1945

 

„Es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“  Walter Ulbricht 

 

„Widerstand meint Kampf gegen staatliches Unrecht. Voraussetzung ist, daß der Staat nicht höchster Wert

ist, sondern daß Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung gewogen und möglicherweise zu leicht

befunden werden können.“  Fritz Bauer, kritischer Jurist und Generalstaatsanwalt in Frankfurt/M.

 

08.05. vier alliierte Besatzungszonen westlich der Oder-Neiße-Linie haben (10.1946) ca. 62 Mio. Einwohner

          auf 375 470 qkm (bei Reichsgründung 1871 waren es 550 500 qkm, Aktionen deutscher Eliten von

          1914-18 u. 1939-45 verursachten riesige Menschen- u. Gebietsverluste und Reparationsleistungen)

 

          Neubeginn für deutsche Gerechtigkeit und u.a. auch für drei beispielhafte, gleichaltrige, überlebende

          und noch nicht schulpflichtige deutsche bzw. jüdische Kriegskinder:

          Kind 1 lebt in seiner protestantischen Familie zu Hause in der amerik. Besatzungszone, besucht in

          der BRD das Gymnasium, macht Abitur, studiert, wird Jungsozialist, Beamter, Bürgermeister, Minister-

          präsident, Bundesminister u. hat später ohne eigene Zahlung über DM 20 000 „Ruhegeld-Anspruch“.

          Kind 2 ist seit 04.1945 aus einem KZ befreiter besitzloser jüdischer Halbwaise und emigriert mit dem

          Vater nach Israel, macht sein Te'udat Bagrut (israelisches Abitur), studiert dort und später in der DDR.

          Kind 3 ist seit 02.1945 heimatloser Halbwaise, lebt am 8.5.45 bis zur Rückkehr des kriegsgefangenen

          Vaters bei fremden Pflegeeltern, später mit Vater u. Adoptivmutter in einer kath. Familie in der sowjet.

          Besatzungszone, Sozialisten verweigern dem Kind trotz sehr guter Schulnoten den Besuch der DDR-

          Oberschule, mit 14 Jahren arbeitet das Kind, zahlt Rentenversicherungsbeiträge, flieht als Arbeiter in

          die BRD, macht Jahre nach dem absolut mittellosen Neubeginn bescheidene Karriere, seine Steuern

          finanzieren u.a. auch das Studium und die hohen Lebenseinkünfte von Kind 1. Kind 3 erhält NIE

          Entschädigung und hat später ca. DM 2 000 staatl. Rentenanspruch!  (>10.10.49/ 28.7.50/ 13.2.51/

          9./14.11.89/ 3.10.90/ 27.3.98/ 5.10.2000/ 12.12.2001) > verfolgte Schüler, deutsche Gerechtigkeit

 

          SBZ; Berlin, der sowjet. Stadtkommandant Gen. Nicolai Bersarin ernennt Dr. A. Hermes zum Stadtrat

          für Ernährung,

          Dänemark; Geltinger Bucht, an Bord „Buéa“, unter Befehlshoheit des Führers der Schnellboote Kom-

          modore Rudolf Petersen verurteilt ein Standgericht unter Vorsitz v. Marine-Stabsrichter Adolf Holzwig

          mit Beisitzern Oberstabsarzt Dr. Hans Georg Bursch und Gefreiten Faustmann im Namen des

          Deutschen Volkes die von Kriegsgerichtsrat Hartger angeklagten Matrosen Fritz Wehrmann, Martin

          Schilling u. Alfred Gail wg. „eines schweren Falles der Fahnenflucht im Felde“ (nach Teilkapitulation

          dt. Truppen in Dänemark hatten sie sich von ihrer Einheit entfernt) zum Tode und den Matrosen Kurt

          Schwalenberg zu 3 Jahren Zuchthaus, die von Kommodore Petersen bestätigten Todesurteile werden

          am 10.5. an Bord vollstreckt u. die Leichen im Meer versenkt (die für die Todesurteile Verantwortlichen

          werden später freigesprochen) (>19.12.57),

          Tschechien; Generalfeldmarschall u. Ritterkreuzträger Ferdinand Schörner verläßt - trotz des eigenen

          „brutalen Durchgreifens gegen vermeintliche Drückeberger, Defätisten und Deserteure“ - in Zivil seine

          Heeresgruppe Mitte um sowjet. Kriegsgefangenschaft zu entgehen (am 15.5. wird er von amerik.

          Truppen gefangen genommen und danach sowjet. Truppen übergeben, am 11.2.1952 wird er in

          Moskau zu zweimal 25 Jahren Erziehungslager verurteilt, bereits 12.1954 entlassen kehrt er in die

          BRD zurück und wird 10.1957 vom LG München I wg. seiner strafbaren Handlungen verurteilt)

          (>11.5.51/ 5.8.55/ 15.10.55/ 15 10.57),

          Tschechien; Terezin, KZ Theresienstadt wird von sowjet. Armee befreit (nur ca. 100 der ca. 15 000

          hier von Deutschen inhaftierten Kinder überlebten das Kriegsende. T. wird nun Lager und Kinderlager

          für Deutsche, die tschech. Betreuer Premsyl Pitter und Olga Fierz retten hier viele dt. Kinder)

09.05. Tschechien; Sokolov/Falkenau, amerik. Truppen befreien das KZ Außenlager im 1938 vom Dt. Reich

          besetzten Sudetengebiet, Falkenaus deutsche Einwohner erhalten beim erzwungenen Bekleiden und

          Bestatten der liegengelassenen toten Zwangsarbeiter eine Lektion in Menschenwürde,

          sowjet. besetztes Danzig-Westpreußen; KZ Stutthof wird von sowjet. Truppen befreit

10.05. BBZ; Flensburg, Generalleutn. u. Konzentrationslager-Inspekteur Richard Glücks begeht Selbstmord,

          BBZ; Flensburg, dt. Kriegsgericht unter Vorsitz von Marineoberstabsrichter Dr. Theodor Constabel ver-

          urteilt Im Namen des Deutschen Volkes den Gefreiten Johann Christian Süß u.a. wg. „Untergrabung

          der Manneszucht" zum Tode, sein Gnadengesuch wird abgelehnt, Konteradmiral Bernhard Rogge

          bestätigt das Urteil (Süß wird am 11.5. erschossen, seine Eltern werden 1952 informiert, Berufssoldat

          Rogge legt 1957 seinen vierten Diensteid ab u. wird Bundesmarine-Konteradmiral, 1958-62 NATO-

          Kommandeur Schleswig-Holstein u. erhält das Bundesverdienstkreuz),

          SBZ; Erich Honecker stellt sich der Gruppe Ulbricht zur Verfügung, der ex-KJVD-Leiter wird beauftragt

          „Grundlinien für die Jugendarbeit der KPD in den nächsten Wochen und Monaten auszuarbeiten“

          (>19.6.45/ 25.6.45/ 31.7.45/ 10.9.45/ 2./3.12.45/ 26.2.46),

          Norwegen; Standgericht unter Vorsitz von Oberfeldrichter Wilhelm Spies verurteilt die Soldaten Rudolf

          Zatsch, Hartmut Feyertag, Josef Wenzl u. Leopold Wickenhauser im Namen des Deutschen Volkes

          zum Tode („die Angeklagten haben…in der Absicht gehandelt, sich der Verpflichtung zum Dienst in

          der Wehrmacht dauernd zu entziehen“, Divisionskommandeur Oberst Josef Remold u. Gen.Oberst

          Alfred Jodl bestätigen die Urteile die am 10.5. vollstreckt werden) (Oberfeldrichter Spies wird 1965 in

          Braunschweig vom Landgerichtsrat zum Landgerichtsdirektor befördert; Gebirgsjäger Oberst Remold,

          1934 „Handbuch für die Hitler-Jugend“-Autor, wird 1951-62 Bayerischer Bereitschaftspolizeipräsident

          u. 1967 Autor von „Tagebuch eines Bataillons-Kommandeurs“)  deutsche Gerechtigkeit,

          CSR; Pilsen, Reichsstatthalter u. Sudetenland-Gauleiter Konrad Henlein begeht Selbstmord

    05. BBZ; Flensburg, Große Str., Oberleutnant Prof. Dr. Helmut Schelsky (Zitat: „Eine sozialistische Tat ist

          so z. B. die Unfruchtbarmachung von unheilbar belasteten Menschen“, 1932 SA, 1934 SA-Lehrsturm

          Leipzig, 1935 Amt Rosenberg, 1937 NSDAP, 1939 Habilitation, Dozent Königsberg, 1940 Dt. Wissen-

          schaftl. Institut Budapest, 1943 Professor Reichsuni. Straßburg, 1949-53 Direktor Akademie f.Gemein-

          wirtschaft, 1953-65 Soziologie-Professur Uni. Hamburg und Münster, Beirat CDU-Bundesfamilienmin.-

          Sohn Wilhelm Schelsky wird Siemens-Betriebsrat, CDU-Parteitagsredner, Unternehmensberater,

          Lobbyist, Bundesvorsitzender Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger AUB e.V.),

          Leutnant Kurt Wagner, Joachim Leusch u. Flüchtlingsleitstelle Kiel-Mitarbeiter gründen Vermissten-

          Suchdienststelle (>02.1946)

11.05. ABZ Österreich; Werfen, amerik. Truppen übernehmen den sog. ungarischen Goldzug mit mind.

          24 Waggons und -zig Millionen Dollar geraubtem Gold, Silber, Edelsteinen, Kunst- und Wertgegen-

          ständen die Deutsche mit ungar. Komplizen u.a. unter Heinrich Himmler, Dr. Edmund Veesenmayer,

          Adolf Eichmann, Dr. Adolf Hezinger, Miklos Horthy, Ferenc Szálasi, Otto Skorzeny u. Dieter Wisliceny

          deportierten jüd. Ungarn raubten (Überlebende noch deren Erben erhalten je ihr Eigentum zurück)

12.05. BBZ Österreich; Kärnten, Beginn gewaltsamer, später als Kriegsverbrechen bezeichnete Repatriation

          von mind. 70 000 kriegsgefangenen Kosaken, Ukrainer, Sowjets, Weissrussen, Kroaten u. Slowenen

          durch brit. Truppen in die UdSSR bzw. Jugoslawien (dort häufig gefoltert u. ermordet) um im Gegen-

          zug die Repatriation von sowjet. Truppen befreiter alliierter Kriegsgefangener zu sichern (>09.1945),

          CSR; Brno, der heimgekehrte Exil-Präsident E. Benes sagt:„Das deutsche Volk hat in diesem Krieg

          aufgehört…menschlich erträglich zu sein u. erscheint uns nur noch als…menschliches Ungeheuer…“,

          CSR; Prag, Antifaschist Ferdinand Marek eröffnet Österreich’s Botschaft, am gleichen Tag von ca.

          4 000 Botschaftsflüchtlingen mit hunderten Kindern, die z.T. „schwarze, verrunzelte Affengesichter

          hatten“ besetzt (trotz diplomatischer Immunität von Sowjets verhaftet „stirbt“ Botschafter Marek 1947

          in sowjet. Gefängnis)

13.05. Italien; Bozen, amerik. Truppen verhaften den Bevollmächtigten General der deutschen Wehrmacht

          und HSSPF in Italien ex-SS-Obergruppenführer Karl Wolff bei seiner 45.Geburtstagsfeier mit seinen

          Offizieren (>30.9.64),

          Niederlande; Kriegsgefangenenlager Hembroug/Amsterdam, dt. Kriegsgericht unter Marinestabs-

          richter Wilhelm Köhn u. mit Lagerkommandant Fregattenkapitän Alexander Stein verurteilt im Namen

          des Deutschen Volkes die Deserteure Rainer Beck u. Bruno Dörfer zum Tode, die Verurteilten werden

          am 13.5. mit geliehenen Waffen der das Lager bewachenden Kanadier von 8 dt. Soldaten erschossen

          (12.1997, nach mehr als 52 Jahren, hebt das LG Köln das Todesurteil auf: Als „Halbjude“ habe Beck

          die „Gefahr für sein Leben ... ausschließlich durch seine Flucht aus der Marine abwenden können“ –

          ohne diese Entschuldigung wäre er zu Recht umgebracht worden?) (bereits am >19.5.62 erschiessen

          dt. Soldaten wiederum dt. Soldaten)

14.05. CSR; Böhmerwald, der Schriftsteller Wolfgang Paul begegnet Kindern „die nach Hamburg und Berlin

          unterwegs sind, nachdem ihre Lehrer sie im ,Kinderlandverschickungslager’ im Stich ließen und das

          Essen ausging. Die Kinder sind stolz auf ihren Alleingang…“ (ca. 1 000 000 Kinder wurden nach

          Schätzungen in KLV-Lagern von der „Front überollt“ und mussten sich nach Hause oder dem was

          übrig war, durchschlagen)

15.05. SBZ; sowjet. Armee veröffentlicht erstmals die „Tägliche Rundschau“ (>04.1947/ 7.12.48/ 2.6.50),

          polnisch besetzte Provinz Schlesien; 1939-45 dt. besetztes Katowice/Kattowitz, der kath. Bischof

          Stanislaw Adamski fordert Deutsche zum Verlassen von Schlesien auf (>20.7.45)

16.05. BBZ; Juristensohn, Generaloberstabsrichter u. Chef Wehrmacht-Rechtsabt. Dr. jur. Rudolf Lehmann

          exkulpiert gutachterlich vis-a-vis Reichspräs., Großadmiral u. OKW-Chef Karl Dönitz sich und alle dt.

          Uniformträger mittels: „Führerbefehl ist Gesetz“ (der) „enthob sie jeder strafrechtlichen Verantwortung“

          (>19.11.45/ 30.12.47/29.10.1948/ 16.8.50) deutsche Gerechtigkeit

19.05. CSR, 1.Benes-Dekret über die Ungültigkeit eigentumsrechtlicher Handlungen und Nationalverwaltung

          der Eigentumswerte der Deutschen usw. (weitere Dekrete 21.6./ 2.8. u.19.9.1945) (>10.7.45),

          ABZ; Dachau, Reichskanzlei-Chef Phillip Bouhler begeht Selbstmord,

          BBZ; Hamburg, Gründung Notgemeinschaft der durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen (>23.6.50)

23.05. BBZ; Flensburg, brit. Truppen verhaften Reichsregierung Dönitz, Admiral Hans Georg v. Friedeburg

          begeht Selbstmord,

          BBZ; Lüneburg, Reichsinnenmin. u. Chef der Dt. Polizei H. Himmler begeht Selbstmord

24.05. Österreich; Salzburg, Generalfeldmarschall Robert Ritter v. Greim begeht Selbstmord,

          der „Beauftragte des Führers für die Geschichtsschreibung des großdeutschen Freiheitskampfes"

          Generalleutnant Walter Scherff begeht in amerik. Kriegsgefangenschaft Selbstmord,

          USA; Washington, Einreise-Bewilligung für erste einhundert deutsche Atom- und Raketenfachleute

25.05. SBZ; Berlin, ex-Berufssoldat, Ritterkreuzträger u. NKFD-Schüler Paul Markgraf wird Polizeipräsident

26.05. USA; „Colliers Weekly Martha Gellhorn’s Deutschland-Bericht „We Were Never Nazis - Niemand ist

          je einer gewesen. Es hat vielleicht ein paar Nazis im nächsten Dorf gegeben…,wir waren…immer als

          Rote verschrien. Oh, die Juden? Tja, es gab eigentlich in dieser Gegend nicht viele.“(>7.6.45/ 1.12.58)

27.05. BBZ; Flensburg, Sanitätswesen-Chef aller Konzentrationslager Dr. Enno Lolling begeht Selbstmord

29.05. Norwegen; Kriegsgericht in Kriegsgefangenenlager unter Vorsitz von Marinestabsrichter Dr. Hans

          Karl Filbinger verurteilt Obergefreiten Kurt Olaf Petzold wegen Gehorsamsverweigerung (er hatte die

          Hoheitsabzeichen an Mütze und Hakenkreuz an Uniform entfernt und einen Befehl im Lager mit den

          Worten verweigert: „Die Zeiten sind jetzt vorbei, ihr habt ausgeschissen, ihr Nazi-Hunde…“) zu sechs

          Monaten Gefängnis (Dr. F. wird am >15.5.60 Innenmin. u. am >16.12.66 Min.-Präs. Baden-Württemb.)

30.05. CSR; Brno/Brünn, „Todesmarsch“ von ca. 30 000 deutschen Zivilisten beginnt (ca. 2 000-5 000 Tote)

31.05. Österreich; Weißensee, brit. Truppen verhaften „Aktion Reinhard“-(ca. 2 000 000 in dt. Vernichtungs-

          lagern ermordete Menschen)-Leiter SS- und Polizeiführer Odilo Globocnik, seinen Stellvertreter SS-

          Sturmbannführer Hermann Höfle und seine Lubliner Mitarbeiter SS-Sturmbannführer Georg Michalsen

          und SS-Sturmbannführer Ernst Lerch, G. begeht Selbstmord (Höfle wird 1947 der österreichischen

          Justiz überstellt und 1947 „auf Gelöbnis“ freigelassen, 1951 flieht Höfle nach Auslieferungsbegehren

          Polens, wird 1961 in Salzburg verhaftet und begeht 8.1962 in U-Haft Selbstmord. Lerch wird

          Kaffehausbesitzer in Klagenfurt und Michalsen wird Buchhalter in Hamburg!!!)

01.06. SBZ; Aufstellung von Polizeiverbänden (Deutsche Volkspolizei DVP - bald „Von der Partei geführt.

          Der Arbeiterklasse treu ergeben. Mit der Sowjetunion für immer verbunden.“)

03.06. SBZ; „Altenburger Echo“ „An die Soldaten der Roten Armee! Endlich seid ihr da. Mit heißem Herzen

          haben wir Altenburger Antifaschisten auf den Tag Eurer Ankunft gewartet“ (>7.6.45/ 1./3.7.45/ 3.7.45),

          SBZ; Berlin, Bildung Hauptausschuss „Opfer des Faschismus/OdF“ (die „unter der Hitlerdiktatur

          heldenmütig für die Freiheit des deutschen Volkes kämpften u. Hinterbliebene der von den Faschisten

          ermordeten Helden des deutschen Freiheitskampfes“) u.a. mit Ottomar Geschke, Andreas Hermes,

          Robert Havemann, Gustav Dahrendorf, Heinrich Grüber, Hermann Landwehr, Karl Raddatz, Heinz

          Brandt u. Helmut Bock zur sozialen Opferbetreuung (später VVN) (>3.7.45/ 22.2.47/ 9.2.50/ 20.12.52)

04.06. UdSSR; Moskau, J. Stalin u. W. Molotow führen u.a. mit W. Pieck, W. Ulbricht Deutschlandgespäche

4./7.6. UdSSR; Moskau, wg. der KPD-Neugründung sind W. Ulbricht, A. Ackermann u. G. Sobottka angereist

          und kehren mit dem KPD-Gründungsaufruf zurück in die SBZ (>11.6.45)

05.06. SBZ, Berlin, Deklaration in Anbetracht der Niederlage Deutschlands und der Übernahme der obersten

          Regierungsgewalt…, Feststellung über das Kontrollverfahren… und Feststellung über die Besatzungs-

          zonen…(„innerhalb seiner Grenzen, wie sie am 31.Dez. 1937 bestanden“) durch die Regierungen der

          UdSSR (G. Shukow), des Vereinigten Königreiches (B. Montgomery), der USA (D. Eisenhower) u. der

          Französischen Republik (J.-M. de Lattre de Tassigny) unterzeichnet (>6.6.45/ 1./3.7.45/ 17.7./2.8.45)

06.06. Aachen, US-Militärgericht verurteilt zwei Mitglieder der Hitler-Jugend zum Tode,

          Berlin, Gründung „Kammer der Kulturschaffenden“ unter Vorsitz des „Gottbegnadeten“ NS-Künstlers

          u. Schauspielers Paul Wegener, Sekretär ist Wolfgang Harich (der Sohn eines promovierten Literatur-

          wissenschaftlers und Hitler-Jugend Mitgl. erfüllte die politischen Kriterien nationalsozialistischer

          Begabtenförderung, Abitur, Philosophie- u. Germanistikstudium, Wehrmacht, 1944 entfernte er sich

          von der Truppe und versteckte sich, 1945/46 KPD, SED, er erfüllte die politischen Kriterien

          sozialistischer Begabtenförderung, 1946-51 Philosophie- und Literaturwissenschaftsstudium, 1951

          Promotion, Dr. H. wird am >29.11.56 verhaftet, am >7.3 57 verurteilt) (die Kammer wird am 30.4.46

          von den Alliierten aufgelöst) (>8.8.45),

          SBZ; „Tägliche Rundschau“ „Unterzeichnung der Deklaration über die Niederlage Deutschlands…“

07.06. SBZ; Eugen Hanisch alias Anton Ackermann (KPD) stellt wg. überall auftauchender selbsternannter

          Kommunisten ironisch fest: „es stellte sich heraus, daß es in der Sowjetunion weniger Bolschewiken

          gibt als in Hitler-Deutschland“ (über die Vergasungsanstalt Bernburg/S. in 1945 wird berichtet: „Einige

          Oberpfleger, die früher überzeugte Nationalsozialisten waren, waren plötzlich alte, erfahrene

          Kommunisten.“)

08.06. Vatikan informiert deutschen Botschafter Ernst Freiherr von Weizsäcker seine Mission sei beendet (er

          wird am 26.8.1946 aus dem Vatikanstaat ausgewiesen und alliierten Behörden übergeben)

09.06. SBZ; SMAD-Befehl Nr.1 zur Bildung Sowjet. Militäradministration in Deutschland SMAD unter Vorsitz

          Marschall Georgi Shukow’s als Oberkommandierender der sowjet. Besatzungstruppen (mit ca. 60 000

          Mitarbeitern - u.a. Prof. Pjotr Wassiljewitsch Solotuchin’s Abt. „Volksbildung“ zu deren Sowjetisierung

          sowie mit Leutnant  Wsewoljod Jermolajew’s Referat „Verbindungen zu den Kirchen“ - vis-à-vis 25 000

          der brit. Control Commission of Germany, 12 000 des amerik. Office of Military Gouvernment US-Zone

          und 11 000 der franz. Administration Militaire Francaise en Allemagne) (>9.6.45/ 25.8.45/ 21.10.45/

          20.1.46/ 21.8.46/ 03.1947/ 11.11.49/ 01.1950)

10.06. SBZ; SMAD-Befehl Nr.2 zur Zulassung antifaschistischer Parteien und Gewerkschaften,

          SBZ; Berlin, ex-NKFD-Mitgl. u. Autor Johannes R. Becher kommt aus Moskau (1950-58 AdV, 1954-58

          Kulturminister) (>25.6.45/ 8.8.45/ 19.4.46/ 08.1949/ 24.3.50/ 26./28.11.50/ 1.5.51/ 30.6.53/ 13.11.54)

11.06. SBZ; KPD-Gründungsaufruf, Parteiprogramm u.a. „Nicht nur Hitler ist schuld an den Verbrechen, die

          an der Menschheit begangen wurden. Ihr Teil Schuld tragen auch die 10 Mio. Deutsche, die 1932 bei

          freien Wahlen für Hitler stimmten, obwohl wir Kommunisten warnten...Ihr Teil Schuld tragen alle jenen

          deutschen Männer und Frauen die willenlos und widerstandslos zusahen, wie Hitler die Macht an sich

          riß...und Hitler folgten“ und „...Säuberung des gesamten Bildungs- u. Erziehungswesens vom faschist.

          u. reaktionärem Unrat. Pflege eines wahrhaft demokrat., fortschrittl. u. freiheitlichen Geistes an allen

          Schulen...Liquidierung des Großgrundbesitzes…“ gez. Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Franz Dahlem,

          Eugen Hanisch alias Anton Ackermann, Gustav Sobottka, Ottomar Geschke, Johannes R. Becher,

          Edwin Hörnle, Hans Jendretzky, Michel Niederkirchner, Hermann Matern, Irene Gärtner, Hans Mahle,

          Berhard Koenen, Martha Arendsee, Otto Winzer, (E. Honecker wird KPD-ZK Jugendsekr.) (> 25.8.45)

13.06. SBZ; Bautzen, Landesstrafanstalt, NKWD-Sonderlager Nr. 4 (ca. 12 000 Tote) eröffnet (>14.1.1950),

          SBZ; „Deutsche Volkszeitung -Zentralorgan der KPD“ erscheint, Redaktionsmitgl.: Wolfgang Leonhard

          (07.45-47 Presseabt. KPD/SED-ZK, 1947-49 Dozent SED-Parteihochschule Liebenwalde) (>13.3.49)

14.06. CSR; Vertreibung Sudentendeutscher beginnt (09.45 flieht Dita Glotz mit 6jährigem Sohn Peter aus

          Cheb/Eger zum zuvor geflohenen ex-NSDAP-Mitgl. u. Ehemann in die ABZ, Peter Glotz erfüllt die

          finanziellen Kriterien demokratischer Begabtenförderung im deutschen Rechtsstaat und legt

          1959 das Abitur ab, studiert, 1961 SPD, 1968 Promotion, 1969-70 Konrektor Uni. München, 1970-72

          MdL, 1972-77 MdB, 1974-77 SPD-Bundesbildungsmin. K. Ravens Staatssekr., 1977-81 Senator für

          Wissenschaft, 1981-87 SPD-Bundesgeschäftsführer, 1983-96 MdB, Stiftung Zentrum gegen

          Vertreibungen) (>20.11.45/ 21./23.6.50/ 11.12.73/ 27.2.92/ 6.9.2000/ 18.5.2002)

15.06. SBZ; SPD-Gründungsaufruf „…Demokratie in Staat und Gemeinde, Sozialismus in Wirtschaft und

          Gesellschaft...Wir begrüßen daher auf das wärmste den Aufruf der KPD vom 11.Juni…Bodenreform

          (Enteignung) ist Beseitigung des verderblichen Einflusses der Junker auf die Geschicke Deutschlands.

          Aus ihren Reihen stammen...die Feinde jeder freiheitlichen Entwicklung...Erziehung der Jugend im

          demokratischen, sozialistischen Geist...Verstaatlichung der Banken, Versicherungsunternehmen und

          Bodenschätze...“ gez.: Max Fechner, Erich Gniffke, Otto Grotewohl, Gustav Dahrendorf, Karl Germer,

          Bernhard Göring, Hermann Harnisch, Helmuth Lehmann, Karl Litke, Otto Meier, Fritz Neubecker,

          Josef Orlopp, Hermann Schlimme, Richard Weimann (>17.6.45/ 3.4.46),

          SBZ; Gewerkschafts-Gründungsaufruf (bald Einheitsgewerksch. Freier Deutscher Gewerkschaftsbund

          FDGB) gezeichnet: Otto Braß, Bernhard Göring, Hermann Schlimme, Paul Walter, Roman Chwalek,

          Ernst Lemmer, Jakob Kaiser, Hans Jendretzky (>20.5.46/ 14.8.48/ 13.10.49)

17.06. SBZ; erste Berliner SPD-Funktionärskonferenz mit Grundsatzrede Otto Grotewohl’s

18.06. CSR; Prerov/Prerau, Ermordung von 267 deutschen Zivilisten durch tschechische Miliz

19.06. SBZ; KPD-SPD-Aktionsabkommen; „im festen Willen zur aufrichtigen Zusammenarbeit“ einigen sich

          Ulbricht, Hanisch alias Ackermann, Geschke, Jendretzky, Winzer (alle KPD) mit Grotewohl, Gniffke,

          Dahrendorf, Lehmann, Meier (alle SPD) „auf die Bildung eigener Jugendorganisationen zu verzichten“

          (>31.7.45), von der SPD unterbreitete Vorschläge einer gemeinsamen Organisation werden vom KPD-

          ZK abgelehnt. Ulbricht: „Die Zeit für eine organisatorische Vereinigung ist noch nicht gekommen...“

          > verfolgte Schüler (>31.7.45/ 10.9.45/ 2./3.12.45/ 20.12.45),

          ABZ; München, Pastorale Anweisung Kardinal Michael v. Faulhaber an Klerus der Erzdiözese: „Man

          hat wochenlang Vertreter amerikanischer Zeitungen u. amerikanische Soldaten nach Dachau gebracht

          und die Schreckensbilder von dort in Lichtbildern und Filmen festgehalten, um der ganzen Welt bis

          zum letzten Negerdorf die Schmach und Schande des deutschen Volkes vor Augen zu stellen.“

21.06. ABZ; Mainz, Bischof Albert Stohr beklagt bei Papst Pius XII die „radikale Entfernung aller Nazis aus

          der Wirtschaft, den Ämtern, den Berufen...der einzige Befähigungsnachweis zur Besetzung eines

          Amtes scheint der Aufenthalt eines Kandidaten in Dachau oder sonstwo im Gefängnis zu sein.“,

          CSR; 2.Benes-Dekret, Enteignung deutschen Grundbesitzes einschl. ethnischer Säuberung (in den

          Besatzungszonen sind Vertriebene bei nicht-vertriebenen „Herrenrasse“-Angehörigen lange unwill-

          kommen u. werden mit „Zuzugssperren“ abgewiesen) (>10.7.45/ 23.5.49/ 7.10.58/ 6.7.89/ 26.2.96)

25.06. SBZ; I. KPD-Funktionärskonferenz, Walter Ulbricht: „Viele deutsche Rüstungsindustrielle treten

          jetzt in der Toga von Friedensengeln auf...Wir haben keinen Grund den Herren Krupp, Flick, Vögler,

          Hugenberg und Co. nachzutrauern, (ihnen) muß die materielle Basis genommen werden, die es

          ihnen...ermöglichte, den Nazismus zu finanzieren und Deutschland in die Katastrophe zu führen...Wir

          verzichten auf die Schaffung eines kommunistischen Jugendverbandes, denn wir wollen, daß eine

          einheitliche, freie Jugendbewegung entsteht“ (>10.9.45/ 7.3.46/ 27./30.5.50),

          SBZ; Berlin, Vertreter des „geistig-kulturellen Lebens“ u.a. Johannes R. Becher, Gustav Dahrendorf,

          Otto Winzer, Rektor Prof. Dr. Eduard Spranger, Paul Wegener, Ferdinand Friedensburg beschliessen

          Gründung des „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ (>4.7.45/ 14.7.45/ 8.8.45),

          SBZ; Berlin, der Abiturient, verfolgte Schüler u. Kriegsinvalide Joachim Lipschitz wird SPD-Mitgl.

          (1946-47 Bezirksverordneter, 1948 Amtsentfernung durch SMAD, danach in West-Berlin Meldestellen-

          leiter für aus politischen Gründen entlassene Ostberliner, 1949-55 Bezirksstadtrat, 1951 Mitgl.

          Abgeordnetenhaus Berlin, 1955-61 Innensenator Berlin)

26.06. BBZ; Köln, Erzbischof Frings erklärt britischen Gouvernor Colonel Hamilton die mangelnde deutsche

          Initiative mit: „Das hängt u.a. zusammen mit der Behandlung der Parteigenossen-Frage. Gerade die

          unternehmenden, tüchtigen Kräfte sind jetzt ausgeschaltet.“,

          SBZ; CDUD-Gründungsaufruf von Ferdinand Friedensburg, Dr. Andreas Hermes, Jakob Kaiser, Otto

          Nuschke, Ernst Lemmer, Prof. Dr. Ferdinand Sauerbruch: „ruft die CDUD aus heißer Liebe zum deut-

          schen Volk die christlichen, demokratischen u. sozialen Kräfte zur Sammlung...Wir verlangen geistige

          und religiöse Gewissensfreiheit...klare Scheidung kirchlicher und staatlicher Aufgaben...Bodenschätze

          in Staatsbesitz...“; Vorsitzende: Dr. Andreas Hermes (1945), Jakob Kaiser (1946-47), Otto Nuschke

          (1948-57), August Bach (1958-66), Gerald Götting(1966-89), Wolfgang Heyl, ex-NSDAP (1989), Dr.

          Lothar de Maizière (1989-90); stellv. Vorsitz.: Georg Dertinger (1952-53), Gerald Götting (1948-49),

          Karl Grobbel (1948-53), Dr. Leo Herwegen (1946-47), Wolfgang Heyl, ex-NSDAP (1971-89), Prof. Dr.

          Hugo Hickmann (1947-50), Ernst Lemmer (1945-47), Dr. Reinhold Lobedanz (1946-50), Dr. Walther

          Schreiber (1945), Max Sefrin (1966-89), Theodor Steltzer (1945), Dr. Heinrich Toeplitz (1966-89);

          Sekr./Präs. Hauptvorstand: August Bach (1950-66), Dr. Helmut Brandt (1948-49), Dr. Gerhard

          Baumgärtel (1984-89), Siegfried Berghaus (1989), Friedrich Burmeister (1954-68), Dietmar Czok

          (1983-89), Georg Dertinger (1948-53), Dr. Gerhard Desczyk (1952-83), Dr. Dieter Eberle (1977-89),

          Ulrich Fahl (1971-89), Prof. Dr. Erich Fascher (1948-50), Gerhard Fischer (1971-89), Fritz Flint (1958-

          77), Werner Franke (1964-87), Wolfgang Frommhold (1987-89), Karl-Friedrich Fuchs (1971-73), Otto-

          Hartmut Fuchs (1972-87), Manfred Gawlik (1989), Hans-Paul Ganter-Gilmans (1952-55), Arnold Gohr

          (1949-64), Gerald Götting (1950-89), Günter Grewe (1960-89), Karl Grobbel (1948-53), Nelly Haalck

          (1958-68), Charlotte Hallscheidt (1952-68), Wolfgang Heyl, ex-NSDAP, (1966-89), August Hillebrandt

          (1948-53), Kurt Höhn, ex-NSDAP (1952-82), Hermann Kalb (1960-89), Dr. Werner Karwath (1964-89),

          Friedrich Kind (1960-77), Franz Kirchner (1970-82), Jürgen Klingbeil (1989), Hans Koch (1974-77),

          Ernst Krell (1953-54), Harald-Dietrich Kühne (1972-82), Willi Leisner (1952), Dr. Reinhold Lobedanz

          (1950-55), Dr. Harald Naumann (1966-87), Adolf Niggemeier (1977-89), Hansjürgen Rösner (1958-

          61), Victor Sandmann (1952-53), Dr. Horst Schönfelder (1987-89), Rudolph Schulze (1954-89), Max

          Sefrin (1956-58), Luitpold Steidle, ex-NSDAP (1950-84), Karin Strangfeld (1987-89), Dr. Heinrich

          Toeplitz (1952-89), Siegfried Trommsdorf (1948-50), Dr. Dietrich Voigtberger (1982-88), Erich Wächter

          (1952-71), Dr. Hans Wiedemann (1953-59), Christine Wieynk (1987-89), Heinz Winkler (1954-58), Dr.

          Günter Wirth (1954-58 u. 1972-89), Eva-Maria Wolf (1987-89), Klaus Wolf (1987-89), Josef Wujciak

          (1952-54), Werner Wünschmann (1965-89), Johannes Zillig (1973-89); Vorsitzende Bezirksvorstände/

          Berlin: Max Reutter (1952-55), Hermann Dropmann (1956-57), Albert Kotulla (1957-58), Fritz Flint

          (1958-60), Karl Burkert (1960-61), Hans-Jürgen Rösner (1961-65), Heinz-Rudolf Hoffmann (1965-78),

          Ursula Raurin-Kutzner (1978-81), Prof. Dr. Dietrich Voigtberger (1981-88), Wolfgang Eckstein (1988-

          89), Siegfried Berghaus (1989-90) / Cottbus: Adolf Maurer (1952-57), Georg-Willi Hein (1954-57), Fritz

          Flint (1957-58), Karl Dölling (1958-86), Karl-Heinz Kretzschmar (1986-90) / Dresden: Max Schmidt

          (1952-53), Friedrich Mayer (1953-58), Karl-Heinz Kretschmar (1986-90) / Erfurt: Hermann Kalb (1952-

          53), Franz Kirchner (1961-70), Werner Behrend (1970-84), Bernhard Schnieber (1984-90) /

          FrankfurtO.: Günter Frölich (1952-54), Günther Haase (1954-61), Ernst Eckart (1961-63), Hermann

          Mock (1963-67), Heinz Hähne (1967-79), Heinz Gulich (1979-84), Werner Zachow (1984-89), Herbert

          Schirmer (1989-90) / Gera: Günter Neumann (1952-54), Günther Grewe (1954-60), Georg Wipler

          (1960-68), Werner Berend (1968-70) Eberhard Sandberg (1970-89), Michael Galley(1989-90) / Halle:

          Josef Wujciak (1952-57), Willy Winkelmann (1957-64), Norbert Kraja (1964-70), Paul Ullmann (1970-

          74), Paul Konitzer (1974-81), Michael Heinemann (1981-90) / Karl-Marx-Stadt: Walter Wagner (1952-

          56), Gotthard Graupner (1956-63), Lothar Fischer (1963-66), Joachim Gelfert (1966-88), Klaus

          Reichenbach (1988-90) / Leipzig: Heinz Kühn (1952-54), Wolfgang Heyl (1954-58), Fritz Karl Bartnig

          (1958-82), Siegfried Berghaus (1982-89), Rolf Rau (1989-90) / Magdeburg: Karl Brossmann (1952-

          60), Ulrich Fahl (1960-71), Werner Biedermann (1971-80), Manfred Gawlik (1980-90) /

          Neubrandenburg: Emma Heinrich (1952-60), Max Christiansen (1960-66), Dieter Lehmann (1966-81),

          Bernd Hillmann (1981-87), Wolfgang Mäder (1987-89) Winfred Vonholt (1990) / Potsdam: Dr. Friedrich

          Kind (1952-89), Christian Seidel (1989-90) / Rostock: Otto Sadler (1952-82), Dieter Klemm (1982-90) /

          Schwerin: Hansjürgen Rösner (1952-58), Hans Koch (1958-80), Bodo Kohagen (1980-82), Lothar

          Moritz (1982-89) / Suhl: Richard Götz (1952-53), Hans Güth (1953-56), Werner Behrend (1956-68),

          Heinz Büttner (1968-70), Bernhard Schnieber (1970-84), Johannes Schimoneck (1984-89);

          Vorsitzende Landesverbände 1990 / Brandenburg: Herbert Schirmer / Mecklenburg: Dr. Günther

          Krause / Sachsen-Anhalt: Gerd Gieß / Sachsen: Klaus Reichenbach / Thüringen: Uwe Ehrich (viele

          erfüllten die politischen Kriterien nationalsozialistischer oder/und sozialistischer Begabtenför-

          derung) > verfolgte Schüler, Bildungsdiskriminierung, deutsche Gerechtigkeit (>09.1945/ 14.12.45),

          USA; San Francisco, 50 Staaten unterzeichnen UN-Charta mit den besonders Deutschland u. Japan

          betreffendenFeindstaatenklauseln“ (Art. 53, 77, 107) (tritt am 24.10.45 in Kraft) (>24.10.50/ 18.9.73)

26.6./8.8. Großbritannien; London, Viermächte-Abkommen/ Londoner Charta/ IMT-Statut von Frankreich

          (Robert Falco), Großbritannien (Sir David Maxwell-Fife / Sir William Jowitt), USA (Robert H. Jackson),

          UdSSR (Iola T. Nikitschenko, Prof. Aaron N.Trainin) vereinbart (Abessinien, Australien, Belgien, Haiti,

          Dänemark, Griechenland, Honduras, Indien, Jugoslawien, Luxemburg, Neuseeland, Niederlande,

          Norwegen, Panama, Paraguay, Polen, Tschechoslowakei, Uruguay, Venezuela treten bei) (>14.11.45)

27.06. Schweden; Physikerin Prof. Dr. Lise Meitner übt per Brief an Prof. Dr. Otto Hahn Kritik an Mitläufer-

          Mentalität und mangelnder Zivilcourage deutscher Wissenschaftler, u.a. „Ihr habt auch alle für Nazi-

          Deutschland gearbeitet u. habt auch nie nur einen passiven Widerstand zu machen versucht. Gewiß,

          um Euer Gewissen los zu kaufen, habt Ihr hier und da einem bedrängten Menschen geholfen, aber

          Millionen unschuldiger Menschen hinmorden lassen, und keinerlei Protest wurde laut…“ (>26.2.48)

28.06. CSR; Teplice nad Metuji, tschechische Truppen vertreiben 58 Deutsche aus ihren Häusern und am

          30.06. erschießen sie 23 von ihnen, in der Mehrzahl Kinder und Frauen > verfolgte Schüler

29.06. ABZ; Mainz, Hirtenbrief d. kath. Bischof Dr. Albert Stohr u.a. „In aller Offenheit und Überzeugung

          bekenne ich vor euch zu unserem, armen, geschlagenen, zerbrochenen, von fremden Mächten über-

          zogenen Vaterland. Für uns Katholiken ist ja die Vaterlandsliebe mehr als ein bloß naturhaftes

          Nationalgefühl. Sie ist uns Willenstugend, deren Gegenstand die von Gott gewollte Bluts- und

          Gesinnungsgemeinschaft aller deutschen Brüder und Schwestern ist…Wir Deutschen haben zwar im

          Augenblick keinen Staat. Unser stolzes Reich ist zerspalten…Aber wir haben doch ein Ideal vor uns

          und hoffen, daß seine Verwirklichung uns über kurz oder lang wieder gelingen wird…Denkt daran, in

          welchem Grad einst das Deutsche Reich Bannerträger des Reichsgedankens war. Wenn es uns auch

          nicht gegeben ist, Zeiten zurückzuführen, da Könige Ehrentitel erstrebten, wie ,Allerchristlichster

          König’ ,Apostolischer König’ ,Verteidiger des Glaubens’, so dürfen wir doch aufschauen zu diesen

          Zeiten heroischer Jugendkraft unseres Volkes und seiner größten Heldentaten…So wurde die christ-

          liche Religion die Grundlage der ganzen geschichtlichen Entwicklung des deutschen Volkes, seiner

          Kultur und seines sittlichen Wesens. Ihr verdankt das deutsche Volk seine höheren geistigen Güter.

          Damit wurde aber auch unser deutsches Vaterland nicht bloß Träger des Reichsgedankens, sondern

          auch Garant der christlichen Einheit, der christlichen Vormacht in Europa. Diesem Ideal träumen wir

          nicht nur nach in der Vergangenheit, sondern wir trauen ihm Wirkkraft zu für Gegenwart und Zukunft.“,

          poln. besetztes Schlesien; Glatz, „Befehl - Laut Anordnung der Regierung der Republik Polen hat die

          gesamte deutsche Bevölkerung das polnische Staatsgebiet zu verlassen…Bei Verlassen des poln. 

          Staatsgebietes dürfen nur 20 kg Gepäck mitgenommen werden. Alle Personen, welche dieser Auffor-

          derung nicht nachkommen, werden mit Gewalt entfernt..gez. Der Bevollmächtigte der Poln. Regierung

          für den Bezirk XXIV in Glatz/Die Kommandantur des Polnischen Heeres in Glatz“ (>07.1945/ 20.11.45/

          10.7.52),

          UdSSR; Moskau, Präs. Benes CSR-Regierung akzeptiert sowjet. Annexion der Karpato-Ukraine

    06. ABZ; Schloß Kransberg b. Frankfurt/M., Beginn Operation Dustbin - Internierung/Verhör zahlreicher

          Angehöriger des NS-Führerkorps u.a. Prof. Dr. Otto Ambros, Dr. Kurt Blome, Dr. Karl Brandt, Prof.

          Wernher v. Braun, Dr.-Ing. Heinrich Bütefisch, Dr. Walter Dornberger, Dr. Julius Dorpmüller, Dipl.-Ing.

          Franz Dorsch, Dr. Gerhard Ehlers, Dr. Emil Ehmann, Prof. Abraham Esau, Dr. Albert Ganzenmüller,

          Dr. Ernst Heinkel, Dr. Karl-Maria Hettlage, Dr. Heinrich Hörlein, Dr. Theo Hupfauer, Dr. Hans Kehrl,

          Dr. Wilhelm Kleinhans, Prof. Dr. Heinrich Kliewe, Dr. Carl Krauch, Dr. Richard Kuhn, Dr. Fritz ter Meer,

          Dr. Ernst Wolf Mommsen,  Dr. Hermann Oberth, Dr.-Ing. Ferdinand Porsche, Dr. Hermann Röchling,

          Dr. Walter Rohland, Dr. Karl Otto Saur, Hjalmar Schacht, Dr.-Ing. Walter Schieber, Günther Schulze-

          Fielitz, Dr. Gerhard Schrader, Lutz Schwerin v. Krosigk, Prof. Albert Speer, Fritz Thyssen u.v.a.

          (>07.1945/ 14.11.45/ 14.8.47/ 15.11.47),

          ABZ; München, die KZ Theresienstadt-Überlebende Gerty Spies ist zurück, ihre spätere Definition von

          „Des Unschuldigen Schuld“: „Was ist des Unschuldigen Schuld - Wo beginnt sie?

                                                    Sie beginnt da, wo er gelassen,

                                                    Mit hängenden Armen schulterzuckend daneben steht,

                                                    Den Mantel zuknöpft, die Zigarette anzündet und spricht:

                                                    Da kann man nichts machen.

                                                    Seht, da beginnt des Unschuldigen Schuld.“ (und deutsche Gerechtigkeit)

1./3.7. Mecklenburg, Sachsen, Anhalt, Thüringen; amerik. u. brit. Truppen evakuieren bei Rückzug über

          4 000 MitarbeiterInnen der Wehrmachtauskunftsstelle mit einem Teil ihrer Unterlagen sowie Hunderte

          dt. Führungskräfte, z.B. vom IG Farben Werk Schkopau Wehrwirtschaftsführer Wilhelm Biedenkopf mit

          Hitler-Jugend-Mitgl. und Merseburger Oberschüler Kurt jun. (er erfüllte die politischen Kriterien

          nationalsozialistischer Begabtenförderung der Diktatur d. Faschismus, 1949 Abitur, er erfüllt die

          finanziellen Kriterien demokrat. Begabtenförderung im deutschen Rechtsstaat, Jurastudium,

          1958 Promotion, 1973-77 CDU-Generalsekr., 1976-80/87-90 MdB, 1990 Min.-Präs. Sachsen) und den

          Akademiker Ströbele mit Hans-Christian jun. (1959 Abitur, er erfüllt die finanziellen Kriterien demo-

          kratischer Begabtenförderung im deutschen Rechtsstaat, Jurastudium, 1970-75 SPD, 1980 Alter-

          native Liste, 1985 DieGrünen-MdB). Soziales Milieu, polit. Anpassung, Gnade später Geburt u. westl.

          Militärs ersparen beiden christlich erzogenen Kindern sozialistische Bildungsdiskriminierung. Später

          agieren beide als wort- u. schriftgewaltige „Die Ausbeutung der Enkel“-Parteijuristen ungebrochen in

          dt. Tradition persönlicher Solidaritätsdefizite mit gleichalten nichtevakuierten Kriegskindern, die untem

          Banner deutsch-sowjetischer Freundschaft verfolgte Schüler wurden (>1.1.2001/ 8.5.2001/ 2.5.2002)

    07. ABZ/SBZ; Beginn der Operation Paperclip und Overcast, führende deutsche Wissenschaftler und Ex-

          perten lassen sich ,entnazifizieren’ (Wendehälse) u. stellen sich nun auf die Seite der Sieger (wie SS-

          Sturmbannführer u. Raketentechniker Prof. Wernher v. Braun, Dr. Arthur Rudolph mit 492 weiteren

          Wissenschaftlern, wie Mediziner die an Menschenversuchen mitarbeiteten, wie Generalstabschefs

          Heinz Guderian, Franz Halder und Offiziere und Ministerialdirektor Xaver Dorsch als Mitarbeiter der

          US-Army Historical Division, wie Generalmajor Reinhard Gehlen und Mitarbeiter wie RSHA-Amt VII-

          Rußlandexperte u. Sonderkommando-Leiter Dr. habil. Emil Augsburg oder SS-Hauptsturmführer

          Otto v. Bolschwing als ,Ostaufklärer’) (>1.7.46) - insges. ca. 600 ,helle Köpfe’ gehen mit Angehörigen

          in die oder arbeiten für die USA, Hunderte andere arbeiten in der Folge in Australien u. Großbritannien 

          - mit der Operation Osoaviakhim gehen 1946 ca. 26 000 - wie Baron Dr. Manfred v. Ardenne, Dr.

          Werner Albring, Dr. Hajo Eilers, Ing. Erich Hans Apel, Prof. Dr. Helmut Frieser, Ing. Helmut Gröttrup,

          Prof. Dr. Gustav Hertz, Dr. Hans Kehlen, Prof. Dr. Heinz Pose, Dr. Nikolaus Riehl, Dr. Waldemar

          Schierhorn, Prof. Dr. Peter Adolf Thießen, Prof. Dr. Dr. Max Volmer und Reg.-Rat Prof. Dr.

          Carl Friedrich Weiss - z.T. gut bezahlt bis 1955 in die UdSSR (>14.3.46/ 1.7.46/ 30.10.47/ 

          8.12.47/31.7.48/ 27.6.54/ 25.3.55/ 6.6.57/ 10./16.7.58/ 4.10.90),

          ABZ; Kloster Indersdorf b. Dachau, amerik. Truppen errichten für elternlose Displaced Persons Kinder

          im seit 1938 bestehenden NS-Jugenderziehungslager (ab 1944 auch Lager für Zwangsarbeiterinnen-

          Kinder, die hier wie im Kinderlager Rühen/Niedersachsen „starben“) ein UNRRA-Heim, das bis 1948

          ca. 1 000 nicht-jüd. u. jüd. Minderjährige aus ca. 20 Ländern wie Eliz Allacher, Elizabeth Beroux, Nina

          Biwowar, Halina Bryks, Ziesel Brenner, Danielle Canale, Alexander Dranenko, Erwin u. Zoltan Farkas,

          Ingrid de Fouw, Johanna Gmerek, Sinaida Grussman, Erika Grzegorczyk, Martin Hecht, Hildegard

          Haydasch, Sacher Israeler, Lydia Jankowski, Stanislaw Janowski, Marija und Michael Jonscharon,

          Nelli Jussem, Zygmunt Kawczynski, Lazar Kleinmann, Erich Klinge, Theresa Kossok, Ursula Kotula,

          Franz Krewanus, Elfriede Libor, Josef Lichtenstein, Henryk Luczynski, Leokadia Mak, Gisela Magula,

          Ryszard Pierowicz, Roman Przezdziecki, Witold Scibak durchlaufen  > verfolgte Schüler (>24.6.46),

          poln. besetztes Schlesien; Lamsdorf b. Neisse, dt. Stalag VIII/344 wird poln. Internierungslager

          Lambinowice für vertriebene ,ausgebürgerte’ internierte Deutsche (bis 10.46 ca. 6500 Tote)(>10.7.45/

          20.11.45),

          jap. besetztes Vietnam; US-„Deer-Mission“ zur Militärhilfe für Vietminh gegen jap. Truppen (>2.9.45)

02.07. ABZ; Kaufbeuren, US-Ärzte entdecken funktionstüchtige Euthanasie-Anstalt und frisch verstorbene

          Leichen von denen keine mehr als 32 kg wiegt, ein überlebender 10jähriger wiegt 11 kg (hier hatte

          Direktor Dr. Valentin Faltlhauser eine fett-freie Hungerdiät entwickelt die in 3 Monaten zum Tod führte.

          1945 ist ex-Eglfing-Haar Oberarzt Prof. Dr. Anton Edler v. Braunmühl neuer Kaufbeuren-Anstalts-

          direktor, er bittet die Amerikaner die Morde in bayerischen Anstalten nicht öffentlich zu machen. Am

          30.7.49 verurteilt das Landgericht Augsburg Obermedizinalrat Dr. Faltlhauser wg. Anstiftung zur Bei-

          hilfe zum Totschlag in mind. 300 Fällen im Namen des Volkes zu 3 Jahren Haft)  > verfolgte Schüler,

          SBZ; Gera, Bürgermeister Dr. jur. Rudolf Paul begrüsst die sowjet. Truppen in der geschmückten

          Stadt (>16.7.45)

03.07. SBZ; „Thüringer Volkszeitung“ „Wir grüßen die Soldaten der Roten Armee!“,

          SBZ; „Deutsche Volkszeitung -Zentralorgan der KPD“ berichtet über 1.Sitzung des Hauptausschusses

          der „Opfer des Faschismus": „Opfer des Faschismus sind Millionen Menschen, und alle diejenigen, die

          ihr Heim, ihre Wohnung, ihren Besitz verloren haben. Opfer des Faschismus sind die Männer, die

          Soldat werden mußten und in die Bataillone Hitlers eingesetzt wurden, sind alle, die für Hitlers

          verbrecherischen Krieg ihr Leben geben mußten. Opfer des Faschismus sind die Juden, die als Opfer

          des faschistischen Rassenwahns verfolgt und ermordet wurden, sind die Bibelforscher und die

          'Arbeitsvertragssünder'. Aber soweit können wir den Begriff 'Opfer des Faschismus' nicht ziehen. Sie

          haben alle geduldet und Schweres erlitten, aber sie haben nicht gekämpft! Diesen Menschen wird und

          muß im Rahmen der allgemeinen Fürsorge geholfen werden."

04.07. SBZ; Berlin, Manifest des Kulturbund fordert „die Erziehung unseres dt. Volkes im Geist der Wahrheit“

05.07. SBZ; LDPD-Gründungsaufruf (Liberal-Demokratische Partei Deutschlands) „Bekenntnis zu Frieden

          und Freiheit“ u.a.: „…10. Freiheit für jedes religiöse Bekenntnis. Achtung und Schutz für alle Stätten

          der Religionspflege sind uns selbstverständliches Gebot…12. Erneuerung des Unterrichtswesens…

          mit dem Ziele des ungehinderten Aufstiegs der Tüchtigen aus allen Schichten des Volkes.“, 1. Vor-

          sitzender Dr. Wilhelm Külz, weitere Spitzenfunktionäre: Dr. Karl Hamann, Hans-Joachim Heusinger,

          Prof. Hermann Kastner, Dr. Waldemar Koch, Willi-Peter Konzok, Arthur Lieutenant, Gerhard Lindner,

          Dr. Hans Loch, Klaus Lohsse, Martin Maaßen, Dr. Eugen Schiffer  > verfolgte Schüler,

          SBZ; UdSSR stellt den westl. der Oder gelegenen Teil von Stettin unter poln. Verwaltung (>5./6.10.45)

07.07. SBZ; Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommern, Präsident ist Wilhelm Höcker (SPD, 1946 SED),

          SBZ; „Deutsche Volkszeitung“ „Neues Leben - Neue Jugend…Eine einige und freie deutsche Jugend-

          bewegung…ist Wunsch und Ziel aller…Grundlagen dieser Bewegung sind die Jugendausschüsse…

          Dort sind junge Christen, Sozialisten, Demokraten u. Kommunisten…zur gemeinsamen Arbeit vereint“

09.07. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 5, die Kommandeure - Marschall Semjon Iljitsch Bogdanow in Brandenburg,

          General Iwan Iwanowitsch Fedjuninski in Mecklenburg einschl. des außer Stettin westl. der Oder gele-

          genen Vorpommern’s, General Michail Jefimowitsch Katukow in Sachsen, General Wassili Kuznetzow

          in Sachsen-Anhalt, General Tschuikow in Thüringen - der in Provinzen u. Ländern stehenden sowjet.

          Truppen sind erste SMAD-Befehlshaber die u.a. mittels ihrer SMT herrschen (deutscher Terror in der

          UdSSR wurde sowjet. Terror in Deutschland - damals biederten sich einige Sowjets dt. Besatzern an,

          jetzt biedern sich viele Deutsche den Sowjets an)  > verfolgte Schüler (>08.1945/ 5.10.45/ 16.9.55),

          SBZ; Landesverwaltung Sachsen beschliesst Gesetz zur Beschäftigung im öffentlichen Dienst

10.07. polnisch verwaltete dt. Ostgebiete; Min.Präs. E. Osobka-Morawski kündigt ethnische Säuberung aller

          Deutschen aus poln. verwalteten Gebieten u. Enteignung deutschen Grundbesitzes an (z.B. am 14.07;

          Bad Salzbrunn/Schlesien „Sonderbefehl für die deutsche Bevölkerung der Stadt Bad Salzbrunn…Laut

          Befehl der Poln. Regierung wird befohlen: am 14.Juli 1945 ab 6 bis 9 Uhr wird eine Umsiedlung der

          deutschen Bevölkerung stattfinden…in das Gebiet westlich des Flusses Neisse…jeder darf höchstens

          20 kg Reisegepäck mitnehmen…kein Transport (Pferde, Kühe, Ochsen, Wagen usw.) wird erlaubt…

          das ganze lebendige und tote Inventar…bleibt als Eigentum der Polnischen Regierung…Nichtaus-

          führung des Befehls wird mit schärfssten Strafen verfolgt, einschl. Waffengebrauch…“) (Vertriebene

          sind in allen Besatzungszonen bei ansässigen „Herrenrasse“-Angehörigen oft u. lange unwillkommen -

          „Die Polacken kommen“ u. werden u.a. per „Zuzugssperre“ abgewiesen) (>07.1945/ 17.8.45/ 15.9.45/

          26.9.45/ 20.11.45/ 14.2.46/ 23.5.49/ 8.8.49/ 10.7.52/ 24.2.62/ 15.10.65/ 6.7.89/ 26.2.96)

11.07. Berlin, Interalliierte Kommandantur, Befehl Nr. 1 zur Verwaltung der 4-Sektoren-Stadt unter General-

          oberst Alexander W. Gorbatow (UdSSR), Generalmajor Floyd L. Parks (USA) und Generalmajor

          Lewis D. Lyne (GB) (>16.6.48)

14.07. ABZ; Militärregierung, Gesetz Nr. 5 Auflösung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei

          u. Ämter u. Organisationen (>10.10.45),

          SBZ; Gründung Gemeinsamer Ausschuß (Demokratischer Block) der von der SMAD zugelassenen

          Parteien: KPD=Pieck, Ulbricht, Dahlem, Ackermann, Winzer; SPD=Grotewohl, Gniffke, Dahrendorf,

          Lehmann, Meier; CDUD=Hermes, Dr. Schreiber, Kaiser, Steltzer, Lemmer; LDPD=Koch, Lieutnant,

          Külz, Schiffer verabschieden Bildung einer ,Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien’

          u. verpflichten sich zur ,Herstellung voller Rechtssicherheit auf der Grundlage eines demokratischen

          Rechtsstaates’ und ,Sicherung der Freiheit des Geistes u. des Gewissens sowie zur Achtung vor jeder

          religiösen Überzeugung und sittlichen Weltanschauung’  > verfolgte Schüler (>20.12.45/ 16.5.48),

          SBZ; Berlin-Charlottenburg, 1.Bezirksbürgermeister Walter Killian: „Täglich ereigneten sich unzählige

          Vergewaltigungen. Keine Frau konnte der Vergewaltigung entgehen, es sei denn, sie blieb in einem

          Versteck u. rührte sich nicht...Es fällt schwer, sich die Vergewaltigungen in ihrem ganzen Ausmaß

          vorzustellen.“ (>15.10.45/ 30.6.47/ 4.1.49/ 22.2.2002)

15.07. BBZ; Kiel, brit. Militärverwaltung setzt ex-NSDAP-Mitgl. u. Sondergerichtsankläger Dr. Paul Thamm

          als Vorsitz. der Kieler Staatsanwaltschaft ein und befördert ihn zum Oberstaatsanwalt

16.07. SBZ; Thüringen, Weimar, „An alle Bürger des Landes Thüringen! Hiermit bringe ich allen Bürgern…

          zur Kenntnis, daß auf Befehl…für folgende Ämter ernannt wurden: 1. Als Präsident des Landes…

          Herr Dr. Rudolf Paul aus Gera, Vorsitzender der Demokratischen Partei Ostthüringens. 2. Als 1.Vize-

          präsidenten…Herr Ernst Busse aus Erfurt, Bezirksleiter der Kommunistischen Partei Deutschlands…

          3. Als 2.Vizepräsidenten…Herr Dr. Georg Appell aus Eisenach, Mitglied der Sozialdemokratischen

          Partei. 4. Als 3.Vizepräsidenten…Herr Dr. Max Kolter aus Weimar, Mitglied der Zentrumspartei…gez.

          Tschuikow Garde-Generaloberst“ (ex-KPD-MdR Ernst Busse, 1933-45 KZ Lichtenburg u. Buchenwald

          wird Innenmin., 1950 von Sowjets wg. angebl. Tätigkeit im KZ Buchenwald verhaftet, von SMT verur-

          teilt, stirbt 1952 im Lager Workuta, wird am 1.9.56 von der Zentralen Parteikontrollkommission der

          SED rehabilitiert) (>15.10.45),

          USA; Alamogordo/ New Mexiko, 1. amerik. Atombombentest (>6.8.45/ 9.8.45/ 12.8.53)

17.7./2.8. SBZ; Potsdam, Konferenz der UdSSR, USA, Großbritannien beschließt im Potsdamer Abkommen

          Ziele alliierter Politik im Rahmem sog. vier oder fünf (?) D’s, d.h. Demilitarisierung, Denazifizierung,

          Demokratisierung, Dezentralisierung u. Dekartellisierung (Umsetzung vom am 30.7. gegründeten, mit

          Befehlen, Proklamationen, Gesetzen arbeitenden Alliierten Kontrollrat; durch die Kriegsaktionen dt.

          Eliten fallen ca. 113 000 qkm deutscher Ostgebiete unter sowjet. u. poln. Verwaltung) Abkommens-

          „Abschnitt III, 7.Das Erziehungswesen in Deutschland muß so überwacht werden daß die nazistischen

          u. militaristischen Lehren völlig entfernt werden und eine erfolgreiche Entwicklung der demokratischen

          Ideen möglich gemacht wird“ „Abschnitt III, 10…Freiheit der Rede, der Presse und der Religion (wird)

          gewährt (> verfolgte Schüler), „Abschnitt IV, 1. Die Reparationsansprüche der UdSSR sollen durch

          Entnahmen aus der von der UdSSR besetzten Zone…u. aus entsprechenden deutschen Auslands-

          guthaben befriedigt werden. 2. Die UdSSR wird die Reparationsansprüche Polens aus ihrem eigenen

          Anteil an den Reparationen befriedigen…3. Die Reparationsansprüche der USA, des Vereinigten

          Königreiches u. der anderen zu Reparationsforderungen berechtigten Länder werden aus den westl.

          Zonen befriedigt werden…4. In Ergänzung der Reparationen, die die UdSSR aus ihrer Besatzungs-

          zone erhält, wird die UdSSR zusätzl. aus den westl. Zonen erhalten: a) b) 10% derjenigen industriellen

          Ausrüstung, die für die dt. Friedenswirtschaft unnötig ist…Abschnitt IX…b) Die Häupter der drei

          Regierungen bekräftigen ihre Auffassung, daß die endgültige Festlegung der Westgrenze Polens bis

          zu der Friedenskonferenz zurückgestellt werden soll. Die Häupter der drei Regierungen stimmen darin

          überein, daß bis zur endgültigen Festlegung der Westgrenze Polens, die früher deutschen Gebiete

          östl. der Linie, die von der Ostsee unmittelbar westl. von Swinemünde…die westl. Neiße entlang bis

          zur tschechoslowakischen Grenze verläuft…unter die Verwaltung des polnischen Staates kommen u.

          in dieser Hinsicht nicht als Teil der sowjet. Besatzungszone in Deutschland betrachtet werden sollen.“

          (die USA verbieten Demontagen am >25.5.46) (>26.7.45/ 31.10.45/ 20.11.45/ 9.11./21.12.45/ 28.3.46/

          8.3.48/ 20.3.48/ 15.5.50/ 25.1.55/ 23./26.6.63/ 28.11.89/ 16.12.92)

18.07. BBZ; Köln, Erzbischof Joseph Frings wird in das britische Hauptquartier geladen und protestiert:

          „Der Vertreter einer Kulturnation hätte meinen Rang respektieren und mich aufsuchen müssen. Eine

          solche Behandlung ist mir in den 3 Jahren, seit ich Bischof bin, noch nicht widerfahren…Auf Grund

          meiner Stellung gebührt mir der Rang und die Ehren eines Generals.“

20.07. ABZ; Bayern, Gemeinsame Eingabe Kardinal v. Faulhaber’s u. des ev. Landesbischof’s Hans Meiser

          an amerik. Militärregierung gegen Entnazifizierungspraxis, gegen pauschale Verurteilungen früherer

          NSDAP- und SS-Mitgl. sowie der Forderung der Freilassung inhaftierter Bankiers und Industrieller im

          Namen der Humanität („…wie schwer diese Industriellen, zum Teil höheren Alters, unter den Ent-

          behrungen der Gefängnisse und ihre Familien unter dieser Trennung zu leiden haben.“) (>23.8.45),

          Polen; Poznan, Augustyn Kardinal Hlond (1936 Zitat: „Es ist verboten Juden anzugreifen, zusammen-

          zuschlagen, zum Krüppel zu machen oder zu verleumden.“) kehrt nach Exil und Internierung mit

          Vatikan-Vollmachten ausgestattet zurück und beginnt Amtsenthebungen/ ethnische Säuberung von

          deutschen kirchlichen Amtsträgern in den besetzten drei ostdeutschen Diözesen (1950 stellt die kath.

          Kirche Polens fest „daß sowohl die…geschichtlichen(!) und religiösen Gesetze als auch die historische

          Gerechtigkeit verlangen, daß die wiedergewonnenen Westgebiete für immer bei Polen bleiben…(und)

          ein untrennbarer Bestandteil der VR Polen sind…“) (>29.6.46/ 4.7.46/ 12.8.46)

23.07. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 01 betr. Neuorganisation der deutschen Finanz- u. Kreditorgane

25.07. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 11 zur Ablieferung aller Edelmetalle, ausländ. Banknoten, Münzen usw.

26.07. SBZ; Potsdam, Proklamation der Regierungschefs Harry Truman (USA), Winson Churchill (GB) und

          Tschiang Kai-schek (China) „sind übereingekommen, daß Japan die Gelegenheit erhalten soll, diesen

          Krieg zu beenden…Unsere Bedingungen sind wie folgt…Die Bestimmungen der Erklärung von Kairo

          sollen ausgeführt…werden…Wie fordern die jap. Regierung auf, die bedingungslose Kapitulation aller

          Streitkräfte zu verkünden…Die Alternative ist…völlige Zerstörung.“ (>6.8.45/ 9.8.45/ 2.9.45/ 1.10.49),

          Großbritannien; London, John G. Winant (USA), Georgi Saksin (UdSSR), Ronald I. Campbell (GB) u.

          René Massigli (F) unterzeichnen Alliertes Ergänzungsabkommen über den Beitritt Frankreichs zum

          Protokoll vom 12.9.44 (>4.8.45)

27.07. ABZ; Fulda, kath. Bischof Johannes Baptist Dietz macht Eingabe an amerikanische Militärregierung

          und stellt kirchlichen „Persilschein“ aus, u.a. 90% in Stadt und Land seien „ausgesprochene Gegner“

          der NSDAP gewesen, der Beitritt zur Partei sei oft die einzige Möglichkeit gewesen, einflussreiche

          Stellen nicht völlig in die Hände fanatischer Parteigenossen fallen zu lassen, darum hätten selbst

          Geistliche den Partei-Beitritt angeraten (> Antikommunismus-Dekrete vom 1.7.1949/ 28.7.1950 und

          > verfolgte Schüler?) (>22.2.90),

          SBZ; SMAD-Befehl Nr. 17 zu Gründung 11 dt. Zentralverwaltungen, u.a.Finanzen = Dr. J. Kuczynski,

          Volksbildung = Paul Wandel - beide KPD, Wandel’s Vize wird Erwin Marquardt (SPD), 1945 SED,

          1950 wissenschaftl. Mitarbeiter HU Berlin) (>21.8.45/ 08.1945/ 10.9.45/ 30.9.45/ 8.12.45/ 20.1.46/

          8.10.46/ 30.6.47/ 22.7.47/ 21.4.48/ 23.5.49/ 10.10.49),

          SBZ; Berlin, Westhafen, IKRK-Bericht über die Ankunft von ca. 300 Kindern eines Kinderheims in

          Finkenwalde/ Pommern mit einem Binnenschiff, u.a.:„Kinder von zwei bis vierzehn Jahren lagen

          bewegungslos auf dem Schiffsboden, die Gesichter von Hunger gezeichnet, an Krätze leidend, von

          Ungeziefer zerfressen. Leib, Knie und Füße waren geschwollen - bekanntes Symptom des Hungers“

30.07. ABZ; Landesbischof Theophil Wurm macht Eingabe an amerikanische Militärregierung, u.a. viele

          Parteigenossen hätten einen offenen oder heimlichen Kampf gegen das NS-Regime geführt. „Viele

          Nicht-Parteigenossen, die sich heute breit machen, waren einst ohne Halt und Charakter und stellten

          auch als Beamte, die aus irgendeinem Motiv nicht Parteigenossen werden konnten, keineswegs

          immer eine Elite dar.“ Theophil Wurm ist Sohn des Landesbischofs Dr. Hans Wurm, der bereits 1922

          der NSDAP beitrat und in 1946 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wird, weil er einen Fragebogen

          fälscht und seinen NSDAP-Beitritt mit ,1938’ angibt

31.07. CSR; Usti nad Labem/Aussig, Ermordung von mehreren hundert deutschen Zivilisten,

          SBZ; Berlin, evangelischer Reichsbischof Ludwig Müller begeht Selbstmord,

          SBZ; SMAD erklärt „In Verbindung mit…Anfragen über die Schaffung von Jugendorganisationen hat…

          Marschall Schukow die Schaffung antifaschistischer Jugendkomitees bei den Bürgermeistereien der

          großen u. mittleren Städte…in enger Fühlungnahme mit der Abt. Volksbildung…“ gestattet (>10.9.45)

04.08. Frankreich stimmt nachträglich dem Potsdamer Abkommen zu

06.08. Japan; Hiroshima, Colonel Paul W. Tibbets „Enola Gay“ erste amerik. Atombombe tötet u. verwundet

          129 558 Menschen, 176 987 werden obdachlos u. -zigtausende verstrahlt (>9.8.45/ 10.12.46/ 25.4.72)

08.08. ABZ; München, SPD- u. KPD-Vertreter vereinbaren Bildung bayr. Aktionsgemeinschaft (>3.9.45),

          SBZ; Berlin, Gründungskonferenz „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“, ange-

          schlossen: Dt. Schriftstellerverband, Verband Bildender Künstler, Verband dt. Komponisten,

          Präsidenten: Johannes R. Becher (B. hatte bereits am 25.9.44 in Moskau Pieck, Ulbricht, Schwab,

          Valentin u. Ackermann sein Konzept kulturell-ideologischer KPD-Arbeit im Nachkriegs-Deutschland

          erklärt, während seiner Präsidentschaft ist B. auch Mitglied des ZK der SED, Präsident der Akademie

          der Künste u. Kulturminister, der Kulturbund wird in dieser Zeit Massenorganisation der sozialistischen

          Intelligenz - 250 000 Mitgl., davon 80 000 mit Hochschulabschluß, 1950 hat der Kulturbund 405

          Volkskammer- u. Landtagsmandate), Prof. Dr. Max Burghardt (SED), Dr. Hans Pischner (SED),

          Vizepräs.: Alexander Abusch (SED-ZK), Uwe Berger, Prof. Dr. Theodor Brugsch, Dr. Heinrich Deiters,

          Dr. Ferdinand Friedensburg, Heinrich Gemkow, Prof. Dr. Ernst-Joachim Gießmann (SED), Carl Hofer,

          Hans Jacobus, Bernhard Kellermann, Pfarrer Karl Kleinschmidt (Bund Religiöser Sozialisten), Ernst

          Lemmer, Prof. Dr. Alfred Meusel (SED), Gerhard Rudolf Meyer, Burkart Philipp, Dr. Hans Reichelt,

          Helmut Sakowski, Prof. Dr. Gertrud Sasse (LDPD-Mitgl. im Volkskammer-Ausschuß für Volksbildung),

          Netty Radvanyi geb. Reiling alias Dr. Anna Seghers (SED), Prof. Dr. Rudolf Schick, Dr. Karl-Heinz

          Schulmeister, Gustav Seitz, Luitpold Steidle, Prof. Dr. Johannes Stroux, Eduard Steiger, Erich Wendt

          (Mitglied im Volkskammer-Ausschuß für Volksbildung  >verfolgte Schüler), Paul Wiens, Dr.

          Günther Wirth, Arnold Zweig (>1.9.45/ 04.1947/ 5.7.52/ 1.4.53/ 7.2.58/ 26.10.72) > verfolgte Schüler,

          Großbritannien; Londoner Abkommen über die Verfolgung und Bestrafung der Hauptkriegsverbrecher

          der europ. Achse (Internationales Militärtribunal) u. die Auslieferung gegnerischer Kriegsverbrecher an

          Tatort-Staaten wird von R. Jackson (USA), R. Falco (F), Lord Jowitt (GB) und I. Nikitchenko (UdSSR)

          unterzeichnet (>17.10.45/ 14.11.45/1.10.46/ 21.6.79),

          UdSSR, Kriegserklärung an Japan (gemäß Absprache der Jalta-Konferenz 1945) (>9.8.45)

09.08. japan. besetzte Mandschurai u. Korea, Sachalin, Kurilen; Angriff sowjet. Truppen, Besetzung Nord-

          Korea’s bis 38.Breitengrad (ab 8.9. besetzen amerik. Truppen Süd-Korea bis 38.Breitengrad), dem

          Süden von Sachalin und den Kurilen sowie die ethnische Säuberung von Japanern und vielen Ainu-

          Ureinwohnern aller 1947 von der Russische SFSR annektierten Inseln (>2.9.45/ 25.6.50/ 1.9.83),

          Japan; Nagasaki, zweite amerik. Atombombe tötet und verwundet ca. 66 000 Menschen (am 15.8.

          akzeptiert Japan die Kapitulation) (>2.9.45/ 3.5.46/12.11.48),

          Polen; Verhaftung des kath. Bischof Carl Maria Splett der vom poln. Kardinal Hlond zum Amtsverzicht

          gezwungen wird (Splett wird am 1.2.46 wg. Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Regime zu

          8 Jahren Haft verurteilt, 1953 entlassen kann er 1956 in die BRD ausreisen, 1957 empfängt ihn Papst

          Pius XII, 1960 wird ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen) (>29.6.46/ 12.8.46), 

          SBZ; Berlin-Pankow, Enteignung vieler Hausbesitzer für aus Moskau zurückgekehrte KPD-Kader, die

          sich hier ab 1949 hinter einem 2m-Zaun verbergen (>23.10.56)

10.08. SBZ; NKWD-Lager Nr. 7 Sachsenhausen für ca. 60 000 Deutsche (ca. 15 000 Tote) im KZ eröffnet

          (>08.1945/ 18.10.45/ 29.12.45/5.1.46/ 02.1946/ 04.1946/ 14.1.50/ 18.11.2001)

12.08. SBZ; NKWD-Lager Nr. 2 Buchenwald (ca. 12 000 Tote) im KZ eröffnet (>14.1.50),

          Berlin, 139 Jahre nach Kaiser Napoleon’s Einzug in Berlin besetzen franz. Truppen einen Teil Berlins

15.08. ABZ; Universität Heidelberg, Prof. Dr. Karl Jaspers beklagt anlässlich der Wiedereröffnung für zuvor

          politische Kriterien nationalsozialistischer Begabtenförderung Erfüllende u.a. „Wir sind nicht, als

          unsere jüdischen Freunde abgeführt wurden, auf die Straße gegangen, haben nicht geschrien, bis

          man auch uns vernichtete. Wir haben es vorgezogen am Leben zu bleiben…Daß wir leben, ist unsere

          Schuld. Wir wissen vor Gott, was uns tief demütigt.“

16.08. UdSSR; Moskau, Außenmin. W. M. Molotow und der Ministerpräs. der provisor. poln. Regierung

          E. Osobka-Morawski unterzeichnen Abkommen über Zahlung von 15% der dt. Reparationen gegen

          Lieferung poln. Kohle zu Sonderpreisen und geheimen sowjet.-poln. Grenzvertrag zu sowjet. Inbesitz-

          nahme von 180 000 qkm poln. Gebiete entlang der „Curzon-Linie“ u. „Aussiedlung“ von ca. 3 500 000

          dort lebender Polen (>5.10.45/ 6.10.45/ 20.11.45/ 8.3.46/ 19.1.47/ 2.4.47/ 9.6.50/ 6.7.50/ 14.9.50/

          17.8.51/ 24.2.62/ 7.6.63/ 8.6.63/ 7.3.64/ 22.3.64/ 7.12.70/ 7.7.75/ 30.5.83/ 12.9.90/ 14.11.90)

17.08. Großbritannien; „The Spectator“; George Bell, Bischof v. Chichester, schreibt „Es besteht…offenbar

          ein völlig falscher Eindruck über die Lage in Deutschland. Das Gewissen gebietet es, nicht länger zu

          schweigen. Die Wahrheit besteht darin, daß die Not…von Tag zu Tag steigt…sie verschlimmert sich

          täglich durch das Eintreffen von Strömen von Flüchtlingen aus den östlichen Teilen Deutschlands. Aus

          den Gebieten östlich der Oder vertreiben die Polen alle Einwohner nach dem Westen. Man muß die

          Flüchtlinge gesehen haben, um beurteilen zu können, was über sie hereingebrochen ist. Es gibt keine

          Worte um ihr Elend zu beschreiben zu können. Sie haben noch das, was sie am Körper tragen und

          besitzen weder physische noch geistige Kraft. 7 oder 8 Millionen Menschen werden in dem schmalen

          Landstreifen zwischen Oder u. Elbe von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf gejagt, weil niemand sie auf-

          nehmen u. ernähren kann…“ (H. Kohl, L. de Maizière und Th. Waigel gehören nicht dazu) (> 2./6.7.71)

17.8./17.11. BBZ; Lüneburg, britisches Militärgericht führt Bergen-Belsen Prozeß gegen Joseph Kramer und

          44 Mitangeklagte, der Prozeß endet mit 30 Schuldsprüchen, Joseph Kramer, Irma Grese, Juana

          Bormann, Wilhelm Dörr, Karl Francioh, Franz Hössler, Dr. Fritz Klein, Anchor Pichen, Franz Stofel,

          Elisabeth Völkenrath und Peter Weingartner werden zum Tode verurteilt und am 13.12.1945 in

          Hameln gehenkt, die anderen Verurteilten erhalten Haftstrafen von 1-15 Jahren

18.08. SBZ; Schwerin, sowjet. Militärtribunal (SMT) unter Major der Justiz Smirnow verurteilt den Bauer

          Hans List wg. Verbrechen gemäß Art. 58-14 des RSFSR-Strafgesetzbuchs wg. Verheimlichung der

          Aussaatfläche im Namen der UdSSR zum Tode und zur Beschlagnahme seines Vermögens

          (SAMD-Chef Generaloberst Iwan Iwanowitsch Fedjuninski - 1967 Kommandeur Warschauer Pakt-

          Truppen - veröffentlicht am 20.8.45 das Urteil)

21.08. SBZ; Aufruf des Verbandes der Lehrer und Erzieher, u.a.: „Lehrer und Erzieher: Unsere große Stunde

          ist gekommen! Auf uns ruht die Verantwortung für die Neu- und Umerziehung der deutschen Jugend,

          die von der Welt erwartet und nach allem was geschehen ist, mit Recht gefordert wird. Lösen wir diese

          Aufgabe, so wird unser deutsches Volk gerettet und mit ihm seine Jugend und Kultur. Lösen wir sie

          nicht, so gehen wir dem sicheren Untergang entgegen…“  > verfolgte Schüler

23.08. ABZ; gemeinsamer Hirtenbrief der kath. Bischofskonferenz Fulda u.a.: „Furchtbares ist schon vor dem

          Krieg in Deutschland und während des Krieges durch Deutsche in besetzten Ländern geschehen. Wir

          beklagen es zutiefst: Viele Deutsche, auch aus unseren Reihen, haben sich von den falschen Lehren

          des Nationalsozialismus betören lassen, sind bei den Verbrechen gegen menschliche Freiheit und

          menschliche Würde gleichgültig geblieben; viele leisteten durch ihre Haltung den Verbrechen

          Vorschub, viele sind selber Verbrecher geworden...Schwere Verantwortung trifft jene, die auf grund

          Ihrer Stellung wissen konnten, was bei uns vorging, die durch ihren Einfluß solche Verbrechen hätten

          verhindern können und es nicht getan haben…“ (>19.10.45/ 27.3.46/ 31.8.46)

25.08. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 40 über den Schulbeginn und die Säuberung der Schule und der Lehrerschaft

          von faschistischen Einflüssen (u.a. über Ausschluss v. NS-Lehrern, Neulehrerrekrutierung, Verbot v.

          NS-Lehrbüchern, Bekenntnis- u. Privatschulen) (>2.10.45/ 6.12.45/ 15.12.50/ 12.6.90)

    08. SBZ; Berlin, Mühlenbesitzersohn Dr. phil. Ernst Hadermann (USPD; NSLB, NSDAP-Mitgl. 5 698 532,

          1943 NKFD-Gründungsmitgl., 1945 KPD) wird in der Dt. Zentralverwaltung für Volksbildung stellv. Ltr.

          der Abt. Schulen (>1.1.47),

          SBZ; Döbeln, „Tagung der kommunistischen Lehrer Sachsens“ dient Positionierung künftiger Kader, 

          SBZ; Mühlhausen, Erika Riemann (14 Jahre) malt auf ein Stalin-Bild in ihrer Schule eine Schleife an

          Stalins Bart, ein SMT verurteilt sie zu 10 Jahren Haft (nach 8 Jahren in Sachsenhausen, Bautzen und

          Hoheneck wird sie 01.1954 entlassen und holt 1962 ihren Schulabschluss nach)  > verfolgte Schüler

27./31.8. ABZ; Treysa, ev. Kirchenführerkonferenz gründet Ev. Kirche in Deutschland als Nachfolgerin der

          Deutschen Ev. Kirche, verkündet „Wort an die Gemeinden“: „...wo die Kirche ihre Verantwortung ernst

          nahm, rief sie zu den Geboten Gottes...Man trennte unser Volk von der Kirche. Die Öffentlichkeit

          durfte ihr Wort nicht mehr hören, was sie verkündete erfuhr niemand...“ (>20.3.47/ 11./13.7.48),

          SBZ; SMAD-Befehl Nr. 42 zur Registrierung von Offizieren der Wehrmacht u. Mitgliedern der NSDAP,

          SA, SS und Gestapo mit sich anschliessender Verhaftungswelle (>6.1.50),

          Vatikan; Appell an Allierte keine kath.-kroat. Ustascha-Kriegsgefangenen an Jugoslawien auszuliefern

29.08. SBZ; Landesverwaltg. Mecklenburg erlässt Verordnung betr. politische Bereinigung der Wirtschaft

31.08. FBZ; Bad Schachen, der franz. General Jean-Marie de Lattre de Tassigny entlässt Ex-Gfm. Erwin

          Rommel’s Sohn Manfred aus franz. Kriegsgefangenschaft (im Sept. 1945 veröffentlicht M. R. eine

          eidestattl. Erklärung zum Tod d. Vaters u. dessen letzten Worten über belastende Aussagen der Gen.

          Dr. Hans Speidel, Carl Heinrich v. Stülpnagel und Oberstleutn. Caesar v. Hofacker’s u.a. „Der Führer

          wollte sein Andenken vor dem dt. Volk nicht herabsetzen und gab ihm daher die Chance des

          Freitodes…“, um „die Ehre des Generalfeldmarschalls zu wahren“ schreibt auch Frau Rommel, ihr

          Mann war an Planungen zum 20.Juli nicht beteiligt; Manfred R. macht 1947 Abitur, er erfüllt die

          finanziellen Kriterien demokratischer Begabtenförderung im deutschen Rechtsstaat, studiert

          Jura, der als Hitler-Junge die Konfirmation Verweigernde wird CDU-Mitglied, 1956 Beamter, 1966

          Regierungsdirektor bei CDU-Min.-Präs. Dr. K. Kiesinger’s Innenmin. Dr. H. K. Filbinger, 1974

          Oberbürgermeister Stuttgart, Zitat: „Es gibt Politiker, die das, was sie sagen, glauben. Und es gibt

          solche, die das, was sie sagen, nicht glauben. Gefährlich sind die Ersteren.") (>27.10.77)

01.09. SBZ; Zentralverwaltung f. Volksbildung, Leiter Lehrerbildung ist Dr. Heinrich Deiters (SPD, 1946 SED,

          Sohn Ludwig Deiters erfüllte die politischen Kriterien nationalsozialistischer Begabtenförderung

          und legte 1940 sein Abitur ab, nach Reichsarbeitsdienst, Wehrmacht und Kriegsgefangenschaft wird

          er 1946 SED-Mitgl., erfüllt die politischen Kriterien sozialistischer Begabtenförderung u. studiert

          Architektur, ab 1951Deutsche Bauakademie, 1952-53 Brigadeleiter Stalinstadt/ Eisenhüttenstadt-

          Projekt, 1967 Promotion, 1975 Vaterländ. Verdienstorden) (>04.1947)

02.09. BBZ; Köln, Gründung CDU-Landesverbände Rheinland u. Westfalen, Vorlage der 2.Fassung der sog.

          Kölner Leitsätze: „1. Die Würde des Menschen wird anerkannt. 2...3...4...5. Die christlichen Kirchen

          sind Körperschaften öffentliche Rechts. 6...7...8...9. Das natürliche Recht der Eltern auf die Erziehung

          ihrer Kinder bildet die Grundlage für die weltanschauliche Gestaltung des Schulwesens...10. Das

          kulturelle Schaffen ist frei von staatlichem Zwang. Seine Grundlage ist die deutsche, christliche und

          abendländische Überlieferung...11...12...13...14...15...16. Das Ziel der Wirtschaft ist die Bedarfs-

          deckung des Volkes...Die Vorherrschaft des Großkapitals, der privaten Monopole und Konzerne wird

          beseitigt...17...18...19...20...21. Die Kriegsschäden sind als gemeinsame Last auf das ganze Volk

          umzulegen.“ (>14.12.45),

          SBZ; Kyritz/Brandenburg, Wilhelm Pieck (KPD) fordert vor Landarbeitern u. Kleinbauern eine rasche

          Bodenreform: „Der den Bauern u. Landarbeitern zugeteilte Boden soll sofort mit der Zuteilung in ihren

          Privatbesitz übergehen. Der Grundgedanke ist, daß möglichst viele kleine selbständige Bauernwirt-

          schaften geschaffen werden…Die KPD hat in ihrem Aktionsprogramm ausdrücklich erklärt, daß der

          Besitz der Großbauernschaft mit etwa 20 bis 50 ha nicht angetastet werden soll...die von Feinden der

          Bodenreform oft kolportierte Behauptung, daß die KPD eine Kollektivierung der Bauernwirtschaften

          herbeiführen will, entbehrt jeder Grundlage…“ (am 3.9. erläßt Provinzialverwaltung v. Sachsen-Anhalt,

          am 6.9. Brandenburg, am 7.9. Mecklenburg, am 11.9. Sachsen u. am 12.9. Thüringen Verordnung zur

          Bodenreform, entschädigungslos enteignet werden mit Hilfe von 52 292 Mitgl. der ca. 10 000 Boden-

          reformkommissionen Flächen über 100 ha, „Grundbesitz der Kriegsverbrecher u. Kriegsschuldigen“ u.

          der „aktiven Verfechter der Nazipartei u. ihrer Gliederungen“ über Aufrufe zur Bildung Landwirtschaft-

          licher Genossenschaften, Vereinigungen der gegenseitigen Bauernhilfe/VdgB, Maschinen-Ausleih-

          Stationen/MAS geht Planung zu zwangskollektivierten Landwirtschaftl. Produktionsgemeinschaften/

          LPG) (>8.9.45/ 30.10.45/ 9./12.7.52/ 2.3.90/ 20.9.90/ 23.4.91/ 20.12.95/ 18.4.96),

          SBZ; NKWD-Lager Nr. 1 Mühlberg/Elbe (ca. 20 000 Häftlinge/ ca. 8 000 Tote) eröffnet (>14.8.48),

          Japan; USS Missouri, Außenmin. Mamoru Shigemitsu und General Umezu Yoshijiro unterzeichnen die

          bedingungslose Kapitulations-Urkunde der jap. Streitkräfte (>3.5.46/12.11.48/ 24.1.72),

          Franz.-Indochina (Kambodia/Laos/Vietnam); Ho Chi Minh erklärt das seit der Konferenz von Potsdam

          am 17.Breitengrad geteilte Vietnam für unabhängig (Frankreich lehnt ab) (>20.12.46/ 8.5./21.7.54)

03.09. ABZ; Frankfurt/M., SPD u. KPD schließen Frankfurter Abkommen zu gemeinsamen Aktionsausschuß,

          SBZ; Provinzialverwaltung Sachsen-Anhalt, 1.Verordnung zu Bodenreform („sozialistische Arisierung“)

          Art. 1 Die demokratische Bodenreform ist eine unaufschiebbare, nationale, wirtschaftliche und soziale

          Notwendigkeit. Die Bodenreform muß die Liquidierung des feudal-junkerlichen Grußgrundbesitzes ge-

          währleisten u. der Herrschaft der Junker u. Großgrundbesitzer im Dorfe ein Ende bereiten, weil diese..

          immer eine Bastion der Reaktion u. des Faschismus in unserem Lande darstellte…Der Grundbesitz

          soll sich in unserer dt. Heimat auf feste gesunde und produktive Bauernwirtschaften stützen, die

          Privateigentum ihres Besitzers sind.“ (>20.2.47/ 9./12.7.52/ 25.3.60/ 30.3./2.4.60)

04.09. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 49 zur Reorganisation der Justiz „alle Richter, Staatsanwälte und sonstigen

          Justizbediensteten, die zu irgendeinem Zeitpunkt der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen angehört

          haben, auch sogenannte Anwärter, sofort aus dem Dienst zu entfernen“ (>30.10.45/ 17.12.45/ 6.8.47)

05.09. ABZ; Würzburg, Bischof Matthias Ehrenfried macht Eingabe an amerikanische Militärregierung u.a.

          „Es gab tatsächlich Parteigenossen, die den Nazi-Lehren und Methoden fernstanden, ja sogar größere

          Gegner der Partei waren und rühriger gegen die Nazis arbeiteten als viele Nicht-Parteigenossen.“,

          SBZ; SMAD-Befehl Nr. 50, zu Vorbereitung der Hochschulen auf den Beginn des Unterrichts u.a.

          „Säuberung der Universität, insbesondere des Lehrkörpers von allen faschistischen…Elementen,

          Rehabilitierung und Wiedereinsetzung politisch und rassisch verfolgter Hochschullehrer,…neue

          Zulassungsbestimmungen für Studenten unter besonderer Berücksichtigung antifaschistischer Kräfte

          und Werktätiger, die bisher keine Gelegenheit hatten die Hochschulreife auf dem üblichen Wege zu

          erlangen…“  > verfolgte Schüler,

          SBZ; gemeinsam. Aufruf der vier „antifaschistisch-demokratischen“ Parteien für sofortige Bodenreform

08.09. SBZ; KPD-ZK Aufruf zu „Demokratischer Bodenreform“, Beginn völkerrechtswidriger, entschädigungs-

          loser Enteignung von „Großgrundbesitz“ über 100 ha (7160 Betriebe mit 2 517 357 ha + 4537 Betriebe

          unter 100 ha mit 131 742 ha) von „aktiven Faschisten und Kriegsverbrechern“ (Kleines Politischisches

          Wörterbuch) u.a. für völkerrechtswidrig vertriebene ,Umsiedler’. „Letzter Herr auf Neschwitz“ / Bautzen

          ist z.B. Arnold Freiherr v. Vietinghoff-Riesch, kein Faschist o. Kriegsverbrecher, der am 14.10.45 Opfer

          der sozialistischen Abart von Arisierung, d.h. „entkulakisiert“ wird bzw. auch Opfer des Faschismus

          wie der 1944 zum Tode verurteilte Agrarunternehmer Carl Wentzel) (BVerfG-Urteile bestätigten diese,

          die Haager Landkriegsordnung verletzenden Eigentumsdelikte, die bei der Finanzierung der dt. Einheit

          helfen) (>30.10.45/ 1.10.54/ 20.9.61/ 20.2.67/ 2.3.90/ 30.1.91/ 18.3.91/ 23.4.91/ 13.5.92/ 14.7.92/

          4.10.95/ 20.12.95/ 18.4.96/ 17.6.96/ 21.12.2000/ 28.9.2001/ 25.3.2002) deutsche Gerechtigkeit,

          SBZ; NKWD-Lager Nr. 10 Fort Zinna/Torgau (ca. 1 500 Tote) eröffnet, später kommen Häftlinge in das

          Seydlitz-Gefängnis Torgau

09.09. Groß-Berlin, Werner-Seelenbinder-Kampfbahn, 35 000 Menschen gedenken Opfern des Faschismus

          (1.OdF-Tag, ab 1947 mit Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes veranstaltet) (>22.2.47/ 11.9.48)

10.09. SBZ; Dt. Zentralverwaltung für Volksbildung, Konstituierung „Zentraler antifaschistischer Jugendaus-

          schuß für die sowjet. Besatzungszone“ von E. Honecker (KPD) u. Theo Wiechert (SPD) organisiert.

          Vorsitz. wird E. Honecker, Stellv. ist Edith Baumann (SPD) (Gründung von Landesjugendauschüssen

          folgt) > verfolgte Schüler (>5.2.46/ 7.2.46/ 26.2.46/ 7.3.46/ 8./10.6.46/ 8.12.48)

11.9./2.10. Großbritannien; London, 1.(nach-Potsdam)-Treffen des Rates alliierter Außenminister

12.09. ABZ; Heidelberg, „Rhein-Neckar-Zeitung“, Prof. Gustav Radbruch schreibt u.a. „Wenn die Gesetze

          den Willen zur Gerechtigkeit bewußt verleugnen, z.B. Menschenrechte Menschen nach Willkür ge-

          währen oder versagen, dann fehlt diesen Gesetzen die Geltung, dann schuldet ihm das Volk keinen

          Gehorsam, dann müssen auch die Juristen den Mut finden, ihnen den Rechtscharakter abzusprechen“

          > verfolgte Schüler (>20.12.45/ 01.-03.1951/ 5.12.52/ 17.8.90/ 31.8.90/ 20.9.90/ 21.1.99/ 11.11.2001)

13.09. SBZ; Provinzialverwaltg. Sachsen erlässt Verordnung über die politische Säuberung der Wirtschaft

14.09. SBZ; SPD-Tagung mit 3 000 Delegierten, 1. Vors. des ZA der SPD Otto Grotewohl führt aus, daß

          angesichts des Verhaltens der KPD Voraussetzungen zur organischen Verschmelzung noch nicht

          erfüllt seien, zugleich betont er erneut die grundsätzliche Bereitschaft der SPD dazu

15.09. SBZ; Magistrat von Berlin erkennt Erich Honecker als Opfer des Faschismus an (>22.2.47/ 21.2.53),

          SBZ; Gründung Deutsche Zentralverwaltung für Flüchtlingswesen u. Heimkehrer unter Josef Schlaffer

          mit Vizepräs. Michael Tschesno-Hell (ab 10.1945 Dt. Zentralverwaltung für Umsiedler, ab 12.1945 bis

          zur Schließung 1949 unter Rudolf Engel, ab 1947 mit Vizepräs. Philipp Daub - ca. 4 000 000 zumeist

          mittellos in der SBZ ankommende, oft als „Pollacken“ beschimpfte Vertriebene „Umsiedler“ finden, wie

          Bomben-Geschädigte mit Totalverlust, in der SBZ noch weniger Solidarität als jene in den Westzonen,

          nach 1961 leben nur noch ca. 600 000 hier) (>20.11.45/ 14.2.46/ 8.8.49/ 8.9.50/ 10.7.52/ 16.10.78)

17.09. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 66 annuliert u.a. das Deutsche Beamtengesetz vom 26.1.1937 u. das Gesetz

          zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7.4.1933, Beschäftigte im öffentlichen Dienst sind

          „Mitarbeiter des Staatsapparates“, „Funktionäre“ u. „Kader“, alle mit besonderen Privilegien (das SED-

          Politbüro verabschiedet in 3.1949 das erste Nomenklatursystem, im Laufe der Zeit wird es vom Polit-

          büro horizontal auf Staats-, Wirtschafts-, Massenorganisations- u. Blockparteienapparate und vertikal

          auf mehrere Hierarchie-Ebenen erweitert, 1989 zählen ca. 350 000 Personen zur Nomenklatur)

19.09. ABZ; Proklamation Nr. 2 zur Bildung der „Staaten“ Groß-Hessen, Württemberg-Baden und Bayern

20.09. Alliierter Kontrollrat, Gesetz Nr. 1 u.a. zur Aufhebung des Reichsbürgergesetzes v. 1935 (>10.10.45)

21.09. ABZ; Freiburg, Hirtenbrief d. kath. Erzbischof Dr. Conrad Gröber u.a. „In unseren katholischen

          Kreisen haben wir nur unverhältnismäßig wenige gefunden, die mit innerer Begeisterung dem Ruf zu

          den Waffen folgten…Es lag wirklich ein Stück Martyrium darin, sich für eine Sache in Pflichttreue zu

          opfern, die dem eigenen Wunsch und Willen nicht im mindesten entsprach…Gott weiß es, daß die

          Bischöfe so wenig wie die meisten ihrer Diözesanten vom Allerschlimmsten und Allerscheußlichsten

          etwas wussten, was das Dritte Reich in Gott- und Gewissenlosigkeit verübte oder daß sie nur gerüch-

          teweise davon erfuhren ohne die Möglichkeit zu besitzen, das im Flüsterton Zugetragene auf seinen

          Wahrheitsgehalt nachzuprüfen…Aber keiner von den Bischöfen hat je beweiskräftig erfahren, wie die

          Lager der Juden im Osten aussahen und wie man sie zu Tausenden und Abertausenden in barba-

          rischer Weise misshandelte und am Rande der von den Opfern selbst geschaufelten Massengräbern

          erschoß…Als sie davon, aber nur vom Hörensagen, erfuhren, haben sie soweit es überhaupt möglich,

          dagegen protestiert und in den erlaubten Fristen Lebensmittel in die KZ-Lager geschickt…Die fremden

          Völker mögen es selbst bezeugen, ob die katholischen Bischöfe und die kath. Priester und Gläubigen

          es waren, die sie von der Heimat beraubten, einsperrten und plagten oder ob es die anderen gewesen

          sind, die vom Christentum und einer wahren Menschlichkeit nichts mehr wissen wollten…Ohne sich zu

          rühmen, können die deutschen Bischöfe vor der ganzen Welt gestehen, daß sie auch zum Martyrertod

          bereit gewesen wären…Viele Hunderte von Priestern u. Glaubensgenossen haben bekanntermaßen,

          trotz aller bischöflichen Gegenmaßnahmen in den KZ-Lagern und Gefängnissen geschmachtet und

          zahlreiche sind in diesem furchtbaren Elend vorzeitig gestorben…“

25.09. UdSSR gibt Kündigung sowjet.-türk. Freundschaftspaktes bekannt, fordert die türk. Provinzen Kars u.

          Ardahan u. gemeinsame Kontrolle von Bosporus u. Dardanellen (sowjet. Truppen sind im Iran)

26.09. BBZ; Göttingen, Auffanglager/Grenzdurchgangslager Friedland in 3 Schweineställen u. 10 Zelten er-

          öffnet, 12.1945 durch 19 Blechbaracken ersetzt; bis zu 5000 Menschen tägl., bis 12.1945 über 500000

          (1946 wird Pater Johannes Leppich Lagerpfarrer ehe er ab 1948 bis zu je 40 000 Menschen in Hallen,

          Stadien und auf Plätzen „Ihr religiösen Blindschleichen, ihr Limonadenchristen, ihr Ewigkeitsnieten“

          (>07.1955/ 12.4.90/ 31.8.90) nennt u. ihnen „die Leviten liest“; ca. 4 000 000 Vertriebene, Flüchtlinge,

          (Spät-)Aussiedler, Kriegsheimkehrer passieren das „Tor der Freiheit“, von 1949-53 werden die Kinder

          in einer Lagerschule betreut)  > verfolgte Schüler (>20.11.45/ 14.2.46/ 31.7.48/ 10.7.52/ 13.12.55),

          ABZ; Gesetz Nr. 8 für die amerik. Zone u.a. „Die Beschäftigung eines Mitglieds der NSDAP oder einer

          der ihr angeschlossenen Organisationen in geschäftlichen Unternehmungen aller Art, in einer beauf-

          sichtigenden oder leitenden Stellung oder in irgendeiner anderen Stellung als der eines gewöhnlichen

          Arbeiters, ist gesetzwidrig“ (nach heftigsten deutschen Protesten wird die ,Entnazifizierung’ durch sog.

          Spruchkammern ab >5.3.46 Deutschen überlassen, am >18.7.50 ernennt US-Hochkommissar McCloy

          auf weiteres Drängen v. Bundesregierung, Parteien u. Kirchen einen Untersuchungsausschuß der u.a.

          dann auch für die Leiden derer im Lager Friedland ursächlich politisch Mitverantwortlichen amnestiert)

27.09. SBZ; Volksgericht Sachsen (mit VO vom 22.9. gegründet), AEL Radeberg-Prozeß gegen 5 Aufseher

          vom Arbeitserziehungslager, wg. Beteiligung am Häftlingsmord und -misshandlung werden im Namen

          des Volkes 2 Haftstrafen von 3-6 Jahren, lebenslange Haft für Ewald Epping und Todesurteile für

          Heinrich Frings u. Rudolf Schelenz verhängt, die Urteile sind unanfechtbar (>19.8.65/ 6.9.65/20.12.66)

28.09. ABZ; amerik. Militärregierung entlässt den auf Vorschlag Kardinal v. Faulhaber am 28.5. eingesetzten

          bayr. Min.Präs. Dr. jur. Fritz Schäffer wg. dessen Milde zu Nationalsozialisten u. der Entnazifizierungs-

          Denkschrift zur Wiederverwendung „unersetzbarer Beamter“ (ex-Bayerische Volkspartei, kath. CSU-

          Gründungsmitgl., 1949-61 MdB, 1949 61 BRD-Finanz- u. -Justizminister) (>7.6.51/ 11.6.55/ 22.10.65)

29.09. Großbritannien; „The Economist“ über deutsche Kriegskinder „Blickt man von den Kleidern auf die

          Gesichter, so wird deutlich was es heißt, halb verhungert zu sein. Was auffällt, ist nicht die Magerkeit,

          nicht einmal die Müdigkeit, sondern die Gesichtsfarbe. Die Gesichter der Babys in den Kinderwagen

          sind leichenfahl; das Fleisch hat ein wächsernes oder seifenartiges Aussehen. Kleine Kinder sind

          gelb, aber die Zwölfjährigen weisen die Blässe der Erwachsenen auf, außer, wenn sie offenbar durch

          Gelbsucht gefärbt sind.“

    09. UdSSR, ca. 5 000 000 sowjet. Displaced Persons sind z.T. zwangsweise ,heimgeführt’/repatriiert (hier

          werden ca. 150 000 wg. Kollaborationsverdacht hingerichtet und ca. 250 000 nach Sibirien verbannt)

30.09. SBZ; Zentralverwaltung f. Volksbildung erlässt Verordnung über die Zulassung zum Studium; Abt.Ltr.

          f. Hochschulen und Wissenschaft ist Dr. phil. Robert Rompe (KPD, SED, 1951 Nationalpreis, 1953 Dt.

          Akademie d. Wissenschaften, 1958 SED-ZK, 1957-90 Forschungsrat der DDR, 1970 VVO) (>8.10.46)

01.10. ABZ; Aufhebung des Fraternisierungsverbotes führt zu massenhaften Beziehungen von z.B. ex-BDM

          „Glaube und Schönheit“-Fräulein’s und „Veronica’s“ mit Besatzungstruppen des ex-Kriegsgegners

02.10. Berlin, Bischof Preysing’s Protestschreiben an Marschall Shukow wg. Verbot von Bekenntnisschulen

03.10. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 49 zur Reorganisierung des Gerichtswesens und der Entfernung aller Richter,

          Staatsanwälte u. sonstiger Justizbediensteten, die zu irgendeinem Zeitpunkt der NSDAP o. ihren Glie-

          derungen angehörten (bald ersetzen die ethischen Ansprüche sozialistischer Gesetzlichkeit erfüllende

          und deren Menschenrechtsverletzungen ignoriernde neue Organe der Rechtspflege von „Volksrichter“

          bis Oberstes Gericht frühere „furchtbare Juristen“)(>15.10.45/ 20.10.45/ 13.11.46/13.10.47/ 17.12.50)

05.10.(andere Quelle 19.11.) SBZ; abweichend vom Potsdamer Abkommen stellt die UdSSR das westl. der

          Oder-Grenze gelegene Gebiet Kolbitzow - Pölitz - Neuwarp unter poln. Verwaltung (>6.7.50/ 14.11.90)

5./6.10. BBZ; Hannover/Wennigsen, SPD-Reichskonferenz (SBZ-Vertreter Grotewohl sagt West-Delegierten

          u.a. „Ich glaube versprechen zu können, daß wir für Euch die politische Freiheit erkämpfen“ (>19.4.46)

06.10. ABZ; Nürnberg, Reichsärzteführer u. Reichsgesundheitsführer Dr. Leonardo Conti begeht Selbstmord

          BBZ; Köln, Oberbürgermeister Dr. Adenauer wird vom britischen Militärgouverneur John Barraclough

          entlassen, der Brigadier erklärt Dr. A. u.a. „Nach meiner Ansicht haben Sie Ihre Pflicht gegenüber der

          Bevölkerung Kölns nicht erfüllt. Sie werden daher heute aus Ihrem Amt als OBB von Köln entlassen.“,

          SBZ; UdSSR stellt westl. der Oder gelegenes Swinemünde unter poln. Verwaltung (>6.7.50/ 22.5.89),

          USA; Washington, Senator Kilgore-Committee veröffentlicht die Namen von 42 - wg. ihrer Mitschuld

          für NS-Verbrechen anzuklagender prominenter dt. Bankiers / Industrieller (u.a. H. Abs, Rekordhalter

          besetzter lukrativer Aufsichtsratsstellen, später Bundeskanzler Adenauer’s Vertrauter sowie F. Flick u.

          Hugo Henkel (nur einige der 42 werden angeklagt) (>18.4./ 24.11.47/ 14.8.47/12.5.48)

    10. SBZ; SPD-Landesparteitag Sachsen wählt Otto Buchwitz (ex-schlesischer SPD-MdR u. Befürworter

          einer Vereinigung mit KPD) als Landesvorsitzenden - auf anderen Landesparteitagen sprechen sich

          bekannte SPD-Funktionäre wie Werner Bruschke, ex-MdR’s Friedrich Ebert und Carl Moltmann, jetzt

          Vorsitzender d. neugegründeten brandenburgischen SPD, Thüringens Heinrich Hoffmann und andere

          nachdrücklich für SPD-KPD-Zusammenarbeit aus,

          SBZ; Jamlitz, NKWD-Lager Nr. 6 (ex-Frankfurt/O.) auf KZ-Gelände eröffnet (NS-Staatsschauspieler/

          Reichskultursenator/Goebbels-Claqueur und späterer Bundesverdienstkreuzträger Gustaf Gründgens

          wird hier interniert) (>04.1947),

          SBZ; Weimar, Marktstr. ein sowjet. Oberleutnant betritt ein Friseurgeschäft. Er ist angetrunken

          u. obwohl der an den Vorraum angrenzende Friseursalon dicht besetzt war, riß er das etwa 21jährige

          Kassenmädchen des Geschäfts über den Verkaufstisch u vergewaltigt es. Keiner der anwesenden

          Männer im Friseursalon wagt gegen diesen Offizier einzugreifen

8./15.10. ABZ; Wiesbaden, US-Militärgericht, drei Mitarbeiter der Euthanasie-Anstalt Hadamar werden wg.

          Mordes an über 400 poln. und sowjet. Männern, Frauen u. Kindern zum Tode u. vier MitarbeiterInnen

          werden zu langen Haftstrafen verurteilt (>24.2.47)

10.10. Alliierter Kontrollrat, Gesetz Nr. 2 zu Auflösung/Liquidierung von 62 Naziorganisationen (>27.6.81)

12.10. Berlin, Schreiben des Beraters der amerik. Militärregierung Robert Murphy an US-Regierung u.a.:

          „Allein auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin haben unsere Sanitätsstellen täglich im Durchschnitt zehn

          Menschen gezählt die an Erschöpfung, Unterernährung u. Krankheit gestorben sind. Sieht man das

          Elend und die Verzweiflung dieser Unglücklichen…stellt sich sofort die Erinnerung an Dachau und

          Buchenwald ein. Hier ist Strafe… aber nicht für die Parteibonzen, sondern für Frauen und Kinder…“

15.10. SBZ; Universität Jena, Wiedereröffnung durch SMAD-General W. Tschuikow und Landespräsident

          Dr. jur. Rudolf Paul für zuvor die politische Kriterien nationalsozialistischer Begabtenförderung

          Erfüllende (zu den ersten Jura-Studenten hier zählt der vertriebene kath. Schlesier Wolfgang Vogel,

          er erfüllt nun die politischen Kriterien sozialistischer Begabtenförderung, LDPD, 1952 Referent

          im DDR-Justizministerium, 1953 Stasi-IM, 1954 Rechtsanwalt, 1969 Dr. jur. h.c., 1982 SED, 1993

          Craig Whitney’s „Advocatus Diaboli“) (>25.8.61/ 9.1.96),

          Vatikan; Dispatch No. 451 an US Department of State u.a.: „Frauen von 10 bis 70 Jahren sind

          geschändet worden...Die schlimmsten Verbrechen wurden in der Kurfürstendamm-Gegend in

          Gegenwart von Angehörigen (Ehemännern, Vätern, Müttern, Brüdern) verübt. Im Franziskus-

          Sanatorium wurden Nonnen vergewaltigt, obwohl sie ihren Habitus trugen...Prof. Schüler vom

          Rittberg-Krankenhaus in Lichterfelde brachte seine Frau und Tochter und dann sich selbst ums

          Leben, um die Qual ihrer Vergewaltigung nicht ertragen zu müssen...“ (>6.11.45/ 4.1.49/ 22.2.2002),

          Frankreich; Paris, Hinrichtung v. ex-Min.-Präs. Pierre Laval (Präs. Henri Pétain erhält lebenslänglich,

          wg. Kollaboration mit Deutschen wurden in Frankreich tausende Franzosen spontan und ca. 1 300

          standgerichtlich zum Tode verurteilt, Gen. de Gaulle schreibt von 5 167 Todesurteilen!)

17.10. Berlin, das am 8.5. konstituierte Internationale Militärtribunal empfängt die von R. Jackson (USA),

          F. de Menthon (F), R. Rudenko (UdSSR) und H. Shawcross (GB) unterzeichnete Anklageschrift gegen

          24 – wg. des „Gemeinsamen Plans oder Verschwörung, der Verbrechen gegen den Frieden u. gegen

          die Menschlichkeit und der Kriegsverbrechen“ – Hauptangeklagte (>14.11.45/1.10.46)

18.10. SBZ; Gemeinsamer Aufruf des ZK der KPD und des Zentralausschusses der SPD zu demokratischer

          Schulreform „An alle Eltern, Lehrer und Hochschullehrer! …War es von jeher schon das Erbübel der

          deutschen Schule, Untertanen statt selbstständig denkende Menschen zu erziehen, so erniedrigte die

          NS-Herrschaft die Schule völlig zur Drillanstalt für den Raubkrieg...Alle…wahrhaft demokratischen

          Kräfte werden…mit uns für folgende Grundforderungen eintreten: 1. Die heranwachsende Generation

          …muß…zum selbstständigen, aufrechten, freiheitlichen und fortschrittlichen Denken und Handeln er-

          zogen werden. 2…3.Alle Bildungsprivilegien einzelner Schichten müssen fallen. Das Ziel…ist…allen

          Befähigten ohne Rücksicht auf Herkunft, Stellung und Vermögen der Eltern der Weg zu den höchsten

          Bildungsstätten des Landes frei gemacht wird…Deutsche Jugend!...Die deutsche Schule muß eine

          Bildungsstätte des gesamten Volkes werden, die jedem Begabten Fortschritt und Aufstieg gewähr-

          leistet und dazu hilft, daß die Welt die Deutschen wieder als Kulturvolk achtet.“ späteres Ergebnis ist:

          Schulzwang, Bildungsdiskriminierung, verfolgte Schüler (>27.4.47),

          SBZ; Greußen, erste Verhaftungen von insges. 38 ,Greußener Jungen’ im Alter von 14 bis 25 Jahren

          wg. Flugblatt-Verteilens; Karl Heinz Anders, Richard Anschütz, Karl Bähr, Hermann Beisker, Hans-

          Joachim Biber, Horst Blank, Horst Burghardt, Max Dreißig, Hans Dünkel, Hans Garbe, Fritz Gerlach,

          Hans Götze, Horst Goymann, Siegfried Gräser, Helmuth Henze, Gerhard Hohenstein, Kurt Hüllemann,

          Helmuth Karlstedt, Jürgen Kirmes, Otto Landgraf, Werner Limpert, Wolfgang Mieth, Norbert Müller,

          Rudi Muscho, Herwarth Neubert, Arno Neuschild, Horst Nolde, Hans-Joachim Pfeiffer, Karl-Heinz

          Schaumburg, Joachim Scherzberg, Alfred Sittkus, Paul Stieding, Heinz Trinks, Helmuth Trotzer, Kurt

          Weiß, Harry Zimmermann u. zwei bedeutend Ältere, Richard Bohrloch u. Alfred Hafermalz werden z.T.

          wg. ihrer früheren NSDAP bzw. HJ-Mitgliedschaft von KPD-Mitgl. Willi Koch fälschlich denunziert, sie

          werden gefoltert und trotz erwiesener Unschuld in 7.1946 von Sowjet. Militär Tribunal zu Todesstrafen

          bzw. Arbeitslager zwischen 5 und 15 Jahren verurteilt und im NKWD-Lager Sachsenhausen jahrelang

          inhaftiert (sie wurden selbst dann nicht entlassen als Denunziant Koch wg. erwiesener Unhaltbarkeit

          seiner Anschuldigungen vom LG Weimar verurteilt wird), nur 14 von ihnen kehren lebend zurück/ 1950

          werden am „Tag der Republik“ Karl Heinz Anders, Norbert Müller, Hans Götze u. Joachim Scherzberg

          freigelassen (Präs. W. Pieck’s SED-Staatssekr. Dr. Leo Zuckermann schreibt „Dieser Gnadenerweis

          ist ein Ausdruck der Stärke unserer Republik“. 1952 flieht SED-Mitgl. Dr. jur. Zuckermann in die BRD,

          1995 werden die ersten ,Greußener Jungen’ von der Obersten Militärstaatsanwaltschaft Moskau

          rehabilitiert) (>25.6.1946)  > verfolgte Schüler,

          besetztes Königsberg wird sowjet. Sondermilitärkreis mit ca. 130 000 Deutschen (>6.11.45/ 7.4.46)

19.10. ABZ; „Stuttgarter Erklärung“ d. Rat d. EKD u.a.:„...Wohl haben wir lange Jahre im Namen Jesu Christi

          gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Aus-

          druck gefunden hat; aber wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht

          fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben. Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang

          gemacht werden...“ gez. Landesbischof D. Wurm, Pastor Niemöller, Bischof Dr. Dibelius (>22.4.39),

          Superintendenten Held und Hahn, Pastoren Niesel und Asmussen, Dr. Dr. Heinemann;

          Bischof Schönherr: „...wir von der Bekennenden Kirche waren nur eine kleine Minderheit“ (>2./6.7.72),

          Prof. Dr. Klaus Scholder: „...zunächst langsam dann nach dem 30.1.1933 immer schneller, faßten die

          Deutschen Christen im deutschen Protestantismus Fuß. Binnen Jahresfrist war es um die konsistoria-

          len Kirchenleitungen nahezu überall geschehen. Die Deutschen Christen hatten, ihrem politischen

          Vorbild folgend, die evangelische Kirche erobert...“,

          Prof. Dr. Trutz Rendtorff: „Kirche und Widerstandsbewegung decken sich nicht...unter den Akteuren

          und Opfern des Widerstands (bildeten) Theologen und Kirchenleute den mit Abstand geringsten Teil.“

          1950 findet die EKD-Synode ein „Wort zur Schuld an Israel“ (>8.8.47/ 2./6.7.72/ 7.2.92),

          Großbritannien; „The Times“, Bertrand Russell: „In Osteuropa werden jetzt von unseren Verbündeten

          Massendeportationen in einem unerhörten Ausmaß durchgeführt und man hat offenichtlich die

          Absicht, viele Millionen Deutsche auszulöschen, nicht durch Gas, sondern dadurch, daß man ihnen ihr

          Zuhause und ihre Nahrung nimmt und sie einem, langen schmerzhaften Hungertod ausliefert…Im

          Potsdamer Abkommen wird vorgeschrieben, daß die Ausweisungen von Deutschen in ,geregelter und

          humaner’ Weise durchgeführt werden sollten. Und es ist wohl bekannt…daß diese Bedingung von

          unseren russischen und polnischen Verbündeten nicht beachtet worden ist.“

          Großbritannien; „The Times“, Bertrand Russell: „In Osteuropa werden jetzt von unseren Verbündeten

          Massendeportationen in einem unerhörten Ausmaß durchgeführt und man hat offenichtlich die

          Absicht, viele Millionen Deutsche auszulöschen, nicht durch Gas, sondern dadurch, daß man ihnen ihr

          Zuhause und ihre Nahrung nimmt und sie einem, langen schmerzhaften Hungertod ausliefert…Im

          Potsdamer Abkommen wird vorgeschrieben, daß die Ausweisungen von Deutschen in ,geregelter und

          humaner’ Weise durchgeführt werden sollten. Und es ist wohl bekannt…daß diese Bedingung von

          unseren russischen und polnischen Verbündeten nicht beachtet worden ist.“ (>20.11.45)

20.10. Alliierter Kontrollrat, Proklamation Nr. 3 über „Grundsätze für die Umgestaltung der Rechtspflege“ u.a.

          „Der Zugang zum Richteramt steht…allen Personen offen, sofern sie die Grundsätze der Demokratie

          anerkennen.“ (>30.10.45)

21.10. SBZ; Befehl des Obersten Chefs d. SMAD, Marschall G. Shukow, zu Festsetzung von Lebensmittel-

          rationen in Gramm und pro Tag

                                           Brot   Nährmittel   Kartoffeln   Zucker   Marmelade   Fleisch    Fett

          1. Schwerstarbeiter   450         40              500           25            30               40        20

          2. Schwerarbeiter     400          40              400           25            30               40        20

          3. sonst. Arbeiter      350          20              300           20            30               25        10

          4. Angestellte           250          15              300           20             30               20        10

          5. Kinder bis 15 J.    200          10              300           25             30               15        10

          6. übrige Bevölk.      200          10              300           15             30                -           -

          Für die Einstufung der Bevölkerungsgruppen sind Richtlinien herausgegeben. Zu den Bevölkerung-

          gruppen 1 bis 3 gehören auch: Professoren, Prominente in Kunst und Wissenschaft, Ärzte, Personen

          in leitenden Stellungen, Lehrer...Werdende und stillende Mütter erhalten vom 6. Monat an bis zum

          4. Monat nach der Geburt zusätzlich pro Monat 300 g Nährmittel, 300 g Zucker, 100 g Fett, außerdem

          ¼ Liter Milch täglich (>10.7.46)

22.10. ABZ; München, Dr. Ludwig Erhard (parteilos) wird bayr. Wirtschaftsmin. (>21.12.46)

23.10. Berlin, „Berliner Zeitung“ „Der Jugend muß geholfen werden“ „Eines der dringendsten Probleme…ist

          die Jugendfrage…Millionen blieben ohne geregelte Schule…Millionen verloren Heim und Eltern oder

          gerieten mit den KLV-Lagern in das Chaos der zusammenbrechenden Front…“  >verfolgte Schüler

24.10. SBZ; Dresden, der „Block antifaschistisch-demokratischer Parteien“, ev. Kirche und Gewerkschaft

          gründen die „Volkssolidarität gegen Wintersnot“ (>05.1946),

          SBZ; Großräschen, Verhaftung des 16jährigen als Werwolf verdächtigten ex-Hitlerjugendführers und

          Oberschülers Wolfgang Lehmann (11.1945 Einlieferung in das NKWD-Lager Ketschendorf, 1947

          Deportation zur Zwangsarbeit in sowjet. GULag’s, 1950 Entlassung in die DDR, Zimmermannslehre,

          1951-59 er erfüllt die politischen Kriterien sozialistischer Begabtenförderung, Fach- und Hoch-

          schulstudium in Cottbus, Dipl.-Ing., 1960 Republikflucht) (>17.2.47/ 29./30.1.51/ 27.4.2002),

          Norwegen; Hinrichtung von ex-Min.-Präs. Vidkun Quisling (am 10.9. zum Tode verurteilt)

25.10. ABZ; Nürnberg, der ex-Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Robert Ley begeht Selbstmord

26.10. Berlin, Beginn der ,Aktion Storch’ - der Evakuierung unterernährter Berliner Kriegskinder in die BBZ

28.10. Bistum Berlin, Bischof Preysings „Hirtenwort zur religiösen Kindererziehung“ > verfolgte Schüler

29.10. SBZ; Sachsen, 1.Verordnung zur Enteignung von Industriebetrieben „...zur Sicherung der Demokratie

          und des Friedens beschließt die Landesverwaltung Sachsen, die dem Kriegsverbrecher Flick gehören-

          den und in...Sachsen gelegenen Unternehmungen...zu enteignen...Die Überführung in das Eigentum

          des Landes erfolgt ohne Entschädigung...“ (bis 1948 kommt es in der gesamten SBZ zur Enteignung

          von ca. 9 981 Industrie- u. Handwerksbetrieben, Banken, Versicherungen, Läden, Restaurants usw.)

          (>30.10.45/ 8./10.6.46/ 18.4./ 24.11.47/ 8.2.49/ 2.3.90/ 20.9.90),

          SBZ; Gründung KPD-eigener „Zentrale Druckerei-, Einkaufs- und Revisionsgesellschaft mbH" (später

          SED-eigene Vereinigung Organisationseigener Betriebe VOB Zentrag die mit über 90 Druckereien ca.

          70% gedruckter und 1947 mit der DEFA 100% gefilmter DDR-Propagandakapazität besitzt) (>17.5.46/

          4.11.47/ 1971/ 16.3.78/ 31.5.90)

30.10. Alliierter Kontrollrat, Gesetz Nr. 4 zur „Umgestaltung des deutschen Gerichtswesens“, u.a. „Zwecks

          Durchführung der Umgestaltung des deutschen Gerichtswesens müssen alle früheren Mitglieder der

          Nazi-Partei, die sich aktiv für deren Tätigkeit eingesetzt haben, und alle anderen Personen, die an den

          Strafmethoden des Hitler-Regimes direkten Anteil hatten, ihres Amtes als Richter oder Staatsanwalt

          enthoben werden u. dürfen nicht zu solchen Ämtern zugelassen werden.“ (>28.6.50/ 8.2.51/ 25.8.51/

          2.10.54/ 27.1.56/ 18.1.60/ 4.5.60/ 13.6.61/ 21.3.62/ 14.5.62),

          SBZ; SMAD-Befehle Nr. 124 u. 126 (Art. 48 und 53 der Haager Landkriegsordnung HLKO verletzend)

          über Beschlagnahme u. provisorische Übernahme einiger Eigentumskategorien (entschädigungslos

          enteignet o. beschlagnahmt wird, z.T. mit Hilfe von „Sequesterkommissionen“, Eigentum des Reiches

          u. Preußens, verbotener Organisationen, Eigentum von NSDAP-Amtsleitern, führenden Mitgliedern u.

          einflußreichen Anhängern sowie u.a. Eigentum der Personen die vom sowjet. Militär durch besondere

          Listen oder auf andere Weise bezeichnet werden (insges. ca. 7 000 Betriebe, ca. 4 500 werden in der

          SBZ demontiert u. in die UdSSR abtransportiert, zusammen mit 11 800 km Eisenbahnschienen - zum

          Vergleich: in den Westzonen sind es ca. 670 Betriebe. Für 213 Betriebe wird die UdSSR neuer Eigen-

          tümer („sozialistische Arisierung“), sie heißen Sowjet. Aktiengesellschaften - wie z.B. die SAG Wismut

          zum Abbau 1 000er t Uran für sowjet. Atomwaffen - sie werden 1953/54 für ca. M 2 550 000 000 DDR-

          Kapitalbeteiligung zu Sowjet.-Dt. Aktiengesellschaften z.T. zurückgekauft, 1991 erwirbt die Treuhand

          die sowjet. Anteile der „weltgrößten Atommülldeponien“ und dt. Steuerzahler zahlen ca. DM 13 Mrd.

          für die Sanierung des dann zur GmbH gewandelten Unternehmens) (>28.3.46/ 21.5.46/ 5.6.46/

          30.6.46/ 10.5.47/ 4.11.47/ 17.4.48/ 1.12.53/ 20.9.61/ 20.2.67/ 12.2.90/ 2.3.90/ 31.8.90/ 20.9.90/

          30.1.91/ 18.3.91/ 23.4.91/ 14.7.92/ 4.10.95/ 20.12.95/ 17.6.96/ 21.12.2000/ 18.9.2001/ 25.3.2002)

    11. USA; New York, Gründung von CARE Cooperative for American Remittances to Europe (02.1946 wird

          die zweite Hilfsorganisation CRALOG Council of Relief Agencies Licensed for Operation in Germany

          ebenfalls von Kirchen, der Heilsarmee, Gewerkschaften u. Wohlfahrtsverbänden gegründet, bis 1960

          werden durch Spenden ca. 10 000 000 Pakete und 320 000 t Hilfsgüter nach Deutschland geschickt)

04.11. SBZ; Berlin, Gemeinsame SPD/KPD Kundgebung zur Schulreform mit Reden Max Kreuzigers (SPD),

          Dr. Wilhelm Külzs (LDPD), Eugen Hanisch alias Anton Ackermanns (KPD) u.a. „Wahrzeichen der

          deutschen Schule...war nicht mehr das Buch, das Wahrzeichen...war der Dolch der Hitler-Jugend...“-

          „höhere Bildung war...nicht Anrecht der Begabten aus allen Schichten...sondern Privileg der Reichen...

          dies reaktionäre Bildungsprivileg...soll aus der Welt geschafft werden.“-„Was...religiöse Erziehung...an-

          belangt, sind wir der Meinung, daß dem Elternhaus...nicht der geringste Zwang angetan werden darf.“,

          „Die Kommunistische und die Sozialdemokratische Partei halten es daher im Interesse unserer

          Jugend…für ihre Pflicht, der Öffentlichkeit ihre gemeinsamen Grundsätze für die demokratische

          Erneuerung der deutschen Schule darzulegen.“  > verfolgte Schüler (>03.1946/ 21./22.4.46/ 24.8.49)

06.11. sowjet. verwaltetes Ostpreußen; Königsberg, Tag der Roten Armee, der von den Sowjets eingesetzte

          Bezirksbürgermeister u. Kommunist Hermann Matzkowski berichtete, die Sowjetsoldaten schienen

          sogar Erlaubnis zu jeder Art von Übergriffen erhalten zu haben. „Die Männer wurden verprügelt, die

          meisten Frauen vergewaltigt, so auch meine 71 Jahre alte Mutter, die zu Weihnachten starb.“

          Aleksandr Solschenizyn, sowjetischer Offizier in Ostpreußen schildert später in Preußische Nächte:

          „Zweiundzwanzig, Höringstraße. Noch kein Brand, doch wüst, geplündert.

           Durch die Wand gedämpft – ein Stöhnen: Lebend finde ich noch die Mutter.

           Waren’s viele auf der Matratze? Kompanie? Ein Zug? Was machte es!

           Tochter – Kind noch, gleich getötet. Alles schlicht nach der Parole:

           Nichts vergessen! Nichts verzeih’n! Blut für Blut! – und Zahn für Zahn.

           Wer noch Jungfrau, wird zum Weibe, und die Weiber – Leichen bald,

           Schon vernebelt, Augen blutig, bittet: Töte mich, Soldat!“(>1.5.46/ 06.46/ 4.1.49/ 13.2.74/ 22.2.2002)

09.11. ABZ; Bremen, der norweg. IMT-Berichterstatter Major Herbert Frahm alias Willy Brandt trifft ein - seit

          10.1944 in Schweden von der SAP zur Exil-SPD gewechselt, besucht Parteifreunde und mit SPD-

          Bürgermeister Wilhelm Kaisen‘s Hilfe seine Mutter in Lübeck (>14.11.45/ 17.1.47/ 1.2.48/ 1.7.48) (ein

          anderer IMT-Berichterstatter ist der sowjet. Kontrolloffizier Mark F. Wolf, später MfS-Generaloberst)

9.11./21.12. Frankreich; Paris, Reparationskonferenz mit Albanien, Australien, Ägypten, Belgien, Dänemark,

          Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Indien, Jugoslawien, Kanada, Luxemburg, Neuseeland,

          Niederlande, Norwegen, Südafrika, Tschechoslowakei u. USA (ohne UdSSR u. Polen) (>14.1.46)

10.11. ABZ; Kronberg/Taunus, Päpstliche Mission für Flüchtlinge eröffnet (>16.5.46)

12.11. USA; „TIME“ veröffentlicht mit Überschrift „Sünde ihrer Eltern“ ein Bild dreier deutscher Waisenkinder

          aus Danzig und berichtet „Diese drei deutschen Kinder büßen für die Sünden, die ihre Eltern vielleicht

          begingen. Weggejagt aus einem polnischen Waisenhaus in Danzig, wurden sie in vollgestopften Vieh-

          wagen nach Deutschland ohne ärztliche Betreuung und beinahe ohne Lebensmittel zurückgeschickt.

          Die Polen, deren Kinder vor gar nicht langer Zeit ähnlich aussahen, sind dabei, sämtliche Kranken-

          häuser von Deutschen zu säubern, egal wie krank sie sind. Der Junge, links, ist 9 Jahre alt und wiegt

          18 Kilo und ist zu schwach, um zu stehen. Der Junge in der Mitte ist 12 und wiegt 21 Kilo. Seine

          Schwester, rechts, ist 8 und wiegt 17 Kilo.“  > verfolgte Schüler

14.11./1.10.46 ABZ; Nürnberg, IMT-Hauptkriegsverbrecher-Prozeß gegen Hermann Göring, Wilhelm Keitel,

          Karl Dönitz, Martin Bormann, Dr. Hans Frank, Dr. Wilhelm Frick, Hans Fritzsche, Dr. Robert Ley, Dr.

          Walther Funk, Rudolf Heß, Alfred Jodl, Dr. Ernst Kaltenbrunner, Gustav Krupp v. Bohlen und Halbach,

          Konstantin v. Neurath, Franz v. Papen, Erich Raeder, Joachim v. Ribbentrop, Alfred Rosenberg, Fritz

          Sauckel, Julius Streicher; Dr. Hjalmar Schacht, Baldur v. Schirach, Dr. Arthur Seyß-Inquart und Albert

          Speer; die Richter: Sir Geoffrey Lawrence (GB), Francis A. Biddle (USA), Iola T. Nitischenko (UdSSR),

          Henri Donnedieu de Vabres (F), die Chefankläger: Sir Harley Shawcross (GB), Robert H. Jackson

          (USA), Roman Rudenko (UdSSR), Francoise de Menthon (F); nach 216 Verhandlungstagen in denen

          236 Zeugen gehört u. 38 000 eidesstattliche Versicherungen entgegengenommen werden endet der

          Prozeß (>3.5.46/ 30.9.46/ 18.7.47/ 12.11.48/ 17.9.52/ 30.1.97)

15.11./ 13.12.1945 ABZ; Dachau-Prozeß gegen Martin Gottfried Weiß u. 39 Angehörige des Lagerpersonals

16.11. Schweiz; „Die Weltwoche“ „Aus einem toten Land“ informiert mit Beispielen über „leergeplünderte

          Städte, Pestdörfer, Öde, unbestellte Felder, leichenbesäte Straßen…“ im poln. verwalteten Schlesien

19.11. ABZ; Denkschrift der Generale: „Das Deutsche Heer von 1920-1940“(!!) von Generalfeldmarschall

          Walther v. Brauchitsch, Generalfeldmarschall Erich v. Manstein, Generaloberst Franz Halder, General

          Walter Warlimont u. General Siegfried Westphal für Nürnberger OKW-Prozeß gegen Wilhelm v. Leeb

          und andere verfasst um „darzulegen, daß das Heer gegen Partei und SS eingestellt gewesen sei,

          nahezu alle wichtigen Entscheidungen Hitlers missbilligt u. gegen Kriegsverbrechen opponiert habe...“

          und verharmlost die Rolle von OKW und OKH im 2.Weltkrieg. („Nicht einer der Verfasser habe sich

          der Verantwortung für sein eigenes Handeln oder Unterlassen gestellt. Dennoch erhoben sie den

          Anspruch, mit ihrer Darstellung eine Pflicht gegenüber den Soldaten des deutschen Heeres zu erfüllen

          u. verbanden ihr Anliegen mit Kritik am militärischen Widerstand gegen Hitler.“ schreibt Militärhistoriker

          Manfred Messerschmidt später; Kunrat v. Hammerstein schreibt „Die Heerführer des 2.Weltkrieges…

          tragen aufgrund ihrer umfassenden Kenntnis der Lage, ihrer Erziehung und ihrer Stellung für das

          Schicksal ihres Volkes eine sehr schwere Verantwortung, die sie nicht auf Hitler abwälzen können.

          Deshalb sollte man keinen Heerführermythos erfinden, um ausgerechnet den Aufbau der neuen

          Wehrmacht zu fördern.“), etliche militär. Führungsschichtangehörige darunter 35 Generale d. Heeres,

          6 Generale d. Luftwaffe, 8 Admirale, 13 Generale d. Waffen-SS u. 5 Generale d. Polizei begingen bei

          Kriegsende Selbstmord (>30.12.47/ 24.8.49/ 19.12.49/ 5./11.10.50/ 8.11.50/ 11.1961/ 24.11.67)

20.11. Alliierter Kontrollrat; Plan der Umsiedlung der aus Österreich, der Tschechoslowakei, Ungarn u. Polen

          ausgewiesenen deutschen Bevölkerung nach den vier Besatzungszonen Deutschlands (>22.2.50),

          CSR; Abzug aller amerik. und sowjet. Truppen (>5.5.46)

23.11. bei seinem Verhör erklärt der 15jährige Sohn von KZ Mauthausen-Kommandant Franz Ziereis: „Zu

          meinem Geburtstag hat mir mein Vater 40 Häftlinge zur Verfügung gestellt, um mich das Schießen zu

          lehren. Ich schoß, bis alle Häftlinge tot auf dem Boden lagen…“,

          SBZ; Dresden, der jüd. „weil sie ihm in der Zeit der Verfolgung nicht einen Schimmer von Hoffnung“

          gab am 18.8. aus der ev. Kirche ausgetretene Prof. Victor Klemperer (Zitat 1933: „Ganz Deutschland

          zieht Hitler den Kommunisten vor. Und ich sehe keinen Unterschied zwischen beiden Bewegungen…

          Beide sind materialistisch u. tyrannisch, beide mißachten die Freiheit des Geistes u. des Individuums“)

          wird KPD-Mitgl., erhält eine Professur u. wird Abendgymnasiums- u. Volkshochschulleiter (1946 SED,

          Landesleitung Kulturbund, 1947 Professor Uni. Greifswald, 1948 Professor Uni. Halle, Zentralvorst.

          Gesellschaft für dt.-sowjet. Freundschaft, 1950-58 AdV, Mitgl. im Ausschuß für Volksbildung, 1951

          Zentralvorst. Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Professor Humboldt-Uni. Berlin, 1953 Mitgl.

          Akademie der Wissenschaften, 1956 Vaterländ. Verdienstorden. Prof. K. bezeichnete den Ausschluß

          jüd. Schüler von dt. Schulen als „eine der ruchlosesten Taten der NSDAP“; den Ausschluß christl.

          Schüler von dt. Schulen war für SED-Genosse Klemperer nie „eine der ruchlosesten Taten der SED“

          und war damit früh auf der Linie späterer CDU-Akademiker à la Dr. Kohl, Dr. Krause, Dr. de Maizière,

          Dr. Merkel, Dr. Schäuble und von Bundestag, Bundesverwaltungs- und Bundesverfassungsgericht die

          DDR-Bildungsdiskriminierung weder als eine der „ruchlosesten Taten der SED“ definierten noch dem-

          entsprechend tätig wurden bzw. urteilten) deutsche Gerechtigkeit, > verfolgte Schüler (>10.7.51)

25.11. besetztes Österreich; 1.demokr. Parlamentswahl: ÖVP 49%, SPÖ 44%, KPÖ 5% (>14.8.49/ 9.8.50)

30.11. Kontrollratsgesetz Nr. 9 über Beschlagnahme und Kontrolle des Vermögens der IG Farbenindustrie

          (in westl. Besatzungszonen folgt Entflechtung der IG Farben in BASF, Bayer und Hoechst)

01.12. SBZ; Volkszählung, Wohnbevölkerung insges. 16 194 626; von den 1 268 000 Menschen von 18 - 25

          Jahren sind 75% weiblich, von den 25% männl. jungen Menschen war über 1/3 Kriegsverwundete

2./3.12. SBZ; Anna-Magdalena-Bach-Schule Pankow, 1.Delegierten-Treffen der antifaschistischen Zentralen

          u. Landesjugendausschüsse (Motto: „Das Leben ruft die Jugend“) berät „weiteren Weg zur Schaffung

          einer einheitlichen demokratischen Organisation der Jugend“; E. Honecker vor Jugendausschuss-

          Leitern u.a.: „Die Verschiedenartigkeit des Glaubens u. des weltanschaulichen Bekenntnisses sind für

          uns kein Grund zu Trennung. Wir sind auf diesem Gebiet für volle Toleranz.“ (einem Mitarbeiter sagt

          E. Honecker u.a. „Wir sind Kommunisten und müssen leider unsere Wünsche den Erfordernissen der

          politischen Situation anpassen. Eine Arbeiterjugendsorganisation würde bedeuten, daß wir noch mehr

          Jugendorganisationen zulassen müssen…Wir müssen an die ganze Jugend heran und denken gar

          nicht daran, einen Teil der Jugend den bürgerlichen Kreisen zu überlassen.“)  > verfolgte Schüler

          (>7.3.46/ 8./10.6.46)

04.12. Groß-Berlin, ev. Bischof Dr. Otto Melle erklärt seine poltische Haltung im Dritten Reich u.a. mit „Ich

          war nie NSDAP-Mitglied…die Bekennenden Kirchen machten nur 20-23% der ev. Christen aus…im

          Blick auf meine Rede an der WPC…die damalige Situation unterschied sich…Sollen wir Staatsmänner

          von heute nach ihren vor 8 oder 10 Jahren gehaltenen Reden beurteilen?...“ (einer von denen verlangt

          später: „Es muß das Recht auf Korrektur früheren Verhaltens geben") (>31.8.46)

06.12. SBZ; SMAD-Befehl Nr. 162 über Teilnahmer an Neulehrer-Kursen (einige wie Gerda v. Billerbeck,

          Helga Kaiser, Armin Neufeld, Karl Roth waren im Nationalsozialismus politisch verfolgte Schüler)

08.12. SBZ; Dt. Verwaltung für Volksbildung beginnt Bildungspolitik-Sowjetisierung u. erlässt im Namen

          Generalleutn. Pjotr W. Solotuchin’s SMAD-Abt. Volksbildung „Grundlegende Hinweise über die Zu-

          lassung zum Studium an Universitäten und Hochschulen“ u.a. durch Notabitur-„Vorstudienanstalten“

          mit vielfach überschrittenem 40% KPD/SED-Teilnehmer-Mindestsoll (Vorläufer der 1949 gegründeten

          Arbeiter- u. Bauernfakultäten mit Abiturabschluß nach 3 Jahren für oft von FDGB-„Betriebsgewerk-

          schaftsleitungen“ der VEB und Kaderkommissionen ausgesuchte Arbeiter u. Bauern; ABF „hatten

          einen wesentlichen Anteil an der Herausbildung einer sozialistischen Intelligenz“, viele schliessen ca.

          1963) > verfolgte Schüler, Bildungsdiskriminierung (>03.1948/ 31.3.49/ 22./26.8.49/ 14.3.50/ 12.7.62)

10.12. SBZ; Brandenburg, Verwaltungspräs. Dr. jur. Karl Steinhoff’s (SPD) Erlass u.a. „Alle Sonderschulen

          weltanschaulicher oder religiöser Art sind verboten…Schulräte haben die persönliche Verantwortung

          …gelegentlich Nachprüfungen im Sinne dieses Runderlasses vorzunehmen.“  > verfolgte Schüler

          (auch das Dritte Reich propagierte „Adolf Hitlers Jugend geht in die Gemeinschaftsschule“, Dr. S. wird

          1946 SED-Mitgl. u. Min.Präs. Brandenburg, 1948-49 im nicht gewählten Volksrat, 1949-52 DDR-

          Innenmin., Vopo-Chef, 1950-54 SED-ZK, 1950 Zeugen Jehova-Verbot, 1952-55 Prof. HU Berlin)

          (>6.12.46/ 5./7.6.47/ 24.1.49/ 10.10.49/ 8.2.50/ 13.7.50/ 31.8.50)

14.12. BBZ; Bad Godesberg, 1.CDU-Reichstagung unter dem Präsidium v. Dr. Leo Schwering, Karl Arnold,

          Erich Köhler, Lambert Lensing (deutsches Christentum manifestiert sich nach 1990 in der Behandlung

          christlicher verfolgter Schüler durch die Regierung des kath. CDU-Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl)

          (>5.2.46/ 3.2.47/ 28.7.50/ 17.8.90),

          Belgien; Christkönig- und Wallonische Legion-Gründer SS-General Léon Degrelle wird in Abwesen-

          heit zum Tode verurteilt (Caudillo General Francisco Franco gewährt ihm in Spanien Asyl)

16.12./26.12. UdSSR; Moskau, Interimstreffen des Rates alliierter Außenminister

17.12. SBZ; SMAD-Anweisung zur Ausbildung „antifaschistischer“ Volksrichter (Beginn ab 1.2.46) (>2.6.47/

          11.5.51/ 1.3.60/ 13.6.61/ 16.11.95)

20.12. Alliierter Kontrollrat (General Georgi K. Shukow, UdSSR/ General Joseph T. McNarney, USA/ Feld-

          marschall Bernard L. Montgomery, GB/ Generalleutnant Louis Koeltz, F) erlässt Gesetz Nr. 10 über

          „Bestrafung von Personen, die sich Kriegsverbrechen (Gewalttaten oder Vergehen gegen Leib, Leben

          oder Eigentum), Verbrechen gegen Frieden oder gegen Menschlichkeit schuldig gemacht haben“,

          Art. II,1. Jeder der folgenden Tatbestände stellt ein Verbrechen dar: a) Verbrechen gegen den Frieden

          b) Kriegsverbrechen c) Verbrechen gegen die Menschlichkeit…Verfolgung aus politischen, rassischen

          oder religiösen Gründen, ohne Rücksicht darauf, ob sie das nationale Recht des Landes, in welchem

          die Handlung begangen worden ist, verletzen.“ (mit Verjährungsausschluß! Art. II,1.c) wird seither von

          allen regierenden Parteien und Justizbehörden beider deutscher Staaten wissentlich ignoriert) 

          > verfolgte Schüler (>13.9.48/ 1.1.50/ 5.12.52/ 1.9.64/ 28.1.72/ 17.8.90/ 31.8.90/ 6.9.90),

          SBZ; 1.Tagung „Sechziger-Ausschuß“, je 16 Mitglieder des ZA der SPD: u.a. Grotewohl, Dahrendorf,

          Fechner, Lehmann u. des ZK der KPD: u.a. Pieck, Ulbricht, Ackermann, Dahlem. O. Grotewohl (SPD)

          trägt u.a. M. Fechner’s (SPD) Schreiben an W. Ulbricht (KPD) „die ersehnte Eineitsorganisation der

          Arbeiterklasse zu schaffen“ vor, Entschließung: „Die Erweiterung und Vertiefung der Aktionseinheit

          soll den Auftakt zur Verwirklichung der politischen u. organisatorischen Einheit der Arbeiterbewegung,

          d.h. zur Verschmelzung der SPD und der KPD zu einer einheitlichen Partei bilden. Auch über den

          Weg zur Schaffung der Einheitspartei konnte nach lebhafter u. kameradschaftlicher Aussprache weit-

          gehende Übereinstimmung erzielt werden...Die Einheitspartei wird eine unabhängige deutsche

          sozialistische Partei sein...“ (>15.1.46)

    12. ABZ; Philosophisch-Theologische Hochschule Freising, kath. Polizeibeamtensohn Joseph Ratzinger

          beginnt Weihnachten das Studium (1947 legt er das Abitur am Chiemsee-Gymnasium Traunstein ab,

          für Mitglieder nationalsozialistischer Jugendorganisationen legt der Vatikan andere Kriterien an als für

          Mitglieder sozialistischer Jugendorganisationen, 1953 Promotion, 1957 Habilitation, 1977 Berufung

          zum Kardinal) (>28.7.50/ 29.6.51/ 20.12.85/ 8.10.88/ 29.12.2000/ 5.2.2001)  > verfolgte Schüler,

          SBZ; Eisenach, 33 Jugendliche (Schüler, Lehrlinge – die Jüngsten 15 J.) werden als „Werwolf-

          Verdächtige“ verhaftet, ein sowjet. Militärtribunal (SMT) verurteilt die Jugendlichen im Namen der

          Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken willkürlich zu Todes- bzw. hohen Freiheitsstrafen, von acht

          ist bekannt, daß sie erschossen wurden, vierzehn sterben im Gefängnis Weimar  > verfolgte Schüler

29.12./5.1.46 SBZ; Wittenberge, Beginn einer Verhaftungswelle von 29 Schülerinnen und Schülern von 12 -

          18 Jahren, nach Folterung werden Klaus Adlung, Walter Andresen, Alfred Braband, Gisela Dohrmann

          (15jährig), Bruno Flügge, Irmgard Flügge, Horst Henning, Horst Hinze, Günter Holz, Arthur Jüngling,

          Anneliese Ilgeroth, Horst Klepel, Karin Klinger, Ursula Klinger, Herbert Klisch, Berta Milcke, Günter

          Milcke, Horst Neuendorf, Horst Peters, Hans Schoof, Günter Schulz, Helga Stubbenhagen, Bernhard

          Tittel, Egon Teichmann, Erich Radke, Bodo Wegner, Hans Wegner, Hans Werner u. Fritz Werner am

          9.2.46 vom sowjet. Militärtribunal (SMT) Brandenburg in Geheimprozeß wg. Verbrechen nach

          Art. 58-2/11 des sowjet. StGB (Ablehnung antifaschistischer Jugendorganisation und Bildung einer

          konterrevolutionären Organisation) verurteilt - 7 Jugendliche zum Tode (3 Urteile werden vollstreckt)

          und 21 Jugendliche zu je 10 Jahren u. einen Schüler zu 7 Jahren Arbeitslager (er verhungert im

          NKWD-Lager Sachsenhausen, Gisela Dohrmann kommt nach 4 Jahren Haft in Brandenburg/Havel,

          Perleberg, Alt-Strelitz und im Lager Sachsenhausen frei)  > verfolgte Schüler (am 7.2.95 werden alle,

          einschl. der Erschossenen, von der Militärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitiert),

          SBZ; von den im Januar ’45 an den Universitäten Berlin, Jena, Halle, Leipzig, Greifswald und Rostock

          tätigen 1 260 Professoren der NS-Zeit sind 931 in die westlichen Besatzungszonen abgewandert

1946

03.01. SBZ; Wilhelm Pieck’s (KPD) 70.Geburtstagsfeier; Otto Grotewohls (SPD) Grußadresse u.a.: „...so

          haben wir etwas...von Herzen Kommendes zu überreichen, nämlich Dir, lieber Wilhelm Pieck, einen

          Händedruck, der nicht nur für heute Bedeutung haben soll...diese Hände, die sich heute hier gegen-

          seitig ergriffen haben, werden niemals wieder gelöst werden...Garanten dafür sein, daß die Einigkeit

          der Arbeiterklasse niemals mehr gestört wird...Blut will zu Blut.“ (>3.1.48)

05.01. polnisch-sowjet. verwaltete dt. Ostgebiete; NKWD-Lager Landsberg/Warthe wird aufgelöst, ca. 3 000

          Häftlinge starben, Überlebende kommen in das NKWD-Lager Nr. 2 Buchenwald (>15.1.1950)

12.01. Alliierter Kontrollrat, Direktive Nr. 24 zu „Entfernung von Nationalsozialisten und Personen, die den

          Bestrebungen der Alliierten feindlich gegenüber stehen, aus Ämtern u. verantwortlichen Stellungen…

          Personen, die aus öffentlichen Ämtern entfernt werden, haben keinen Anspruch auf Ruhegehälter

          oder andere Beamtenrechte.“ (>11.5.51),

          SBZ; Max Fechner (SPD): „Es wird in anderen Teilen Deutschlands als selbstverständlich vorausge-

          setzt, daß die SPD im russischen Okkupationsgebiet nicht frei und unabhängig in ihren Entschlüssen

          sei. Wir versichern dagegen, daß diese Annahmen auf böswilligen Informationen beruhen, die...offen-

          sichtlich...die Einheit der Arbeiterklasse (verhindern sollen)“

14.01. Frankreich; Paris, Albanien, Australien, Ägypten, Belgien, CSR, Dänemark, Frankreich, Griechenland,

          Großbritannien, Indien, Jugoslawien, Kanada, Luxemburg, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Süd-

          afrika, USA unterzeichnen Pariser Reparationsabkommen zur Raubgold-Rückgabe und Gründung der

          Inter-Allied Reparation Agency zur „Aufbringung und ordnungsmäßigen Verteilung der Reparationen“

          (ca. $ 517 000 000 - XX 000 000 000 ??? ; das deutsche Volk beginnt für furchtbare Verbrechen zu

          zahlen, die unter Leitung des NS-Führerkorps, welches es z. Zt. seiner Erfolge offen gebilligt hat und

          dem es blind gehorcht hat, begangen wurden. Dummes Volk - gutes Volk) (>8.7.47/ 27.2.53),

          Gesetz des Alliierten Kontrollrats erlaubt Verpflichtung von Frauen für Enttrümmerungsarbeiten

          („Trümmerfrauen“ erhalten in der SBZ RM 1,08 Stundenlohn - „Trümmermänner“ RM 1,20) (>10.7.46)

15.01. SBZ, Berlin, 1.Studienkommission-Beratung zur Vorbereitung sozialistischer Einheitspartei, KPD-

          Kommissionäre: Pieck, Ulbricht, Ackermann, Dahlem, SPD-Kommissionäre: Grotewohl, Dahrendorf,

          Fechner, Lehmann. Erste Maßnahme ist Gründung gemeinsamen Verlages für „Einheit - Monatsschrift

          zur Vorbereitung der Sozialistischen Einheitspartei“ (>8.2.46/ 05.1946),

          Tibet; Lhasa, nach Flucht aus ca. 4½ jähriger brit. Internierung in Indien treffen die Bergsteiger Peter

          Aufschnaiter und Heinrich Harrer hier ein (bis 1950 arbeiten sie für Regierung und Dalai Lama, dann

          fliehen sie vor den chines. Truppen aus Tibet. Der Film „Sieben Jahre in Tibet“ mit Brad Pitt behandelt

          das Thema wie auch NSDAP-Mitgl. Nr. 6 307 081 Harrer’s gleichnamiges Buch) (>7.10.50/ 17.10.50)

15./29.1. UdSSR, Minsk, SMT verurteilt u.a. Wehrmachtgenerale Gottfried v. Erdmannsdorff, Johann Richert

          Eckart v. Tschammer und Osten, Wehrmachtoffiziere Reinhard Moll, Carl Languth, Polizeioffiziere

          Ernst Falk, Georg Weißig, Bruno Mittmann, SS-Führer Eberhard Herf, Franz Hess, Hans Koch und die

          Sonderführer August Bittner und Rolf Buchard wg. Kriegsverbrechen zum Tode (sie werden am 30.1.

          vor ca. 100 000 Zuschauern öffentlich gehängt)

17.01. Alliierter Kontrollrat, Befehl Nr. 3 zu Meldepflicht aller Frauen von 15-60 u. Männer von 14-65 Jahren

18.01. Bischof von Berlin Graf v. Preysing’s Leumundszeugnis (Persilschein) für Dr. jur. Hans Globke u.a.

          „Herr Ministerialrat Dr. Hans Globke ist mir persönlich bekannt. Ich achte ihn als einen überzeugten

          katholischen Christen, dessen Leben und Handeln von den Grundsätzen des katholischen Glaubens

          bestimmt war. Er hat die Gefahren u. Irrtümer des Nationalsozialismus richtig eingeschätzt und verur-

          teilt…war stets bemüht, Übergriffe, Ungerechtigkeiten u. Gewaltakte…zu verhindern…ist allen Nicht-

          beteiligten unbekannt…was die Juden in Deutschland Herrn Dr. G. zu verdanken haben.“ (>10.1949)

20.01. SBZ; Berlin, Wiedereröffnung d. Humboldt-Universität (spätere DDR-Kaderschmiede), Paul Wandel

          (KPD) dankt in seiner Rede „vor allen Dingen Generalleutnant Smirnow und Herrn Solotuchin, Leiter

          der Volksbildungsabt. bei der Sowjetischen Militärverwaltung.“ (Prof. Konstantin Mitropolski leitet die

          Abt. Schule der Volksbildungsabt. während Major Pjotr Nikitin die Abt. Hochschulen und Wissenschaft

          der Volksbildungsabt. leitet) Bildungsdiskriminierung > verfolgte Schüler (>10.1.47)

21.01. SBZ; Dt. Zentralverwaltung f. Volksbildung gründet Kommission zur demokratischen Erneuerung des

          Geschichtsunterrichts, um auf NKFD-Unterrichtsplänen nun mit Historikern wie Prof. Dr. Fritz Hartung,

          Prof. Dr. Friedrich Baethgen u. Pädagogen wie Prof. Dr. Heinrich Deiters (1948 Autor „Die Schule der

          demokratischen Gesellschaft“), Dr. Wilhelm Heise u. Karl Sothmann unter ex-NSDAP-, NKFD- und

          nunmehrigen KPD-Mitgl. Dr. Ernst Hadermann das „neue Geschichtsbild“ zu vermitteln (>20.10.51)

22.01. Kurdische Republik von Mahabad im sowjet. besetzten Norden des Iran gegründet (>5.5.46)

26.1./3.2. UdSSR; Riga, SMT verurteilt mehrere hohe deutsche Offiziere wg. Kriegsverbrechen zum Tode

30.01. Alliierter Kontrollrat erläßt Gesetz Nr. 11 zur Aufhebung einzelner Bestimmungen des dt. Strafrechts,

          ABZ, BBZ, FBZ; Kanzelverkündigung kath. Bischöfe zu Vertreibungen u.a. „Wir kath. Bischöfe können

          nicht länger schweigen zu dem furchtbaren Lose der mehr als 10 Millionen Ostdeutschen, deren Vor-

          fahren größtenteils schon vor 700-800 Jahren im ostdeutschen Raum angesiedelt u. den Boden urbar

          gemacht haben…Alle diese Menschen sind mit gewaltsamer Vertreibung aus ihrer angestammten

          Heimat bedroht, ohne daß sie ihr Hab und Gut mitnehmen können, ohne daß ihnen in West-

          deutschland eine ausreichende und menschenwürdige Existenz gegeben werden könnte. Millionen

          sind schon von diesem entsetzlichen Schicksal ereilt…Die Austreibung ist mit furchtbarer Brutalität,

          unter Nichtachtung aller Menschlichkeit erfolgt….“ (US-Gen. Lucius D. Clay verweigert Weiterleitung

          einer entsprechenden Denkschrift an den amerikan. Präsidenten H. Truman) (>20.11.45)

05.02. BBZ; CDU-Rheinland, Dr. K. Adenauer löst Dr. L. Schwering als Landesvorstand ab (20./22.10.50)

07.02. SBZ; Berlin, KPD-ZK- und SPD-ZR-Vertreter vereinbaren „Ziele…einheitlichen Jugendorganisation“,

          West-Berlin; Gründung von DIAS (Drahtfunk im amerik. Sektor), Übertragung über Tel. Nr. 23,

          (9.46 Umbenennung in RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) „Eine freie Stimme in einer freien

          Welt“ war über Mittelwelle trotz SBZ/DDR-Störsender fast überall zu empfangen)

08.02. BBZ; Braunschweig; Treffen Dr. K. Schumacher u. Herbert Kriedemann mit O. Grotewohl u. Gustav

          Dahrendorf, Dr. Schumacher schlägt Auflösung der SPD-Ost vor, Grotewohl lehnt ab (>11.2.46)

09.02. DDR; „Einheit“ veröffentlicht „Gibt es einen besonderen deutschen Weg zum Sozialismus?“ von

          KPD-Mitgl. Anton Ackermann (>16.9.48),

          UdSSR; Min.-Präs. J. Stalin bekennt sich zu Feindschaft zwischen Kommunismus und Kapitalismus

          (SBZ- u. DDR-Propaganda suggerrieren dagegen „Stalin - Das ist der Frieden“)  > verfolgte Schüler

10./11.2. SBZ; Berlin, Beschluss von SPD-Zentralausschuß u. Bezirksverbändevertretern den Mitgliedern

         „alsbald die Einheit der beiden Arbeiterparteien zur Entscheidung vorzulegen“

9./11.2. SBZ; Berlin, I. FDGB-Kongreß, Vors. werden Hans Jendretzky (KPD), Bernhard Göring (SPD) und

          Ermächtigungsgesetz’ler Ernst Lemmer (CDUD) (später mit 8,6 Mio. Mitgl. - „Werktätige Frauen, auf

          Eure Mitarbeit kommt es an. Tretet noch heute ein in den FDGB“ - größte DDR-Massenorganisation)

11.02. BBZ; Burgsteinfurt, brit. Militärgericht verurteilt letzten BdS Niederlande Dr. jur. Karl Schöngarth wg.

          Ermordung eines alliierten Fliegers zum Tode (Dr. S. wird am 15.5.46 gehenkt),

          SBZ; Fam. G. Dahrendorf flieht mit militär. Hilfe in die BBZ, Ralf D. macht hier 1947 Abitur) (>19.4.46)

12.02. SBZ; Sachsen, Verordnung der Landesverwaltung Sachsen über die Errichtung von Vorbereitungs-

          kursen für das Studium an Hochschulen u.a. „§ 1 In den Städten Chemnitz, Dresden, Görlitz, Leipzig,

          Plauen und Zwickau sind Vorbereitungskurse für das Studium an Hochschulen einzurichten. § 3 Die

          Kurse beginnen am 1.3.1946 und enden am 30.9.1946. § 4 (1) Zu den Kursen sind Teilnehmer aus

          den werktätigen Schichten zuzulassen, die von einer der demokratischen Parteien, den Gewerk-

          schaften, Jugend- und Frauenausschüssen vorgeschlagen werden…§ 5 Über die Zulassung entschei-

          det eine Kommission, die von den Leitern der Volksbildungsämter der genannten Städte berufen

          werden. § 6 Die Kursteilnehmer verbleiben im Produktionsprozeß…§ 7 An Unterrichtsfächern sind für

          die Kurse vorgesehen a) Deutsch, b) Mathematik, c) Physik und Chemie d) eine Fremdsprache. § 8

          Die Kurse schließen mit einer Prüfung ab, deren Bestehen zum Hochschulstudium berechtigt. § 9 Die

          Durchführungsbestimmungen erläßt die Landesverwaltung, Ressort Volksbildung, Abt. Schulwesen“

14.02. polnisch-sowjet. verwaltete dt. Ostgebiete; Beginn der ,Operation Schwalbe’, bis Juli 1946 werden ca.

          1 020 000 deutsche Vertriebene in Transporten von je 55 Güterwaggons mit 1 500-2 000 Menschen,

          meist über das Lager Friedland, in die BBZ gebracht, in den Besatzungszonen sind Vertriebene bei

          den nicht-vertriebenen Deutschen häufig unwillkommen und werden mittels „Zuzugssperren“ abge-

          wiesen  (>2.4.47/ 28.4.47/ 9.6.50/ 6.7.50/ 14.9.50/ 17.8.51/ 24.2.62/ 7.6.63/ 8.6.63/ 7.3.64/ 22.3.64/

          7.12.70/ 7.7.75/ 30.5.83/ 12.9.90/ 14.11.90/ 6.9.2000)

15.02. SBZ; Greifswald, der ev. Theologe, Uni-Rektor u. CDUD-Mitgl. Prof. Ernst Lohmeyer wird vom sowjet.

          NKWD nach Denunziation verhaftet (am 28.8.46 vom SMT Mecklenburg-Vorpommern im Namen der

          UdSSR aus unbekannten Gründen zum Tode verurteilt u. am 19.9.46 im NKWD-Gefängnis Greifswald

          erschossen, erfährt die Familie erst 1958 offiziell von seinem Tod. Rußland rehabiltiert Prof. Ernst L..

          am 15.8.96 da er „nur aus politischen Motiven verhaftet und verurteilt“ wurde)

16.02. ABZ; Darmstadt, Eröffnung des Internierungslagers für ca. 28 000 Nazis (insges. 11 amerik. Lager,

          1946 protestieren der kath. Kardinal v. Faulhaber, Erzbischöf Gröber u. der EKD-Vors. Bischof Wurm

          gemeinsam bei den USA gegen die Internierung von Nationalsozialisten),

          BBZ; CDU-Vors. Adenauer fordert „einheitliche geistige und politische Ausrichtung der CDU-Presse“

20.02. Vatikan; Papst Pius XII Ansprache, über sog. Mitläufer sagt er: „Es kursieren in der Welt irrtümliche

          Auffassungen, die einen Menschen schon darum für schuldig und verantwortlich erklären, weil er Mit-

          glied einer bestimmten Gemeinschaft ist, ohne daß man sich bemüht zu untersuchen oder zu prüfen,

          ob von seiner Seite wirklich eine persönliche Schuld im Handeln o. Unterlassen vorliegt.“ (ethische

          Ansprüche, die S.H. bei den Antikommunismus-Dekreten selbst weit verfehlt) (>1.7.49/ 28.7.50)

21.02. SBZ; Sitzung des SPD-Parteiausschuß „billigt einstimmig den Vereinigungsbeschluß des Zentral-

          ausschuß der SPD (bis auf Karl Germer sprachen sich alle Mitglieder des ZA für Durchführung des

          Vereinigungsbeschlusses aus)

23.02. ABZ; Königsbronn, die Mutter von Hitler-Attentäter Georg Elser schreibt an Pastor Martin Niemöller

          wg. dessen, am 6.2.46 in der Nürnberger Zeitung veröffentlichten Äußerung, nach der ihr Sohn Georg

          der SS angehört habe, Frau E. schreibt Pastor Niemöller das dies nicht die Wahrheit sei (G. Elsers

          Anteil am Erbe seines 1942 gestorbenen Vaters fiel 1942 auf Basis des Gesetzes über die Einziehung

          kommunistischen Vermögens vom 26.5.33 in Verbindung mit dem Gesetz über die Einziehung volks-

          und staatsfeindlichen Vermögens v. 14.7.1933 an das Deutsche Reich, Haftentschädigungs-, Rück-

          erstattungs- und Entschädigungsansprüche wg. Schaden im beruflichen Fortkommen von Schwester

          und Schwager, beide 1939/40 für längere Zeit inhaftiert, werden bis Ende der 50er Jahre abgelehnt,

23.02. ABZ; Königsbronn, die Mutter von Hitler-Attentäter Georg Elser schreibt an Pastor Martin Niemöller

          wg. dessen, am 6.2.46 in der Nürnberger Zeitung veröffentlichten Äußerung, nach der ihr Sohn Georg

          der SS angehört habe, Frau E. schreibt Pastor Niemöller das dies nicht die Wahrheit sei (G. Elsers

          Anteil am Erbe seines 1942 gestorbenen Vaters fiel 1942 auf Basis des Gesetzes über die Einziehung

          kommunistischen Vermögens vom 26.5.33 in Verbindung mit dem Gesetz über die Einziehung volks-

          und staatsfeindlichen Vermögens v. 14.7.1933 an das Deutsche Reich, Haftentschädigungs-, Rück-

          erstattungs- und Entschädigungsansprüche wg. Schaden im beruflichen Fortkommen von Schwester

          und Schwager, beide 1939/40 für längere Zeit inhaftiert, werden bis Ende der 50er Jahre abgelehnt,

          BBZ; Dr. jur. Konrad Adenauer an kath. Pfarrer Dr. Bernhard Custodis u.a. „Nach meiner Meinung

          trägt das deutsche Volk und tragen auch die Bischöfe und der Klerus eine große Schuld an den

          Vorgängen in den Konzentrationslagern. Richtig ist, daß nachher vielleicht nicht mehr viel zu machen

          war. Die Schuld liegt früher. Das deutsche Volk, auch Bischöfe und Klerus zum großen Teil, sind auf

          die nationalsozialistische Agitation eingegangen,...es hat sich fast widerstandslos, ja zum Teil mit

          Begeisterung gleichschalten lassen...Im übrigen hat man aber auch gewußt..., daß die persönliche

          Freiheit, alle Rechtsgrundsätze, mit Füßen getreten wurden, daß in den KZ große Grausamkeiten

          verübt wurden, daß die Gestapo, unsere SS und z.T. auch unsere Truppen in Polen und Rußland mit

          beispiellosen Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung vorgingen. Die Judenpogrome 1933/38 ge-

          schahen in aller Öffentlichkeit. Die Geiselmorde in Frankreich wurden von uns offiziell bekanntge-

          geben. Man kann also wirklich nicht behaupten, daß die Öffentlichkeit nichts gewußt habe, daß die

          nationalsozialistische Regierung und die Heeresleitung ständig aus Grundsatz gegen das Naturrecht,

          gegen die Haager Konvention und gegen die einfachsten Gebote der Menschlichkeit verstießen. Ich

          glaube, daß, wenn die Bischöfe alle miteinander an einem bestimmten Tag…von den Kanzeln aus

          dagegen Stellung genommen hätten, sie hätten vieles verhindern können. Das ist nicht geschehen,

          und dafür gibt es keine Entschuldigung.“ (>22.1.51/ 27.9.51/ 3.12.52/ 22.2.60/ 30.9.66/ 20.9.82),

          SBZ; Schwerin, SPD-Landesdelegiertenkonferenz verabschiedet einstimmige Entschließung: „Die

          Delegierten appellieren an die bevorstehenden Parteitage der SPD und KPD...den endgültigen

          Schlußstrich hinter den tragischen Bruderkampf innerhalb der deutschen Arbeiterklasse zu ziehen,

          die letzten Schranken die noch der Einheit und Macht der deutschen Arbeiterklasse entgegen-

          standen, niederzureißen und im nationalen Interesse unseres Volkes die Verschmelzung der SPD

          und KPD in eine marxistische Einheitspartei zu beschließen.“

26.02. SBZ; 2.„Sechziger-Ausschuss“-Tagung terminiert SPD-/KPD-Vereinigungsparteitag (>3.4.46),

          SBZ; Zentraler Jugendausschuß, Gründungbeschluss der „überparteilichen, einigen, demokratischen

          Jugendorganisation FDJ“ von Emil Amft, Edith Baumann, Fritz Votava, Theo Wiechert (SPD), Rudolf

          Böhm, Erich Honecker, Heinz Keßler, Heinrich Külkens, Paul Verner, Rudolf Mießner, Gerhard

          Rolack (alle KPD), Manfred Klein (CDU), Oswald Hanisch (ev. Kirche), Robert Lange (kath. Kirche)

          unterzeichnet; als Ziele unter IV. sind: „Die Schaffung eines neuen Deutschland, das der Jugend das

          Mitbestimmungsrecht…einräumt; das allen Jungen u. Mädchen ohne Unterschied ihrer Herkunft, des

          Vermägens und des Glaubens eine gute Berufsausbildung, Zutritt zu allen Bildungs- u. Kulturstätten…

          sichert.“ (Organisationskommission aus KPD und SPD) > verfolgte Schüler (>13.3.47/ 28.1.48)

    02. ABZ; München, DRK-Suchdienst beginnt Kriegskinder-Suchplakataktion „Pinguin“ (Fotograf Hilmar

          Pabel fotografierte alle dem Suchdienst gemeldeten Kleinkinder, Aktion endet 1982) (>13.09.1948),

          SBZ; Brandenburg, SMT-Prozeß gegen 29 fast ausschließlich Jugendliche von etwa 15 Jahren, die

          antifaschistische Landesjugend ablehnen und eigene Jugendorganisation gründen, im Namen der

          Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken werden 9 Todesurteile (3 vollstreckt) u. 20 Haftstrafen

          (9 Verurteilte sterben im NKWD-Lager Sachsenhausen) ausgesprochen  > verfolgte Schüler

    02. UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration) berichtet, daß sich 51 307 heimat-

          lose Kinder - 27185 under 6 Jahren - in UNRRA-Lagern befinden; darüber hinaus befinden sich bis

          zu 50 000 polnische und weißruthenische Jungen im Alter von 12-14 Jahren im Rahmen einer u.a.

          von Albert Speer 1944 angeordneten „Heu-Aktion“ in Deutschland  > verfolgte Schüler (>1.10.66)

28.02. Belgien; Brüssel, Instituierung Inter-Alliierter-Reparations-Agentur IARA (bis 9.1947 fordern 18 Länder

          $ 300 000 000 000 Reparationen für durch NS-Führerkorps-Politik verursachte Schäden) (>8.3.91)

1./8.3. BBZ; Hamburg, British Military Court verurteilt Geschäftsführer Dr. Bruno Emil Tesch sowie Prokurist

          Karl Weinbacher der Fa. TESTA (Tesch&Stabenow) - KZ-Lieferant für das von den „Dessauer Werken

          für Zucker und chemische Produkte AG“ (die enteignete Firma wird VEB Zuckerraffinerie - später VEB

          Gärungschemie Dessau) hergestellte Zyklon B - wg. Kriegsverbrechen zum Tode, Firmentechniker

          Dr. Joachim Drohsin wird freigesprochen (>27.5.1955)

    03. SBZ; Halle/S., Friedrich-Engels-Oberschule, ex-HJ- und -NSDAP-Mitgl. Hans-Dietrich Genscher legt

          sein Abitur ab (1946-49 SBZ-Jurastudium; 1949 Referendar, 20.8.1952 Republikflucht, FDP, 1954-56

          Assessor/Rechtsanwalt; 1965-98 MdB, 1969-92 BRD-Innen- u. -Außenminister) (>23.9.83/ 12.9.90),

          SBZ; „Im Kreml ist noch Licht“-Stalin-Lyriker u. ex-NKFD-Präsident Erich Weinert (SED) wird Vizepräs.

          u. Paul Wandel’s Vertreter in der Zentralverwaltung für Volksbildung (später gibt es den Erich Weinert-

          Kunstpreis von Magdeburg, die Erich Weinert-Medaille als Kunstpreis der FDJ, das Erich-Weinert-

          Ensemble der NVA sowie Schulen u. Briefmarken mit seinem Namen)  > verfolgte Schüler (>23.2.53)

2./3.3. SBZ; Berlin, 1.KPD-Reichskonferenz (in der SBZ gibt es 600 000 KPD-Mitgl. u. 680 000 SPD-Mitgl.),

          Erich Honecker wird Zentralkomitee-Mitglied (>7.3.46)

05.03. ABZ, Gesetz Nr. 104 zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus; fordert in Württemberg-

          Baden, Bayern, Hessen von Deutschen über 18 J. Beantwortung eines Fragebogens mit 131 persönl.

          Fragen, meist mit Deutschen besetzte „Spruchkammern“ („Kammern der barmherzigen Brüder“) sollen

          ca. 6 Mio. ehemalige NSDAP-Mitglieder in die Kategorien ,Hauptschuldig’-,Belastet’-, Minderbelastet’-,

          ,Mitläufer’ u. ,Entlastet’ einstufen um Personen aus dem gesellschaftlichen Leben auszuschließen „die

          die nationalsozialistische Gewaltherrschaft aktiv unterstützt o. sich durch Verstöße gegen die Grund-

          sätze der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit oder durch eigensüchtige Ausnutzung der dadurch

          geschaffenen Zustände verantwortlich gemacht haben". Bis zum Abbruch der Maßnahme werden

          1 700 Hauptschuldige, 23 000 Belastete, 150 400 Minderbelastete, 1 006 000 Mitläufer klassifiziert,

          bei ca. 3,9 Mio. Deutschen wurden Spruchkammerverfahren nicht eröffnet oder eingestellt wie z.B. bei

          General Hubert Lanz. Mit Unbedenklichkeitsbescheinigungen („Persilscheine“) durch Bekannte,

          Leugnen („Ich komme aus dem Osten und suche einen Posten, meine Papiere sind verbrannt, Hitler

          habe ich nicht gekannt“), der Unkenntnis „mutiger Braunschweiger“ (SPD-Vorsitz. Kurt Schumacher

          sagte über sie „Wenn man sie so reden hört, muß man glauben, daß der einzige Nazi in Deutschland

          Adolf Hitler gewesen sei.“) und „U-Boot-Fahrer“ (der ex-Führer der U-Boote Großadmiral Karl Dönitz

          gab sein Admirals-Ehrenwort von der NS-Vernichtungsmaschinerie keine Ahnung gehabt zu haben)

          und durch massive Bedrohungen von Spruchkammer-Mitgliedern wird die Maßnahme unterlaufen.

          Unter „den eifrigsten Ausstellern dieser Persilscheine war die Evangelische Kirche“ (Ansbach’s

          St. Gumbertus-Kirche-Pfarrer schreibt für ein NSDAP-Mitgl. seit 1923: „Seine älteste Tochter H. war

          damals meine Schülerin…gehörte einer Klasse der ev. Bekenntnisschule an...die beiden jüngeren

          Töchter G. und M. waren in den Jahren vor ihrem Schulbesuch in einem ev. Kindergarten…alles

          Tatsachen, die mit einer NS-Geisteshaltung nichts zu tun hatten.“, Sühnemaßnahmen gibt es nur für

          0,65% aller „Hauptschuldigen“ u. „Belasteten“ (der „Bund der Verfolgten des Naziregimes“ weist z.B.

          daraufhin, daß Herbert Klemm, Staatssekr. Reichsjustizministerium, als „unbelastet“ eingestuft ist, die

          lapidare Antwort vom später zuständigen Bundesinnenministerium: „Sind von den Entnazifizierungs-

          behörden Fehlentscheidungen getroffen worden, so können sie durch beamtenrechtl. Maßnahmen

          nicht korrigiert werden. Vielmehr müssen im Interesse der Rechtssicherheit und einer endgültigen

          Bereinigung der politischen Vergangenheit die Entnazifizierungsentscheidungen für die weitere

          dienstrechtliche Behandlung der Betroffenen zu Grunde gelegt werden.“, der „Stifterverband Deutsche

          Wissenschaft“ zahlt Klemm nach dessen Entlassung aus Landsberg DM 1 500/Monat!) (>26.4.46/

          12.10.46/ 13.11.46/ 6.10.47/ 13.10.47/ 11.5.51/ 1.10.51/ 18.9.87/ 22.2.90)

05.03. SBZ; SMAD erlaubt „dt. Jugend die Möglichkeit zu freier, demokratischer Betätigung in einer ihrem

          Willen entsprechenden Organisation…darf keinerlei militärische…Tendenzen aufweisen…“ (>01.1967)

          Norwegen; Herbert Frahm alias Willy Brandt ist in Oslo, er schreibt in dieser Zeit u.a. das Vorwort für

          sein 1946 im H. Aschehoug & Co. Verlag, Oslo, erscheinenden Buch „Forbrytere og andre Tyskere“

          („Verbrecher und andere Deutsche“ wird in BRD oder DDR nie veröffentlicht) (>9./10.5.46/ 17.1.47/

          1.2.48/ 1.7.48/ 7.10.65)  > verfolgte Schüler,

          USA; Westminster College Fulton, ex-Premier W. Churchill spricht u.a. „Von Stettin an der Ostsee bis

          nach Triest an der Adria hat sich ein Eiserner Vorhang quer durch den Kontinent gelegt.”

06.03. BBZ; „Nordwestdeutscher Rundfunk - NWDR“, Dr. jur. K. Adenauer über CDU-Parteiprogramm u.a.

          „Die aktiven Nationalsozialisten und die aktiven Militaristen, die für den Krieg und seine Verlängerung

          Verantwortlichen, dazu gehören insbesondere auch gewisse Wirtschaftsführer, müssen aus ihren

          Stellungen entfernt…müssen je nach Lage des Falles von deutschen Gerichten bestraft, ihr Vermögen

          muß ganz o. teilweise beschlagnahmt werden…Strafe für den der Schuld hat…Nationalsozialistische

          Konjunkturgewinne und Kriegsgewinne müssen eingezogen werden…“ (>3.2.47/ 23.3.49/ 9.1.51)

07.03. SBZ; Gründung der „überparteilichen, einigen, demokratischen Jugendorganisation FDJ" (einschl.

          „Kindergruppen der FDJ“) mit paritätischen von E. Baumann (SPD), E. Honecker (KPD), Domvikar

          Robert Lange, den ev. u. kath. Jugendvertretern Oswald Hanisch u. Manfred Klein (CDUD) unter-

          zeichneten Gründungsbeschluß, KPD-Mitgl. E. Honecker ist Vorsitzender (nach der verbotenen HJ

          wird die FDJ größter deutscher und später einziger offiziell zugelassener DDR-Jugendverband)

          > verfolgte Schüler (>22.5.46/ 8./10.6.46/ 13.3.47/ 28.1.48/ 1.12.48/ 27./30.5.52/ 25.4.57)

08.03. poln. verwaltete deutsche Provinzen Brandenburg, Pommern und Schlesien, Dekret über verlassenen

          oder früheren deutschen Besitz (dekret o majątkach opuszczonych i poniemieckich)

10.03. ABZ; Pähl, Prof. Dr. Karl Haushofer und Frau Martha H., geb. Mayer-Doss, begehen Selbstmord

11.03. BBZ; bei Flensburg, KZ-Kommandant und Wirtschaftsverwaltungshauptamt-Amtschef Rudolf Höß

          wird als Franz Lang verhaftet (am 25.5.46 an Polen ausgeliefert erklärt er am 12.3.47 eidesstattlich die

          Kraft-durch-Freude-Kehrseite am (Zwangsarbeiter-)Arbeitsmarkt „Häftlinge über 50 Jahren wurden nur

          selten zum Arbeitseinsatz verwendet, wenn sie besonders kräftig oder…geschult waren; sonst wurden

          sie sofort vernichtet“, wird am 2.4.47 zum Tode verurteilt und am 16.4.47 in Auschwitz gehenkt)

12.03. Ungarn; Budapest, Hinrichtung von ex-Min.-Präs. Ferenc Szálasi (Portugal gewährt Reichsverweser

          Miklós Horthy Asyl)

14.03. USA; White Sands, Dr. Kurt Debus, Dr. Hans Grüne, Karl Sendler u.a. starten erfolgreich die erste,

          der aus dem KZ Dora-Mittelbau/Harz in die USA gebrachten V-2-Raketen (>3.10.47/ 15.4.79)

15.03. SBZ; „Neue Zeit“ CDUD-Zeitung zur FDJ-Gründung u.a. „…angesichts der Erlaubnis zur Bildung der

          Freien Deutschen Jugendorganisation…kommt es auf die Jugend an, in die FDJ den rechten Geist

          hineinzutragen…Verständnis spüren, das man von seiten der FDJ der kirchlichen Jugendarbeit ent-

          gegenbringt, welches darin sein äußeres Zeichen findet, daß an eine kath. u.ev. Verbindungsstelle

          zur kirchlichen Jugendarbeit bei der Reichsleitung…der FDJ geschaffen hat.“ (>27./30.5.52)

21.03. BBZ; Hamburg, „DIE ZEIT“ Dr. Marion Gräfin Dönhoff beschreibt ihre Flucht aus Ostpreußen im ers-

          ten Beitrag: „Ritt gen Westen“ (viele müssen laufen! Auch Bildungsdiskriminierung/verfolgte Schüler

          sind der sog. „roten Gräfin“ u. ihrem Bruder, ex-NSDAP- u. SS-Mitgl. Dr. jur. Christoph Graf Döhnhoff -

          auch er schreibt ab 1946 viele Artikel für die „ZEIT“-Lizenzträger Lovis H. Lorenz - bis 1944 ex-Haupt-

          schriftleiter „Die Woche“ und ex-Korvettenkapitän a.D. Ewald Schmidt di Simoni, Dr. jur. Gerd Bucerius

          - schreibt auch „Persilscheine“ u. „ZEIT“-Chefredakteur Richard Tüngel unbekannt) (>1952/ 20.11.92),

          SBZ; Wünsdorf, Marschall Wassili Sokolowski wird Oberkommandierender der sowjet. Besatzungs-

          truppen und Vors. sowjet. Militäradministration in Deutschland (SMAD)

23.03. Irland; Irisches Rotes Kreuz beginnt „Operation Shamrock“ zur Rehabilitation hungernder Kinder vom

          europäischen Festland, etwa 1 000 hungernde Kinder aus Deutschland, Frankreich und Österreich

          werden bis zu drei Jahre in Irland versorgt,

          ABZ; EKD, Schreiben Martin Niemöllers an Ökumenischen Rat der Kirchen: u.a. das Gesetz zur

          Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus öffne den niederen Instinkten des Neides und

          Hasses alle Tore, nunmehr werde die Verfolgung einer bestimmten Gesinnungshaltung in einem

          Umfang legalisiert und betrieben „wie sie selbst unter dem NS-Regime niemals gewesen ist.“

24.03. BBZ; Uni. Köln, CDU-Vors. Dr. Adenauer’s erste programmatische Rede u.a. „Das deutsche Volk…

          hat den Staat zum Götzen gemacht und auf den Altar erhoben…Deutschland ist eines der religions-

          losesten und unchristlichen Völker Europas. Das war schon vor 1914 so…habe ich damals schon

          immer in Berlin das Gefühl gehabt, in einer heidnischen Stadt zu sein.“ (>10.2.50/ 7.5.53/ 10.2.56/

          20.6.91/ 16.5.94)

25.03. Groß-Berlin, Landgericht verurteilt die Heilanstalt Meseritz-Obrawalde Oberärztin Dr. Hilde Wernicke

          u. die Pflegerin Helene Wieczorek wg. Euthanasiemorden an 100en Kindern und Erwachsenen im

          Namen des Volkes zum Tode (das Urteil wird am 14.1.47 vollstreckt) (>12.3.65)

25./26.3. Vatikan; die argentin. Bischöfe A. Caggiano und A. Barrére informieren Kardinal Eugene Tisserant

          daß Argentinien gewillt ist „französische Persönlichkeiten aufzunehmen, deren politische Haltung

          während des… Krieges sie…Vergeltungsmaßnahmen oder…Racheakten aussetzen würde“ (bereits

          am 1.4. erhalten die franz. Kriegsverbrecher Fernand de Menou und Robert Pincemin argentin. Visa

          in ihre Internationale Rote Kreuz-Pässe u. eröffnen so eine „rat-line“ (>15.5.47/ 20.7.71)

26.03. Vatikan; 2.Appell im Namen Papst Pius XII an die Allierten keine kath.-kroat. Ustascha-Gefangenen

          an Jugoslawien auszuliefern (die kroatische „Bruderschaft des heiligen Girolamo in Rom hat an Ihre

          Heiligkeit appelliert und Ihn gebeten, in dieser Angelegenheit eine Empfehlung auszusprechen“)

27.03. ABZ; gemeinsam. Osterhirtenbrief d. kath. Bischofskonferenz u.a.: „Soll eine innere Gesundung des

          Volkes angebahnt werden, so muß alles, was an Gestapo, Konzentrationslager und ähnliche Dinge

          erinnert, aus dem öffentlichen Leben verbannt werden. Sonst greift eine innere Vergiftung Platz, die

          einen moralischen und religiösen Aufstieg aufs äußerste erschwert, wenn nicht unmöglich macht“, es

          wird sogar die „oft verfehlte Art“, wie die Alliierten öffentliches Leben und Wirtschaft von Anhängern

          des NS-Regimes zu säubern suchten, mit „wie ein Alpdruck“ auf dem Volke lastend angeprangert,

          SBZ; Leipzig, 2 000 SPD-Funktionäre sanktionieren mit nur 9 Gegenstimmen Fusion mit KPD

28.03. Alliierter Kontrollrat legt „Industrie-Plan für die Reparationen u. das Niveau der deutschen Nachkriegs-

          wirtschaft“ vor (29.8.47)

29.3./13.5. ABZ; Dachau, Mauthausen-Hauptprozeß, AMT verurteilt 58 von 61 wg. diverser Verbrechen

          angeklagte KZ-Mitarbeiter zum Tode (u.a. die KZ-Ärzte Dr. Friedrich Entress, Dr. Wilhelm Jobst,

          Dr. Eduard Krebsbach und Dr. Waldemar Wolter, sie werden wenig später gehenkt)

31.03. West-Berlin, auf Antrag Franz Neumann’s findet eine (in Ostberlin verbotene) SPD-Urabstimmung zur

          Frage der SPD-KPD-Vereinigung statt, 82% stimmen gegen die Vereinigung (>21./22.4.46)

03.04. Philippinen; Manila, der wg. der 10 000 Toten beim Bataan-Todesmarsch verurteilte japan. General

          Masaharu Homma wird erschossen,

          SBZ; Berlin-Kaulsdorf, Verhaftung von Hans Corbat (19jährig wurde er 06.1945 SPD-Mitgl., am 1.4.46

          trat er wg. der geplanten SPD-/KPD-Einheitsfront unter öffentl. Protest aus der SPD aus (08.1946 wird

          er von einem SMT wg. Spionage zu 20 Jahren Haft verurteilt, 1956 entlassen flieht er in die BRD und

          wird am 30.11.93 von der russ. Militärstaatsanwaltschaft rehabilitiert) (>19.4.46/ 21./22.4.46/ 16.12.92)

07.04. SBZ; in Brandenburg/Potsdam, Mecklenburg/Schwerin, Provinz Sachsen//Halle, Sachsen/Dresden u.

          Thüringen/Gotha finden KPD/SPD-Vereinigungsparteitage der Landesverbände statt (>21./22.4.46),

          sowjet. verwaltetes nördliches Ostpreußen wird mit Königsberg/Kaliningrad ohne Friedensvertrag als

          russischer Teil der UdSSR annektiert und mit Sowjets bevölkert (>11.10.47)

08.04. SBZ; „Der Märker“ „Historischer Beschluß in Potsdam: Durch Einheit zum Sozialismus“

14.04. BBZ; Gelsenkirchen, der erste Hilfszug der „Schweizer Spende für die Kriegsgeschädigten“ trifft ein

16.04. SBZ; CDUD stimmt dem KPD/SPD-Grundsatzentwurf über die Schulreform zu

18.04. Niederlande; Den Haag, Internationaler Gerichtshof zur Konfliktbeilegung von UN-Mitgliedsstaaten er-

          öffnet (nicht zu verwechseln mit dem späteren Internationalen Strafgerichtshof) (>18.9.73/ 17.7.98)

19.04. SBZ; Berlin,Theater am Schiffbauer Damm, 40.SPD-Parteitag, 548 Delegierte beschließen Annahme

          der „Grundsätze und Ziele der sozialistischen Einheitspartei“ und wählen 40 Mitglieder für kommenden

          SED-Parteivorstand: Otto Grotewohl, Max Fechner, Erich Gniffke, August Karsten, Otto Meier, Helmut

          Lehmann, Käte Kern, Richard Weimann, Edith Baumann, Bruno Böttge (Prov. Sachsen), Erich Braun

          (Hildesheim), Hans Brede (Kiel), Willi Buch (Braunschweig), Otto Buchwitz (Sachsen), Friedrich Ebert

          (Brandenburg), Max Fank (Mecklenburg), Augustin Friedel (Sachsen), Bernhard Göring (Berlin), Karl

          Hauser (FrankfurtM.), Ernst Heilmann (Flensburg), Gertrud Hentsch (Sachsen), Ernst u. Heinrich

          Hoffmann (Thüringen), Willy Jesse (Mecklenburg), Fritz Jungmann (Prov. Sachsen), Karl Litke (Berlin),

          Erich Lübbe (Berlin), Albert Meier (Sachsen), Karl Moltmann (Mecklenburg), Gustav Müller (Rheinl.),

          Hermann Prübenau (Prov. Sachsen), Emma Sachse (Thüringen), Yella Schaar (Heidelberg), Hermann

          Schlimme (Berlin), Paul Szillat (Brandenbg.), Gottlieb Teichert (Essen), Stanislav Trabalski (Sachsen),

          Fritz Wagner (Thüringen), Oskar Wegener (Brandenburg), Toni Wohlgemuth (Berlin) (>27.8.87),

          SBZ; Berlin, Deutsches Theater, 15.KPD-Parteitag, 519 Delegierte beschließen Annahme der „Grund-

          sätze und Ziele der sozialistischen Einheitspartei“ u. wählen 40 Mitglieder für kommenden SED-Partei-

          vorstand: Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Martha Arendsee, Eugen Hanisch alias Anton Ackermann,

          Johannes R. Becher, Hans Jendretzky, Paul Wandel (Berlin), Walter Biering (Prov. Sachsen), Kurt

          Bürger (Mecklenburg), Franz Dahlem, Werner Eggerath, Georg Lotz (Thüringen), Erich Honecker,

          Heinz Keßler, Willi Böpple (Mannheim), Albert Buchmann (Stuttgart), Walter Fisch (Frankfurt/M.),

          Gustav Gundelach (Hamburg), Olga Körner, Wilhelm Koenen, Ernst Lohagen (Sachsen), Bernhard

          Koenen (Prov. Sachsen), Hans Mahle (Berlin), Hermann Matern, Hanna Meltzer, Max Reimann (Ruhr-

          gebiet), Paul Merker, Kurt Müller (Hannover), Franz Nickolay (Saargeb.), Hugo Paul (Düsseldorf),

          Maria Rentmeister, Prof. Dr. Robert Rompe, Elli Schmidt, Waldemar Schmidt (Berlin), Paul Roch, Willi

          Sägebrecht (Brandenburg), Heinrich Schramm (Bremen), Fritz Sperling (München), Hans Warnke

          (Mecklenburg), Hermann Zilles (Köln)  > verfolgte Schüler

21./22.4. SBZ; Berlin, Staatsoper, Vereinigungsparteitag mit 548 SPD- u. 507 KPD-Delegierten („Brüder, in

          eins nun die Hände“) mit einstimmigen Vereinigungsbeschluß; Beschlussfassung über a) Grundsätze/

          Ziele der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands u.a. „8. Sicherung demokratischer Volksrechte.

          Freiheit der Meinungsäußerung in Wort, Bild u. Schrift…Gesinnungs- und Religionsfreiheit. Gleichheit

          aller Bürger vor dem Gesetz…, 11. Demokratische Reform des gesamten Bildungs- und Erziehungs-

          wesens, Aufbau der Einheitsschule (Zitat Bischof Graf v. Preysing: „Einheitsschule ist die Schule der

          nationalsozialistichen Vergangenheit.“), Erziehung der Jugend im Geiste einer fortschrittl. Demokratie

          …und einer wahren Humanität, jeder Deutsche hat das Anrecht auf Bildung nach seinen Anlagen und

          Fähigkeiten…“ b) Statut d. SED u.a. paritätische Besetzung der Leitungsfunktionen aller Ebenen

          c) Konstituierung der SED, Wahl des Parteivorst. und Parteivors., Zitat SPD-Grotewohl: „An deinem

          70.Geburtstag, Wilhelm Pieck, reichten wir uns die Hände für Hunderttausende von Sozialdemokraten

          und Kommunisten…Wer einen geschichtlichen Blick hat, sieht heute Millionen von Sozialisten hinter

          uns stehen…“ Zitat KPD-Pieck: „Ja, lieber Otto Grotewohl, so soll es sein. Wir tragen beide, die wir zu

          Vorsitzenden der SED ausersehen sind, die besondere Verantwortung…Wir werden…das große Werk

          vollenden, das wir uns als Ziel gesetzt haben: den Sozialismus.“ Zitat KPD-Ulbricht: „Mit dem heutigen

          Tage gibt es nur noch Sozialisten.“, SED-Gründung: „Manifest an das Deutsche Volk“ u.a.: „Deutsche

          Jugend! Der Nazismus hat euren Glauben schmählich missbraucht und eure edelsten Tugenden ent-

          würdigt. Doch die deutsche Jugend ist unsere Hoffnung. In euren Händen wird die Zukunft des

          Vaterlandes liegen. Unsere Weltanschauung muß der Glaube der jungen Generation werden. Hier

          findet ihr die höchsten Ideale. Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands wahrt eure Gegenwarts-

          interessen in Schule, Beruf und öffentlichem Leben...“ - Bildungsdiskriminierung > verfolgte Schüler

          (>22.5.46/ 25.2.48/ 26./28.1.49/ 24.3.52/ 22.4.71/ 4.8.90/ 11.8.90/ 27.9.90/ 1./2.10.90)

23.04. SBZ; 1.Tagung des 80köpfigen, paritätisch mit KPD- u. SPD-Mitgl. besetzten SED-Parteivorstandes

          wählt die Kommunisten Anton Ackermann, Franz Dahlem, Hermann Matern, Paul Merker, Wilhelm

          Pieck, Elli Schmidt, Walter Ulbricht und die Sozialdemokraten Max Fechner, Erich Gniffke, Käthe Kern,

          Otto Grotewohl, August Karsten, Helmut Lehmann, Otto Meier als SED-Zentralsekretariat (>05.1946/

          25.7.50),

          SBZ; Erstausgabe Zentralorgan d. SED „Neues Deutschland“ „Das größte Ereignis für unser Volk…“,

          SBZ; „Der Morgen“ LDPD-Zeitung „Der erste Parteitag der SED in Berlin...“

24.04. SBZ; „Neue Zeit“ CDUD-Zeitung „Die Sozialistische Einheitspartei...“

          SBZ; „Der Freie Bauer“ „Die Einheit der Arbeiterklasse und die Bauern...“

25.4/16.5. Frankreich; Paris, 2.(nach-Potsdam)-Treffen des alliierten Rates der Außenminister

    04. BBZ; Hannover, unter direkter Leitung d. SPD-Vorsitz. Dr. K. Schumacher wird „Betreuungsstelle Ost“ 

          zur Betreuung geflohener SPD-Genossen geschaffen (Erich Ollenhauer: „Für unsere Genossen in der

          Ostzone, die zwangsweise in die SED gehen mussten.“), es folgen 5.1946 ein „Ostsekretariat“ und ab

          5.1948 ein „Ostbüro der SPD“ in West-Berlin (in den Büros werden Flüchtlinge u. Besucher aus SBZ/

          DDR registriert, befragt und betreut) und Ende 1951 eine West-Berliner Zweigstelle mit Tarnnamen

          „Aktionsgemeinschaft FDJ“ eröffnet (Herausgeber der Monatszeitschrift „Freie Junge Welt“ u. einer

          „Jungen Welt“-Tarnausgabe mit identischer Titelseite des FDJ-Originals und Auflagen bis 150 000;

          Kuriere von „Betreuungsstelle Ost“/„Ostbüro der SPD“ reisen mit gefälschten Ausweisen (auch ge-

          fälschten SED-Mitgliedsausweisen) zur Kontaktpflege, zur Warnung gefährdeter Genossen, zum

          Transport von Propaganda- u. Agitationsmaterial (z.B. „Tatsachen und Berichte aus der Sowjetzone:

          Von der HJ zur FDJ, Von der DAF (Dt. Arbeitsfront) zum FDGB, Von der Gestapo zum SSD, Vom

          Dritten Reich zur DDR, Von der NS-Wehrmacht zur sowjetischen Nationalen Volksarmee“ usw., alle

          mit Auflagen von 14 000-20 000), von gefälschten Mitgliedsmarken des FDGB, der Gesellschaft für

          Deutsch-Sowjetische Freundschaft und zum Rücktransport von Informationen u. Berichten in die SBZ/

          DDR; materiell unterstützt wird das „Ostbüro der SPD“ vom britischen und US-Geheimdienst, vom

          Sender RIAS u. vom Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen ab 1956 mit ca. DM 300 000/

          Jahr; hunderte Kuriere, Mitarbeiter, V-Leute u. tausende Kontaktpersonen des „Ostbüro der SPD“

          werden in den Folgejahren in der SBZ/DDR verhaftet, verurteilt, in ostdeutschen und sowjet. Lagern u.

          Gefängnissen inhaftiert (z.B. werden Helmut Hiller und sieben Mitangeklagte wg. Verbindung zum

          Ostbüro der SPD vom SMT Schwerin im Namen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken zu je

          25 Jahren Arbeitslager verurteilt, Hiller kommt 1962 durch „Freikauf“/Menschenhandel in die BRD,

          erhält von der SPD in Bonn für 12 Jahre Haft - wie die für das SPD-Ostbüro tätige Susanne Sievers für

          8 Jahre Haft - DM 100 (einhundert) Haftentschädigung (>11.12.1951) und prozessiert danach vor dt.

          Richtern mit wechselndem Erfolg gegen die SPD. Zitat Dr. K. Schumacher: „Mit tiefer Verehrung

          verneigen wir uns vor den Opfern des roten Faschismus. Die Sozialdemokratie hat ein Prinzip..: Die

          Kameradinnen und Kameraden nicht im Stich zu lassen.“); einmal fordert die DDR für den „Freikauf“

          eines „SPD-Ostbüro“-Mitarbeiters DM 1 500 000 von der BRD, die Kosten für die Steuerzahler werden

          auf DM 800 000 herunter gehandelt, das Ostbüro schliesst 1971 (>31.5.46/ 18.11.46/ 17.6.49/

          12.7.47/ 25.8.52/ 23.9.52/ 11.12.52/ 17.12.52/ 10.1955/ 17.4.57/ 1.6.57/ 1.12.57/ 7.12.66/ 17.12.99),

          SBZ; Berlin, die SPD-Falken Hans Leuendorf (18 J.) u. Dietrich Medenwald (20 J.) werden von sowjet.

          Geheimpolizei verhaftet (beide „sterben“ 1948 im NKWD-Lager Nr. 7 Sachsenhausen) (>9.9.48)

26.04. ABZ; EKD-Ratsvorsitzender Bischof Theophil Wurm unterschreibt Eingabe an die Alliierten gegen

          das Entnazifizierungsgesetz: „Unsere Bedenken richten sich gegen die Grundauffassung des ganzen

          Gesetzes. Das Gesetz steht nicht in allen Stücken im Einklang mit dem natürlichen Rechtsempfinden.

          Es beachtet nicht alle elementaren Rechtsgrundsätze, die die Rechtsordnung von Kulturstaaten kenn-

          zeichnen u. die ihre letzte Bindung an Gottes Gebot nicht verleugnen...“ (Bischof Wurm verkündete

          1937 öffentl., daß seine Württembergische Kirche ,judenreiner’ sei als irgendeine andere')(> 12.10.46)

30.04. BBZ; hannoverscher Landesbischof August Mahrarens verfaßt „um der Wahrheit willen“ eine

          Stellungnahme, wonach sich die SA nicht an Judenpogromen in 1938 beteiligt habe: „vielmehr wurden

          die Terrormaßnahmen von weitesten Kreisen ihrer Mitglieder mißbilligt und eine Beteiligung an ihnen

          geradezu abgelehnt...die Mitglieder der SA zum größten Teil vernünftig denkende Menschen und

          keine Parteifanatiker...waren. Sie erstrebten lediglich eine innere Erneuerung des deutschen Volkes

          auf vaterländischer Grundlage und wurden durch die spätere Entwicklung bitter enttäuscht...Weil sich

          hier eine Möglichkeit der christlichen Verkündigung bot, fanden sich auch überzeugte Christen und

          Theologen zur Mitgliedschaft in der SA bereit...Die Betrüger und nicht die Betrogenen darf die Schuld

          und die ganze Härte einer gerechten Strafe treffen.“

01.05. SBZ; Halle/Merseburg, Bericht des Magdeburger Bezirkspolizeipräsidenten Briesenbach an sowjet.

          General Gogunow u.a. „Selbst am Tag der Maifeier wurden am Vorabend gelegentlich des Nach-

          hausegehens im Anschluß an den Fackelumzug weibliche Personen verprügelt...Die weiblichen

          Bewohner werden ohne Rücksicht auf ihr Alter nach schwersten Mißhandlungen im Anschluß an die

          Ausplünderung ihrer Wohnungen vergewaltigt. (Offenbar wurde eine Bewohnerin erst erschossen u.

          dann vergewaltigt) Auch am Tage werden in städt. Anlagen immer gleich auch von mehreren Soldaten

          einzeln gehende Frauen nach Zerreißen ihrer Bekleidungsstücke 5-6mal hintereinander vergewaltigt.“

          Zusammenfassend berichtete der Polizei-Chef, im Raum Halle/ Merseburg seien vom 1.1. bis 3.5.46

          folgende schwere Verbrechen durch „Personen in sowjetischer Uniform“ begangen worden: 34 Morde,

          345 Einbrüche, 328 Raubüberfälle, 60 Eisenbahnüberfälle, 123 Rinderdiebstähle, 212 Körper-

          verletzungen - 10 davon mit Todesfolge - sowie 162 Vergewaltigungen (>06.1946/ 4.1.49/ 22.2.2002)

03.05. Frankreich; Straßburg, NSDAP-Gauleiter Baden-Elsaß u. Reichsverteidigungskommissar Robert

          Wagner (Zitat: „Widerstand bis zum letzten Küchenmesser“) wird zum Tode verurteilt (seine letzten

          Worte am 14.8.: „Es lebe Großdeutschland, es lebe Adolf Hitler, es lebe der Nationalsozialismus“)

3.5./12.11.48 Japan; Tokyo, im IMT-Hauptkriegsverbrecher-Prozeß werden alle 25 japan. Angeklagten

          schuldig gesprochen. Min.-Präs. Tojo Hideki, Außenmin. Koki Hirota und die Generale Kenji Doihara,

          Seishiro Itagaki, Haitaro Kimura, Iwane Matsui, Akire Muto werden zum Tode verurteilt und gehenkt,

          16 Angeklagte werden zu lebenslanger Haft verurteilt und nach 10 Jahren begnadigt (z.B. Außenmin.

          Mamoru Shigemitsu, Außenmin. Matsuoka war zuvor u. Gen. Umezu Yoshijiro war in Haft gestorben)

05.05. Iran; Abzug aller sowjet. Truppen

07.05. Niederlande; Den Haag, Hinrichtung v. Nationaal-Socialistische Beweging NSB-Führer Anton Mussert

          (ca. 200 000 niederländ. Nazi-Kollaborateure wurden verhaftet, ca. 200 werden zum Tode verurteilt)

9./10.5. BBZ; Hannover, 1.(Westzonen) SPD-Parteitag, Dr. K. Schmacher wird von den ca. 270 Delegierten - 

          unter ihnen als Vertreter der schwed. Exil-SPD Herbert Frahm genannt Willy Brandt - zum Vors. und

          Erich Ollenhauer als Stellvertr. gewählt, Dr. Kurt Schumacher fordert in Grundsatzrede den „demokrat.

          Staat mit sozialistischem Inhalt“ und bezeichnet SED-Mitgl. als „rotlackierte Nazis“ (>12.7.47/ 1.2.48)

14.05. SBZ; 2. Sitzung des Parteivorstands der SED, Beschluß „Der Aufbau des Schulungssystems der

          SED“ u.a. zu Parteihochschule „Karl Marx“ in Liebenwalde (Direktor/Rektor: Willy Kropp (1946-47),

          Carl Bose (1946-47), (1. Kurs von 141 Kadern an der ,PHS‘ beginnt bereits am 14.6.46) und zu

          Mitgliederschulung, Wochenendkursen, Kreisschulen und Landesschulen (>10.01.48/ 7.8.51)

16.05. ABZ; Kronberg/Taunus, US-Militärbischof Dr. Aloysius Muench wird Apostolischer Visitator u. Leiter

          der Päpstlichen Mission für die Flüchtlinge in Deutschland (der One World In Charity“-Fastenhirten-

          brief-Verfasser wird u.a. mit kath. Gnadengesuchen für Kriegsverbrecher wie Dr. H. Eisele, A. Greiser,

          O. Ohlendorf und O. Pohl genannt) (>14.7.46/ 11.4./14.8.47/ 15.9.47/10.4.48/ 7.11.49/ 9.3.51/ 7.6.51/

          19.2.52)

17.05. SBZ; Gründung Deutsche Film AG DEFA mit SMAD-Lizenz u. UFA-Ateliers (Direktoren bis 1990 u.a.

          Franz Bruk, Hans Klering, Hans-D. Mäde, Joachim Mückenberger, Hans Rodenberg, Sepp Schwab,.

          Albert Wilkening – alle SED) (>6./.9.6.47/ 4.11.47)

20.05. ABZ; Vorstellung des amerikan. Colm/Dodge/Goldsmith-Plan for the Liquidation of War Finances and

          the Financial Rehabilitation of Germany (Währungsreform) (>12.9.46/ 8.4.48/ 20.6.48), 

          SBZ; John-Brinckman-Schule Güstrow, die Schüler Klaus Frehse, Karl-Heinz Köhn, Manfred Kofahl,

          Willy Mense, Olant Ohde u. Joachim Rebs werden verhaftet, zuvor wurden bereits Karl Garbe und

          Werner Waßmann verhaftet, sie werden am 11.9.46 von SMT im Namen der UdSSR wg. „illegaler

          Gruppenbildung“ zu langen Haftstrafen verurteilt, Joachim Rebs überlebt als einziger (er wird am

          31.3.1995 vom Obersten Militärstaatsanwalt in Moskau rehabilitiert)  > verfolgte Schüler (>27.9.50),

          SBZ; Berlin-Köpenick, Gründung der provisorischen FDGB-Schule „Theodor Leipart“ 

21.05. SBZ; SMAD-Vorsitz. Marschall Wassili Sokolowski erklärt sowjet. Demontagen als beendet (beendet

          werden sie 1948. Allein 1945 vom sowjet. „Komitee für Beutegut“ enteignete, abtransportierte Edel-

          metalle, Zahlungsmittel, Sach- u. Kunstgegenstände, Bibliotheken, 450 000 Radios u. 60 000 Klaviere

          füllten ca. 400 000 Eisenbahnwaggons u. wurden auf RM 8 000 000 000 geschätzt) (>5.6.46/ 08.1953/

          30.11./3.12.98)

    05. SBZ; Landeswohlfahrtsverbände „Rettet das Kind“„Heim u. Arbeit“„Volkssolidarität gegen Wintersnot“

          werden „Volkssolidarität“ - „charakteristisch für ihre Arbeitsweise ist, daß sie bis April 1951 den Besitz

          politischer Flüchtlinge ohne Rechtsgrundlage und ohne ordnungsgemäße Buchführung übernahm und

          nach Gutdünken weitergab.“ mit gemeinsamen Zentralrat unter SPD-Wendehals u. SED-ZK-Mitgl.

          Helmut Lehmann - (später ca. 2 Mio. Mitgl., Lehmann wird MdL Thüringen, FDGB-Bundesvorst.,

          Volksrat-Mitgl., Sozialversicherungsvors., Held der Arbeit, Karl-Marx- u. VVO-Träger und mit einer

          generösen Ehrenpension als Kämpfer gegen den Faschismus) (>30.9.49/ 12.12.50/ 13.4.51/ 23.2.53)

22.05. SBZ; Sachsen, Provinzialverwaltung, „Gesetz zur Demokratisierung der dt. Schule für die Provinz

          Sachsen“ (Schulreform/ Neulehrer-Ausbildung/ Religionsunterricht wird aus Stundenplan entfernt u.

          zur alleinigen Verantwortung der Religionsgemeinschaften, andere SBZ-Provinzen erlassen in Folge-

          zeit gleichlautende Gesetze)  > verfolgte Schüler (>1.9.46/ 15.12.50/ 2.12.59/ 25.2.65),

          SBZ; Bernau/Bogensee, Eröffnung ,FDJ-Jugendhochschule beim FDJ-Zentralrat’ in NSDAP-Propa-

          gandamin. Dr. Goebbels Sommerhaus, ab 14.9.50 Jugendhochschule ,Wilhelm Pieck‘ (bis ’81 werden

          hier ca. 13 000 FDJ-Funktionäre ausgebildet), E. Honecker: „(damit wurde) unterstrichen, daß es hier

          um die Ausbildung und Erziehung junger Kommunisten ging, die im Auftrag der Partei die Ideen von

          Marx, Engels u. Lenin unter die Jugend tragen und sie zur aktiven Teilnahme am Kampf für Stärkung

          und den Schutz der DDR gewinnen würden.“ (Neues Deutschland, 16.9.1980)  > verfolgte Schüler,

          CSR; Prag, der an die Tschechoslowakei ausgelieferte, zum Tode verurteilte ex-NS-Staatssekretär u.

          Höhere SS- und Polizeiführer Karl Hermann Frank wird vor Tausenden Zuschauern öffentlich gehenkt

24.05. ABZ; Nürnberg, IMT, ex-Hitler-Jugendführer v. Schirach bekennt u.a. „Es ist meine Schuld, daß ich

          diese Jugend erzogen habe für einen Mann, der ein millionenfacher Mörder gewesen ist.“ (>30.9.46)

25.05. ABZ; wg. mangelnder sowjet. Interzonenhandelskooperation verfügt der stellv. US-Militärgouvernor

          General Lucius D. Clay eine Demontagen- /Reparationeneinstellung in die SBZ und UdSSR

28.05. Alliierter Kontrollrat beschließt die SED-Zulassung auch in West-Berlin (>15.2.69),

          ABZ; Heidelberg, Prof. Dr. Karl Jaspers Buch „Die Schuldfrage“ zur geistigen Situation Deutschlands

          definiert die individuelle kriminelle, politische, moralische und metaphysische Schuld - jetzt oder später

31.05. Berlin, Alliierte Kommandantur lässt SED und SPD in allen vier Sektoren zu (>16.6.48/ 23.8.61),

          SBZ; Brandenburg, Provinzialverw., Gesetz zur Demokratisierung der dt. Schule „Die neue demokra-

          tische Schule muß frei sein von allen Elementen des Militarismus…Sie muß so aufgebaut sein, daß

          sie allen Jugendlichen…das gleiche Recht auf Bildung und seine Verwirklichung…garantiert…“

          > verfolgte Schüler (>1.9.46/ 15.12.50)

01.06. Rumänien; Jilava, Hinrichtung von ex-Min.-Präs. Ion Antonescu und ex-Außenmin. Mihai Antonescu

04.06. SBZ; Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung-Präsident Paul Wandel u. Prof. Dr. Wilhelm Heise

          (seit 08.1945 Leiter der DZfV-Schulabteilung - beide SED) - informieren, daß in den SBZ-Ländern „der

          einheitliche Text eines Schulgesetzes angenommen“ ist: „Die Familie und die Kirche haben weiterhin

          ihre besonderen erzieherischen Aufgaben…Die Schule aber bleibt dem Staat“ (ohne parlamentarische