günter Wirth (1954-58 u. 1972-89), Eva-Maria Wolf (1987-89), Klaus Wolf (1987-89), Josef Wujciak

          (1952-54), Werner Wünschmann (1965-89), Johannes Zillig (1973-89); Vorsitzende Bezirksvorstände/

          Berlin: Max Reutter (1952-55), Hermann Dropmann (1956-57), Albert Kotulla (1957-58), Fritz Flint

          (1958-60), Karl Burkert (1960-61), Hans-Jürgen Rösner (1961-65), Heinz-Rudolf Hoffmann (1965-78),

          Ursula Raurin-Kutzner (1978-81), Prof. Dr. Dietrich Voigtberger (1981-88), Wolfgang Eckstein (1988-

          89), Siegfried Berghaus (1989-90) / Cottbus: Adolf Maurer (1952-57), Georg-Willi Hein (1954-57), Fritz

          Flint (1957-58), Karl Dölling (1958-86), Karl-Heinz Kretzschmar (1986-90) / Dresden: Max Schmidt

          (1952-53), Friedrich Mayer (1953-58), Karl-Heinz Kretschmar (1986-90) / Erfurt: Hermann Kalb (1952-

          53), Franz Kirchner (1961-70), Werner Behrend (1970-84), Bernhard Schnieber (1984-90) /

          FrankfurtO.: Günter Frölich (1952-54), Günther Haase (1954-61), Ernst Eckart (1961-63), Hermann

          Mock (1963-67), Heinz Hähne (1967-79), Heinz Gulich (1979-84), Werner Zachow (1984-89), Herbert

          Schirmer (1989-90) / Gera: Günter Neumann (1952-54), Günther Grewe (1954-60), Georg Wipler

          (1960-68), Werner Berend (1968-70) Eberhard Sandberg (1970-89), Michael Galley(1989-90) / Halle:

          Josef Wujciak (1952-57), Willy Winkelmann (1957-64), Norbert Kraja (1964-70), Paul Ullmann (1970-

          74), Paul Konitzer (1974-81), Michael Heinemann (1981-90) / Karl-Marx-Stadt: Walter Wagner (1952-

          56), Gotthard Graupner (1956-63), Lothar Fischer (1963-66), Joachim Gelfert (1966-88), Klaus

          Reichenbach (1988-90) / Leipzig: Heinz Kühn (1952-54), Wolfgang Heyl (1954-58), Fritz Karl Bartnig

          (1958-82), Siegfried Berghaus (1982-89), Rolf Rau (1989-90) / Magdeburg: Karl Brossmann (1952-

          60), Ulrich Fahl (1960-71), Werner Biedermann (1971-80), Manfred Gawlik (1980-90) /

          Neubrandenburg: Emma Heinrich (1952-60), Max Christiansen (1960-66), Dieter Lehmann (1966-81),

          Bernd Hillmann (1981-87), Wolfgang Mäder (1987-89) Winfred Vonholt (1990) / Potsdam: Dr. Friedrich

          Kind (1952-89), Christian Seidel (1989-90) / Rostock: Otto Sadler (1952-82), Dieter Klemm (1982-90) /

          Schwerin: Hansjürgen Rösner (1952-58), Hans Koch (1958-80), Bodo Kohagen (1980-82), Lothar

          Moritz (1982-89) / Suhl: Richard Götz (1952-53), Hans Güth (1953-56), Werner Behrend (1956-68),

          Heinz Büttner (1968-70), Bernhard Schnieber (1970-84), Johannes Schimoneck (1984-89);

          Vorsitzende Landesverbände 1990 / Brandenburg: Herbert Schirmer / Mecklenburg: Dr. Günther

          Krause / Sachsen-Anhalt: Gerd Gieß / Sachsen: Klaus Reichenbach / Thüringen: Uwe Ehrich (viele

          aus der jüngeren Geschichte erfüllten die politischen Kriterien sozialistischer Begabten-

          förderung der Diktatur des Proletariats)  > verfolgte Schüler,

          USA; San Francisco, Unterzeichnung der UN-Charta durch 50 Staaten

26.6./8.8. Großbritannien; London, Viermächte-Abkommen/ Londoner Charta/ IMT-Statut von Frankreich

          (Robert Falco), Großbritannien (Sir David Maxwell-Fife / Sir William Jowitt), USA (Robert H. Jackson),

          UdSSR (Iola T. Nikitschenko, Prof. Aaron N.Trainin) vereinbart (Abessinien, Australien, Belgien, Haiti,

          Dänemark, Griechenland, Honduras, Indien, Jugoslawien, Luxemburg, Neuseeland, Niederlande,

          Norwegen, Panama, Paraguay, Polen, Tschechoslowakei, Uruguay, Venezuela treten bei) (>14.11.45)

27.06. Schweden; Kernphysikerin Prof. Dr. Lise Meitner kritisiert in einem Brief an Prof. Dr. Otto Hahn die

          Mitläufer-Mentalität und mangelnde Zivilcourage deutscher Wissenschaftler, u.a. „Ihr habt auch alle für

          Nazi-Deutschland gearbeitet und habt auch nie nur einen passiven Widerstand zu machen versucht.

          Gewiß, um Euer Gewissen los zu kaufen, habt Ihr hier und da einem bedrängten Menschen geholfen,

          aber Millionen unschuldiger Menschen hinmorden lassen, und keinerlei Protest wurde laut…“

28.06. CSR; Teplice nad Metuji, tschechische Truppen vertreiben 58 Deutsche aus ihren Häusern und am

          30.06. erschießen sie 23 von ihnen, in der Mehrzahl Kinder und Frauen > verfolgte Schüler

29.06. ABZ; Mainz, Hirtenbrief d. kath. Bischof Dr. Albert Stohr u.a. „In aller Offenheit und Überzeugung

          bekenne ich vor euch zu unserem, armen, geschlagenen, zerbrochenen, von fremden Mächten über-

          zogenen Vaterland. Für uns Katholiken ist ja die Vaterlandsliebe mehr als ein bloß naturhaftes

          Nationalgefühl. Sie ist uns Willenstugend, deren Gegenstand die von Gott gewollte Bluts- und

          Gesinnungsgemeinschaft aller deutschen Brüder und Schwestern ist…Wir Deutschen haben zwar im

          Augenblick keinen Staat. Unser stolzes Reich ist zerspalten…Aber wir haben doch ein Ideal vor uns

          und hoffen, daß seine Verwirklichung uns über kurz oder lang wieder gelingen wird…Denkt daran, in

          welchem Grad einst das Deutsche Reich Bannerträger des Reichsgedankens war. Wenn es uns auch

          nicht gegeben ist, Zeiten zurückzuführen, da Könige Ehrentitel erstrebten, wie ,Allerchristlichster

          König’ ,Apostolischer König’ ,Verteidiger des Glaubens’, so dürfen wir doch aufschauen zu diesen

          Zeiten heroischer Jugendkraft unseres Volkes und seiner größten Heldentaten…So wurde die christ-

          liche Religion die Grundlage der ganzen geschichtlichen Entwicklung des deutschen Volkes, seiner

          Kultur und seines sittlichen Wesens. Ihr verdankt das deutsche Volk seine höheren geistigen Güter.

          Damit wurde aber auch unser deutsches Vaterland nicht bloß Träger des Reichsgedankens, sondern

          auch Garant der christlichen Einheit, der christlichen Vormacht in Europa. Diesem Ideal träumen wir

          nicht nur nach in der Vergangenheit, sondern wir trauen ihm Wirkkraft zu für Gegenwart und Zukunft.“,

          poln. besetztes Schlesien; Glatz, „Befehl – Laut Anordnung der Regierung der Republik Polen hat die

          gesamte deutsche Bevölkerung das polnische Staatsgebiet zu verlassen…Bei Verlassen des pol- 

          nischen Staatsgebietes dürfen nur 20 kg Gepäck mitgenommen werden. Alle Personen, welche dieser

          Aufforderung nicht nachkommen, werden mit Gewalt entfernt…gez. Der Bevollmächtigte der Pol-

          nischen Regierung für den Bezirk XXIV in Glatz / Die Kommandantur des Polnischen Heeres in Glatz“,

          UdSSR; Moskau, Präs. Benes CSR-Regierung akzeptiert sowjet. Annexion der Karpato-Ukraine

1./3.7. Mecklenburg, Sachsen, Anhalt, Thüringen; amerik. u. brit. Truppen evakuieren bei Rückzug über

          4 000 MitarbeiterInnen der Wehrmachtauskunftsstelle mit einem Teil ihrer Unterlagen sowie Hunderte

          dt. Führungskräfte, z.B. vom IG Farben Werk Schkopau Wehrwirtschaftsführer Wilhelm Biedenkopf mit

          Hitler-Jugend-Mitgl. und Merseburger Oberschüler Kurt jun. (er erfüllte die politischen Kriterien

          nationalsozialistischer Begabtenförderung der Diktatur d. Faschismus, 1949 Abitur, er erfüllt die

          finanziellen Kriterien demokrat. Begabtenförderung im deutschen Rechtsstaat, Jurastudium,

          1958 Promotion, 1973-77 CDU-Generalsekr., 1976-80/87-90 MdB, 1990 Min.-Präs. Sachsen) und den

          Akademiker Ströbele mit Hans-Christian jun. (1959 Abitur, er erfüllt die finanziellen Kriterien demo-

          kratischer Begabtenförderung im deutschen Rechtsstaat, Jurastudium, 1970-75 SPD, 1980 Alter-

          native Liste, 1985 DieGrünen-MdB). Soziales Milieu, polit. Anpassung, Gnade später Geburt u. westl.

          Militärs ersparen beiden christlich erzogenen Kindern sozialistische Bildungsdiskriminierung. Später

          agieren beide als wort- u. schriftgewaltige „Die Ausbeutung der Enkel“-Parteijuristen ungebrochen in

          dt. Tradition persönlicher Solidaritätsdefizite mit gleichalten nichtevakuierten Kriegskindern, die untem

          Banner deutsch-sowjetischer Freundschaft verfolgte Schüler wurden (>1.1.2001/ 8.5.2001/ 2.5.2002)

    07. ABZ/SBZ; Beginn der Operation Paperclip und Overcast, führende deutsche Wissenschaftler und Ex-

          perten lassen sich ,entnazifizieren’ (Wendehälse) u. stellen sich nun auf die Seite der Sieger (wie SS-

          Sturmbannführer u. Raketentechniker Prof. Wernher v. Braun mit 492 Wissenschaftlern, wie Mediziner

          die an Menschenversuchen mitarbeiteten, wie Generalstabschefs Heinz Guderian, Franz Halder und

          Offiziere als Mitarbeiter der US-Army Historical Division, wie Generalmajor Reinhard Gehlen und Mit-

          arbeiter als ,Ostaufklärer’, wie RSHA-Amt VII-Rußlandexperte und Sonderkommando-Leiter Dr. habil.

          Emil Augsburg) (>1.4.1956) - insges. ca. 600 ,helle Köpfe’ gehen mit Angehörigen in die oder arbeiten

          für die USA, Hunderte andere arbeiten in der Folge in Australien u. Großbritannien  - mit der Operation

          Osoaviakhim gehen 1946 Tausende - wie Baron Dr. Manfred v. Ardenne, Dr. Werner Albring, Dr. Hajo

          Eilers, Ing. Erich Hans Apel, Prof. Dr. Helmut Frieser, Ing. Helmut Gröttrup, Prof. Dr. Gustav Hertz, Dr.

          Hans Kehlen, Prof. Dr. Heinz Pose, Dr. Nikolaus Riehl, Dr. Waldemar Schierhorn, Prof. Dr. Peter Adolf

          Thießen, Prof. Dr. Dr. Max Volmer und Regierungsrat Prof. Dr. Carl Friedrich Weiss - ebenfalls für viel

          Geld bis 1955 in die UdSSR (>14.3.46/ 1.7.46/ 30.10.47/ 27.6.54/ 25.3.55/ 6.6.57/ 10./16.7.58),

          ABZ; Kloster Indersdorf b. Dachau, amerik. Truppen errichten für elternlose Displaced Persons Kinder

          im seit 1938 bestehenden NS-Jugenderziehungslager (ab 1944 auch Lager für Zwangsarbeiterinnen-

          Kinder, die hier wie im Kinderlager Rühen/Niedersachsen „starben“) ein UNRRA-Heim, das bis 1948

          ca. 1 000 nicht-jüd. u. jüd. Minderjährige aus ca. 20 Ländern wie Eliz Allacher, Elizabeth Beroux, Nina

          Biwowar, Halina Bryks, Ziesel Brenner, Danielle Canale, Alexander Dranenko, Erwin u. Zoltan Farkas,

          Ingrid de Fouw, Johanna Gmerek, Sinaida Grussman, Erika Grzegorczyk, Martin Hecht, Hildegard

          Haydasch, Sacher Israeler, Lydia Jankowski, Stanislaw Janowski, Marija und Michael Jonscharon,

          Nelli Jussem, Zygmunt Kawczynski, Lazar Kleinmann, Erich Klinge, Theresa Kossok, Ursula Kotula,

          Franz Krewanus, Elfriede Libor, Josef Lichtenstein, Henryk Luczynski, Leokadia Mak, Gisela Magula,

          Ryszard Pierowicz, Roman Przezdziecki, Witold Scibak durchlaufen  > verfolgte Schüler (>24.6.46)

02.07. ABZ; Kaufbeuren, US-Ärzte entdecken funktionstüchtige Euthanasie-Anstalt und frisch verstorbene

          Leichen von denen keine mehr als 32 kg wiegt, ein überlebender 10jähriger wiegt 11 kg (hier hatte

          Direktor Dr. Valentin Faltlhauser eine fett-freie Hungerdiät entwickelt die in 3 Monaten zum Tod führte.

          1945 ist ex-Eglfing-Haar Oberarzt Prof. Dr. Anton Edler v. Braunmühl neuer Kaufbeuren-Anstalts-

          direktor, er bittet die Amerikaner die Morde in bayerischen Anstalten nicht öffentlich zu machen. Am

          30.7.49 verurteilt das Landgericht Augsburg Obermedizinalrat Dr. Faltlhauser wg. Anstiftung zur Bei-

          hilfe zum Totschlag in mind. 300 Fällen im Namen des Volkes zu 3 Jahren Haft)  > verfolgte Schüler

03.07. SBZ; „Thüringer Volkszeitung“ „Wir grüßen die Soldaten der Roten Armee!“,

          SBZ; „Deutsche Volkszeitung -Zentralorgan der KPD“ berichtet über 1.Sitzung des Hauptausschusses

          der „Opfer des Faschismus": „Opfer des Faschismus sind Millionen Menschen, und alle diejenigen, die

          ihr Heim, ihre Wohnung, ihren Besitz verloren haben. Opfer des Faschismus sind die Männer, die

          Soldat werden mußten und in die Bataillone Hitlers eingesetzt wurden, sind alle, die für Hitlers

          verbrecherischen Krieg ihr Leben geben mußten. Opfer des Faschismus sind die Juden, die als Opfer

          des faschistischen Rassenwahns verfolgt und ermordet wurden, sind die Bibelforscher und die

          'Arbeitsvertragssünder'. Aber soweit können wir den Begriff 'Opfer des Faschismus' nicht ziehen. Sie

          haben alle geduldet und Schweres erlitten, aber sie haben nicht gekämpft! Diesen Menschen wird und

          muß im Rahmen der allgemeinen Fürsorge geholfen werden."

04.07. SBZ; Berlin, Manifest des Kulturbund fordert „die Erziehung unseres dt. Volkes im Geist der Wahrheit“

05.07. SBZ; LDPD-Gründungsaufruf (Liberal-Demokratische Partei Deutschlands) „Bekenntnis zu Frieden

          und Freiheit“ u.a.: „…10. Freiheit für jedes religiöse Bekenntnis. Achtung und Schutz für alle Stätten

          der Religionspflege sind uns selbstverständliches Gebot…12. Erneuerung des Unterrichtswesens…

          mit dem Ziele des ungehinderten Aufstiegs der Tüchtigen aus allen Schichten des Volkes.“, 1. Vor-

          sitzender Dr. Wilhelm Külz, weitere Spitzenfunktionäre: Dr. Karl Hamann, Hans-Joachim Heusinger,

          Prof. Hermann Kastner, Dr. Waldemar Koch, Willi-Peter Konzok, Arthur Lieutenant, Gerhard Lindner,

          Dr. Hans Loch, Klaus Lohsse, Martin Maaßen, Dr. Eugen Schiffer  > verfolgte Schüler,

          SBZ; UdSSR stellt den westl. der Oder gelegenen Teil von Stettin unter poln. Verwaltung (>5./6.10.45)

07.07. SBZ; Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommern, Präsident ist Wilhelm Höcker (SPD, 1946 SED),

          SBZ; „Deutsche Volkszeitung“ „Neues Leben - Neue Jugend…Eine einige und freie deutsche Jugend-

          bewegung…ist Wunsch und Ziel aller…Grundlagen dieser Bewegung sind die Jugendausschüsse…

          Dort sind junge Christen, Sozialisten, Demokraten u. Kommunisten…zur gemeinsamen Arbeit vereint“

09.07. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 5, die Kommandeure - Marschall Semjon Iljitsch Bogdanow in Brandenburg,

          General Iwan Iwanowitsch Fedjuninski in Mecklenburg einschl. des außer Stettin westl. der Oder gele-

          genen Vorpommern’s, General Michail Jefimowitsch Katukow in Sachsen, General Wassili Kuznetzow

          in Sachsen-Anhalt, General Tschuikow in Thüringen - der in Provinzen u. Ländern stehenden sowjet.

          Truppen sind erste SMAD-Befehlshaber die u.a. mittels ihrer SMT herrschen (deutscher Terror in der

          UdSSR wurde sowjet. Terror in Deutschland - damals biederten sich einige Sowjets dt. Besatzern an,

          jetzt biedern sich viele Deutsche den Sowjets an)  > verfolgte Schüler (>08.1945/ 5.10.45/ 16.9.55),

          SBZ; Landesverwaltung Sachsen beschliesst Gesetz zur Beschäftigung im öffentlichen Dienst

10.07. polnisch verwaltete dt. Ostgebiete; Min.Präs. E. Osobka-Morawski kündigt ethnische Säuberung aller

          Deutschen aus poln. verwalteten Gebieten u. Enteignung deutschen Grundbesitzes an (z.B. am 14.07;

          Bad Salzbrunn/Schlesien „Sonderbefehl für die deutsche Bevölkerung der Stadt Bad Salzbrunn…Laut

          Befehl der Polnischen Regierung wird befohlen: am 14.Juli 1945 ab 6 bis 9 Uhr wird eine Umsiedlung

          der deutschen Bevölkerung stattfinden…in das Gebiet westlich des Flusses Neisse…jeder darf

          höchstens 20 kg Reisegepäck mitnehmen…kein Transport (Pferde, Kühe, Ochsen, Wagen usw.) wird

          erlaubt…das ganze lebendige und tote Inventar…bleibt als Eigentum der Polnischen Regierung…

          Nichtausführung des Befehls wird mit schärfssten Strafen verfolgt, einschl. Waffengebrauch…“) (in

          allen Besatzungszonen sind Vertriebene bei nicht-vertriebenen Angehörigen der dt. „Herrenrasse“

          häufig und lange unwillkommen - „Die Polacken kommen“ - und werden u.a. mittels „Zuzugssperren“

          abgewiesen) (>15.9.45/ 26.9.45/ 14.2.46/ 23.5.49/ 8.8.49/ 6.7.89/ 26.2.96)

11.07. Berlin, Gründung Interalliierte Kommandantur zur Verwaltung der 4-Sektoren-Stadt (>16.6.48)

14.07. SBZ; Gründung Gemeinsamer Ausschuß (Demokratischer Block) der von der SMAD zugelassenen

          Parteien: KPD=Pieck, Ulbricht, Dahlem, Ackermann, Winzer; SPD=Grotewohl, Gniffke, Dahrendorf,

          Lehmann, Meier; CDUD=Hermes, Dr. Schreiber, Kaiser, Steltzer, Lemmer; LDPD=Koch, Lieutnant,

          Külz, Schiffer verabschiedet Bildung fester ,Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien’

          u. verpflichtet sich zur ,Herstellung voller Rechtssicherheit auf der Grundlage eines demokratischen

          Rechtsstaates’ und ,Sicherung der Freiheit des Geistes u. des Gewissens sowie zur Achtung vor jeder

          religiösen Überzeugung und sittlichen Weltanschauung’  > verfolgte Schüler (>20.12.45/ 16.5.48),

          SBZ; Berlin-Charlottenburg, 1.Bezirksbürgermeister Walter Killian: „Täglich ereigneten sich unzählige

          Vergewaltigungen. Keine Frau konnte der Vergewaltigung entgehen, es sei denn, sie blieb in einem

          Versteck u. rührte sich nicht...Es fällt schwer, sich die Vergewaltigungen in ihrem ganzen Ausmaß

          vorzustellen.“ (>15.10.45/ 30.6.47/ 4.1.49/ 22.2.2002)

16.07. SBZ; Thüringen, ex-KPD-MdR Ernst Busse (1933-45 KZ Lichtenburg u. Buchenwald) wird Innenmin.

          (1950 von Sowjets wg. angebl. Tätigkeit im KZ Buchenwald verhaftet, von SMT verurteilt, stirbt 1952

          im Lager Workuta u. wird am 1.9.56 von der Zentralen Parteikontrolkommission der SED rehabilitiert),

          USA; Alamogordo/ New Mexiko, 1. amerik. Atombombentest (>6.8.45/ 9.8.45/ 12.8.53)

17.7./2.8. SBZ; Potsdam, Konferenz der UdSSR, USA, Großbritannien beschließt im Potsdamer Abkommen

          Ziele alliierter Politik (Umsetzung vom am 30.7. gegründeten, mit Befehlen, Proklamationen, Gesetzen

          arbeitenden Alliierten Kontrollrat; durch die Kriegsaktionen dt. Eliten fallen ca. 113 000 qkm deutscher

          Ostgebiete unter sowjet. und poln. Verwaltung) „Abschnitt III, 7. Das Erziehungswesen in Deutschland

          muß so überwacht werden, daß die nazistischen u. militaristischen Lehren völlig entfernt werden und

          eine erfolgreiche Entwicklung der demokratischen Ideen möglich gemacht wird“ „Abschnitt III, 10…die

          Freiheit der Rede, der Presse und der Religion (wird) gewährt (> verfolgte Schüler), „Abschnitt IV, 1.

          Die Reparationsansprüche der UdSSR sollen durch Entnahmen aus der von der UdSSR besetzten

          Zone…u. aus entsprechenden deutschen Auslandsguthaben befriedigt werden. 2. Die UdSSR wird die

          Reparationsansprüche Polens aus ihrem eigenen Anteil an den Reparationen befriedigen…3. Die Re-

          parationsansprüche d. USA, des Vereinigten Königreiches u. der anderen zu Reparationsforderungen

          berechtigten Länder werden aus den westl. Zonen befriedigt werden…4. In Ergänzung der Reparatio-

          nen, die die UdSSR aus ihrer Besatzungszone erhält, wird die UdSSR zusätzl. aus den westl. Zonen

          erhalten: a) b) 10% derjenigen industriellen Ausrüstung, die für die dt. Friedenswirtschaft unnötig ist…

          Abschnitt IX…b) Die Häupter der drei Regierungen bekräftigen ihre Auffassung, daß die endgültige

          Festlegung der Westgrenze Polens bis zu der Friedenskonferenz zurückgestellt werden soll. Die

          Häupter der drei Regierungen stimmen darin überein, daß bis zur endgültigen Festlegung der West-

          grenze Polens, die früher deutschen Gebiete östlich der Linie, die von der Ostsee unmittelbar westlich

          von Swinemünde…die westliche Neiße entlang bis zur tschechoslowakischen Grenze verläuft…unter

          die Verwaltung des polnischen Staates kommen und in dieser Hinsicht nicht als Teil der sowjetischen

          Besatzungszone in Deutschland betrachtet werden sollen.“ (die USA verbieten Demontagen Anfang

          1946) (>26.7.45/ 8.3.48/ 20.3.48/ 25.1.55/ 28.11.89/ 16.12.92)

18.07. BBZ; Köln, Erzbischof Joseph Frings wird in das britische Hauptquartier geladen und protestiert:

          „Der Vertreter einer Kulturnation hätte meinen Rang respektieren und mich aufsuchen müssen. Eine

          solche Behandlung ist mir in den 3 Jahren, seit ich Bischof bin, noch nicht widerfahren…Auf Grund

          meiner Stellung gebührt mir der Rang und die Ehren eines Generals.“

20.07. ABZ; Gemeinsame Eingabe vom bayrischen Landesbischof Hans Meiser u. Kardinal v. Faulhaber an

          amerikanische Militärregierung in der keine pauschale Verurteilung ehemaliger NSDAP-Genossen und

          von SS-Leuten sowie die Freilassung inhaftierter Bankiers und Industrieller im Namen der Humanität

          gefordert wird („…wie schwer diese Industriellen, zum Teil höheren Alters, unter den Entbehrungen

          der Gefängnisse und ihre Familien unter dieser Trennung zu leiden haben.“),

          Polen; Poznan, Augustyn Kardinal Hlond (1936 Zitat: „Es ist verboten Juden anzugreifen, zusammen-

          zuschlagen, zum Krüppel zu machen oder zu verleumden.“) kehrt nach Exil und Internierung mit

          Vatikan-Vollmachten ausgestattet zurück und beginnt Amtsenthebungen/ ethnische Säuberung von

          deutschen kirchlichen Amtsträgern in den besetzten drei ostdeutschen Diözesen (1950 stellt die kath.

          Kirche Polens fest „daß sowohl die…geschichtlichen(!) und religiösen Gesetze als auch die historische

          Gerechtigkeit verlangen, daß die wiedergewonnenen Westgebiete für immer bei Polen bleiben…(und)

          ein untrennbarer Bestandteil der VR Polen sind…“) (>29.6.46/ 4.7.46/ 12.8.46)

23.07. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 01 betr. Neuorganisation der deutschen Finanz- u. Kreditorgane

25.07. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 11 zur Ablieferung aller Edelmetalle, ausländ. Banknoten, Münzen usw.

26.07. Großbritannien; London, John G. Winant (USA), Georgi Saksin (UdSSR), Ronald I. Campbell (GB) u.

          René Massigli (F) unterzeichnen Alliertes Ergänzungsabkommen über den Beitritt Frankreichs zum

          Protokoll vom 12.9.44 (>4.8.45)

27.07. ABZ; Fulda, kath. Bischof Johannes Baptist Dietz macht Eingabe an amerikanische Militärregierung

          und stellt kirchlichen „Persilschein“ aus, u.a. 90% in Stadt und Land seien „ausgesprochene Gegner“

          der NSDAP gewesen, der Beitritt zur Partei sei oft die einzige Möglichkeit gewesen, einflussreiche

          Stellen nicht völlig in die Hände fanatischer Parteigenossen fallen zu lassen, darum hätten selbst

          Geistliche den Partei-Beitritt angeraten (> Antikommunismus-Dekrete vom 1.7.1949/ 28.7.1950 und

          > verfolgte Schüler?) (>22.2.90),

          SBZ; SMAD-Befehl Nr. 17 zu Gründung von 9 Zentralverwaltungen (Finanzen = Dr. Jürgen Kuczynski,

          Volksbildung = Paul Wandel - beide KPD, Wandel’s Vize wird Erwin Marquardt (SPD), 1945 SED,

          1950 wissenschaftl. Mitarbeiter HU Berlin) (>21.8.45/ 08.1945/ 30.9.45/ 8.12.45/ 20.1.46/ 8.10.46/

          30.6.47/ 22.7.47/ 21.4.48/ 23.5.49/ 10.10.49)

30.07. ABZ; Landesbischof Theophil Wurm macht Eingabe an amerikanische Militärregierung, u.a. viele

          Parteigenossen hätten einen offenen oder heimlichen Kampf gegen das NS-Regime geführt. „Viele

          Nicht-Parteigenossen, die sich heute breit machen, waren einst ohne Halt und Charakter und stellten

          auch als Beamte, die aus irgendeinem Motiv nicht Parteigenossen werden konnten, keineswegs

          immer eine Elite dar.“ Theophil Wurm ist Sohn des Landesbischofs Dr. Hans Wurm, der bereits 1922

          der NSDAP beitrat und in 1946 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wird, weil er einen Fragebogen

          fälscht und seinen NSDAP-Beitritt mit ,1938’ angibt

31.07. SBZ; Berlin, evangelischer Reichsbischof Ludwig Müller begeht Selbstmord,

          CSR; Usti nad Labem/Aussig, Ermordung von mehreren hundert deutschen Zivilisten

04.08. Frankreich stimmt nachträglich dem Potsdamer Abkommen zu

06.08. Japan; Hiroshima, Colonel Paul W. Tibbets „Enola Gay“ wirft die erste amerikan. Atombombe, sie

          tötet u. verwundet ca. 129 558 Menschen, weitere 176 987 werden obdachlos (>9.8.45/ 10.12.46)

08.08. ABZ; München, SPD- u. KPD-Vertreter vereinbaren Bildung bayr. Aktionsgemeinschaft (>3.9.45),

          SBZ; Berlin, Gründungskonferenz „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“, ange-

          schlossen: Dt. Schriftstellerverband, Verband Bildender Künstler, Verband dt. Komponisten,

          Präsidenten: Johannes R. Becher (B. hatte bereits am 25.9.44 in Moskau Pieck, Ulbricht, Schwab,

          Valentin u. Ackermann sein Konzept kulturell-ideologischer KPD-Arbeit im Nachkriegs-Deutschland

          erklärt, während seiner Präsidentschaft ist B. auch Mitglied des ZK der SED, Präsident der Akademie

          der Künste u. Kulturminister, der Kulturbund wird in dieser Zeit Massenorganisation der sozialistischen

          Intelligenz - 250 000 Mitgl., davon 80 000 mit Hochschulabschluß, 1950 hat der Kulturbund 405

          Volkskammer- u. Landtagsmandate), Prof. Dr. Max Burghardt (SED), Dr. Hans Pischner (SED),

          Vizepräs.: Alexander Abusch (SED-ZK), Uwe Berger, Prof. Dr. Theodor Brugsch, Dr. Heinrich Deiters,

          Dr. Ferdinand Friedensburg, Heinrich Gemkow, Prof. Dr. Ernst-Joachim Gießmann (SED), Carl Hofer,

          Hans Jacobus, Bernhard Kellermann, Pfarrer Karl Kleinschmidt (Bund Religiöser Sozialisten), Ernst

          Lemmer, Prof. Dr. Alfred Meusel (SED), Gerhard Rudolf Meyer, Burkart Philipp, Dr. Hans Reichelt,

          Helmut Sakowski, Prof. Dr. Gertrud Sasse (LDPD-Mitgl. im Volkskammer-Ausschuß für Volksbildung),

          Netty Radvanyi geb. Reiling alias Dr. Anna Seghers (SED), Prof. Dr. Rudolf Schick, Dr. Karl-Heinz

          Schulmeister, Gustav Seitz, Luitpold Steidle, Prof. Dr. Johannes Stroux, Eduard Steiger, Erich Wendt

          (Mitglied im Volkskammer-Ausschuß für Volksbildung  >verfolgte Schüler), Paul Wiens, Dr.

          Günther Wirth, Arnold Zweig (>1.9.45/ 04.1947/ 5.7.52/ 1.4.53/ 7.2.58/ 26.10.72) > verfolgte Schüler,

          Großbritannien; London, R. Jackson (USA), R. Falco (F), Lord Jowitt (GB) und I. Nikitchenko (UdSSR)

          unterzeichnen Londoner Abkommen u.a. über ein Internationales Militärtribunal sowie die Auslieferung

          von gegnerischen Kriegsverbrechern an Tatort-Staaten (>14.11.45/1.10.46),

          UdSSR, Kriegserklärung an Japan (gemäß Absprache der Jalta-Konferenz 1945) (>9.8.45)

09.08. japan. besetzte Mandschurai u. Korea, Sachalin, Kurilen; Angriff sowjet. Truppen, Besetzung Nord-

          Korea’s bis 38.Breitengrad (ab 8.9. besetzen amerik. Truppen Süd-Korea bis 38.Breitengrad), dem

          Süden von Sachalin und den Kurilen sowie die ethnische Säuberung von Japanern und vielen Ainu-

          Ureinwohnern aller 1947 von der Russische SFSR annektierten Inseln (>2.9.45/ 25.6.50/ 1.9.83),

          Japan; Nagasaki, zweite amerik. Atombombe tötet und verwundet ca. 66 000 Menschen (am 15.8.

          akzeptiert Japan die Kapitulation) (>2.9.45/ 3.5.46/12.11.48),

          Polen; Verhaftung des kath. Bischof Carl Maria Splett der vom poln. Kardinal Hlond zum Amtsverzicht

          gezwungen wird (Splett wird am 1.2.46 wg. Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Regime zu

          8 Jahren Haft verurteilt, 1953 entlassen kann er 1956 in die BRD ausreisen, 1957 empfängt ihn Papst

          Pius XII, 1960 wird ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen) (>29.6.46/ 12.8.46), 

          SBZ; Berlin-Pankow, Enteignung vieler Hausbesitzer für aus Moskau zurückgekehrte KPD-Kader, die

          sich hier ab 1949 hinter einem 2m-Zaun verbergen (>23.10.56)

10.08. SBZ; NKWD-Lager Nr. 7 Sachsenhausen für ca. 60 000 Deutsche (ca. 15 000 Tote) im KZ eröffnet

12.08. SBZ; NKWD-Lager Nr. 2 Buchenwald (ca. 12 000 Tote) im KZ eröffnet (>15.1.50)

16.08. UdSSR; Moskau, Außenmin. W. M. Molotow und der Ministerpräs. der provisorischen poln. Regierung

          E. Osobka-Morawski unterzeichnen geheimen sowjet.-poln. Grenzvertrag zu sowjet. Inbesitznahme

          von 180 000 qkm polnischer Gebiete entlang der „Curzon-Linie“ und „Aussiedlung“ von ca. 3 500 000

          dort lebender Polen (>5.10.45/ 6.10.45/ 20.11.45/ 8.3.46/ 19.1.47/ 2.4.47/ 9.6.50/ 6.7.50/ 14.9.50/

          17.8.51/ 24.2.62/ 7.6.63/ 8.6.63/ 7.3.64/ 22.3.64/ 7.12.70/ 7.7.75/ 30.5.83/ 12.9.90/ 14.11.90)

17.8./17.11. BBZ; Lüneburg, britisches Militärgericht führt Bergen-Belsen Prozeß gegen Joseph Kramer und

          44 Mitangeklagte, der Prozeß endet mit 30 Schuldsprüchen, Joseph Kramer, Irma Grese, Juana

          Bormann, Wilhelm Dörr, Karl Francioh, Franz Hössler, Dr. Fritz Klein, Anchor Pichen, Franz Stofel,

          Elisabeth Völkenrath und Peter Weingartner werden zum Tode verurteilt und am 13.12.1945 in

          Hameln gehenkt, die anderen Verurteilten erhalten Haftstrafen von 1-15 Jahren

18.08. SBZ; Schwerin, sowjet. Militärtribunal (SMT) unter Major der Justiz Smirnow verurteilt den Bauer

          Hans List wg. Verbrechen gemäß Art. 58-14 des RSFSR-Strafgesetzbuchs wg. Verheimlichung der

          Aussaatfläche im Namen der UdSSR zum Tode und zur Beschlagnahme seines Vermögens

          (SAMD-Chef Generaloberst Iwan Iwanowitsch Fedjuninski - 1967 Kommandeur Warschauer Pakt-

          Truppen - veröffentlicht am 20.8.45 das Urteil)

21.08. SBZ; Aufruf des Verbandes der Lehrer und Erzieher, u.a.: „Lehrer und Erzieher: Unsere große Stunde

          ist gekommen! Auf uns ruht die Verantwortung für die Neu- und Umerziehung der deutschen Jugend,

          die von der Welt erwartet und nach allem was geschehen ist, mit Recht gefordert wird. Lösen wir diese

          Aufgabe, so wird unser deutsches Volk gerettet und mit ihm seine Jugend und Kultur. Lösen wir sie

          nicht, so gehen wir dem sicheren Untergang entgegen…“  > verfolgte Schüler

23.08. ABZ; gemeinsamer Hirtenbrief der kath. Bischofskonferenz Fulda u.a.: „Furchtbares ist schon vor dem

          Krieg in Deutschland und während des Krieges durch Deutsche in besetzten Ländern geschehen. Wir

          beklagen es zutiefst: Viele Deutsche, auch aus unseren Reihen, haben sich von den falschen Lehren

          des Nationalsozialismus betören lassen, sind bei den Verbrechen gegen menschliche Freiheit und

          menschliche Würde gleichgültig geblieben; viele leisteten durch ihre Haltung den Verbrechen

          Vorschub, viele sind selber Verbrecher geworden...Schwere Verantwortung trifft jene, die auf Grund

          Ihrer Stellung wissen konnten, was bei uns vorging, die durch ihren Einfluß solche Verbrechen hätten

          verhindern können und es nicht getan haben…“ (>27.3.1946)

25.08. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 40 zur Vorbereitung der Schulen zum Schulbetrieb am 1.10.45, Verbot v. NS-

          Lehrbüchern, Bekenntnis- u. Privatschulen u. zur Neulehrerrekrutierung (>2.10.45/ 6.12.45/ 15.12.50)

    08. SBZ; Döbeln, „Tagung der kommunistischen Lehrer Sachsens“ dient Positionierung künftiger Kader,

          SBZ; Mühlhausen, Erika Riemann (14 Jahre) malt auf ein Stalin-Bild in ihrer Schule eine Schleife an

          Stalins Bart, ein SMT verurteilt sie zu 10 Jahren Haft (nach 8 Jahren in Sachsenhausen, Bautzen und

          Hoheneck wird sie 01.1954 entlassen und holt 1962 ihren Schulabschluss nach)  > verfolgte Schüler

27.08. ABZ; Treysa/Hessen, ev. Kirchenführerkonferenz mit „Wort an die Gemeinden“: „...wo die Kirche ihre

          Verantwortung ernst nahm, rief sie zu den Geboten Gottes...Man trennte unser Volk von der Kirche.

          Die Öffentlichkeit durfte ihr Wort nicht mehr hören, was sie verkündete erfuhr niemand...“,

          Vatikan; Appell an Allierte keine kath.-kroat. Ustascha-Kriegsgefangenen an Jugoslawien auszuliefern

29.08. SBZ; Landesverwaltg. Mecklenburg erlässt Verordnung betr. politische Bereinigung der Wirtschaft

31.08. FBZ; Bad Schachen, der franz. General Jean-Marie de Lattre de Tassigny entlässt Ex-Gfm. Erwin

          Rommel’s Sohn Manfred aus franz. Kriegsgefangenschaft (im Sept. 1945 veröffentlicht M. R. eine

          eidestattl. Erklärung zum Tod d. Vaters u. dessen letzten Worten über belastende Aussagen der Gen.

          Dr. Hans Speidel, Carl Heinrich v. Stülpnagel und Oberstleutn. Caesar v. Hofacker’s u.a. „Der Führer

          wollte sein Andenken vor dem dt. Volk nicht herabsetzen und gab ihm daher die Chance des

          Freitodes…“, um „die Ehre des Generalfeldmarschalls zu wahren“ schreibt auch Frau Rommel, ihr

          Mann war an Planungen zum 20.Juli nicht beteiligt; Manfred R. macht 1947 Abitur, er erfüllt die

          finanziellen Kriterien demokratischer Begabtenförderung im deutschen Rechtsstaat, studiert

          Jura, der als Hitler-Junge die Konfirmation Verweigernde wird CDU-Mitglied, 1956 Beamter, 1966

          Regierungsdirektor bei CDU-Min.-Präs. Dr. K. Kiesinger’s Innenmin. Dr. H. K. Filbinger, 1974

          Oberbürgermeister Stuttgart, Zitat: „Es gibt Politiker, die das, was sie sagen, glauben. Und es gibt

          solche, die das, was sie sagen, nicht glauben. Gefährlich sind die Ersteren.") (>27.10.77)

01.09. SBZ; Zentralverwaltung f. Volksbildung, Leiter Lehrerbildung ist Dr. Heinrich Deiters (SPD, 1946 SED,

          Sohn Ludwig Deiters erfüllte die politischen Kriterien nationalsozialistischer Begabtenförderung

          und legte 1940 sein Abitur ab, nach Reichsarbeitsdienst, Wehrmacht und Kriegsgefangenschaft wird

          er 1946 SED-Mitgl., erfüllt die politischen Kriterien sozialistischer Begabtenförderung u. studiert

          Architektur, ab 1951Deutsche Bauakademie, 1952-53 Brigadeleiter Stalinstadt/ Eisenhüttenstadt-

          Projekt, 1967 Promotion, 1975 Vaterländ. Verdienstorden) (>04.1947)

02.09. SBZ; Kyritz/Brandenburg, Wilhelm Pieck (KPD) fordert vor Landarbeitern u. Kleinbauern eine rasche

          Bodenreform: „Der den Bauern u. Landarbeitern zugeteilte Boden soll sofort mit der Zuteilung in ihren

          Privatbesitz übergehen. Der Grundgedanke ist, daß möglichst viele kleine selbständige Bauernwirt-

          schaften geschaffen werden…Die KPD hat in ihrem Aktionsprogramm ausdrücklich erklärt, daß der

          Besitz der Großbauernschaft mit etwa 20 bis 50 ha nicht angetastet werden soll...die von Feinden der

          Bodenreform oft kolportierte Behauptung, daß die KPD eine Kollektivierung der Bauernwirtschaften

          herbeiführen will, entbehrt jeder Grundlage…“ (am 3.9. erläßt Provinzialverwaltung v. Sachsen-Anhalt,

          am 6.9. Brandenburg, am 7.9. Mecklenburg, am 11.9. Sachsen u. am 12.9. Thüringen Verordnung zur

          Bodenreform, entschädigungslos enteignet werden mit Hilfe von 52 292 Mitgl. der ca. 10 000 Boden-

          reformkommissionen Flächen über 100 ha, „Grundbesitz der Kriegsverbrecher u. Kriegsschuldigen“ u.

          der „aktiven Verfechter der Nazipartei u. ihrer Gliederungen“; über Aufrufe zur Bildung Landwirtschaft-

          licher Genossenschaften, Vereinigungen der gegenseitigen Bauernhilfe/VdgB, Maschinen-Ausleih-

          Stationen/MAS geht Planung zu zwangskollektivierten Landwirtschaftl. Produktionsgemeinschaften/

          LPG) (>8.9.45/ 30.10.45/ 9./12.7.52/ 2.3.90/ 20.9.90/ 20.12.95),

          Japan; USS Missouri, Unterzeichnung d. Kapitulations-Urkunde durch Außenmin. Mamoru Shigemitsu

          und General Umezu Yoshijiro (>3.5.46/12.11.48),

          Franz.-Indochina; Hanoi, Ho Chi Minh erklärt Vietnam unabhängig (Frankreich lehnt ab)(>8.5./21.7.54)

03.09. ABZ; Frankfurt/M., SPD u. KPD schließen Frankfurter Abkommen zu gemeinsamen Aktionsausschuß,

          SBZ; Provinzialverwaltung Sachsen-Anhalt, 1.Verordnung zu Bodenreform („sozialistische Arisierung“)

04.09. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 49 zur Reorganisation der Justiz „alle Richter, Staatsanwälte und sonstigen

          Justizbediensteten, die zu irgendeinem Zeitpunkt der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen angehört

          haben, auch sogenannte Anwärter, sofort aus dem Dienst zu entfernen“ (>30.10.45/ 17.12.45/ 6.8.47)

05.09. ABZ; Würzburg, Bischof Matthias Ehrenfried macht Eingabe an amerikanische Militärregierung u.a.

          „Es gab tatsächlich Parteigenossen, die den Nazi-Lehren und Methoden fernstanden, ja sogar größere

          Gegner der Partei waren und rühriger gegen die Nazis arbeiteten als viele Nicht-Parteigenossen.“,

          SBZ; SMAD-Befehl Nr. 50, zu Vorbereitung der Hochschulen auf den Beginn des Unterrichts u.a.

          „Säuberung der Universität, insbesondere des Lehrkörpers von allen faschistischen…Elementen,

          Rehabilitierung und Wiedereinsetzung politisch und rassisch verfolgter Hochschullehrer,…neue

          Zulassungsbestimmungen für Studenten unter besonderer Berücksichtigung antifaschistischer Kräfte

          und Werktätiger, die bisher keine Gelegenheit hatten die Hochschulreife auf dem üblichen Wege zu

          erlangen…“  > verfolgte Schüler,

          SBZ; gemeinsam. Aufruf der vier „antifaschistisch-demokratischen“ Parteien für sofortige Bodenreform

08.09. SBZ; KPD-ZK Aufruf zu „Demokratischer Bodenreform“, Beginn völkerrechtswidriger, entschädigungs-

          loser Enteignung von „Großgrundbesitz“ über 100 ha (7160 Betriebe mit 2 517 357 ha + 4537 Betriebe

          unter 100 ha mit 131 742 ha) von „aktiven Faschisten und Kriegsverbrechern“ (Kleines Politischisches

          Wörterbuch) u.a. für völkerrechtswidrig vertriebene ,Umsiedler’) (Bundesverfassungsgerichts-Urteile

          bestätigten Enteignung, die bei Finanzierung der dt. Einheit hilft) (>30.10.45/ 20.9.61/ 20.2.67/ 2.3.90/

          30.1.91/ 18.3.91/ 23.4.91/ 14.7.92/ 4.10.95/ 20.12.95/ 17.6.96/ 21.12.2000/ 28.9.2001/ 25.3.2002),

          SBZ; NKWD-Lager Nr. 10 Fort Zinna/Torgau (ca. 1 500 Tote) eröffnet, später kommen Häftlinge in das

          Seydlitz-Gefängnis Torgau

10.09. SBZ; Berlin, Gründung „Zentraler antifaschistischer Jugendausschuß für die sowjet. Besatzungszone“

          von E. Honecker (KPD) u. Theo Wiechert (SPD) organisiert. Vorsitz. wird E. Honecker, Stellv. ist Edith

          Baumann (SPD) (Gründung von Landesjugendauschüssen folgt) (>7.2.46/ 26.2.46/ 7.3.46/ 8.12.48)

11.9./2.10. Großbritannien; London, 1.(nach-Potsdam)-Treffen des Rates alliierter Außenminister

12.09. ABZ; Heidelberg, „Rhein-Neckar-Zeitung“, Prof. Dr. Gustav Radbruch schreibt u.a. „Wenn die

          Gesetze den Willen zur Gerechtigkeit bewußt verleugnen, z.B. Menschenrechte Menschen nach

          Willkür gewähren oder versagen, dann fehlt diesen Gesetzen die Geltung, dann schuldet ihm das Volk

          keinen Gehorsam, dann müssen auch die Juristen den Mut finden, ihnen den Rechtscharakter abzu-

          sprechen.“  > verfolgte Schüler (>20.12.1945/ 5.12.1952/ 17.8.1990)

13.09. SBZ; Provinzialverwaltg. Sachsen erlässt Verordnung über die politische Säuberung der Wirtschaft

14.09. SBZ; SPD-Tagung mit 3 000 Delegierten, 1. Vors. des ZA der SPD Otto Grotewohl führt aus, daß

          angesichts des Verhaltens der KPD Voraussetzungen zur organischen Verschmelzung noch nicht

          erfüllt seien, zugleich betont er erneut die grundsätzliche Bereitschaft der SPD dazu

    09. BBZ; Leitsätze der CDU-Rheinland und Westfalen: „1. Die Würde des Menschen wird anerkannt.

          2...3...4...5. Die christlichen Kirchen sind Körperschaften öffentliche Rechts. 6...7...8...9. Das natür-

          liche Recht der Eltern auf die Erziehung ihrer Kinder bildet die Grundlage für die weltanschauliche

          Gestaltung des Schulwesens...10. Das kulturelle Schaffen ist frei von staatlichem Zwang. Seine

          Grundlage ist die deutsche, christliche und abendländische Überlieferung...11...12...13...14...15...

          16. Das Ziel der Wirtschaft ist die Bedarfsdeckung des Volkes...Die Vorherrschaft des Großkapitals,

          der privaten Monopole und Konzerne wird beseitigt...17...18...19...20...21. Die Kriegsschäden sind als

          gemeinsame Last auf das ganze Volk umzulegen.“,

          SBZ; NKWD-Lager Nr. 1 Mühlberg/Elbe (ca. 20 000 Häftlinge/ ca. 8 000 Tote) eröffnet (>14.8.48)

15.09. SBZ; Magistrat von Berlin erkennt Erich Honecker als Opfer des Faschismus an (>22.2.47/ 21.2.53),

          SBZ; Gründung Deutsche Zentralverwaltung für Flüchtlingswesen u. Heimkehrer unter Josef Schlaffer

          mit Vizepräs. Michael Tschesno-Hell (ab 10.1945 Dt. Zentralverwaltung für Umsiedler, ab 12.1945 bis

          zur Schließung 1949 unter Rudolf Engel, ab 1947 mit Vizepräs. Philipp Daub (die ca. 4 000 000 in der

          SBZ/DDR ankommenden, überproportional geschädigten Flüchtlinge/Vertriebene/Umsiedler finden -

          wie Bomben-Geschädigte mit Totalverlust - in der SBZ/DDR noch weniger Solidarität als jene in den

          westl. Zonen/BRD, nach 1961 leben nur noch geschätzte 600 000 in der DDR) (>8.8.49/ 10.7.52)

17.09. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 66 annuliert u.a. das Deutsche Beamtengesetz vom 26.1.1937 u. das Gesetz

          zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7.4.1933, Beschäftigte im öffentlichen Dienst sind

          „Mitarbeiter des Staatsapparates“, „Funktionäre“ u. „Kader“, alle mit besonderen Privilegien (das SED-

          Politbüro verabschiedet in 3.1949 das erste Nomenklatursystem, im Laufe der Zeit wird es vom Polit-

          büro horizontal auf Staats-, Wirtschafts-, Massenorganisations- u. Blockparteienapparate und vertikal

          auf mehrere Hierarchie-Ebenen erweitert, 1989 zählen ca. 350 000 Personen zur Nomenklatur)

19.09. ABZ; Proklamation Nr. 2 zur Bildung der „Staaten“ Groß-Hessen, Württemberg-Baden und Bayern

20.09. Alliierter Kontrollrat, Gesetz Nr. 1 u.a. zur Aufhebung des Reichsbürgergesetzes v. 1935 (>10.10.45)

21.09. ABZ; Freiburg, Hirtenbrief d. kath. Erzbischof Dr. Conrad Gröber u.a. „In unseren katholischen

          Kreisen haben wir nur unverhältnismäßig wenige gefunden, die mit innerer Begeisterung dem Ruf zu

          den Waffen folgten…Es lag wirklich ein Stück Martyrium darin, sich für eine Sache in Pflichttreue zu

          opfern, die dem eigenen Wunsch und Willen nicht im mindesten entsprach…Gott weiß es, daß die

          Bischöfe so wenig wie die meisten ihrer Diözesanten vom Allerschlimmsten und Allerscheußlichsten

          etwas wussten, was das Dritte Reich in Gott- und Gewissenlosigkeit verübte oder daß sie nur gerüch-

          teweise davon erfuhren ohne die Möglichkeit zu besitzen, das im Flüsterton Zugetragene auf seinen

          Wahrheitsgehalt nachzuprüfen…Aber keiner von den Bischöfen hat je beweiskräftig erfahren, wie die

          Lager der Juden im Osten aussahen und wie man sie zu Tausenden und Abertausenden in barba-

          rischer Weise misshandelte und am Rande der von den Opfern selbst geschaufelten Massengräbern

          erschoß…Als sie davon, aber nur vom Hörensagen, erfuhren, haben sie soweit es überhaupt möglich,

          dagegen protestiert und in den erlaubten Fristen Lebensmittel in die KZ-Lager geschickt…Die fremden

          Völker mögen es selbst bezeugen, ob die katholischen Bischöfe und die kath. Priester und Gläubigen

          es waren, die sie von der Heimat beraubten, einsperrten und plagten oder ob es die anderen gewesen

          sind, die vom Christentum und einer wahren Menschlichkeit nichts mehr wissen wollten…Ohne sich zu

          rühmen, können die deutschen Bischöfe vor der ganzen Welt gestehen, daß sie auch zum Martyrertod

          bereit gewesen wären…Viele Hunderte von Priestern u. Glaubensgenossen haben bekanntermaßen,

          trotz aller bischöflichen Gegenmaßnahmen in den KZ-Lagern und Gefängnissen geschmachtet und

          zahlreiche sind in diesem furchtbaren Elend vorzeitig gestorben…“

26.09. BBZ; Göttingen, Auffanglager/Grenzdurchgangslager Friedland in 3 Schweineställen u. 10 Zelten er-

          öffnet, 12.1945 durch 19 Blechbaracken ersetzt; bis zu 5000 Menschen tägl., bis 12.1945 über 500000

          (1946 wird Pater Johannes Leppich Lagerpfarrer ehe er ab 1948 bis zu je 40 000 Menschen in Hallen,

          Stadien und auf Plätzen „Ihr religiösen Blindschleichen, ihr Limonadenchristen, ihr Ewigkeitsnieten“

          (>07.1955/ 12.4.90/ 31.8.90) nennt und ihnen „die Leviten liest“; insges. ca. 4 000 000 Vertriebene,

          Flüchtlinge, (Spät-)Aussiedler, Kriegsheimkehrer passieren dieses „Tor der Freiheit“, von 1949-53

          werden die Kinder in einer Lagerschule betreut)  >verfolgte Schüler (>14.2.46/ 31.7.48/ 13.12.55),

          ABZ; Gesetz Nr. 8 für die amerik. Zone u.a. „Die Beschäftigung eines Mitglieds der NSDAP oder einer

          der ihr angeschlossenen Organisationen in geschäftlichen Unternehmungen aller Art, in einer beauf-

          sichtigenden oder leitenden Stellung oder in irgendeiner anderen Stellung als der eines gewöhnlichen

          Arbeiters, ist gesetzwidrig“ (nach heftigsten deutschen Protesten wird die ,Entnazifizierung’ durch sog.

          Spruchkammern ab >5.3.46 Deutschen überlassen, am >18.7.50 ernennt US-Hochkommissar McCloy

          auf weiteres Drängen v. Bundesregierung, Parteien u. Kirchen einen Untersuchungsausschuß der u.a.

          dann auch für die Leiden derer im Lager Friedland ursächlich politisch Mitverantwortlichen amnestiert)

28.09. ABZ; amerik. Militärregierung entlässt den auf Vorschlag Kardinal v. Faulhaber am 28.5. eingesetzten

          bayr. Min.Präs. Dr. jur. Fritz Schäffer wg. dessen Milde zu Nationalsozialisten u. der Entnazifizierungs-

          Denkschrift zur Wiederverwendung „unersetzbarer Beamter“ (ex-Bayerische Volkspartei, kath. CSU-

          Gründungsmitgl., 1949-61 MdB, 1949 61 BRD-Finanz- u. -Justizminister) (>7.6.51/ 11.6.55/ 22.10.65)

29.09. Großbritannien; „The Economist“ über deutsche Kriegskinder „Blickt man von den Kleidern auf die

          Gesichter, so wird deutlich was es heißt, halb verhungert zu sein. Was auffällt, ist nicht die Magerkeit,

          nicht einmal die Müdigkeit, sondern die Gesichtsfarbe. Die Gesichter der Babys in den Kinderwagen

          sind leichenfahl; das Fleisch hat ein wächsernes oder seifenartiges Aussehen. Kleine Kinder sind

          gelb, aber die Zwölfjährigen weisen die Blässe der Erwachsenen auf, außer, wenn sie offenbar durch

          Gelbsucht gefärbt sind.“

    09. UdSSR, ca. 5 000 000 sowjet. Displaced Persons sind z.T. zwangsweise ,heimgeführt’/repatriiert (hier

          werden ca. 150 000 wg. Kollaborationsverdacht hingerichtet und ca. 250 000 nach Sibirien verbannt)

30.09. SBZ; Zentralverwaltung f. Volksbildung erlässt Verordnung über die Zulassung zum Studium; Abt.Ltr.

          f. Hochschulen und Wissenschaft ist Dr. phil. Robert Rompe (KPD, SED, 1951 Nationalpreis, 1953 Dt.

          Akademie d. Wissenschaften, 1958 SED-ZK, 1957-90 Forschungsrat der DDR, 1970 VVO) (>8.10.46)

02.10. Berlin, Bischof Preysing’s Protestschreiben an Marschall Shukow wg. Verbot von Bekenntnisschulen

05.10.(andere Quelle 19.11.) SBZ; abweichend vom Potsdamer Abkommen stellt die UdSSR das westl. der

          Oder-Grenze gelegene Gebiet Kolbitzow - Pölitz - Neuwarp unter poln. Verwaltung (>6.7.50/ 14.11.90)

5./6.10. BBZ; Hannover/Wennigsen, SPD-Reichskonferenz (SBZ-Vertreter Grotewohl sagt West-Delegierten

          u.a. „Ich glaube versprechen zu können, daß wir für Euch die politische Freiheit erkämpfen“ (>19.4.46)

06.10. ABZ; Nürnberg, Reichsärzteführer u. Reichsgesundheitsführer Dr. Leonardo Conti begeht Selbstmord

          BBZ; Köln, Oberbürgermeister Dr. Adenauer wird vom britischen Militärgouverneur John Barraclough

          entlassen, der Brigadier erklärt Dr. A. u.a. „Nach meiner Ansicht haben Sie Ihre Pflicht gegenüber der

          Bevölkerung Kölns nicht erfüllt. Sie werden daher heute aus Ihrem Amt als OBB von Köln entlassen.“,

          SBZ; UdSSR stellt westl. der Oder gelegenes Swinemünde unter poln. Verwaltung (>6.7.50/ 22.5.89)

    10. SBZ; SPD-Landesparteitag Sachsen wählt Otto Buchwitz (ex-schlesischer SPD-MdR u. Befürworter

          einer Vereinigung mit KPD) als Landesvorsitzenden - auf anderen Landesparteitagen sprechen sich

          bekannte SPD-Funktionäre wie Werner Bruschke, Friedrich Ebert (Sohn d. ex-SPD-Vorsitzenden,

          Reichskanzlers u. Reichspräsidenten F. Ebert), ex-MdR Carl Moltmann u. Vorsitzender d. neugegrün-

          deten brandenburgischen SPD, Thüringens Heinrich Hoffmann und andere nachdrücklich für SPD/

          KPD-Zusammenarbeit aus,

          SBZ; Jamlitz, NKWD-Lager Nr. 6 (ex-Frankfurt/O.) auf KZ-Gelände eröffnet (>04.1947),

          SBZ; Weimar, Marktstr. ein sowjet. Oberleutnant betritt ein Friseurgeschäft. Er ist angetrunken

          u. obwohl der an den Vorraum angrenzende Friseursalon dicht besetzt war, riß er das etwa 21jährige

          Kassenmädchen des Geschäfts über den Verkaufstisch u vergewaltigt es. Keiner der anwesenden

          Männer im Friseursalon wagt gegen diesen Offizier einzugreifen

8./15.10. ABZ; Wiesbaden, US-Militärgericht, drei Mitarbeiter der Euthanasie-Anstalt Hadamar werden wg.

          Mordes an über 400 poln. und sowjet. Männern, Frauen u. Kindern zum Tode u. vier MitarbeiterInnen

          werden zu langen Haftstrafen verurteilt (>24.2.47)

10.10. Alliierter Kontrollrat, Gesetz Nr. 2 zu Auflösung/Liquidierung von 62 Naziorganisationen (>27.6.81)

12.10. Berlin, Schreiben des Beraters der amerik. Militärregierung Robert Murphy an US-Regierung u.a.:

          „Allein auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin haben unsere Sanitätsstellen täglich im Durchschnitt zehn

          Menschen gezählt die an Erschöpfung, Unterernährung u. Krankheit gestorben sind. Sieht man das

          Elend und die Verzweiflung dieser Unglücklichen…stellt sich sofort die Erinnerung an Dachau und

          Buchenwald ein. Hier ist Strafe… aber nicht für die Parteibonzen, sondern für Frauen und Kinder…“

15.10. Vatikan; Dispatch No. 451 an US Department of State u.a.: „Frauen von 10 bis 70 Jahren sind

          geschändet worden...Die schlimmsten Verbrechen wurden in der Kurfürstendamm-Gegend in

          Gegenwart von Angehörigen (Ehemännern, Vätern, Müttern, Brüdern) verübt. Im Franziskus-

          Sanatorium wurden Nonnen vergewaltigt, obwohl sie ihren Habitus trugen...Prof. Schüler vom

          Rittberg-Krankenhaus in Lichterfelde brachte seine Frau und Tochter und dann sich selbst ums

          Leben, um die Qual ihrer Vergewaltigung nicht ertragen zu müssen...“ (>6.11.45/ 4.1.49/ 22.2.2002),

          Frankreich; Paris, Hinrichtung v. ex-Min.-Präs. Pierre Laval (Präs. Henri Pétain erhält lebenslänglich,

          wg. Kollaboration mit Deutschen wurden in Frankreich tausende Franzosen spontan und ca. 1 300

          standgerichtlich zum Tode verurteilt, Gen. de Gaulle schreibt von 5 167 Todesurteilen!)

18.10. SBZ; Gemeinsamer Aufruf des ZK der KPD und des Zentralausschusses der SPD zu demokratischer

          Schulreform „An alle Eltern, Lehrer und Hochschullehrer! …War es von jeher schon das Erbübel der

          deutschen Schule, Untertanen statt selbstständig denkende Menschen zu erziehen, so erniedrigte die

          NS-Herrschaft die Schule völlig zur Drillanstalt für den Raubkrieg...Alle…wahrhaft demokratischen

          Kräfte werden…mit uns für folgende Grundforderungen eintreten: 1. Die heranwachsende Generation

          …muß…zum selbstständigen, aufrechten, freiheitlichen und fortschrittlichen Denken und Handeln er-

          zogen werden. 2…3.Alle Bildungsprivilegien einzelner Schichten müssen fallen. Das Ziel…ist…allen

          Befähigten ohne Rücksicht auf Herkunft, Stellung und Vermögen der Eltern der Weg zu den höchsten

          Bildungsstätten des Landes frei gemacht wird…Deutsche Jugend!...Die deutsche Schule muß eine

          Bildungsstätte des gesamten Volkes werden, die jedem Begabten Fortschritt und Aufstieg gewähr-

          leistet und dazu hilft, daß die Welt die Deutschen wieder als Kulturvolk achtet.“ späteres Ergebnis ist:

          Schulzwang, Bildungsdiskriminierung, verfolgte Schüler,

          SBZ; Greußen, erste Verhaftungen von insges. 38 ,Greußener Jungen’ im Alter von 14 bis 25 Jahren

          wg. Flugblatt-Verteilens; Karl Heinz Anders, Richard Anschütz, Karl Bähr, Hermann Beisker, Hans-

          Joachim Biber, Horst Blank, Horst Burghardt, Max Dreißig, Hans Dünkel, Hans Garbe, Fritz Gerlach,

          Hans Götze, Horst Goymann, Siegfried Gräser, Helmuth Henze, Gerhard Hohenstein, Kurt Hüllemann,

          Helmuth Karlstedt, Jürgen Kirmes, Otto Landgraf, Werner Limpert, Wolfgang Mieth, Norbert Müller,

          Rudi Muscho, Herwarth Neubert, Arno Neuschild, Horst Nolde, Hans-Joachim Pfeiffer, Karl-Heinz

          Schaumburg, Joachim Scherzberg, Alfred Sittkus, Paul Stieding, Heinz Trinks, Helmuth Trotzer, Kurt

          Weiß, Harry Zimmermann u. zwei bedeutend Ältere, Richard Bohrloch u. Alfred Hafermalz werden z.T.

          wg. ihrer früheren NSDAP bzw. HJ-Mitgliedschaft von KPD-Mitgl. Willi Koch fälschlich denunziert, sie

          werden gefoltert und trotz erwiesener Unschuld in 7.1946 von Sowjet. Militär Tribunal zu Todesstrafen

          bzw. Arbeitslager zwischen 5 und 15 Jahren verurteilt und im NKWD-Lager Sachsenhausen jahrelang

          inhaftiert (sie wurden selbst dann nicht entlassen als Denunziant Koch wg. erwiesener Unhaltbarkeit

          seiner Anschuldigungen vom LG Weimar verurteilt wird), nur 14 von ihnen kehren lebend zurück/ 1950

          werden am „Tag der Republik“ Karl Heinz Anders, Norbert Müller, Hans Götze u. Joachim Scherzberg

          freigelassen (Präs. W. Pieck’s SED-Staatssekr. Dr. Leo Zuckermann schreibt „Dieser Gnadenerweis

          ist ein Ausdruck der Stärke unserer Republik“. 1952 flieht SED-Mitgl. Dr. jur. Zuckermann in die BRD,

          1995 werden die ersten ,Greußener Jungen’ von der Obersten Militärstaatsanwaltschaft Moskau

          rehabilitiert) (>25.6.1946)  > verfolgte Schüler,

          besetztes Königsberg wird sowjet. Sondermilitärkreis mit ca. 130 000 Deutschen (>6.11.45/ 7.4.46)

19.10. ABZ; „Stuttgarter Erklärung“ d. Rat d. EKD u.a.:„...Wohl haben wir lange Jahre im Namen Jesu Christi

          gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Aus-

          druck gefunden hat; aber wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht

          fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben. Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang

          gemacht werden...“ gez. Landesbischof D. Wurm, Pastor Niemöller, Bischof Dr. Dibelius (>22.4.39),

          Superintendenten Held und Hahn, Pastoren Niesel und Asmussen, Dr. Dr. Heinemann;

          Bischof Schönherr: „...wir von der Bekennenden Kirche waren nur eine kleine Minderheit“ (>7.2.92),

          Prof. Dr. Klaus Scholder: „...zunächst langsam dann nach dem 30.1.1933 immer schneller, faßten die

          Deutschen Christen im deutschen Protestantismus Fuß. Binnen Jahresfrist war es um die

          konsistorialen Kirchenleitungen nahezu überall geschehen. Die Deutschen Christen hatten, ihrem

          politischen Vorbild folgend, die evangelische Kirche erobert...“

          Prof. Dr. Trutz Rendtorff: „Kirche und Widerstandsbewegung decken sich nicht...unter den Akteuren

          und Opfern des Widerstands (bildeten) Theologen und Kirchenleute den mit Abstand geringsten Teil.“

          1950 findet die EKD-Synode ein „Wort zur Schuld an Israel“,

          Großbritannien; „The Times“, Bertrand Russell: „In Osteuropa werden jetzt von unseren Verbündeten

          Massendeportationen in einem unerhörten Ausmaß durchgeführt und man hat offenichtlich die

          Absicht, viele Millionen Deutsche auszulöschen, nicht durch Gas, sondern dadurch, daß man ihnen ihr

          Zuhause und ihre Nahrung nimmt und sie einem, langen schmerzhaften Hungertod ausliefert…Im

          Potsdamer Abkommen wird vorgeschrieben, daß die Ausweisungen von Deutschen in ,geregelter und

          humaner’ Weise durchgeführt werden sollten. Und es ist wohl bekannt…daß diese Bedingung von

          unseren russischen und polnischen Verbündeten nicht beachtet worden ist.“

          Großbritannien; „The Times“, Bertrand Russell: „In Osteuropa werden jetzt von unseren Verbündeten

          Massendeportationen in einem unerhörten Ausmaß durchgeführt und man hat offensichtlich die

          Absicht, viele Millionen Deutsche auszulöschen, nicht durch Gas, sondern dadurch, daß man ihnen ihr

          Zuhause und ihre Nahrung nimmt und sie einem, langen schmerzhaften Hungertod ausliefert…Im

          Potsdamer Abkommen wird vorgeschrieben, daß die Ausweisungen von Deutschen in ,geregelter und

          humaner’ Weise durchgeführt werden sollten. Und es ist wohl bekannt…daß diese Bedingung von

          unseren russischen und polnischen Verbündeten nicht beachtet worden ist.“

20.10. Alliierter Kontrollrat, Proklamation Nr. 3 über „Grundsätze der Gestaltung der Rechtspflege“, u.a.

          „Der Zugang zum Richteramt steht…allen Personen offen, sofern sie die Grundsätze der Demokratie

          anerkennen.“ (>30.10.1945)

21.10. SBZ; Befehl des Obersten Chefs d. SMAD, Marschall G. Shukow, zu Festsetzung von Lebensmittel-

          rationen in Gramm und pro Tag

                                           Brot   Nährmittel   Kartoffeln   Zucker   Marmelade   Fleisch    Fett

          1. Schwerstarbeiter   450         40              500           25            30               40        20

          2. Schwerarbeiter     400          40              400           25            30               40        20

          3. sonst. Arbeiter      350          20              300           20            30               25        10

          4. Angestellte           250          15              300           20             30               20        10

          5. Kinder bis 15 J.    200          10              300           25             30               15        10

          6. übrige Bevölk.      200          10              300           15             30                -           -

          Für die Einstufung der Bevölkerungsgruppen sind Richtlinien herausgegeben. Zu den Bevölkerung-

          gruppen 1 bis 3 gehören auch: Professoren, Prominente in Kunst und Wissenschaft, Ärzte, Personen

          in leitenden Stellungen, Lehrer...Werdende und stillende Mütter erhalten vom 6. Monat an bis zum

          4. Monat nach der Geburt zusätzlich pro Monat 300 g Nährmittel, 300 g Zucker, 100 g Fett, außerdem

          ¼ Liter Milch täglich (>10.7.46)

22.10. ABZ; München, Dr. Ludwig Erhard (parteilos) wird bayr. Wirtschaftsmin. (>21.12.46)

23.10. Berlin, „Berliner Zeitung“ „Der Jugend muß geholfen werden“ „Eines der dringendsten Probleme…ist

          die Jugendfrage…Millionen blieben ohne geregelte Schule…Millionen verloren Heim und Eltern oder

          gerieten mit den KLV-Lagern in das Chaos der zusammenbrechenden Front…“  >verfolgte Schüler

24.10. Norwegen; Hinrichtung von ex-Min.-Präs. Vidkun Quisling (am 10.9. zum Tode verurteilt)

25.10. ABZ; Nürnberg, der ex-Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Robert Ley begeht Selbstmord

26.10. Berlin, Beginn der ,Aktion Storch’ - der Evakuierung unterernährter Berliner Kriegskinder in die BBZ

28.10. Bistum Berlin, Bischof Preysings „Hirtenwort zur religiösen Kindererziehung“ > verfolgte Schüler

29.10. SBZ; Sachsen, 1.Verordnung zur Enteignung von Industriebetrieben „...zur Sicherung der Demokratie

          und des Friedens beschließt die Landesverwaltung Sachsen, die dem Kriegsverbrecher Flick gehören-

          den und in...Sachsen gelegenen Unternehmungen...zu enteignen...Die Überführung in das Eigentum

          des Landes erfolgt ohne Entschädigung...“ (bis 1948 kommt es in der gesamten SBZ zur Enteignung

          von ca. 9 981 Industrie- u. Handwerksbetrieben, Banken, Versicherungen, Läden, Restaurants usw.)

          (>30.10.45/ 8.2.49/ 2.3.90/ 20.9.90)

30.10. Alliierter Kontrollrat, Gesetz Nr. 4 zur „Umgestaltung des deutschen Gerichtswesens“, u.a. „Zwecks

          Durchführung der Umgestaltung des deutschen Gerichtswesens müssen alle früheren Mitglieder der

          Nazi-Partei, die sich aktiv für deren Tätigkeit eingesetzt haben, und alle anderen Personen, die an den

          Strafmethoden des Hitler-Regimes direkten Anteil hatten, ihres Amtes als Richter oder Staatsanwalt

          enthoben werden u. dürfen nicht zu solchen Ämtern zugelassen werden.“ (>28.6.50/ 8.2.51/ 25.8.51/

          2.10.54/ 27.1.56/ 18.1.60/ 4.5.60/ 13.6.61/ 21.3.62/ 14.5.62),

          SBZ; SMAD-Befehle Nr. 124 u. 126 (Art. 48 und 53 der Haager Landkriegsordnung HLKO verletzend)

          über Beschlagnahme u. provisorische Übernahme einiger Eigentumskategorien (entschädigungslos

          enteignet o. beschlagnahmt wird, z.T. mit Hilfe von „Sequesterkommissionen“, Eigentum des Reiches

          u. Preußens, verbotener Organisationen, Eigentum von NSDAP-Amtsleitern, führenden Mitgliedern u.

          einflußreichen Anhängern sowie u.a. Eigentum der Personen die vom sowjet. Militär durch besondere

          Listen oder auf andere Weise bezeichnet werden (insges. ca. 7 000 Betriebe, ca. 4 500 werden in der

          SBZ demontiert u. in die UdSSR abtransportiert, zusammen mit 11 800 km Eisenbahnschienen - zum

          Vergleich: in den Westzonen sind es ca. 670 Betriebe. Für 213 Betriebe wird die UdSSR neuer Eigen-

          tümer („sozialistische Arisierung“), sie heißen Sowjet. Aktiengesellschaften - wie z.B. die SAG Wismut

          zum Abbau 1 000er Tonnen Uran für sowjet. Atomwaffen - und werden 1953 für ca. M 2 550 000 000

          von der DDR zurückgekauft) (>21.5.46/ 5.6.46/ 30.6.46/ 1.12.53/ 20.9.61/ 20.2.67/ 2.3.90/ 31.8.90/

          20.9.90/ 30.1.91/ 18.3.91/ 23.4.91/ 14.7.92/ 4.10.95/ 20.12.95/ 17.6.96/ 21.12.2000/ 18.9.01/ 25.3.02)

    11. USA; New York, Gründung von CARE Cooperative for American Remittances to Europe (02.1946 wird

          die zweite Hilfsorganisation CRALOG Council of Relief Agencies Licensed for Operation in Germany

          ebenfalls von Kirchen, der Heilsarmee, Gewerkschaften u. Wohlfahrtsverbänden gegründet, bis 1960

          werden durch Spenden ca. 10 000 000 Pakete und 320 000 t Hilfsgüter nach Deutschland geschickt)

04.11. SBZ; Berlin, Gemeinsame SPD/KPD Kundgebung zur Schulreform, Reden Max Kreuzigers (SPD), Dr.

          Wilhelm Külzs (LDPD), Eugen Hanisch alias Anton Ackermanns (KPD) u.a. „Wahrzeichen der

          deutschen Schule...war nicht mehr das Buch, das Wahrzeichen...war der Dolch der Hitler-Jugend...“-

          „höhere Bildung war...nicht Anrecht der Begabten aus allen Schichten...sondern Privileg der Reichen...

          dies reaktionäre Bildungsprivileg...soll aus der Welt geschafft werden.“-„Was...religiöse Erziehung...an-

          belangt, sind wir der Meinung, daß dem Elternhaus...nicht der geringste Zwang angetan werden darf.“

06.11. sowjet. verwaltetes Ostpreußen; Königsberg, Tag der Roten Armee, der von den Sowjets eingesetzte

          Bezirksbürgermeister u. Kommunist Hermann Matzkowski berichtete, die Sowjetsoldaten schienen

          sogar Erlaubnis zu jeder Art von Übergriffen erhalten zu haben. „Die Männer wurden verprügelt, die

          meisten Frauen vergewaltigt, so auch meine 71 Jahre alte Mutter, die zu Weihnachten starb.“

          Aleksandr Solschenizyn, sowjetischer Offizier in Ostpreußen schildert später in Preußische Nächte:

          „Zweiundzwanzig, Höringstraße. Noch kein Brand, doch wüst, geplündert.

           Durch die Wand gedämpft – ein Stöhnen: Lebend finde ich noch die Mutter.

           Waren’s viele auf der Matratze? Kompanie? Ein Zug? Was machte es!

           Tochter – Kind noch, gleich getötet. Alles schlicht nach der Parole:

           Nichts vergessen! Nichts verzeih’n! Blut für Blut! – und Zahn für Zahn.

           Wer noch Jungfrau, wird zum Weibe, und die Weiber – Leichen bald,

           Schon vernebelt, Augen blutig, bittet: Töte mich, Soldat!“(>1.5.46/ 06.46/ 4.1.49/ 13.2.74/ 22.2.2002)

09.11. ABZ; Bremen, der norweg. IMT-Berichterstatter Major Herbert Frahm alias Willy Brandt trifft ein - seit

          10.1944 in Schweden von der SAP zur Exil-SPD gewechselt, besucht Parteifreunde und mit SPD-

          Bürgermeister Wilhelm Kaisen‘s Hilfe seine Mutter in Lübeck (>14.11.45/ 17.1.47/ 1.2.48/ 1.7.48) (ein

          anderer IMT-Berichterstatter ist der sowjet. Kontrolloffizier Mark F. Wolf, später MfS-Generaloberst)

9.11./21.12. Frankreich; Paris, Reparationskonferenz mit Albanien, Australien, Ägypten, Belgien, Dänemark,

          Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Indien, Jugoslawien, Kanada, Luxembourg, Neuseeland,

          Niederlande, Norwegen, Südafrika, Tschechoslowakei u. USA (die UdSSR ist nicht vertreten)

10.11. ABZ; Kronberg/Taunus, Päpstliche Mission für Flüchtlinge eröffnet (>16.5.46)

12.11. USA; „TIME“ veröffentlicht mit Überschrift „Sünde ihrer Eltern“ ein Bild dreier deutscher Waisenkinder

          aus Danzig und berichtet „Diese drei deutschen Kinder büßen für die Sünden, die ihre Eltern vielleicht

          begingen. Weggejagt aus einem polnischen Waisenhaus in Danzig, wurden sie in vollgestopften Vieh-

          wagen nach Deutschland ohne ärztliche Betreuung und beinahe ohne Lebensmittel zurückgeschickt.

          Die Polen, deren Kinder vor gar nicht langer Zeit ähnlich aussahen, sind dabei, sämtliche Kranken-

          häuser von Deutschen zu säubern, egal wie krank sie sind. Der Junge, links, ist 9 Jahre alt und wiegt

          18 Kilo und ist zu schwach, um zu stehen. Der Junge in der Mitte ist 12 und wiegt 21 Kilo. Seine

          Schwester, rechts, ist 8 und wiegt 17 Kilo.“  > verfolgte Schüler

14.11./1.10.46 ABZ; Nürnberg, IMT-Hauptkriegsverbrecher-Prozeß gegen Hermann Göring, Wilhelm Keitel,

          Karl Dönitz, Martin Bormann, Dr. Hans Frank, Dr. Wilhelm Frick, Hans Fritzsche, Dr. Robert Ley, Dr.

          Walther Funk, Rudolf Heß, Alfred Jodl, Dr. Ernst Kaltenbrunner, Gustav Krupp v. Bohlen und Halbach,

          Konstantin v. Neurath, Franz v. Papen, Erich Raeder, Joachim v. Ribbentrop, Alfred Rosenberg, Fritz

          Sauckel, Julius Streicher; Dr. Hjalmar Schacht, Baldur v. Schirach, Dr. Arthur Seyß-Inquart und Albert

          Speer; die Richter: Sir Geoffrey Lawrence (GB), Francis A. Biddle (USA), Iola T. Nitischenko (UdSSR),

          Henri Donnedieu de Vabres (F), die Chefankläger: Sir Harley Shawcross (GB), Robert H. Jackson

          (USA), Roman Rudenko (UdSSR), Francoise de Menthon (F); nach 216 Verhandlungstagen in denen

          236 Zeugen gehört u. 38 000 eidesstattliche Versicherungen entgegengenommen werden endet der

          Prozeß mit Todesurteilen gegen Bormann (in Abwesenheit), Frank, Frick, Göring, Jodl, Kaltenbrunner,

          Keitel, v. Ribbentrop, Rosenberg, Sauckel, Seyß-Inquart (vollstreckt am 16.10.46, Göring begeht Stdn.

          zuvor Selbstmord), Haftstrafen von 10 Jahren bis lebenslänglich werden gegen Dönitz, Funk, Heß,

          v. Neurath, Raeder, v. Schirach, Speer verhängt (1966 sind alle außer Heß entlassen >21.5.75, 1987

          begeht Heß in Haft Selbstmord), freigesprochen werden Fritzsche, v. Papen (>24.2.47) u. Dr. Schacht

          (obwohl entscheidend zur dt. Aufrüstung beigetragen und gegen sowjet. Protest, Dr. S. gründet 1953

          die Schacht&Co.-Bank und wird Finanzberater u.a. von Ägypten, Syrien, Libyen, Iran, Brasilien) (die

          BRD erkennt „natürlich“ die Urteile nie als rechtswirksam an) (>3.5.46/ 12.11.48/ 17.9.52/ 30.1.97)

15.11./13.12.1945 Dachau-Prozeß gegen Martin Gottfried Weiß und 39 Angehörige des Lagerpersonals

19.11. ABZ; Denkschrift der Generale: „Das Deutsche Heer von 1920-1940“(!!) von Generalfeldmarschall

          Walther v. Brauchitsch, Generalfeldmarschall Erich v. Manstein, Generaloberst Franz Halder, General

          Walter Warlimont u. General Siegfried Westphal für Nürnberger OKW-Prozeß gegen Wilhelm v. Leeb

          und andere verfasst um „darzulegen, daß das Heer gegen Partei und SS eingestellt gewesen sei,

          nahezu alle wichtigen Entscheidungen Hitlers missbilligt u. gegen Kriegsverbrechen opponiert habe...“

          und verharmlost die Rolle von OKW und OKH im 2.Weltkrieg. („Nicht einer der Verfasser habe sich

          der Verantwortung für sein eigenes Handeln oder Unterlassen gestellt. Dennoch erhoben sie den

          Anspruch, mit ihrer Darstellung eine Pflicht gegenüber den Soldaten des deutschen Heeres zu erfüllen

          u. verbanden ihr Anliegen mit Kritik am militärischen Widerstand gegen Hitler.“ schreibt Militärhistoriker

          Manfred Messerschmidt später; Kunrat v. Hammerstein schreibt „Die Heerführer des 2.Weltkrieges…

          tragen aufgrund ihrer umfassenden Kenntnis der Lage, ihrer Erziehung und ihrer Stellung für das

          Schicksal ihres Volkes eine sehr schwere Verantwortung, die sie nicht auf Hitler abwälzen können.

          Deshalb sollte man keinen Heerführermythos erfinden, um ausgerechnet den Aufbau der neuen

          Wehrmacht zu fördern.“), etliche militär. Führungsschichtangehörige darunter 35 Generale d. Heeres,

          6 Generale d. Luftwaffe, 8 Admirale, 13 Generale d. Waffen-SS u. 5 Generale d. Polizei begingen bei

          Kriegsende Selbstmord (>30.12.47/ 24.8.49/ 19.12.49/ 5./11.10.50/ 8.11.50/ 24.11.67)

23.11. bei seinem Verhör erklärt der 15jährige Sohn von KZ Mauthausen-Kommandant Franz Ziereis: „Zu

          meinem Geburtstag hat mir mein Vater 40 Häftlinge zur Verfügung gestellt, um mich das Schießen zu

          lehren. Ich schoß, bis alle Häftlinge tot auf dem Boden lagen…“,

          SBZ; Dresden, der jüd. - „weil sie ihm in der Zeit der Verfolgung nicht einen Schimmer von Hoffnung“

          gab - am 18.8. aus der ev. Kirche ausgetretene Prof. Dr. Victor Klemperer wird KPD-Mitgl., Abend-

          gymnasiums- u. Volkshochschulleiter (1946 SED, Landesleitung Kulturbund Sachsen, 1947 Professor

          Uni. Greifswald, 1948 Professor Uni. Halle, Zentralvorstand Gesellschaft für dt.-sowjet. Freundschaft,

          1950-58 AdV, Mitgl. Ausschuß für Volksbildung, 1951 Zentralvorstand Vereinigung der Verfolgten des

          Naziregimes, Professor Humboldt-Uni. Berlin, 1953 Mitgl. Akademie der Wissenschaften, 1956 Vater-

          länd. Verdienstorden. Zitate: „Ganz Deutschland zieht Hitler den Kommunisten vor. Und ich sehe

          keinen Unterschied zwischen beiden Bewegungen…Beide sind materialistisch und tyrannisch, beide

          mißachten die Freiheit des Geistes und des Individuums“, Prof. K. bezeichnete den Ausschluß jüd.

          Schüler von dt. Schulen als „eine der ruchlosesten Taten der NSDAP“)  > verfolgte Schüler

30.11. Kontrollratsgesetz Nr. 9 über Beschlagnahme und Kontrolle des Vermögens der IG Farbenindustrie

          (in westl. Besatzungszonen folgt Entflechtung der IG Farben in BASF, Bayer und Hoechst)

01.12. SBZ; Volkszählung, Wohnbevölkerung insges. 16 194 626; von den 1 268 000 Menschen von 18 - 25

          Jahren sind 75% weiblich, von den 25% männl. jungen Menschen war über 1/3 Kriegsverwundete

2./3.12. SBZ; Anna-Magdalena-Bach-Schule Pankow, 1.Delegierten-Treffen der antifaschistischen Zentralen

          u. Landesjugendausschüsse, Motto: „Das Leben ruft die Jugend“; E. Honecker vor Jugendausschuss-

          Leitern u.a.: „Die Verschiedenartigkeit des Glaubens u. des weltanschaulichen Bekenntnisses sind für

          uns kein Grund zu Trennung. Wir sind auf diesem Gebiet für volle Toleranz.“ (einem Mitarbeiter sagt

          E. Honecker u.a. „Wir sind Kommunisten und müssen leider unsere Wünsche den Erfordernissen der

          politischen Situation anpassen. Eine Arbeiterjugendsorganisation würde bedeuten, daß wir noch mehr

          Jugendorganisationen zulassen müssen…Wir müssen an die ganze Jugend heran und denken gar

          nicht daran, einen Teil der Jugend den bürgerlichen Kreisen zu überlassen.“)  > verfolgte Schüler

06.12. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 162 über Teilnahmer an Neulehrer-Kursen (einige wie Gerda v. Billerbeck,

          Helga Kaiser, Armin Neufeld, Karl Roth waren im Nationalsozialismus politisch verfolgte Schüler)

08.12. SBZ; Dt. Verwaltung für Volksbildung beginnt Bildungspolitik-Sowjetisierung u. erlässt im Namen

          Generalleutn. Pjotr W. Solotuchin’s SMAD-Abt. Volksbildung „Grundlegende Hinweise über die Zu-

          lassung zum Studium an Universitäten und Hochschulen“ u.a. durch Notabitur-„Vorstudienanstalten“

          mit vielfach überschrittenem 40% KPD/SED-Teilnehmer-Mindestsoll (Vorläufer der 1949 gegründeten

          Arbeiter- u. Bauernfakultäten mit Abiturabschluß nach 3 Jahren für oft von FDGB-„Betriebsgewerk-

          schaftsleitungen“ der VEB und Kaderkommissionen ausgesuchte Arbeiter u. Bauern; ABF „hatten

          einen wesentlichen Anteil an der Herausbildung einer sozialistischen Intelligenz“, viele schliessen

          1961) > verfolgte Schüler /Bildungsdiskriminierung (>03.1948/ 31.3.49/ 22./26.8.49/ 14.3.50)

8.12./5.4.1946 ABZ; Nürnberger Prozeß gegen Alfried Krupp v. Bohlen und Halbach u. andere Industrielle

14.12. Belgien; Christkönig- und Wallonische Legion-Gründer SS-General Léon Degrelle wird in Abwesen-

          heit zum Tode verurteilt (Caudillo General Francisco Franco gewährt ihm in Spanien Asyl)

16.12./26.12. UdSSR; Moskau, Interimstreffen des Rates alliierter Außenminister

17.12. SBZ; SMAD-Anweisung zur Ausbildung „antifaschistischer“ Volksrichter (Beginn ab 1.2.46) (>2.6.47/

          11.5.51/ 1.3.60/ 13.6.61/ 16.11.95)

20.12. Alliierter Kontrollrat (General Georgi K. Shukow, UdSSR/ General Joseph T. McNarney, USA/ Feld-

          marschall Bernard L. Montgomery, GB/ Generalleutnant Louis Koeltz, F) erlässt Gesetz Nr. 10 über

          „Bestrafung von Personen, die sich Kriegsverbrechen (Gewalttaten oder Vergehen gegen Leib, Leben

          oder Eigentum), Verbrechen gegen Frieden oder gegen Menschlichkeit schuldig gemacht haben“,

          Art. II,1. Jeder der folgenden Tatbestände stellt ein Verbrechen dar: a) Verbrechen gegen den Frieden

          b) Kriegsverbrechen c) Verbrechen gegen die Menschlichkeit…Verfolgung aus politischen, rassischen

          oder religiösen Gründen, ohne Rücksicht darauf, ob sie das nationale Recht des Landes, in welchem

          die Handlung begangen worden ist, verletzen.“ (mit Verjährungsausschluß! Art. II,1.c) wird seither von

          allen regierenden Parteien und Justizbehörden beider deutscher Staaten wissentlich ignoriert) 

          > verfolgte Schüler (>13.9.48/ 1.1.50/ 5.12.52/ 1.9.64/ 28.1.72/ 17.8.90/ 31.8.90/ 6.9.90),

          SBZ; 1.Tagung „Sechziger-Ausschuß“, je 16 Mitglieder des ZA der SPD: u.a. Grotewohl, Dahrendorf,

          Fechner, Lehmann u. des ZK der KPD: u.a. Pieck, Ulbricht, Ackermann, Dahlem. O. Grotewohl (SPD)

          trägt u.a. M. Fechner’s (SPD) Schreiben an W. Ulbricht (KPD) „die ersehnte Eineitsorganisation der

          Arbeiterklasse zu schaffen“ vor, Entschließung: „Die Erweiterung und Vertiefung der Aktionseinheit

          soll den Auftakt zur Verwirklichung der politischen u. organisatorischen Einheit der Arbeiterbewegung,

          d.h. zur Verschmelzung der SPD und der KPD zu einer einheitlichen Partei bilden. Auch über den

          Weg zur Schaffung der Einheitspartei konnte nach lebhafter u. kameradschaftlicher Aussprache weit-

          gehende Übereinstimmung erzielt werden...Die Einheitspartei wird eine unabhängige deutsche

          sozialistische Partei sein...“ (>15.1.46)

20.12./19.2.1948 ABZ; Nürnberger Prozeß wg. Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit auf

          dem Balkan gegen die „Südost-Generale“ Generalfeldmarschälle Wilhelm List u. Maximilian Freiherr v.

          Weichs, Generaloberst Dr. Lothar Rendulic, Generale Hermann Foertsch, Ernst Dehner, Franz

          Böhme, Ernst v. Leyser, Hubert Lanz, Helmut Felmy, Wilhelm Speidel und Generalmajor Kurt Ritter v.

          Geitner; die Urteile: List u. Kuntze lebenslänglich, Dr. Rendulic und Speidel 20 Jahre, Felmy 15 J.,

          Lanz 12 J., Leyser 10 J., Dehner 7 J., Foertsch und v. Geitner Freispruch, Böhme beging am 29.5.47

          Selbstmord und v. Weichs Verfahren wurde wg. seines schlechten Gesundheitszustandes eingestellt,

          1951 werden Dehner, Felmy, Lanz, v. Leyser, Rendulic und Speidel entlassen, 1952 List und 1953

          Kuntze (das Bundesjustizministerium schreibt 1951 z.B. über den amnestierten General Speidel, es

          sei nicht feststellbar „daß General Speidel wg. eines Verbrechens verurteilt worden ist, das auch nach

          deutschem Recht und deutscher Rechtsauffassung zu einer Verurteilung geführt hätte“(!), damit sind

          General Speidels und anderer Verurteilter Pensionsansprüche gesichert)

    12. ABZ; Philosophisch-Theologische Hochschule Freising, kath. Polizeibeamtensohn Joseph Ratzinger

          beginnt Weihnachten das Studium (1947 legt er das Abitur am Chiemsee-Gymnasium Traunstein ab,

          für Mitglieder nationalsozialistischer Jugendorganisationen legt der Vatikan andere Kriterien an als für

          Mitglieder sozialistischer Jugendorganisationen, 1953 Promotion, 1957 Habilitation, 1977 Berufung

          zum Kardinal) (>28.7.50/ 29.6.51/ 20.12.85/ 8.10.88/ 29.12.2000/ 5.2.2001)  > verfolgte Schüler,

          SBZ; Eisenach, 33 Jugendliche (Schüler, Lehrlinge – die Jüngsten 15 J.) werden als „Werwolf-

          Verdächtige“ verhaftet, ein sowjet. Militärtribunal (SMT) verurteilt die Jugendlichen im Namen der

          Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken willkürlich zu Todes- bzw. hohen Freiheitsstrafen, von acht

          ist bekannt, daß sie erschossen wurden, vierzehn sterben im Gefängnis Weimar  > verfolgte Schüler

29.12./5.1.46 SBZ; Wittenberge, Beginn einer Verhaftungswelle von 29 Schülerinnen und Schülern von 12 -

          18 Jahren, nach Folterung werden Klaus Adlung, Walter Andresen, Alfred Braband, Gisela Dohrmann

          (15jährig), Bruno Flügge, Irmgard Flügge, Horst Henning, Horst Hinze, Günter Holz, Arthur Jüngling,

          Anneliese Ilgeroth, Horst Klepel, Karin Klinger, Ursula Klinger, Herbert Klisch, Berta Milcke, Günter

          Milcke, Horst Neuendorf, Horst Peters, Hans Schoof, Günter Schulz, Helga Stubbenhagen, Bernhard

          Tittel, Egon Teichmann, Erich Radke, Bodo Wegner, Hans Wegner, Hans Werner u. Fritz Werner am

          9.2.46 vom sowjet. Militärtribunal (SMT) Brandenburg in Geheimprozeß wg. Verbrechen nach

          Art. 58-2/11 des sowjet. StGB (Ablehnung antifaschistischer Jugendorganisation und Bildung einer

          konterrevolutionären Organisation) verurteilt - 7 Jugendliche zum Tode (3 Urteile werden vollstreckt)

          und 21 Jugendliche zu je 10 Jahren u. einen Schüler zu 7 Jahren Arbeitslager (er verhungert im

          NKWD-Lager Sachsenhausen, Gisela Dohrmann kommt nach 4 Jahren Haft in Brandenburg/Havel,

          Perleberg, Alt-Strelitz und im Lager Sachsenhausen frei)  > verfolgte Schüler (am 7.2.95 werden alle,

          einschl. der Erschossenen, von der Militärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitiert),

          SBZ; von den im Januar ’45 an den Universitäten Berlin, Jena, Halle, Leipzig, Greifswald und Rostock

          tätigen 1 260 Professoren der NS-Zeit sind 931 in die westlichen Besatzungszonen abgewandert

1946

03.01. SBZ; Wilhelm Pieck’s (KPD) 70.Geburtstagsfeier; Otto Grotewohls (SPD) Grußadresse u.a.: „...so

          haben wir etwas...von Herzen Kommendes zu überreichen, nämlich Dir, lieber Wilhelm Pieck, einen

          Händedruck, der nicht nur für heute Bedeutung haben soll...diese Hände, die sich heute hier gegen-

          seitig ergriffen haben, werden niemals wieder gelöst werden...Garanten dafür sein, daß die Einigkeit

          der Arbeiterklasse niemals mehr gestört wird...Blut will zu Blut.“ (>3.1.48)

05.01. polnisch-sowjet. verwaltete dt. Ostgebiete; NKWD-Lager Landsberg/Warthe wird aufgelöst, ca. 3 000

          Häftlinge starben, Überlebende kommen in das NKWD-Lager Nr. 2 Buchenwald (>15.1.1950)

12.01. Alliierter Kontrollrat, Direktive Nr. 24 zu „Entfernung von Nationalsozialisten und Personen, die den

          Bestrebungen der Alliierten feindlich gegenüber stehen, aus Ämtern und verantwortlichen Stellungen“,

          SBZ; Max Fechner (SPD): „Es wird in anderen Teilen Deutschlands als selbstverständlich vorausge-

          setzt, daß die SPD im russischen Okkupationsgebiet nicht frei und unabhängig in ihren Entschlüssen

          sei. Wir versichern dagegen, daß diese Annahmen auf böswilligen Informationen beruhen, die...offen-

          sichtlich...die Einheit der Arbeiterklasse (verhindern sollen)“

14.01. Gesetz des Alliierten Kontrollrats erlaubt Verpflichtung von Frauen für Enttrümmerungsarbeiten

          („Trümmerfrauen“ erhalten in der SBZ RM 1,08 Stundenlohn - „Trümmermänner“ RM 1,20) (>10.7.46)

15.01. SBZ, Berlin, 1.Studienkommission-Beratung zur Vorbereitung sozialistischer Einheitspartei, KPD-

          Kommissionäre: Pieck, Ulbricht, Ackermann, Dahlem, SPD-Kommissionäre: Grotewohl, Dahrendorf,

          Fechner, Lehmann. Erste Maßnahme ist Gründung gemeinsamen Verlages für „Einheit - Monatsschrift

          zur Vorbereitung der Sozialistischen Einheitspartei“ (>8.2.46),

          Tibet; Lhasa, nach Flucht aus ca. 4½ jähriger brit. Internierung in Indien treffen die Bergsteiger Peter

          Aufschnaiter und Heinrich Harrer hier ein (bis 1950 arbeiten sie für Regierung und Dalai Lama, dann

          fliehen sie vor den chines. Truppen aus Tibet. Der Film „Sieben Jahre in Tibet“ mit Brad Pitt behandelt

          das Thema wie auch NSDAP-Mitgl. Nr. 6 307 081 Harrer’s gleichnamiges Buch) (>7.10.50)

17.01. Alliierter Kontrollrat, Befehl Nr. 3 zu Meldepflicht aller Frauen von 15-60 u. Männer von 14-65 Jahren

18.01. Bischof von Berlin Graf v. Preysing’s Leumundszeugnis (Persilschein) für Dr. jur. Hans Globke u.a.

          „Herr Ministerialrat Dr. Hans Globke ist mir persönlich bekannt. Ich achte ihn als einen überzeugten

          katholischen Christen, dessen Leben und Handeln von den Grundsätzen des katholischen Glaubens

          bestimmt war. Er hat die Gefahren u. Irrtümer des Nationalsozialismus richtig eingeschätzt und verur-

          teilt…war stets bemüht, Übergriffe, Ungerechtigkeiten u. Gewaltakte…zu verhindern…ist allen Nicht-

          beteiligten unbekannt…was die Juden in Deutschland Herrn Dr. G. zu verdanken haben.“ (>10.1949)

20.01. SBZ; Berlin, Wiedereröffnung d. Humboldt-Universität (spätere DDR-Kaderschmiede), Paul Wandel

          (KPD) dankt in seiner Rede „vor allen Dingen Generalleutnant Smirnow und Herrn Solotuchin, Leiter

          der Volksbildungsabt. bei der Sowjetischen Militärverwaltung.“ (Prof. Konstantin Mitropolski leitet die

          Abt. Schule der Volksbildungsabt. während Major Pjotr Nikitin die Abt. Hochschulen und Wissenschaft

          der Volksbildungsabt. leitet) Bildungsdiskriminierung > verfolgte Schüler (>10.1.47)

26.1./3.2. UdSSR; Riga, SMT verurteilt mehrere hohe deutsche Offiziere wg. Kriegsverbrechen zum Tode

30.01. Alliierter Kontrollrat erläßt Gesetz Nr. 11 zur Aufhebung einzelner Bestimmungen des dt. Strafrechts

07.02. SBZ; Berlin, KPD-ZK- und SPD-ZR-Vertreter vereinbaren „Ziele…einheitlichen Jugendorganisation“,

          West-Berlin; Gründung von DIAS (Drahtfunk im amerik. Sektor), Übertragung über Tel. Nr. 23,

          (9.46 Umbenennung in RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) „Eine freie Stimme in einer freien

          Welt“ war über Mittelwelle trotz SBZ/DDR-Störsender fast überall zu empfangen)

08.02. BBZ; Braunschweig; Treffen Dr. K. Schumacher u. Herbert Kriedemann mit O. Grotewohl u. Gustav

          Dahrendorf, Dr. Schumacher schlägt Auflösung der SPD-Ost vor, Grotewohl lehnt ab (am 11.2. flieht

          Dahrendorf mit Familie u. militärischer Hilfe in die BBZ, Sohn Ralf macht hier 1947 Abitur) (>19.4.46)

9./11.2. SBZ; Berlin, I. FDGB-Kongreß, Vors. werden Hans Jendretzky (KPD), Bernhard Göring (SPD) und

          Ermächtigungsgesetz-Befürworter Ernst Lemmer (CDUD), FDGB wird mit ca. 8,6 Mio. Mitgl. größte

          DDR-Massenorganisation

11.02. BBZ; Burgsteinfurt, brit. Militärgericht verurteilt letzten BdS Niederlande Dr. jur. Karl Schöngarth wg.

          Ermordung eines alliierten Fliegers zum Tode (Dr. S. wird am 15.5.46 gehenkt)

12.02. SBZ; Sachsen, Verordnung der Landesverwaltung Sachsen über die Errichtung von Vorbereitungs-

          kursen für das Studium an Hochschulen u.a. „§ 1 In den Städten Chemnitz, Dresden, Görlitz, Leipzig,

          Plauen und Zwickau sind Vorbereitungskurse für das Studium an Hochschulen einzurichten. § 3 Die

          Kurse beginnen am 1.3.1946 und enden am 30.9.1946. § 4 (1) Zu den Kursen sind Teilnehmer aus

          den werktätigen Schichten zuzulassen, die von einer der demokratischen Parteien, den Gewerk-

          schaften, Jugend- und Frauenausschüssen vorgeschlagen werden…§ 5 Über die Zulassung entschei-

          det eine Kommission, die von den Leitern der Volksbildungsämter der genannten Städte berufen

          werden. § 6 Die Kursteilnehmer verbleiben im Produktionsprozeß…§ 7 An Unterrichtsfächern sind für

          die Kurse vorgesehen a) Deutsch, b) Mathematik, c) Physik und Chemie d) eine Fremdsprache. § 8

          Die Kurse schließen mit einer Prüfung ab, deren Bestehen zum Hochschulstudium berechtigt. § 9 Die

          Durchführungsbestimmungen erläßt die Landesverwaltung, Ressort Volksbildung, Abt. Schulwesen“

14.02. polnisch-sowjet. verwaltete dt. Ostgebiete; Beginn der ,Operation Schwalbe’, bis Juli 1946 werden ca.

          1 020 000 deutsche Vertriebene in Transporten von je 55 Güterwaggons mit 1 500-2 000 Menschen,

          meist über das Lager Friedland, in die BBZ gebracht, in den Besatzungszonen sind Vertriebene bei

          den nicht-vertriebenen Deutschen häufig unwillkommen und werden mittels „Zuzugssperren“ abge-

          wiesen  (>2.4.47/ 28.4.47/ 9.6.50/ 6.7.50/ 14.9.50/ 17.8.51/ 24.2.62/ 7.6.63/ 8.6.63/ 7.3.64/ 22.3.64/

          7.12.70/ 7.7.75/ 30.5.83/ 12.9.90/ 14.11.90/ 6.9.2000)

15.02. SBZ; Greifswald, der ev. Theologe, Uni-Rektor u. CDUD-Mitgl. Prof. Ernst Lohmeyer wird vom sowjet.

          NKWD nach Denunziation verhaftet (am 28.8.46 vom SMT Mecklenburg-Vorpommern im Namen der

          UdSSR aus unbekannten Gründen zum Tode verurteilt u. am 19.9.46 im NKWD-Gefängnis Greifswald

          erschossen, erfährt die Familie erst 1958 offiziell von seinem Tod. Rußland rehabiltiert Prof. Ernst L..

          am 15.8.96 da er „nur aus politischen Motiven verhaftet und verurteilt“ wurde)

16.02. ABZ; Darmstadt, Eröffnung des Internierungslagers für ca. 28 000 Nazis (insges. 11 amerik. Lager,

          1946 protestieren der kath. Kardinal v. Faulhaber, Erzbischöf Gröber u. der EKD-Vors. Bischof Wurm

          gemeinsam bei den USA gegen die Internierung von Nationalsozialisten),

          BBZ; CDU-Vors. Adenauer fordert „einheitliche geistige und politische Ausrichtung der CDU-Presse“

21.02. SBZ; Sitzung des SPD-Parteiausschuß „billigt einstimmig den Vereinigungsbeschluß des Zentral-

          ausschuß der SPD (bis auf Karl Germer sprachen sich alle Mitglieder des ZA für Durchführung des

          Vereinigungsbeschlusses aus)

23.02. ABZ; Königsbronn, die Mutter von Hitler-Attentäter Georg Elser schreibt an Pastor Martin Niemöller

          wg. dessen, am 6.2.46 in der Nürnberger Zeitung veröffentlichten Äußerung, nach der ihr Sohn Georg

          der SS angehört habe, Frau E. schreibt Pastor Niemöller das dies nicht die Wahrheit sei (G. Elsers

          Anteil am Erbe seines 1942 gestorbenen Vaters fiel 1942 auf Basis des Gesetzes über die Einziehung

          kommunistischen Vermögens vom 26.5.33 in Verbindung mit dem Gesetz über die Einziehung volks-

          und staatsfeindlichen Vermögens v. 14.7.1933 an das Deutsche Reich, Haftentschädigungs-, Rück-

          erstattungs- und Entschädigungsansprüche wg. Schaden im beruflichen Fortkommen von Schwester

          und Schwager, beide 1939/40 für längere Zeit inhaftiert, werden bis Ende der 50er Jahre abgelehnt,

23.02. ABZ; Königsbronn, die Mutter von Hitler-Attentäter Georg Elser schreibt an Pastor Martin Niemöller

          wg. dessen, am 6.2.46 in der Nürnberger Zeitung veröffentlichten Äußerung, nach der ihr Sohn Georg

          der SS angehört habe, Frau E. schreibt Pastor Niemöller das dies nicht die Wahrheit sei (G. Elsers

          Anteil am Erbe seines 1942 gestorbenen Vaters fiel 1942 auf Basis des Gesetzes über die Einziehung

          kommunistischen Vermögens vom 26.5.33 in Verbindung mit dem Gesetz über die Einziehung volks-

          und staatsfeindlichen Vermögens v. 14.7.1933 an das Deutsche Reich, Haftentschädigungs-, Rück-

          erstattungs- und Entschädigungsansprüche wg. Schaden im beruflichen Fortkommen von Schwester

          und Schwager, beide 1939/40 für längere Zeit inhaftiert, werden bis Ende der 50er Jahre abgelehnt,

          BBZ; Dr. Konrad Adenauer an Pastor Dr. Bernhard Custodis u.a. „Nach meiner Meinung trägt das

          deutsche Volk und tragen auch die Bischöfe und der Klerus eine große Schuld an den Vorgängen in

          den Konzentrationslagern. Richtig ist, daß nachher vielleicht nicht mehr viel zu machen war. Die

          Schuld liegt früher. Das deutsche Volk, auch Bischöfe und Klerus zum großen Teil, sind auf die

          nationalsozialistische Agitation eingegangen,...es hat sich fast widerstandslos, ja zum Teil mit

          Begeisterung gleichschalten lassen...Im übrigen hat man aber auch gewußt..., daß die persönliche

          Freiheit, alle Rechtsgrundsätze, mit Füßen getreten wurden, daß in den KZ große Grausamkeiten

          verübt wurden, daß die Gestapo, unsere SS und z.T. auch unsere Truppen in Polen und Rußland mit

          beispiellosen Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung vorgingen. Die Judenpogrome 1933/38 ge-

          schahen in aller Öffentlichkeit. Die Geiselmorde in Frankreich wurden von uns offiziell bekanntge-

          geben. Man kann also wirklich nicht behaupten, daß die Öffentlichkeit nichts gewußt habe, daß die

          nationalsozialistische Regierung und die Heeresleitung ständig aus Grundsatz gegen das Naturrecht,

          gegen die Haager Konvention und gegen die einfachsten Gebote der Menschlichkeit verstießen. Ich

          glaube, daß, wenn die Bischöfe alle miteinander an einem bestimmten Tag…von den Kanzeln aus

          dagegen Stellung genommen hätten, sie hätten vieles verhindern können. Das ist nicht geschehen,

          und dafür gibt es keine Entschuldigung.“ (>22.1.1951/ 3.12.1952/ 20.9.1982),

          SBZ; Schwerin, SPD-Landesdelegiertenkonferenz verabschiedet einstimmige Entschließung: „Die

          Delegierten appellieren an die bevorstehenden Parteitage der SPD und KPD...den endgültigen

          Schlußstrich hinter den tragischen Bruderkampf innerhalb der deutschen Arbeiterklasse zu ziehen,

          die letzten Schranken die noch der Einheit und Macht der deutschen Arbeiterklasse entgegen-

          standen, niederzureißen und im nationalen Interesse unseres Volkes die Verschmelzung der SPD

          und KPD in eine marxistische Einheitspartei zu beschließen.“

26.02. SBZ; 2.„Sechziger-Ausschuss“-Tagung terminiert SPD-/KPD-Vereinigungsparteitag (>3.4.46),

          Zentraler Jugendausschuß beschließt Bildung der FDJ, Organisationskommission aus KPD und SPD

    02. ABZ; München, DRK-Suchdienst beginnt Kriegskinder-Suchplakataktion „Pinguin“ (Fotograf Hilmar

          Pabel fotografierte alle dem Suchdienst gemeldeten Kleinkinder, Aktion endet 1982) (>13.09.1948),

          SBZ; Brandenburg, SMT-Prozeß gegen 29 fast ausschließlich Jugendliche von etwa 15 Jahren, die

          antifaschistische Landesjugend ablehnen und eigene Jugendorganisation gründen, im Namen der

          Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken werden 9 Todesurteile (3 vollstreckt) u. 20 Haftstrafen

          (9 Verurteilte sterben in Sachsenhausen) ausgesprochen  > verfolgte Schüler

    02. UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) berichtet, daß sich 51 307 heimat-

          lose Kinder - 27185 under 6 Jahren - in UNRRA-Lagern befinden; darüber hinaus befinden sich bis

          zu 50 000 polnische und weißruthenische Jungen im Alter von 12-14 Jahren im Rahmen einer u.a.

          von Albert Speer 1944 angeordneten „Heu-Aktion“ in Deutschland  > verfolgte Schüler (>1.10.66)

28.02. Belgien; Brüssel, Instituierung Inter-Alliierter-Reparations-Agentur IARA (bis 9.1947 fordern 18 Länder

          $ 300 000 000 000 Reparationen für durch NS-Führerkorps-Politik verursachte Schäden) (>8.3.91)

1./8.3. BBZ; Hamburg, British Military Court verurteilt Geschäftsführer Dr. Bruno Emil Tesch sowie Prokurist

          Karl Weinbacher der Fa. TESTA (Tesch&Stabenow) - KZ-Lieferant für das von den „Dessauer Werken

          für Zucker und chemische Produkte AG“ (die enteignete Firma wird VEB Zuckerraffinerie - später VEB

          Gärungschemie Dessau) hergestellte Zyklon B - wg. Kriegsverbrechen zum Tode, Firmentechniker

          Dr. Joachim Drohsin wird freigesprochen (>27.5.1955)

    03. SBZ; ex-NKFD-Präsident, „Im Kreml ist noch Licht“-Stalin-Lyriker Erich Weinert (SED) wird Vizepräs.

          der Zentralverwaltung für Volksbildung (Vertreter v. Paul Wandel)  > verfolgte Schüler (>23.2.53)

2./3.3. SBZ; Berlin, 1.KPD-Reichskonferenz (in der SBZ gibt es 600 000 KPD-Mitgl. u. 680 000 SPD-Mitgl.),

          Erich Honecker wird Zentralkomitee-Mitglied

05.03. ABZ, Gesetz Nr. 104 zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus; fordert in Württemberg-

          Baden, Bayern, Hessen von Deutschen über 18 J. Beantwortung eines Fragebogens mit 131 persönl.

          Fragen, meist mit Deutschen besetzte „Spruchkammern“ („Kammern der barmherzigen Brüder“) sollen

          ca. 6 Mio. ehemalige NSDAP-Mitglieder in die Kategorien ,Hauptschuldig’-,Belastet’-, Minderbelastet’-,

          ,Mitläufer’ u. ,Entlastet’ einstufen um Personen aus dem gesellschaftlichen Leben auszuschließen „die

          die nationalsozialistische Gewaltherrschaft aktiv unterstützt o. sich durch Verstöße gegen die Grund-

          sätze der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit oder durch eigensüchtige Ausnutzung der dadurch

          geschaffenen Zustände verantwortlich gemacht haben". Bis zum Abbruch der Maßnahme werden

          1 700 Hauptschuldige, 23 000 Belastete, 150 400 Minderbelastete, 1 006 000 Mitläufer klassifiziert,

          bei ca. 3,9 Mio. Deutschen wurden Spruchkammerverfahren nicht eröffnet oder eingestellt wie z.B. bei

          General Hubert Lanz. Mit Unbedenklichkeitsbescheinigungen („Persilscheine“) durch Bekannte,

          Leugnen („Ich komme aus dem Osten und suche einen Posten, meine Papiere sind verbrannt, Hitler

          habe ich nicht gekannt“), der Unkenntnis „mutiger Braunschweiger“ (SPD-Vorsitz. Kurt Schumacher

          sagte über sie „Wenn man sie so reden hört, muß man glauben, daß der einzige Nazi in Deutschland

          Adolf Hitler gewesen sei.“) und „U-Boot-Fahrer“ (der ex-Führer der U-Boote Großadmiral Karl Dönitz

          gab sein Admirals-Ehrenwort von der NS-Vernichtungsmaschinerie keine Ahnung gehabt zu haben)

          und durch massive Bedrohungen von Spruchkammer-Mitgliedern wird die Maßnahme unterlaufen.

          Unter „den eifrigsten Ausstellern dieser Persilscheine war die Evangelische Kirche“ (Ansbach’s

          St. Gumbertus-Kirche-Pfarrer schreibt für ein NSDAP-Mitgl. seit 1923: „Seine älteste Tochter H. war

          damals meine Schülerin…gehörte einer Klasse der ev. Bekenntnisschule an...die beiden jüngeren

          Töchter G. und M. waren in den Jahren vor ihrem Schulbesuch in einem ev. Kindergarten…alles

          Tatsachen, die mit einer NS-Geisteshaltung nichts zu tun hatten.“, Sühnemaßnahmen gibt es nur für

          0,65% aller „Hauptschuldigen“ u. „Belasteten“ (der „Bund der Verfolgten des Naziregimes“ weist z.B.

          daraufhin, daß Herbert Klemm, Staatssekr. Reichsjustizministerium, als „unbelastet“ eingestuft ist, die

          lapidare Antwort vom später zuständigen Bundesinnenministerium: „Sind von den Entnazifizierungs-

          behörden Fehlentscheidungen getroffen worden, so können sie durch beamtenrechtl. Maßnahmen

          nicht korrigiert werden. Vielmehr müssen im Interesse der Rechtssicherheit und einer endgültigen

          Bereinigung der politischen Vergangenheit die Entnazifizierungsentscheidungen für die weitere

          dienstrechtliche Behandlung der Betroffenen zu Grunde gelegt werden.“, der „Stifterverband Deutsche

          Wissenschaft“ zahlt Klemm nach dessen Entlassung aus Landsberg DM 1 500/Monat!) (>12.10.46/

          13.11.46/ 13.10.47/ 1.10.51/ 18.9.87/ 22.2.90),

05.03. Norwegen; Herbert Frahm alias Willy Brandt ist in Oslo, er schreibt in dieser Zeit u.a. das Vorwort für

          sein 1946 im H. Aschehoug & Co. Verlag, Oslo, erscheinenden Buch „Forbrytere og andre Tyskere“

          („Verbrecher und andere Deutsche“ wird in BRD oder DDR nie veröffentlicht) (>9./10.5.46/ 17.1.47/

          1.2.48/ 1.7.48/ 7.10.65)  > verfolgte Schüler  

06.03. BBZ; „Nordwestdeutscher Rundfunk - NWDR“, Dr. K. Adenauer über CDU-Parteiprogramm u.a. „Die

          aktiven Nationalsozialisten und die aktiven Militaristen, die für den Krieg und seine Verlängerung

          Verantwortlichen, dazu gehören insbesondere auch gewisse Wirtschaftsführer, müssen aus ihren

          Stellungen entfernt…müssen je nach Lage des Falles von deutschen Gerichten bestraft, ihr Vermögen

          muß ganz o. teilweise beschlagnahmt werden…Strafe für den der Schuld hat…Nationalsozialistische

          Konjunkturgewinne und Kriegsgewinne müssen eingezogen werden…“ (>3.2.47/ 23.3.49/ 9.1.51)

07.03. SBZ; FDJ-Gründung - einschl. „Kindergruppen der FDJ“ (später einziger offiziell zugelassener DDR-

          Jugendverband) nach paritätischem Gründungsbeschluß u.a. durch E. Baumann (SPD), E. Honecker

          (KPD), Domvikar Robert Lange sowie die ev. und kath. Jugendvertreter Oswald Hanisch und Manfred

          Klein (CDUD) unterzeichnet, E. Honecker wird FDJ-Vorsitzender  > verfolgte Schüler (>1.12.48)

08.03. poln. verwaltete deutsche Provinzen Brandenburg, Pommern und Schlesien, Dekret über verlassenen

          oder früheren deutschen Besitz (dekret o majątkach opuszczonych i poniemieckich)

10.03. ABZ; Pähl, Prof. Dr. Karl Haushofer und Frau Martha H., geb. Mayer-Doss, begehen Selbstmord

11.03. BBZ; bei Flensburg, KZ-Kommandant und Wirtschaftsverwaltungshauptamt-Amtschef Rudolf Höß

          wird als Franz Lang verhaftet (am 25.5.46 an Polen ausgeliefert erklärt er am 12.3.47 eidesstattlich die

          Kraft-durch-Freude-Kehrseite am (Zwangsarbeiter-)Arbeitsmarkt „Häftlinge über 50 Jahren wurden nur

          selten zum Arbeitseinsatz verwendet, wenn sie besonders kräftig oder…geschult waren; sonst wurden

          sie sofort vernichtet“, wird am 2.4.47 zum Tode verurteilt und am 16.4.47 in Auschwitz gehenkt)

12.03. Ungarn; Budapest, Hinrichtung von ex-Min.-Präs. Ferenc Szálasi (Portugal gewährt Reichsverweser

          Miklós Horthy Asyl)

14.03. USA; White Sands, Dr. Kurt Debus, Dr. Hans Grüne, Karl Sendler u.a. starten erfolgreich die erste,

          der aus dem KZ Dora-Mittelbau/Harz in die USA gebrachten V-2-Raketen (>3.10.47/ 15.4.79)

21.03. BBZ; Hamburg, „DIE ZEIT“ Dr. Marion Gräfin Dönhoff beschreibt ihre Flucht aus Ostpreußen im ers-

          ten Beitrag: „Ritt gen Westen“ (viele müssen laufen! Auch Bildungsdiskriminierung/verfolgte Schüler

          sind der sog. „roten Gräfin“ u. ihrem Bruder, ex-NSDAP- u. SS-Mitgl. Dr. jur. Christoph Graf Döhnhoff

          unbekannt, auch er schreibt ab 1946 viele Artikel für ZEIT-Lizenzträger Lovis H. Lorenz - bis 1944 ex-

          Hauptschriftleiter „Die Woche“, Dr. jur. Gerd Bucerius - schreibt auch „Persilscheine“, Richard Tüngel

          und Korvettenkapitän a.D. Ewald Schmidt di Simoni) (>20.11.92),

          SBZ; Wünsdorf, Marschall Wassili Sokolowski wird Oberkommandierender d. sowjet. Besatzungs-

          truppen, Vors. sowjet. Militäradministration Deutschlands (SMAD)

23.03. Irland; Irisches Rotes Kreuz beginnt „Operation Shamrock“ zur Rehabilitation hungernder Kinder vom

          europäischen Festland, etwa 1 000 hungernde Kinder aus Deutschland, Frankreich und Österreich

          werden bis zu drei Jahre in Irland versorgt,

          ABZ; EKD, Schreiben Martin Niemöllers an Ökumenischen Rat der Kirchen: u.a. das Gesetz zur

          Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus öffne den niederen Instinkten des Neides und

          Hasses alle Tore, nunmehr werde die Verfolgung einer bestimmten Gesinnungshaltung in einem

          Umfang legalisiert und betrieben „wie sie selbst unter dem NS-Regime niemals gewesen ist.“

24.03. BBZ; Uni. Köln, CDU-Vors. Dr. Adenauer’s erste programmatische Rede u.a. „Das deutsche Volk…

          hat den Staat zum Götzen gemacht und auf den Altar erhoben…Deutschland ist eines der religions-

          losesten und unchristlichen Völker Europas. Das war schon vor 1914 so…habe ich damals schon

          immer in Berlin das Gefühl gehabt, in einer heidnischen Stadt zu sein.“ (>7.5.53/ 10.2.56/ 16.5.94)

26.03. Vatikan; 2.Appell im Namen Papst Pius XII an die Allierten keine kath.-kroat. Ustascha-Gefangenen

          an Jugoslawien auszuliefern (die kroatische „Bruderschaft des heiligen Girolamo in Rom hat an Ihre

          Heiligkeit appelliert und Ihn gebeten, in dieser Angelegenheit eine Empfehlung auszusprechen“)

27.03. ABZ; gemeinsam. Osterhirtenbrief d. kath. Bischofskonferenz u.a.: „Soll eine innere Gesundung des

          Volkes angebahnt werden, so muß alles, was an Gestapo, Konzentrationslager und ähnliche Dinge

          erinnert, aus dem öffentlichen Leben verbannt werden. Sonst greift eine innere Vergiftung Platz, die

          einen moralischen und religiösen Aufstieg aufs äußerste erschwert, wenn nicht unmöglich macht“, es

          wird sogar die „oft verfehlte Art“, wie die Alliierten öffentliches Leben und Wirtschaft von Anhängern

          des NS-Regimes zu säubern suchten, mit „wie ein Alpdruck“ auf dem Volke lastend angeprangert,

          SBZ; Leipzig, 2 000 SPD-Funktionäre sanktionieren mit nur 9 Gegenstimmen Fusion mit KPD

29.3./13.5. ABZ; Dachau, Mauthausen-Hauptprozeß, AMT verurteilt 58 von 61 wg. diverser Verbrechen

          angeklagte KZ-Mitarbeiter zum Tode (u.a. die KZ-Ärzte Dr. Friedrich Entress, Dr. Wilhelm Jobst,

          Dr. Eduard Krebsbach und Dr. Waldemar Wolter, sie werden wenig später gehenkt)

03.04. Philippinen; Manila, der wg. der 10 000 Toten beim Bataan-Todesmarsch verurteilte japan. General

          Masaharu Homma wird erschossen,

          SBZ; Berlin-Kaulsdorf, Verhaftung von Hans Corbat (19jährig wurde er 06.1945 SPD-Mitgl., am 1.4.46

          trat er wg. der geplanten SPD-/KPD-Einheitsfront unter öffentl. Protest aus der SPD aus (08.1946 wird

          er von einem SMT wg. Spionage zu 20 Jahren Haft verurteilt, 1956 entlassen flieht er in die BRD und

          wird am 30.11.93 von der russ. Militärstaatsanwaltschaft rehabilitiert) (>19.4.46/ 21./22.4.46/ 16.12.92)

07.04. SBZ; in Brandenburg/Potsdam, Mecklenburg/Schwerin, Provinz Sachsen//Halle, Sachsen/Dresden u.

          Thüringen/Gotha finden KPD/SPD-Vereinigungsparteitage der Landesverbände statt (>21./22.4.46),

          sowjet. verwaltetes nördliches Ostpreußen wird mit Königsberg/Kaliningrad ohne Friedensvertrag als

          russischer Teil der UdSSR annektiert und mit Sowjets bevölkert (>11.10.47)

08.04. SBZ; „Der Märker“ „Historischer Beschluß in Potsdam: Durch Einheit zum Sozialismus“

14.04. BBZ; Gelsenkirchen, der erste Hilfszug der „Schweizer Spende für die Kriegsgeschädigten“ trifft ein

16.04. SBZ; CDUD stimmt dem KPD/SPD-Grundsatzentwurf über die Schulreform zu

18.04. Niederlande; Den Haag, Internationaler Gerichtshof zur Konfliktbeilegung von UN-Mitgliedsstaaten er-

          öffnet (nicht zu verwechseln mit dem späteren Internationalen Strafgerichtshof) (>18.9.73/ 17.7.98)

19.04. SBZ; Berlin,Theater am Schiffbauer Damm, 40.SPD-Parteitag, 548 Delegierte beschließen Annahme

          der „Grundsätze und Ziele der sozialistischen Einheitspartei“ und wählen 40 Mitglieder für kommenden

          SED-Parteivorstand: Otto Grotewohl, Max Fechner, Erich Gniffke, August Karsten, Otto Meier, Helmut

          Lehmann, Käte Kern, Richard Weimann, Edith Baumann, Bruno Böttge (Prov. Sachsen), Erich Braun

          (Hildesheim), Hans Brede (Kiel), Willi Buch (Braunschweig), Otto Buchwitz (Sachsen), Friedrich Ebert

          (Brandenburg), Max Fank (Mecklenburg), Augustin Friedel (Sachsen), Bernhard Göring (Berlin), Karl

          Hauser (FrankfurtM.), Ernst Heilmann (Flensburg), Gertrud Hentsch (Sachsen), Ernst u. Heinrich

          Hoffmann (Thüringen), Willy Jesse (Mecklenburg), Fritz Jungmann (Prov. Sachsen), Karl Litke (Berlin),

          Erich Lübbe (Berlin), Albert Meier (Sachsen), Karl Moltmann (Mecklenburg), Gustav Müller (Rheinl.),

          Hermann Prübenau (Prov. Sachsen), Emma Sachse (Thüringen), Yella Schaar (Heidelberg), Hermann

          Schlimme (Berlin), Paul Szillat (Brandenburg), Gottlieb Teichert (Essen), Stanislav Trabalski

          (Sachsen), Fritz Wagner (Thüringen), Oskar Wegener (Brandenburg), Toni Wohlgemuth (Berlin),

          SBZ; Berlin, Deutsches Theater, 15.KPD-Parteitag, 519 Delegierte beschließen Annahme der „Grund-

          sätze und Ziele der sozialistischen Einheitspartei“ u. wählen 40 Mitglieder für kommenden SED-Partei-

          vorstand: Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Martha Arendsee, Eugen Hanisch alias Anton Ackermann,

          Johannes R. Becher, Hans Jendretzky, Paul Wandel (Berlin), Walter Biering (Prov. Sachsen), Kurt

          Bürger (Mecklenburg), Franz Dahlem, Werner Eggerath, Georg Lotz (Thüringen), Erich Honecker,

          Heinz Keßler, Willi Böpple (Mannheim), Albert Buchmann (Stuttgart), Walter Fisch (Frankfurt/M.),

          Gustav Gundelach (Hamburg), Olga Körner, Wilhelm Koenen, Ernst Lohagen (Sachsen), Bernhard

          Koenen (Prov. Sachsen), Hans Mahle (Berlin), Hermann Matern, Hanna Meltzer, Max Reimann (Ruhr-

          gebiet), Paul Merker, Kurt Müller (Hannover), Franz Nickolay (Saargeb.), Hugo Paul (Düsseldorf),

          Maria Rentmeister, Prof. Dr. Robert Rompe, Elli Schmidt, Waldemar Schmidt (Berlin), Paul Roch, Willi

          Sägebrecht (Brandenburg), Heinrich Schramm (Bremen), Fritz Sperling (München), Hans Warnke

          (Mecklenburg), Hermann Zilles (Köln)  > verfolgte Schüler

21.04. SBZ; Grundsätze und Ziele der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands sind u.a. „Demokratische

          Reform des gesamten Bildungs- und Erziehungswesens, Aufbau der Einheitsschule, Erziehung der

          Jugend im Geiste einer fortschrittlichen Demokratie…u. einer wahren Humanität, jeder Deutsche hat

          das Anrecht auf Bildung nach seinen Anlagen u. Fähigkeiten…“  > verfolgte Schüler (>22.5.46)

21./22.4. SBZ; Berlin, Staatsoper, Vereinigungsparteitag mit 548 SPD- u. 507 KPD-Delegierten („Brüder, in

          eins nun die Hände“) mit einstimmigen Vereinigungsbeschluß; Zitat SPD-Grotewohl: „An deinem 70.

          Geburtstag, Wilhelm Pieck, reichten wir uns die Hände für Hunderttausende von Sozialdemokraten

          und Kommunisten…Wer einen geschichtlichen Blick hat, sieht heute Millionen von Sozialisten hinter

          uns stehen…“ Zitat KPD-Pieck: „Ja, lieber Otto Grotewohl, so soll es sein. Wir tragen beide, die wir zu

          Vorsitzenden der SED ausersehen sind, die besondere Verantwortung…Wir werden…das große Werk

          vollenden, das wir uns als Ziel gesetzt haben: den Sozialismus.“ Zitat KPD-Ulbricht: „Mit dem heutigen

          Tage gibt es nur noch Sozialisten.“, SED-Gründung: „Manifest an das Deutsche Volk“ u.a.: „Deutsche

          Jugend! Der Nazismus hat euren Glauben schmählich missbraucht und eure edelsten Tugenden ent-

          würdigt. Doch die deutsche Jugend ist unsere Hoffnung. In euren Händen wird die Zukunft des

          Vaterlandes liegen. Unsere Weltanschauung muß der Glaube der jungen Generation werden. Hier

          findet ihr die höchsten Ideale. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands wahrt eure Gegenwarts-

          interessen in Schule, Beruf und öffentlichem Leben...“ > verfolgte Schüler (>25.2.48/ 26./28.1.49/

          24.3.52/ 22.4.71/ 4.8.90/ 11.8.90/ 27.9.90/ 1./2.10.90)

23.04. SBZ; Erstausgabe Zentralorgan d. SED „Neues Deutschland“ „Das größte Ereignis für unser Volk…“,

          SBZ; „Der Morgen“ LDPD-Zeitung „Der erste Parteitag der SED in Berlin...“

24.04. SBZ; „Neue Zeit“ CDUD-Zeitung „Die Sozialistische Einheitspartei...“

          SBZ; „Der Freie Bauer“ „Die Einheit der Arbeiterklasse und die Bauern...“

25.4/16.5. Frankreich; Paris, 2.(nach-Potsdam)-Treffen des alliierten Rates der Außenminister

    04. BBZ; Hannover, unter direkter Leitung d. SPD-Vorsitz. Dr. K. Schumacher wird „Betreuungsstelle Ost“ 

          zur Betreuung geflohener SPD-Genossen geschaffen (Erich Ollenhauer: „Für unsere Genossen in der

          Ostzone, die zwangsweise in die SED gehen mussten.“), es folgen 5.1946 ein „Ostsekretariat“ und ab

          5.1948 ein „Ostbüro der SPD“ in West-Berlin (in den Büros werden Flüchtlinge u. Besucher aus SBZ/

          DDR registriert, befragt und betreut) und Ende 1951 eine West-Berliner Zweigstelle mit Tarnnamen

          „Aktionsgemeinschaft FDJ“ eröffnet (Herausgeber der Monatszeitschrift „Freie Junge Welt“ u. einer

          „Jungen Welt“-Tarnausgabe mit identischer Titelseite des FDJ-Originals und Auflagen bis 150 000;

          Kuriere von „Betreuungsstelle Ost“/„Ostbüro der SPD“ reisen mit gefälschten Ausweisen (auch ge-

          fälschten SED-Mitgliedsausweisen) zur Kontaktpflege, zur Warnung gefährdeter Genossen, zum

          Transport von Propaganda- u. Agitationsmaterial (z.B. „Tatsachen und Berichte aus der Sowjetzone:

          Von der HJ zur FDJ, Von der DAF (Dt. Arbeitsfront) zum FDGB, Von der Gestapo zum SSD, Vom

          Dritten Reich zur DDR, Von der NS-Wehrmacht zur sowjetischen Nationalen Volksarmee“ usw., alle

          mit Auflagen von 14 000-20 000), von gefälschten Mitgliedsmarken des FDGB, der Gesellschaft für

          Deutsch-Sowjetische Freundschaft und zum Rücktransport von Informationen u. Berichten in die SBZ/

          DDR; materiell unterstützt wird das „Ostbüro der SPD“ vom britischen und US-Geheimdienst, vom

          Sender RIAS u. vom Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen ab 1956 mit ca. DM 300 000/

          Jahr; hunderte Kuriere, Mitarbeiter, V-Leute u. tausende Kontaktpersonen des „Ostbüro der SPD“

          werden in den Folgejahren in der SBZ/DDR verhaftet, verurteilt, in ostdeutschen und sowjet. Lagern u.

          Gefängnissen inhaftiert (z.B. werden Helmut Hiller und sieben Mitangeklagte wg. Verbindung zum

          Ostbüro der SPD vom SMT Schwerin im Namen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken zu je

          25 Jahren Arbeitslager verurteilt, Hiller kommt 1962 durch „Freikauf“/Menschenhandel in die BRD,

          erhält von der SPD in Bonn für 12 Jahre Haft - wie die für das SPD-Ostbüro tätige Susanne Sievers für

          8 Jahre Haft - DM 100 (einhundert) Haftentschädigung (>11.12.1951) und prozessiert danach vor dt.

          Richtern mit wechselndem Erfolg gegen die SPD. Zitat Dr. K. Schumacher: „Mit tiefer Verehrung

          verneigen wir uns vor den Opfern des roten Faschismus. Die Sozialdemokratie hat ein Prinzip..: Die

          Kameradinnen und Kameraden nicht im Stich zu lassen.“); einmal fordert die DDR für den „Freikauf“

          eines „SPD-Ostbüro“-Mitarbeiters DM 1 500 000 von der BRD, die Kosten für die Steuerzahler werden

          auf DM 800 000 herunter gehandelt, das Ostbüro schliesst 1971 (>31.5.46/ 18.11.46/ 17.6.49/

          12.7.47/ 25.8.52/ 23.9.52/ 11.12.52/ 17.12.52/ 10.1955/ 17.4.57/ 1.6.57/ 1.12.57/ 7.12.66/ 17.12.99)

26.04. ABZ; EKD-Ratsvorsitzender Bischof Theophil Wurm unterschreibt Eingabe an die Alliierten gegen das

          Entnazifizierungsgesetz: „Unsere Bedenken richten sich gegen die Grundauffassung des ganzen

          Gesetzes. Das Gesetz steht nicht in allen Stücken im Einklang mit dem natürlichen Rechtsempfinden.

          Es beachtet nicht alle elementaren Rechtsgrundsätze, die die Rechtsordnung von Kulturstaaten kenn-

          zeichnen und die ihre letzte Bindung an Gottes Gebot nicht verleugnen...“, Bischof Wurm hatte 1937

          öffentlich verkündet, daß seine Württembergische Kirche ,judenreiner’ sei als irgendeine andere'

30.04. BBZ; hannoverscher Landesbischof August Mahrarens verfaßt „um der Wahrheit willen“ eine

          Stellungnahme, wonach sich die SA nicht an Judenpogromen in 1938 beteiligt habe: „vielmehr wurden

          die Terrormaßnahmen von weitesten Kreisen ihrer Mitglieder mißbilligt und eine Beteiligung an ihnen

          geradezu abgelehnt...die Mitglieder der SA zum größten Teil vernünftig denkende Menschen und

          keine Parteifanatiker...waren. Sie erstrebten lediglich eine innere Erneuerung des deutschen Volkes

          auf vaterländischer Grundlage und wurden durch die spätere Entwicklung bitter enttäuscht...Weil sich

          hier eine Möglichkeit der christlichen Verkündigung bot, fanden sich auch überzeugte Christen und

          Theologen zur Mitgliedschaft in der SA bereit...Die Betrüger und nicht die Betrogenen darf die Schuld

          und die ganze Härte einer gerechten Strafe treffen.“

01.05. SBZ; Halle/Merseburg, Bericht des Magdeburger Bezirkspolizeipräsidenten Briesenbach an sowjet.

          General Gogunow u.a. „Selbst am Tag der Maifeier wurden am Vorabend gelegentlich des Nach-

          hausegehens im Anschluß an den Fackelumzug weibliche Personen verprügelt...Die weiblichen

          Bewohner werden ohne Rücksicht auf ihr Alter nach schwersten Mißhandlungen im Anschluß an die

          Ausplünderung ihrer Wohnungen vergewaltigt. (Offenbar wurde eine Bewohnerin erst erschossen u.

          dann vergewaltigt) Auch am Tage werden in städt. Anlagen immer gleich auch von mehreren Soldaten

          einzeln gehende Frauen nach Zerreißen ihrer Bekleidungsstücke 5-6mal hintereinander vergewaltigt.“

          Zusammenfassend berichtete der Polizei-Chef, im Raum Halle/ Merseburg seien vom 1.1. bis 3.5.46

          folgende schwere Verbrechen durch „Personen in sowjetischer Uniform“ begangen worden: 34 Morde,

          345 Einbrüche, 328 Raubüberfälle, 60 Eisenbahnüberfälle, 123 Rinderdiebstähle, 212 Körper-

          verletzungen - 10 davon mit Todesfolge - sowie 162 Vergewaltigungen (>06.1946/ 4.1.49/ 22.2.2002)

03.05. Frankreich; Straßburg, NSDAP-Gauleiter Baden-Elsaß u. Reichsverteidigungskommissar Robert

          Wagner (Zitat: „Widerstand bis zum letzten Küchenmesser“) wird zum Tode verurteilt (seine letzten

          Worte am 14.8.: „Es lebe Großdeutschland, es lebe Adolf Hitler, es lebe der Nationalsozialismus“)

3.5./12.11.48 Japan; Tokyo, im IMT-Hauptkriegsverbrecher-Prozeß werden alle 25 japan. Angeklagten

          schuldig gesprochen. Min.-Präs. Tojo Hideki, Außenmin. Koki Hirota und die Generale Kenji Doihara,

          Seishiro Itagaki, Haitaro Kimura, Iwane Matsui, Akire Muto werden zum Tode verurteilt und gehenkt,

          16 Angeklagte werden zu lebenslanger Haft verurteilt und nach 10 Jahren begnadigt (z.B. Außenmin.

          Mamoru Shigemitsu, Außenmin. Matsuoka war zuvor u. Gen. Umezu Yoshijiro war in Haft gestorben)

07.05. Niederlande; Den Haag, Hinrichtung v. Nationaal-Socialistische Beweging NSB-Führer Anton Mussert

          (ca. 200 000 niederländ. Nazi-Kollaborateure wurden verhaftet, ca. 200 werden zum Tode verurteilt)

9./10.5. BBZ; Hannover, 1.(Westzonen) SPD-Parteitag, Dr. K. Schmacher wird von den ca. 270 Delegierten - 

          unter ihnen als Vertreter der schwed. Exil-SPD Herbert Frahm genannt Willy Brandt - zum Vors. und

          Erich Ollenhauer als Stellvertr. gewählt, Dr. Kurt Schumacher fordert in Grundsatzrede den „demokrat.

          Staat mit sozialistischem Inhalt“ und bezeichnet SED-Mitgl. als „rotlackierte Nazis“ (>12.7.47/ 1.2.48)

14.05. SBZ; 2. Sitzung des Parteivorstands der SED, Beschluß „Der Aufbau des Schulungssystems der

          SED“ u.a. zu Parteihochschule „Karl Marx“ in Liebenwalde (Direktor/Rektor: Willy Kropp (1946-47),

          Carl Bose (1946-47), (1. Kurs von 141 Kadern an der ,PHS‘ beginnt bereits am 14.6.46) und zu

          Mitgliederschulung, Wochenendkursen, Kreisschulen und Landesschulen (>10.01.48/ 7.8.51)

16.05. ABZ; Kronberg/Taunus, Leiter der Päpstlichen Mission für die Flüchtlinge und „Apostolischer Visitator“

          wird der US-Militärbischof Dr. Aloysius Muench (Dr. M. wird u.a. in Verbindung mit diversen Gnaden-

          gesuchen für verurteilte Kriegsverbrecher z.B. Dr. Hans Eisele genannt (>7.11.49/ 9.3.51/ 19.2.52)

20.05. ABZ; Vorstellung des amerikan. Colm/Dodge/Goldsmith-Plan for the Liquidation of War Finances and

          the Financial Rehabilitation of Germany (Währungsreform) (>12.9.46/ 8.4.48/ 20.6.48), 

          SBZ; John-Brinckman-Schule Güstrow, die Schüler Klaus Frehse, Karl-Heinz Köhn, Manfred Kofahl,

          Willy Mense, Olant Ohde u. Joachim Rebs werden verhaftet, zuvor wurden bereits Karl Garbe und

          Werner Waßmann verhaftet, sie werden am 11.9.46 von SMT im Namen der UdSSR wg. „illegaler

          Gruppenbildung“ zu langen Haftstrafen verurteilt, Joachim Rebs überlebt als einziger (er wird am

          31.3.1995 vom Obersten Militärstaatsanwalt in Moskau rehabilitiert)  > verfolgte Schüler (>27.9.50),

          SBZ; Berlin-Köpenick, Gründung der provisorischen FDGB-Schule „Theodor Leipart“ 

21.05. SBZ; SMAD-Vorsitz. Marschall Wassili Sokolowski erklärt sowjet. Demontagen als beendet (beendet

          werden sie 1948. Allein 1945 vom sowjet. „Komitee für Beutegut“ enteignete, abtransportierte Edel-

          metalle, Zahlungsmittel, Sach- u. Kunstgegenstände, Bibliotheken, 450 000 Radios u. 60 000 Klaviere

          füllten ca. 400 000 Eisenbahnwaggons u. wurden auf RM 8 000 000 000 geschätzt) (>5.6.46/ 08.1953/

          30.11./3.12.98)

22.05. SBZ; Sachsen, Provinzialverwaltung, „Gesetz zur Demokratisierung der dt. Schule für die Provinz

          Sachsen“ (Schulreform/ Neulehrer-Ausbildung/ Religionsunterricht wird aus Stundenplan entfernt u.

          zur alleinigen Verantwortung der Religionsgemeinschaften, andere SBZ-Provinzen erlassen in Folge-

          zeit gleichlautende Gesetze)  > verfolgte Schüler (>1.9.46/ 15.12.50/ 2.12.59/ 25.2.65),

          SBZ; Bernau/Bogensee, Eröffnung ,FDJ-Jugendhochschule beim FDJ-Zentralrat’ in NSDAP-Propa-

          gandamin. Dr. Goebbels Sommerhaus, ab 14.9.50 Jugendhochschule ,Wilhelm Pieck‘ (bis ’81 werden

          hier ca. 13 000 FDJ-Funktionäre ausgebildet), E. Honecker: „(damit wurde) unterstrichen, daß es hier

          um die Ausbildung und Erziehung junger Kommunisten ging, die im Auftrag der Partei die Ideen von

          Marx, Engels u. Lenin unter die Jugend tragen und sie zur aktiven Teilnahme am Kampf für Stärkung

          und den Schutz der DDR gewinnen würden.“ (Neues Deutschland, 16.9.1980)  > verfolgte Schüler,

          CSR; Prag, der an die Tschechoslowakei ausgelieferte, zum Tode verurteilte ex-NS-Staatssekretär u.

          Höhere SS- und Polizeiführer Karl Hermann Frank wird vor Tausenden Zuschauern öffentlich gehenkt

24.05. ABZ; Nürnberg, IMT, ex-Hitler-Jugendführer v. Schirach bekennt u.a. „Es ist meine Schuld, daß ich

          diese Jugend erzogen habe für einen Mann, der ein millionenfacher Mörder gewesen ist.“ (>30.9.46)

28.05. ABZ; Heidelberg, Prof. Dr. Karl Jaspers Buch „Die Schuldfrage“ zur geistigen Situation Deutschlands

          definiert die individuelle kriminelle, politische, moralische und metaphysische Schuld - jetzt oder später

31.05. Berlin, Alliierte Kommandantur lässt SED und SPD in allen vier Sektoren zu (>16.6.48/ 23.8.61),

          SBZ; Brandenburg, Provinzialverw., Gesetz zur Demokratisierung der dt. Schule „Die neue demokra-

          tische Schule muß frei sein von allen Elementen des Militarismus…Sie muß so aufgebaut sein, daß

          sie allen Jugendlichen…das gleiche Recht auf Bildung und seine Verwirklichung…garantiert…“

          > verfolgte Schüler (>1.9.46/ 15.12.50)

01.06. Rumänien; Jilava, Hinrichtung von ex-Min.-Präs. Ion Antonescu und ex-Außenmin. Mihai Antonescu

04.06. SBZ; Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung-Präsident Paul Wandel u. Prof. Dr. Wilhelm Heise

          (seit 08.1945 Leiter der DZfV-Schulabteilung - beide SED) - informieren, daß in den SBZ-Ländern „der

          einheitliche Text eines Schulgesetzes angenommen“ ist: „Die Familie und die Kirche haben weiterhin

          ihre besonderen erzieherischen Aufgaben…Die Schule aber bleibt dem Staat“ (ohne parlamentarische

          Legitimation wird ab >1.9. der nationalsozialistische Schulzwang mit bewußter Bildungsdiskriminierung

          - vorerst für Kinder bürgerlicher und dauerhaft für Kinder religiös gebundener Bevölkerungsteile - fort-

          gesetzt)  > verfolgte Schüler (>15./16.8.46/ 23./26.5.47/ 31.12.47/ 19./20.2.48/ 5./8.7.48/ 25./28.1.49)

05.06. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 167 zu „Übergang von Unternehmungen in Deutschland in das Eigentum der

          UdSSR auf Grund der Reparationsansprüche“ (Enteignung von 213 Großbetrieben in Sowjet. Aktien-

          gesellschaften SAG, z.B. Agfa Wolfen SAG, Wismut SAG usw.) (>22.7.46/ 20./22.8.53)

    06. SBZ; Mecklenburg, ex-SPD-Mitgl. und seit April SED-Parteivorstandsmitgl Erich Gniffke berichtet

          W. Pieck und O. Grotewohl über die Situation hier angesichts der herrschenden Brutalität; wer sich

          weigere den Sowjets Wertsachen und andere Dinge zu überlassen oder wer sich Notzuchtversuchen

          wiedersetze, werde mit der Waffe bedroht, wenn nicht einfach niedergeschossen. Einzeln stehende

          Gehöfte würden überfallen, die Frauen missbraucht. Während der ersten drei Maiwochen habe es

          24 Einbrüche mit Vergewaltigung gegeben (>30.10.48/ 4.1.49/ 22.2.2002)

8./10.6. SBZ; Brandenburg, I.Parlament der FDJ (633 Delegierte) u.a. mit Redebeiträgen von O. Grotewohl,

          W. Pieck und E. Honecker der u.a. sagt: „Die wahren Belange eines Volkes haben nichts zu tun mit

          kriegshetzerischen, chauvinistischen Eroberungsplänen. Verstehen wir doch unter unter nationalen

          Werten all das Gute das dem Fortschritt…und darüber hinaus dem Wohle der Menschheit dient…

          Daher muß man endlich mit der Lüge aufräumen, als seien die Krupp, Thyssen, Klöckner, Flick

          nationale Menschen. Diese Menschen handeln niemals national und deutsch; das streiten wir ihnen

          entschieden ab. Sie waren und sind in unseren Augen vaterlandslose Gesellen.“ (am 9.9.87 besucht

          E. Honecker die mit Krupp- und DDR-Fahnen geschmückte Krupp’sche Villa Hügel in Essen!), man

          proklamiert vier „Grundrechte der jungen Generation“ -auch Recht auf Bildung- um „für die großen

          Ideale der Freiheit, des Humanismus, einer kämpferischen Demokratie, des Völkerfriedens und der

          Völkerfreundschaft, für die aktive Teilnahme aller Jungen und Mädel beim Neuaufbau unseres

          Vaterlandes zu gewinnen“; verabschiedet Statuten und wählt - nach verbalem Angriff wg. kirchlicher

          Vertreter durch Sachsen’s FDJ-Landesvorsitz. Robert Bialek - den 1.Zentralrat (46 SED-, 8 CDUD-,

          4 LDPD- und 4 parteilose Mitglieder/ Sekretariat hat 8 SED-, 4 CDUD-, 1 LDPD-Mitgl. u. 2 Kirchen-

          vertreter), Vorsitzender wird E. Honecker, Fridl Lewin (ex-SPD) wird verantwortlicher Sekretär für

          Kindergruppen, Zentralrats- bzw. Sekretariatsmitglieder sind u.a.: Hermann Axen (1946-49),

          Edith Baumann (1946-49), Rudolf Böhm (1946-47), Herbert Geisler (1946-48), Günther Hahn (1946-

          47), Oswald Hanisch (1946-49), Ernst Hoffmann (1946-47), Manfred Klein (1946-47), Robert Lange

          (1946-49), Marga Lindner (1946-47), Werner Ruprecht (1946-47), Paul Verner (1946-49), Rita Wrusch

          (1946-48) (zukünftige Mitglieder werden u.a.: Werner Lamberz (1953-63), Inge Lange (1952-61),

          Egon Krenz (1961-64, 1967-83), leitende Funktionärskader studier(t)en an Komsomol- und KPdSU-

          Parteihochschulen in Moskau)  > verfolgte Schüler

14.06. SBZ; Halle/S., Landgericht verurteilt die Scharfrichter-Gehilfen Johannes Kleine u. Andreas Rose wg.

          Beteiligung an über 500 Hinrichtungen mit Scharfrichter Alfred Roselieb im Zuchthaus „Roter Ochse“

          zum Tode (Gustav Radbruch kritisiert das Urteil. Der in die BBZ geflohene Roselieb war für einen

          Henkerslohn von RM 26 433 von 04.1944 - 03.1945 an insges. 931 Hinrichtungen beteiligt)

15.06. BBZ; „Sozialistische Rundschau - Mitteilungsblatt der SPD“ SPD-Bez. Mittelrhein Vorsitz. Willi Eichler

          schreibt u.a. „Der Kampf gegen die Kirchen läßt sich von dem gegen die christliche Religion durchaus

          trennen. Der erste ist eine politische Auseinandersetzung, der zweite eine weltanschauliche. Diese

          weltanschauliche Auseinandersetzung ist wichtig, aber heute nicht so dringend wie der Kampf gegen

          die politischen Machenschaften der Kirche.“ (>18.1.1950)  > verfolgte Schüler,

          SBZ; Zwickau-Auerbach, eine Gruppe angetrunkener sowjet. Offiziere führt unter in einem Lokal an-

          wesenden deutschen Frauen eine Vergewaltigungsorgie durch u. schießt den Besitzer nieder(>4.1.49)

17.06. SBZ; Gründung des FDJ-“Verlag Neues Leben“, Ziel u.a. „an der kommunistischen Bildung und

          Erziehung der jungen Generation mitzuwirken...“  > verfolgte Schüler

20.06. SBZ; SED-Parteivorstand veröffentlicht Erklärung „SED und nominelle (NSDAP) Parteigenossen“ (um

          ihnen den Weg in die SED zu öffnen),

          West-Berlin; Poststadion, SPD-Vors. Dr. K. Schumacher’s Appell „Auf, Sozialisten schließt die Reihen“

24.06. BBZ; Helmstedt, brit. Militärgericht verurteilt im „Rühen Baby Farm Case“ Volkswagenwerk Betriebs-/

          Lagerarzt Dr. Hans Körbel u. Krankenschwester Ella Schmidt wg. des Todes von 365 poln. u. sowjet.

          Zwangsarbeiterkindern infolge vorsätzl. Vernachlässigung zum Tode (Dr. K. wird am 7.3.47 gehenkt,

          Ella Schmidt’s Todesurteil wird später zu einer langjährigen Haftstrafe gewandelt)

25.06. SBZ; Thüringen, Dr. jur. Helmut Külz (LDPD) leitet das Landesamt für Justiz (ab 6.12.46 wird Dr. Külz

          Landesjustizmin., nicht überliefert ist ob sich der liberale Justizminister in gleicher Weise für die 38

          ,Greußener Jungen’ einsetzt wie es der liberale ex-Justizmin. Dr. Thomas Dehler später für den

          liberalen (DDR)Minister Dr. Karl Hamann tat? Dr. K. flieht im Juni 1948 nach Westdeutschland)

29.06. Vatikan; Papst Pius XII beruft den vom poln. Kardinal Hlond zum Amtsverzicht gezwungenen Bischof

          Maximilian Kaller zum „Päpstlichen Sonderbeauftragten für die heimatvertriebenen Deutschen“

30.06. Alliierter Kontrollrat verfügt (Verlangen d. SMAD wg. hoher Zahl v. Sowjetzonenflüchtlingen) Sperrung

          der Demarkationslinien zwischen SBZ und westl. Besatzungszonen (>29.10.46/ 26.5.52/ 13.8.61),

          SBZ; Sachsen, Volksbefragung über „Gesetz über die Übergabe von Betrieben von Kriegs- u. Nazi-

          verbrechern in das Eigentum des Volkes“ (mit 77,6%=JA für Industriereform ist Gesetz rechtskräftig,

          vom 24.7.-16.8. treten Gesetze gleichen Inhalts in den übrigen Ländern der SBZ in Kraft) (>26.3.68)

01.07. ABZ; Rückkehr von ex-Generalstabsabt.-Chef „Fremde Heere Ost“ Generalmaj. Reinhard Gehlen und

          Beginn des Aufbaus der (amerik.-dt. Geheimdienst-)„Organisation Gehlen“ (>8.2.50/ 17.3.52/ 1.4.56)

    07. SBZ; Gründung „Kammer der Technik“, wird später eigenständige Massenorganisation der sozialisti-

          schen Intelligenz, im Vorstand sind überwiegend SED-Mitglieder, Präsidenten: Prof. Dr. Hans-Heinrich

          Franck, Prof. Dr. Horst Peschel, Prof. Dr. Manfred Schubert, Prof. Dr. Ing. Dagmar Hülsenberg, Prof.

          Dr. Ing. Klaus-Peter Budig, Vizepräs. u.a. Prof. Dr. Robert Havemann (später ca.250 000 Mitgl.,

          67 000 mit Hochschulabschluß)

03.07. BBZ; „Hannoversche Neueste Nachrichten“ Henri Nannen-Pathos u.a. „Verstummt sind die Schreie

          der Lautsprecher, zerrissen das bunte Tuch der Fahnen und die Feuer der Pylonen sind ausgebrannt

          …Hatten wir denn überhaupt mit alledem zu tun, waren wir nicht vielmehr abseits gestanden und

          hatten unsere heiligsten Güter vor dem Inferno dieser Jahre bewahrt?...“ (>16.12.1970/ 1.2.1979)

04.07. Polen; Kielce, bei anti-jüd. Pogrom poln. Zivilisten, Polizisten und Militärs werden von ca. 200 heim-

          gekehrten zumeist besitzlosen KZ-Überlebenden mind. 37 - auch Kinder - grausam ermordet und 82

          schwer verletzt (Polens Augustyn Kardinal Hlond gibt den Juden die Schuld am Massaker) (>12.8.46)

10.07. Allierter Kontrollrat erläßt Gesetz Nr. 32 über Beschäftigung von Frauen bei Bau- und Wiederaufbau-

          arbeiten (in Berlin sind bereits ca. 60 000 oft verwitwete, vergewaltigte, vertriebene, alleinerziehende,

          meist aus der Unterschicht kommende 15-50jährige Trümmerfrauen mit der z.T. gefährlichen Arbeit für

          ca. RM 0,60/Std. u. bessere Lebensmittelrationen beschäftigt, vielleicht Millionen im Land)(>01./02.47)

14.07. Polen; Poznan; der wg. vielfacher Morde, Deportationen, Kunstraub, Zwangsadoptionen u. Eindeut-

          schung poln. Kinder verurteilte Gauleiter Arthur Greise wird öffentl. gehenkt (>30.11./3.12.98)

16.07. ABZ; Dachau, US-Militärgericht verurteilt im Malmedy-Prozeß wg. Ermordung amerikanischer Kriegs-

          gefangener 43 Angeklagte zum Tode (kein Todesurteil wird vollstreckt), 22 zu lebenslanger und acht

          weitere bis zu 20 Jahren Haft (>22.10.55)

20.07. ABZ; Nürnberg, Generalleutnant Dr. Edmund Glaise v. Horstenau begeht Selbstmord,

          SBZ; die ev. Berlin-Brandenburgische Landeskirche weigert sich anläßl. einer Kanzelabkündigung

          zum Jahrestag des 20.7.1944 den Namen von Dietrich Bonhoeffer zu erwähnen, da sie den Anschlag

          „niemals gutheißen (könne), in welcher Absicht er auch ausgeführt sein mag.“

22.07. Palästina; Jerusalem, King-David Hotel, bei Sprengstoffanschlag jüd. „Irgun“-Terroristen auf das brit.

          Hauptquartier werden ca. 150 Menschen getötet und verwundet (>17.7.47/ 14.5.48/ 17.9.48),

          SBZ; SMAD-Befehl Nr. 143: IG Farben Ammoniakwerk Merseburg wird Chemiewerk Leuna SAG (ehe

          1990 die Treuhand übernimmt u.a. auch: VEB Leuna-Werke ,Walter Ulbricht’, Leuna-Werke AG…)

26.07. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 225 Über die Leitung und Arbeit der Kinderheime (>26.7.51/ 18.9.52)

29.7./10.2.47 Frankreich; Paris, Friedenskonferenz der Alliierten mit Bulgarien, Finnland, Italien, Ungarn und

          Rumänien über Reparationen u. Gebietsansprüche (am 10.2.47 Unterzeichnung der Friedensverträge,

          z.B. zahlt Italien $360 000 000, verliert Kolonien und Teile Dalmatien’s u. Istrien’s, ca. 350 000 italien.

          Vertriebene, kein alliierter Prozeß gegen Italiener - bereits ab 1945 wurden allein in Mailand über

          1 000 italien. Faschisten hingerichtet) (>9.7.51/ 6.9.51/ 24.10.51/ 25.1.55/ 15.5.55/ 12.9.90)

30.07. SBZ; Gründung von „Deutsche Verwaltung des Innern (DVdI)“ verantwortl. für Koordination der SBZ-

          Polizeiorgane, Präs. Erich Reschke (ab 1950 Volkspolizei-Kommandant Zuchthaus „Gelbes Elend“ in

          Bautzen), Vizepräs. Erich Mielke (>7.2.47), Willi Seifert, Kurt Wagner (alle SED) (>23./24.7.48)

01.08. SBZ; Eröffnung d. „Deutschen Akademie der Wissenschaften“ (ab 10.1972 „Akademie der Wissen-

          schaften der DDR“) ist dem DDR-Ministerrat unterstellt, später mehr als 50 Institute u. Forschungs-

          stellen mit ca. 24 000 Mitarbeitern; Präsidenten: Prof. Dr. Johannes Stroux (1946-51), Prof. Dr. Walter

          Friedrich (1951-55), Prof. Dr. Max Volmer (1955-58), Prof. Dr. Werner Hartke, ex-NSDAP/SED (1958-

          68), Prof. Dr. Hermann Klare, ex-NSDAP (1968-79), Prof. Dr. Werner Scheler, ex-NSDAP/SED (1979-

          90), Prof. Dr. Horst Klinkmann, SED (1990-91) Vizepräsidenten: Prof. Dr. Hans Stille (1946-51), Prof.

          Dr. Johannes Stroux (1951-54), Prof. Dr. Hans Ertel, ex-NSDAP (1951-61), Dr. Wolfgang Steinitz,

          SED (1954-63), Prof. Dr. Walter Friedrich (1956-68), Prof. Dr. Hans Frühauf, ex-NSDAP/SED (1957-

          63), Prof. Dr. Max Volmer (1958-63), Prof. Dr. Max Steenbeck (1962-66), Prof. Dr. Hermann Klare, ex-

          NSDAP (1963-68 u. 1979-84),  Prof. Dr. Leo Stern (1963-68), Prof. Dr. Werner Hartke, ex-NSDAP/

          SED (1968-72), Prof. Dr. Kurt Schwabe (1971-80), Dr. Ulrich Hofmann (1972-90), Prof. Dr. Werner

          Kalweit, SED (1972-90), Prof. Dr. Heinrich Scheel, SED (1972-84), Prof. Dr. Werner Bahner, SED

          (1980-90), Prof. Dr. Hans-Heinz Emons, SED (1988-89), Prof. Dr. Günter Albrecht (1988-90), Prof. Dr.

          Herbert Hörz, SED (1989-90)

12.08. poln. verwaltetes Schlesien; Breslau, Kardinal Hlond zwingt Prälat Dr. F. Piontek zum Amtsverzicht

15./16.8. SBZ; 1.Pädagogischer Kongreß, Paul Wandel plädiert für „Schule im Geiste der Humanität“ „Wir

          wissen auch, daß es ohne Beseitigung sozialer Ungerechtigkeit kein gleiches Recht auf Bildung gibt.

          Das gleiche Recht auf Bildung wurde vor 150 Jahren zum ersten Mal in...einer Verfassung feierlich

          verkündet. Es blieb wie die übrigen Menschenrechte...ein unerfülltes Versprechen...“, Generaloberst

          Pawel Alexejewitsch Kurotschkin und Prof. Sergej Tulpanow (beide SMAD) sprechen, ex-KPD-Mitgl.

          Dr. Wilhelm Heise referiert zu „Grundfragen der Pädagogik in der Neuen Demokratischen Schule“

          (Schulzwang, Hausunterricht-Verbot und Bildungsdiskriminierung)  > verfolgte Schüler (>27.7.91)

21.08. (27.8.?) SBZ; Aufruf „SED und Christentum - die Stellung der SED zur Kirche und zur Religion“ von

          Parteivorsitz. W. Pieck u. O. Grotewohl gezeichnet (in dieser Zeit wird im SED-ZK eine Kommission

          für Christentum/Kirchenfragen u.a. mit Paul Wandel, ex-SPD-Mitgl. Otto Meier und den Pfarrern

          Matthäus Klein, Hans-Joachim Mund und Arthur Rackwitz gegründet) (>20.10.46/ 28.1.47/ 01.1950)

23.08. UdSSR; sowjet. Ministerrat ordnet die Deportation 27 500 arbeitsfähiger Deutscher nach Sibirien an

24.08. SBZ; Frankfurt/O., der 50 000. arbeitsunfähige deutsche Kriegsgefangene aus der UdSSR trifft ein

26.8./14.1.47 China; Shanghai, US-Militärgericht verurteilt einundzwanzig dt. Geheimdienstler, Diplomaten

          und Journalisten wg. Tätigkeiten für den Achsen-Paktpartner Japan nach der deutschen Kapitulation,

          der Amt Ausland/ Abwehr-Chef in Shanghai Oberstleutnant Lothar Eisenträger alias Ludwig Ehrhardt

          wird zu lebenlanger Haft, der Deutscher Nachrichtenbüro-Chef von Shanghai Jesco v. Puttkamer wird

          zu 30 Jahren und die anderen werden zu Haftstrafen von 2 bis 20 Jahren verurteilt (1947 sind alle in

          der ABZ inhaftiert und 1950 frei!)

31.08. Alliierter Kontrollrat erlässt Gesetz Nr. 34 zur Wehrmachtauflösung mit Aufhebung aller relevanten

          Vorschriften einschl. Versorgungsrecht, d.h. keine Berufssoldaten-Pensionen (>16.12.49/ 24.3.50)

01.09. SBZ; Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule ist in Kraft (mit 8-klassiger demokratischer

          Einheitsschule: „…Sie muß so aufgebaut sein, daß sie allen Jugendlichen, Mädchen u. Jungen, Stadt-

          und Landkindern, ohne Unterschied des Vermögens ihrer Eltern das gleiche Recht auf Bildung und

          seine Verwirklichung entsprechend ihren Anlagen und Fähigkeiten garantiert.“ deutsche Gerechtigkeit:

          Bildungsdiskriminierung, Schulzwang, >verfolgte Schüler (>15.12.50/ 24.9.51/ 7.2.53/ 26.12.54)

    09. SBZ; Sowjets informieren dt. Funktionäre „daß künftighin alle politischen Vergehen schwerer Art von

          den deutschen Gerichten verurteilt werden müssen unter dem juristischen Begriff ,Kriegsverbrecher’ “

12.09. BBZ; anglo-US Verwaltungsrat für Wirtschaft u.a. mit R. Moeller u. Dr. L. Erhard gebildet (>21.12.47)

14.09. SBZ; „Neues Deutschland“ Erklärung des Mitgliedes des SED-Parteivorstandes Max Fechner: „Zur

          deutschen Ostgrenze möchte ich erklären, daß die SED sich jeder Verkleinerung deutschen Gebiets

          entgegenstellen wird. Die Ostgrenze ist nur provisorisch und kann erst auf der Friedenskonferenz

          unter Mitwirkung aller großen Siegerstaaten festgelegt werden.“ (>2.4.47/ 9.6.50/ 6.7.50/ 14.9.50/

          17.8.51/ 24.2.62/ 7.6.63/ 8.6.63/ 7.3.64/ 22.3.64/ 7.12.70/ 7.7.75/ 30.5.83/ 12.9.90/ 14.11.90)

15.09. SBZ; Wittenburg, der kath. Pfarrer Albert Groß wird von Sowjets verhaftet (nach Internierung im

          sowjet. NKWD-Lager Nr. 9 Fünfeichen wird Pfarrer Groß 1947 ohne Gerichtsprozeß nach Stalinsk in

          das sowjet. GULag Nr. 7525/13 deportiert und 1950 als „Kriegsgefangener“ entlassen) (>30.11.48)

23.09. BBZ; Lübeck, Ankunft Herbert Wehners (Ex-KPD) aus Schweden (am 8.10.46 wird er SPD-Mitglied)

30.09. ABZ; Nürnberg, Urteilsverkündung Hauptkriegsverbrecher-Prozeß: Todesurteile für Bormann, Frank,

          Frick, Göring, Jodl, Kaltenbrunner, Keitel, v. Ribbentrop, Rosenberg, Sauckel, Seyß-Inquart, Streicher,

          lebenslange Haft für Funk, Heß, Raeder, 20 Jahre für v. Schirach und Speer, 15 Jahre für v. Neurath,

          10 Jahre für Dönitz, Freispruch f. Schacht, v. Papen, Fritsche. NSDAP-Führerkorps, Gestapo, SD, SS

          einschl. Waffen-SS werden zu verbrecherischen Organisationen erklärt (die Urteile werden von der

          BRD nie als rechtswirksam anerkannt! Gen. A. Jodl wird 1953 posthum freigesprochen) (>19.10.50/

          1951/ 4.10.51/ 17.9.52/ 27.10.52/ 28.2.53/ 2.7.61/ 1.10.66/ 12.1.68/ 26.6.76/ 9.11.89/ 8.5.97/ 9.12.98)

01.10. ABZ; „Frankfurter Rundschau“ „Mit verschlossenen…Gesichtern sitzen die…angeklagten ehemaligen

          Staatsoberhäupter…vor der Öffentlichkeit der Völker…Antreibende und Ausführer, Intriganten und

          Veranlasser der größten Verbrechen…Und alle wie sie da sind, nennen sich unschuldig vor Gott.“,

          BBZ; „Die Welt“ „Es wäre die Ansicht, daß ein Verbrechen nicht geahndet werden kann, weil kein

          passendes Gesetz vorhanden ist, eine Zumutung gewesen…Ein Gesetz kann immer erst geschaffen

          werden, wenn das Verbrechen bereits existiert. In einem Land, in dem es keine Straßenbahnen gibt,

          braucht man keine Verordnungen gegen das Abspringen während der Fahrt…“  > verfolgte Schüler

          und deutsches ,nulla poena sine lege’!!! (>02.10.1990)

02.10. BBZ; Köln, Hirtenbrief des kath. Erzbischof Joseph Frings u.a. „Wir deutschen Katholiken waren

          nicht Nationalsozialisten…“

08.10. SBZ; Berlin, Dr. Wilhelm Külz (LDPD), Dr. Otto Suhr (SPD) u. Peter Lorenz (CDU, Abitur 1941, er er-

          füllte die politischen Kriterien nationalsozialistischer Begabtenförderung) protestieren im Namen

          ihrer Parteien beim Vorsitz. der Zentralverwaltung für Volksbildung Paul Wandel (SED) gegen die bei

          Auswahl u. Zulassung von Studenten praktizierten politischen Kriterien (> 01.1972),

          SBZ; Brandenburg/Havel, I. Parlament der FDJ stellt die Aufgabe die Jugend „für die großen Ideale

          der Freiheit, des Humanismus, einer kämpferischen Demokratie, des Völkerfriedens und der Völker-

          freundschaft, für die aktive Teilnahme aller Jungen und Mädel beim Neuaufbau unseres Vaterlandes

          zu gewinnen.“  > verfolgte Schüler

10.10. Alliierter Kontrollrat erlässt Gesetz Nr. 36 „Zur Errichtung von Verwaltungsgerichten in den einzelnen

          Zonen u. in Berlin“; Bildungsdiskriminierung, verfolgte Schüler (>7.10.49/ 23.7.52/ 2./3.4.58/ 27.2.61)

10.10./10.3.47 ABZ; Nürnberg, Volkstumsprozeß Nr. VIII u.a. wg. des „Generalplans-Ost“, Kinderwegnahme

          u. Kindesentführungen geg. Ulrich Greifelt, Heinz Brückner, Rudolf Creutz, Dr. Gregor Ebner, Richard

          Hildebrandt, Otto Hofmann, Herbert Hübner, Werner Lorenz, Günther Panke, Otto Schwarzenberger,

          Fritz Schwalm, Max Sollmann; Dr. Günther Tesch u. Prof. Dr. K. Meyer-Hetling  > verfolgte Schüler

12.10. Alliierter Kontrollrat, Direktive Nr. 38 betr. Verhaftung u. Bestrafung von Kriegsverbrechern, National-

          sozialisten u. Militaristen u. Internierung, Kontrolle u. Überwachung von möglicherweise gefährlichen

          Deutschen (US-Entnazifizierungsgesetz einschl. Nationalsozialisten-Einstufung als ,Hauptschuldig’

          ,Belastet’ ,Minderbelastet’ ,Mitläufer’ oder ,Entlastet’ ) wird auf alle Zonen übertragen (>13.9.48)

15.10. ABZ; Nürnberg, Reichstagspräs. u. Feldmarschall Hermann Göring begeht Selbstmord

20.10. SBZ; Landtagswahlen („Umsiedler - Die SED hilft Euch eine neue Heimat schaffen. Wählt SED“),

          Brandenburg SED 43,5%, Mecklenburg 49,5%, Sachsen 49,1%, Sachsen-Anhalt 45,8%, Thüringen

          49,3%,

          Groß-Berlin; Stadtparlamentswahl, amerik. Sektor SED 12,7%, brit. Sektor SED 10,3%, franz. Sektor

          SED 21,2%, sowjet. Sektor SED 29,8%,

          SED: „Es gibt keine...Gegensätze, die eine jetzt offenbar herbeigewünschte Kampfstellung Christen-

          tum oder Marxismus rechtfertigen könnten...Es geht...nicht um eine Kampffrage: Christentum oder

          Marxismus, sondern um die gemeinsame Verantwortung gegenüber der Zukunft...“

22.10. SBZ; Operation „Osoawjachim“ beginnt, tausende deutscher Wissenschaftler und Ingenieure werden

          z.T. mit ihren Familien in die UdSSR „verpflichtet“,

          SBZ; „Neues Deutschland“ „Großer Wahlsieg der SED in der Zone…Das Gesamtergebnis der Berliner

          Wahlen…spiegelt die politischen Schwankungen…der kleinbürgerlichen Wählerschichten wieder…“

25.10./ 20.7.47 ABZ; Nürnberger Prozeß gegen 23 Ärzte und Medizinalbeamte: Prof. Dr. Kurt Blome, Stellv.

          Reichsgesundheitsführer; Prof. Dr. med. Karl Gebhardt, Präs. Deutsches Rotes Kreuz; Prof. Dr. med.

          Karl Brandt, NSDAP-Dienstleiter Führerkanzlei; Dr. jur. Rudolf Brandt, Reichskommissar Sanitäts- und

          Gesundheitswesen; Dr. Karl Genzken, Lagerarzt KZ Buchenwald/Chef Sanitätsamt Waffen-SS; Prof.

          Dr. med. Siegfried Handloser, SS-Oberführer, Heeressanitätsinspektor, Generaloberstabsarzt; Prof.

          Dr. med. Joachim Mrugowsky, Reichsarzt SS und Polizei; Dr. med. Paul Rostock, Chef Dienststelle

          Medizinische Wissenschaft und Forschung; Dr. med. Oskar Schröder, Generaloberstabsarzt; die

          Urteile: Todesstrafe für Viktor Brack, Prof. Dr. Karl Brandt, Dr. Rudolf Brandt, Prof. Dr. Karl Gebhardt,

          Dr. Waldemar Hoven, Prof. Dr. Jochim Mrugowski und Wolfram Sievers; lebenslange Haft für Dr. med.

          Fritz Fischer (Menschenversuche an Frauen im KZ Ravensbrück, am 1.4.54 amnestiert, danach

          Wissenschaftler bei Boehringer), Dr. med. Karl Grentzken, Prof. Dr. med. Siegfried Handloser (1953

          wg. Krankheit entlassen), Prof. Dr. med. Oskar Schröder (für Menschenversuche an KZ-Häftlingen

          verantwortlich, 1954 amnestiert, dann US Air Force), Prof. Dr. med. Gerhard Rose (1955 amnestiert),

          Dr. med. Hermann Becker-Freyseng (für Menschenversuche an KZ-Häftlingen verantwortlich, 1952

          amnestiert, dann US Air Force), Dr. med. Hertha Oberhäuser (f. Menschenversuche an KZ-Häftlingen

          verantwortlich, 1952 amnestiert, als „Spätheimkehrer“ anerkannt, dann Johanniter-Krankenhaus Plön),

          Haft von 15 J. für Dr. Wilhelm Beiglböck (1951 amnestiert), Haft von 10 J. für Dr. Helmut Poppendick

          (1951 amnestiert); Freisprüche für Kurt Blome, Adolf Pokorny, Hans Romberg, Paul Rostock, Siegfried

          Ruff, Konrad Schäfer und Georg Weltz (es gibt Rehabilitationsversuche, im Folgejahr schreibt Prof. Dr.

          Viktor Freiherr v. Weizsäcker „So wie die Amputation eines brandigen Fußes den ganzen Organismus

          rettet, so die Ausmerzung der kranken Volksteile das ganze Volk...wenn das ganze Volk in Lebens-

          gefahr schwebt und durch Beseitigung einzelner Individuen gerettet werden kann, müssen diese

          Individuen geopfert werden...“)

26.10. BBZ; Sennelager, Reichsjustizmin. u. Reichsgerichts-Vizepräs. Dr. Otto Thierack begeht Selbstmord

    10. SBZ; Berlin; NKWD-Lager Nr. 3 Hohenschönhausen wird geschlossen, die jüngsten Häftlinge waren

          13jährige Kinder, ca. 3 000 Tote (ab 03.1951-1989 MfS-Untersuchungsgefängnis, auf DDR-Berlin-

          Stadtplänen nicht eingezeichnet)

29.10. Alliierter Kontrollrat, Direktive Nr. 63 u.a. zur Einführung von „Interzonenpaß“ (>14.11.53),

          Volkszählung in allen vier Besatzungszonen

          ABZ = 17 174 400 Einw. )

          BBZ = 22 324 600 Einw. ) einschl. der bislang in den Besatzungszonen befindlichen über 9 500 000

          FBZ =   5 089 000 Einw. ) heimatvertriebenen Deutschen, davon sind ca. 3 600 000 in der SBZ

          SBZ = 17 332 900 Einw. )

04.11. Großbritannien; London, Gründung der UNESCO (>11.7.51/ 14.12.60/ 21.11.72)

4.11./11.12. USA; New York, 3.(nach-Potsdam)Treffen des Rates alliierter Außenminister (>2.12.46)

05.11. ABZ; Stuttgart, süddt. Länderratstagung, General Lucius D. Clay kritisiert deutsche (Entnazifizierung-)

          Spruchkammerpraxis: „Let us have no misunderstanding, denazifikation is a ,must’.” (>30.9.99)

07.11. SBZ; Schwerin, die ev. Pastoren und SED-Mitgl. Aurel v. Jüchen und Karl Kleinschmidt berufen das

          1.Treffen der „Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialismus“ ein

9./11.11. Berlin, Generalkonvent sozialistischer Theologen der Ostzone wird vom ev. Superintendent und ex-

          NKFD-Mitgl. Dr. F.-W. Krummacher eröffnet, der Konvent beschliesst u.a. Gründung der „Bruderschaft

          sozialistischer Theologen“ unter Pastor v. Jüchen (1949 folgt v. Jüchens SED-Ausschluss, 1950-55 ist

          er im GULag Workuta inhaftiert)

13.11./13.10.1947 ABZ; Nürnberger Juristen-Prozeß geg. Ministerialdirektor Josef Altstötter, Abt.-Leiter

          Reichsjustizmin. Wilhelm v. Ammon, kommissar. Reichsjustizmin. Prof. Dr. Franz Schlegelberger,

          OLG-Präs./ Staatssekr. Dr. Curt Rothenberger, Staatssekr. Herbert Klemm, Generalstaatsanwalt

          Günter Joel, Ministerialdirigent Wolfgang Mettgenberg, Oberreichsanwalt Ernst Lautz, Reichsanwalt

          Paul Barnickel, Ministerialdirektor Karl Engert, VGH-Senatspräs. Günther Nebelung, Laienrichter Hans

          Petersen, Vors. Richter u. Reichsanwalt Dr. Oswald Rothaug, Vors. Richter u. Reichsanwalt Rudolf

          Oschey, Vors. Richter Hermann Cuhorst (Reichsjustizminister Dr. Franz Gürtner u. Volksgerichtshof-

          präs. Dr. Roland Freisler waren gestorben, Reichsjustizmin. Dr. Otto Thierack u. Reichsgerichtspräs.

          Dr. Erwin Bumke hatten Selbstmord begangen, Reichsrechtsführer Dr. Hans Frank war bereits

          gerichtet), Ankläger Telford Taylor: „Dieser Fall ist ungewöhnlich, da den Angeklagten Verbrechen zur

          Last gelegt werden, die im Namen des Gesetzes begangen wurden. Diese Männer, zusammen mit

          ihren verstorbenen oder flüchtigen Kollegen, waren die Verkörperung dessen, was im Dritten Reich als

          Justiz angesehen wurde…Die meisten der Angeklagten haben, zu verschiedenen Zeiten, als Richter,

          Staatsanwälte und als Beamte des Reichsjustizministeriums gearbeitet. Alle außer einem sind profes-

          sionelle Juristen; sie kennen sich gut aus in Gerichten und Gerichtssälen, auch wenn ihre gegenwär-

          tige Rolle neu für sie sein mag. Aber ein Gericht ist weit mehr als ein Gerichtssaal; es ist ein Prozeß

          und ein Geist. Es ist das Haus des Gesetzes. Das wissen die Angeklagten, oder müssen sie einmal

          gewußt haben. Ich bezweifle, daß sie es jemals vergessen haben. Tatsächlich ist die Grundlage der

          Anklage, daß jene Männer, Leiter der deutschen Justiz, bewußt und wohlüberlegt das Gesetz unter-

          drückten, sich einer schrecklichen Maskerade von brutaler Tyrannei verpflichteten, die als Justiz

          verkleidet war, und sie verwandelten das deutsche Rechtssystem in eine Maschinerie des Despotis-

          mus, der Verfolgung, der Plünderung und des Mordens.“

          Staatssekretär Herbert Klemm: „Gesetze und Normen zurückzuweisen, die seit Jahren existieren,

          stand nicht in meiner Kompetenz.“ - Sondergerichtsvorsitzender Richter Hermann Cuhorst: „Bin ich als

          Richter ein Krimineller?“

          Urteil: „Einfacher Mord und Einzelfälle von Greueltaten bilden nicht den Anklagepunkt für die Beschul-

          digung. Die Angeklagten sind solch unermesslicher Verbrechen beschuldigt, daß bloße Einzelfälle von

          Verbrechenstatbeständen im Vergleich dazu unbedeutend erscheinen. Die Beschuldigung, kurz ge-

          sagt, ist die der bewußten Teilnahme an einem über das ganze Land verbreiteten…von der Regierung

          organisierten System der Grausamkeit und Ungerechtigkeit unter Verletzung der Kriegsgesetze u. der

          Gesetze der Menschlichkeit, begangen im Namen des Rechts und unter der Autorität des Justizminis-

          teriums mit Hilfe der Gerichte. Der Dolch des Mörders war unter der Robe des Juristen verborgen.“ für

          Schlegelberger, Klemm, Rothaug, Oschey lebenslange Haft; v. Ammon, Lautz, Mettgenberg, Joel 10

          Jahre, Rothenberger 7 Jahre und Altstötter 5 Jahre Haft - 1952 sind alle frei (> 5.3.46/ 1.2.51/ 4.2.51)

18.11. SBZ; Finsternwalde, Kurier Wilhelm Lohrenz vom West-Berliner SPD „Ostsekretariat“ ist einer der

          ersten verhafteten SPD-Kuriere (nach Folter unternimmt er Selbstmordversuch, er unterschreibt am

          16.6.1948 ein in SBZ-Zeitungen veröffentlichtes Geständnis das am 27.6.1948 von W. Ulbricht dem

          ZK der SED vorgelesen wird, L. wird 12.1949 aus der Haft entlassen u. flieht nach West-Berlin)

28.11. ABZ; Württembergische Landessynode, EKD-Vorsitzender Landesbischof Theophil Wurm spricht von

          einem „unblutigen Bürgerkrieg“ im Zusammenhang mit dem Gesetz zur Befreiung vom National-

          sozialismus vom 5.5.1946

02.12. SBZ; SMAD-Befehl Nr.333 zur Gründung gesellschaftswissenschaftlicher Fakultäten an Universitäten

          Jena, Leipzig, Rostock (zur „Ausbildung von politisch verantwortungsbewußten und Wissenschaftlich-

          qualifizierten Kadern für den antifaschistisch-demokratischen Neuaufbau“, bis zur Schliessung dieser

          ideologischen „Schnellküchen“ sind 90% der „Gewifa“-Studenten auch SED-Mitgl. u. erfüllen die poli-

          tischen Kriterien sozialistischer Begabtenförderung der Diktatur des Proletariats) (>21.12.51),

          USA; New York, Außenmin. Byrnes (USA) u. Bevin (GB) unterzeichnen Bizone-Abkommen (>1.1.47)

03.12. SBZ; Sachsen-Anhalt, Provinzialregierung gebildet, Min.-Präs. Dr. Friedrich Hübener (LDPD)

04.12. SBZ; Thüringen, Landesregierung gebildet, Min.-Präs. Prof. Dr. Rudolf Paul (SED)

09.12. SBZ; Mecklenburg-Vorpommern, Landesregierung gebildet, Min.-Präs. Wilhelm Höcker (SED)

10.12. Schweden; Akademie der Wissenschaften, Prof. Dr. Otto Hahn empfängt wg. seiner Internierung zeit-

          lich verzögert den Chemie-Nobelpreis für seine Entdeckung der Kernspaltung von Atomen (>12.4.57)

11.12. SBZ; Sachsen, Landesregierung gebildet, Min.-Präs. Dr. Rudolf Friedrichs (SED)

18.12. SBZ; Brandenburg, Landesregierung gebildet, Min.-Präs. Dr. Karl Steinhoff (ex-SPD, SED);

          SBZ; Konferenz der Volksbildungsminister der Länder

21.12. ABZ; München, Wirtschaftsmin. Dr. Ludwig Erhard wird durch Ludwig Zorn abgelöst (ein Unter-

          suchungsausschuß spricht Dr. Erhard, er ist gleichzeitig „Sonderstelle Geld und Kredit“-Vorsitzender,

          die Fähigkeit „das Amt des eines Wirtschaftsministers zu bekleiden“ ab, als „Mißwirtschaftsminister“ ti-

          tuliert wird er 1947 Uni. München Honorarprofessor u. 1977 „Vater des Wirtschaftswunders“ genannt)

          (>10.10.47/ 27.1.48/ 1.3.48/ 12.11.48/ 10.6.49/ 15.10.63)

23.12. SBZ; Berlin, FDJ-Vors. Erich Honecker (ex-KPD/SED) heiratet Charlotte Schanuel (>8.12.49)

31.12. BBZ; Köln, Erzbischof Josef Frings rechtfertigt den Diebstahl von zum Überleben notwendigen

          Gütern im Hungerwinter 1946/47, der Begriff „fringsen“ ist geschaffen,

          SBZ; „…allein in Mecklenburg-Vorpommern (wurden) 16 000 elternlose Kinder gezählt, von den 4 000

          noch so klein waren, daß sie nicht einmal ihren Namen, Geburtsort und Geburtstag anzugeben ver-

          mochten.“ (Quelle: Monumenta Paedagogica, Bd. II), Mitgl.-Zahlen; SED ca. 1 300 000 (ca. 50%

          gehören einer Kirche an), CDUD ca. 68 000, LDPD ca. 180 000

1947

01.01. Bizone-Abkommen (Vereinigtes Wirtschaftsgebiet ABZ-BBZ) tritt in Kraft (>2.3.48)

10.01. ABZ; Gouverneur Lucius D. Clay informiert alle Länder zu Major John Wilkinson Taylor’s OMGUS

          Education and Religious Affairs-Empfehlung der 6jährigen Grundschule und mehrzügiger weiter-

          führender Schulen unter einem Dach (Dr. phil. Taylor wird University of Louisville-Präsident und

          Vertreter des UNESCO-Generaldirektors)

13.1./3.11.47 ABZ; Nürnberger Prozeß gegen SS-Wirtschafts- u. Verwaltungshauptamt (u.a. Oswald Pohl,

          Dr. Leo Volk, Dr. Hanns Bobermin, Dr. Hans Hohberg, Hans Lörner, Heinz Fanslau, August Frank,

          Max Kiefer, Georg Lörner, Rudolf Scheide, Erwin Tschentscher, Joseph Vogt und KZ-Zahnärzte-Chef

          Dr. Hermann Pook)

17.01. Groß-Berlin; Major Herbert Frahm genannt Willy Brandt wird Presseattaché der Militärmission von

          Norwegen (>1.2.48) > verfolgte Schüler

18.01. BBZ; Düsseldorf, Landtag, ein Abgeordneter: „Die neue Versorgungsperiode sichert der Bevölkerung

          in Nordrhein und Westfalen eine Ernährung von rund 750 Kal. täglich. Zwei Pfund Brot für eine Woche

          sollen für den hartschaffenden Menschen nach dem jetzigen Zuteilungsplan genügen; das sind täglich

          drei Scheiben Brot. Dabei fallen die Kartoffeln fast ganz aus. Eine Fettzuteilung erfolgt nicht oder nur

          in absolut unzureichenden Maße. Fleisch ist dem städtischen Verbraucher Luxus geworden. Nähr-

          mittel werden nicht zugeteilt und hinzu kommt noch die unzureichende Gemüseversorgung.“

19.01. Polen; 1.Sejm-Scheinwahl (der „Demokratische Block“ hier ist die „Nationale Front“ der DDR) - Sejm

          wählt Boleslaw Bierut zum Präsidenten u. Józef Cyrankiewicz zum Min.-Präs.) (>28.4.47/ 5./6.6.50)

26.01. ABZ; München, Gründung „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ VVN (>22.2.47/ 19.9.50)

28.01. SBZ; Berlin, SED-Kulturkonferenz, Otto Meier (ex-SPD, SED-ZS) referiert über „Partei und Kirche“

30.01. Ministerialdirektor Hans Fritsche, Leiter Presse- u. Rundfunkabteilung Reichspropagandaministerium

          vor Entnazifizierungsspruchkammer „Ich bin von Verbrechern vom Schlage eines Hitler oder Goebbels

          getäuscht worden. Ich bin geistig genauso missbraucht worden, wie viele andere körperlich.“,

          UdSSR; Moskau, Oberste Gericht (Militärkollegium) verurteilt den sächs. NSDAP-Gauleiter und SA-

          Obergruppenführer Martin Mutschmann wg. Kriegsverbrechen zum Tode (er wird am 14.2. gehenkt)

03.02. BBZ; „Ahlener Programm“ d. CDU u.a.: „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und

          sozialen Interessen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen

          ...Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von

          Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr

          das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein...“

          (>15.7.49),

          BBZ; brit. Militärgericht verurteilt u.a. den stellv. KZ Ravensbrück Kommandant Johann Schwarzhuber,

          die Lagerärzte Dr. Gerhard Schiedlauski, Dr. Percy Treite, Dr. Rudolf Rosenthal, die „Das Monster“

          genannte Blockälteste Carmen Mory und die KZ-Frauenarbeitsdienstleiterin Grethe Bösel zum Tode

07.02. Berlin, Kammergericht, Staatsanwalt Wilhelm Künast unterzeichnet Haftbefehl für SED-Vizepräs. der

          (SBZ-DVdI) „Deutsche Verwaltung des Inneren“ Erich Mielke wg. der Polizistenmorde 1931 (daraufhin

          diskreditieren die Sowjets K. im Alliierten Kontrollrat, beschlagnahmen seine Mielke-Akten und stellen

          ihn unter Hausarrest aus dem er im Juli 1948 fliehen kann) (>5.5.48/ 24.1.49/ 7.11.89/ 26.10.93)

12.02. SBZ; Gründung der Tageszeitung „Junge Welt – Organ des Zentralrats der FDJ“, wendet sich an

          Jugendliche zwischen 13 u. 25 Jahre (Auflage 1961 = 292 000, 1971 = 508 185, 1975 = 860 000,

          1981 = 1 100 000 täglich), Chefredakteure: Adolf Buchholz (1947), Horst Brasch (1947-48), Mießner

          (1948-49), Heinz Stern (1949-54), Joachim Hermann (1954-60), Dieter Kerschek (1960-66), Horst

          Pehnert (1966-71), Klaus Raddatz (1971-77), Dieter Langguth (1977-84), Hans Dieter Schütt (1984-

          89), Jens König (1989-93)  > verfolgte Schüler

16.02. SBZ; Gründung des „Forum - Organ des Zentralrats der FDJ“ „Zeitung für geistige Probleme...",

          wendet sich an Studenten, Angehörige der jungen Intelligenz, Chefredakteure: kath. Philosoph Rudolf

          Böhm (1947-48), Dr. Karl Obermann (1947-49), Bruno Pioch (1949-51), Günter Schlesinger (1951-52),

          Rudolf Hochsieder (1953), Dr. Harry Milke (!953-56), Kurt Turba (1956-63), Heinz Nahke (1963-65),

          Dr. Klaus Hilbig (1965-72), Günther Baumgart (1972-73), Brigitte Zimmermann (1973-74), Martin

          Herzig (1974-82), Ronald Keuch (1983-)  > verfolgte Schüler,

          Jugoslawien; Belgrad, 4.Prozess jugoslaw. Militärtribunal’s verurteilt die Generale Alexander Löhr,

          Josef Kübler, Johann Fortner, August Schmidhuber, Fritz Neidholdt, Adalbert Lontschar u. Oberst

          Günther Tribukait wg. Erschiessungen von Zivilisten einschl. Frauen u. Kindern, Verschleppung von

          Zivilisten, Folterung und Tötung von Gefangenen zum Tode (A. Löhr wird am 26.2.47 hingerichtet)

17.02. SBZ; NKWD-Lager Nr. 5 Ketschendorf wird aufgelöst u. Häftlinge in andere Lager verbracht, 2 000 in

          sowjet. Arbeitslager, ca. 6 000 Häftlinge starben hier

01./02. SBZ; 1946/47 ist der kälteste Winter seit 1893, in Dresden und anderen Städten erfrieren Tausende,

          1947 gibt es in Dresden-Altstadt Elektrizität nur an ungeraden Tagen – in D.-Neustadt an geraden

          Tagen, Gas gibt es wochentags von 5-7, von 11-13 u. von 18-20 Uhr, im Februar werden die

          schlechtesten Lebensmittelkarten (Gruppe 6) für Rentner, Hausfrauen u. Arbeitsunfähige abgeschafft,

          deren wöchentliche Brotrationen steigen von 300 auf 350 g, die Fleischrationen von 15 auf 25 g)

19.02. ABZ; Freiburg, kath. Generalvikariat verhindert eine positive Würdigung der jungen Christen von der

          „Weisen Rose“ in der kath. Jugendzeitschrift „Fährmann“: „In den vorgelegten Probedrucken der März-

          Nummer…müssen wir beanstanden, daß das Opfer eines gewiß tragischen u. schmerzlichen Ge-

          schickes…ohne Vorbehalt als ,großes und leuchtendes Vorbild’ hingestellt und von ihm gesagt wird,

          er und seine Leidensgenossen hätten, ihr Leben hingegeben für uns alle in der Nachfolge Christi’…

          Probst und seine Gesinnungsgenossen (der Student u. Wehrmachtssanitäter Willi Graf war praktizie-

          render Katholik wie auch der Tischler Georg Elser, der Missionsschüler Maurice Bavaud und Oberst

          Claus S. Graf v. Stauffenberg) gingen in der Bekämpfung des sog. Dritten Reiches Wege, welche

          nicht im Einklang stehen mit christlichen Moralgrundsätzen…Revolution auch gegenüber einer

          Regierung, welche Unrecht übt…ist nicht erlaubt.“  > verfolgte Schüler (>1.7.49/ 12.12.55)

22.02. SBZ; Berlin, 200 Repräsentanten der ca. 35 000 SBZ-„Opfer des Faschismus“ OdF gründen die

          Interessenvertretung „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ VVN; Generalsekr. Karl Raddatz

          (SED, von 1933-37 und von 1940-45 inhaftiert), 1.Vorsitzender Ottomar Geschke (SED, von 1933-40

          und von 1944-45 inhaftiert), 2.Vorsitzender wird der ev. Probst Heinrich Grüber (1940-43 inhaftiert)

          (nach einer internationalen OdF-Konferenz im Juni 1946 in Frankfurt/M. wurden VVN am 26.10.1946

          in Nordrhein-Westfalen und am 26.10.1946 in Großhessen gegründet) (>16.12.49/ 21.2.53/ 16.6.61)

24.02. ABZ; Frankfurt/M., Landgericht, Prozeßbeginn geg. 25 Mitarbeiter der Euthanasie-Anstalt Hadamar

          (ca. 14 000 Ermordete), Pflegepersonal erhält im Namen des Volkes Hafttrafen von 3 bis 8 Jahren,

          ABZ, Nürnberg, dt. Spruchkammer verurteilt Franz v. Papen (Zentrumspartei, Reichskommissar in

          Preußen, Konkordatsvermittler, Steigbügelhalter und Vizekanzler A. Hitlers, 1934-44 dt. Botschafter in

          Österreich und Türkei) als „Hauptschuldigen“ zu 8 Jahren Arbeitslager und Vermögenseinzug von

          RM 721 000, am 26.1.49 wird er als nunmehr nur „Belasteter“ frei gelassen u. erhält sein Vermögen

          bis auf DM 30 000 Bußgeld zurück (und wird unter Papst Johannes XXIII 1959 abermals päpstlicher

          Geheimkämmerer - Camerieri Segreti di Cappa e Spada) (>16.4.47),

          Polen; Warschau, Oberstes Volkstribunal verurteilt den deutschen ex-Distrikt Warschau-Gouverneur

          Dr. jur. Ludwig Fischer, ex-Distrikt Warschau-Sicherheitspolizei-Chef Kriminalrat Josef Meisinger

          sowie Polizeioberst Max Daume zum Tode

25.02. Alliierter Kontrollrat, Gesetz Nr. 46 zur Auflösung des Staates Preußen

01.03. SBZ; 1.Juristenkonferenz der SED, Dr. Karl Polak spricht über Probleme der „Demokratisierung der

          Justiz“, Erörterung von „Grundsätzen der SED zur Justiz-Erneuerung“

7./9.03. SBZ; Ostberlin, DFD-Gründung (Demokratischer Frauenbund Deutschlands), 1.Vors.: Dr. Anne-

          Marie Durand-Wever, weiter Vors. werden Emmy Damerius-Koenen (KPD/SED), Elli Schmidt alias

          Irene Gärtner (KPD/SED), Ilse Thiele (KPD/SED), Eva Rohmann (SED) (>1.6.57/ 23./24.11.60)

10.03. ABZ; Nürnberg, Volkstumsprozeß Nr. VIII verurteilt Polizeigeneral Ulrich Greifelt u.a. wg. Entführung

          polnischer Kinder zu lebenslanger Haft, andere Angeklagte werden zu Haftstrafen von 10-25 Jahren

          verurteilt; der für „Generalplan Ost“ hauptverantwortliche Wissenschaftler Prof. Dr. Konrad Meyer-

          Hetling wird in entscheidenden völkerrechtlichen Fragen freigesprochen

10.3./24.4. UdSSR; Moskau, 4.(nach-Potsdam)-Treffen des Rates alliierter Außenminister

12.03. Polen; Warschau, eidesstattl. Erklärung v. ex-Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß u.a.: „…wurden die

          Häftlinge nur dann in die Betriebe entsandt, wenn die vorerst um KZ-Häftlinge angesucht hatten…

          Häftlinge über 50 Jahren wurden (Verf., auch damals) nur selten zum Arbeitseinsatz verwendet.“

          USA; Washington, Präs. Truman verspricht freien Völkern Hilfe (Truman-Doktrin - „cold war“) (>5.6.47)

13.03. SBZ; Student u. FDJ-Gründungsmitgl. Manfred Klein (kath., CDUD) und der Studentensprecher u.

          Jugendvertreter Georg Wrazidlo (CDUD) werden mit 15 weiteren Studenten verhaftet  >verfolgte

          Schüler (am 12/13.12.48 werden K. und W. gemeinsam mit der Studentin Gerda Rösch, vom SMT

          Berlin-Lichtenberg wg. „geheimer faschistischer Tätigkeit“ zu je 25 Jahren Haft verurteilt und 1956

          angeblich gegen den 03.1953 ohne Abgeordnetenimmunitätsaufhebung in der BRD verhafteten,

          04.1955 wg. „Hochverrat“ im Namen des Volkes zu 5 Jahren Haft verurteilten und 1957 amnestierten

          FDJ-Vorsitz. und MdL Jupp Angenfort ausgetauscht. Georg W. setzt in West-Berlin sein Medizin-

          studium bis zum Staatsexamen fort und stirbt 1959 bei einem ungeklärten Verkehrsunfall, Manfred K.

          studiert in der BRD Jura, 1959-63 Westberliner CDU-MdA, danach Referent der Bundeszentrale für

          politische Bildung. Wie Klein u. Wrazidlo war auch Angenfort Katholik, Hitler-Jugend-Mitgl. und erfüllte

          die politischen Kriterien nationalsozialistischer Begabtenförderung, 1942 Abitur Oberschule für

          Jungen Düsseldorf, Reichsarbeitsdienst, 1943-49 Wehrmacht, sowjet. Kriegsgefangenschaft, NKFD,

          1950 KPD, FDJ, 1951-53 NRW-MdL, BRD-FDJ-Vorsitzender, 1962 erneute Verhaftung in München,

          Flucht über Österreich in die DDR) (>3./5.11.47/ 26.6.51)

15.03. franz. verwaltetes Saarland, Hirtenbrief v. Erzbischof Franz Rudolf Bornewasser u.a. „Vaterlandsliebe

          bedeutet Treue. Wer Treue bricht ist ein Verräter...“ (>17.11.76 Dr. Kertzscher)

20.03. SBZ; Gründung der Freier Dt. Gewerkschaftsbund-Unterorganisation „Feriendienst des FDGB“ (1961

          wird vom Dt. Gewerkschaftsbund der BRD „DGB Reisen“ gegründet)

21.03. SBZ; Brandenburg, Landtag, 1.Gesetz zur Gleichbehandlung ,nomineller‘ NSDAP-Mitglieder

24.03. SBZ; NKWD-Lager Nr. 8 Torgau aufgelöst, ca. 4 000 Häftlinge in Sowjetunion deportiert, ca. 1 500

          Häftlinge starben hier

    03. SBZ; 11 800 km Eisenbahnschienen sind abgebaut und in die UdSSR verbracht worden,